Cold Case aus 1955 - Vermisstenfall

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  • Xian2905
    Erfahrener Benutzer
    • 02.02.2024
    • 526

    #1

    Cold Case aus 1955 - Vermisstenfall

    Liebe Community,

    ich hoffe, dass mein Thema allgemein genug ist um es hier zu posten und hoffe ebenfalls auf Schwarmwissen bzw Schwarminput.

    Der Bruder meiner Großmutter - Friedrich "Fritz" Jakob Koschar -, geboren am 14. Juli 1930 in Sicheldorf (Südoststeiermark; Radkersburg) als Sohn von Johann Koschar und Johanna geb. Schreiber, gilt seit 1955 als vermisst.

    Auf Basis von Erzählungen - Fritz war jung, fit und gutaussehend (siehe Fotos) und (scheinbar) auch privat glücklich. Er hat dort seine damalige Verlobte Maria geb. Amort aus Tristach kennengelernt. Es war scheinbar von Heirat die Rede und auf Basis von Erzählungen war das Brautkleid bereits besorgt.

    Fritz arbeitete damals für die Tauernkraftwerke in Kaprun. Er hat am 2. April 1955 seine Arbeit verlassen und hätte am 4. April 1955 wieder zur Arbeit erscheinen sollen - tat er aber nicht. Man fand sein Motorrad in Zell am See abgestellt (laut Info meiner Großmutter sein ganzer Stolz). Gemäß Brief-Korrespondenz vom 17. April 1955 zwischen meiner Großmutter Maria Koschar und seiner Verlobten Maria Amort erhielt die Familie meiner Großmutter am Karfreitag 1955 (dies war der 8. April) ein mysteriöses Telegramm aus Obervellach mit Text "Fritz zu Hause, warte auf Antwort - Tom (?)".

    Es gibt Korrespondenz von der Gendarmerie Kaprun vom 10. Mai 1955 (scheinbar waren auch sämtliche Habseligkeiten im versperrten Spind) sowie von der Landesgendarmerie Salzburg vom 28.Juni 1955 - dort ua der Vermerk er hätte sich gegenüber seinen Arbeitskollegen geäußert, er wolle vom Heiraten nichts wissen. Ebenso angeführt eine Erhebungsnummer.

    Ein zweiter Brief aus Oktober 1955 zwischen meiner Großmutter und der Verlobten zeigt die Verzweiflung über das ungewisse Verbleiben auf....Scheinbar gab es auch den Verdacht er hätte sich ggf der Fremdenlegion angeschlossen.

    Seit damals gab es keinerlei Informationen zu seinem Verbleib sondern nur Spekulationen (Selbstmord, Mord, Unfall am Berg bzw bei der Arbeit, Fremdenlegion).....Für Tod wurde er scheinbar nie erklärt (ich hätte verstanden, da er unter 25 Jahre alt war ist eine Todeserklärung nicht möglich).

    Die Suchansätze waren damals begrenzt - seine Familie waren Landwirte. Scheinbar gab es einen Suchauftrag via Interpol - verlief aber im Sande.

    Durch Zufall haben sich die Nachfahren aus Tirol der oa ehemaligen Verlobten Maria Amort, die 2020 verstorben ist, bei meinem Onkel gemeldet, da sie Briefe zwischen meiner Großmutter und der Verlobten im Nachlass gefunden haben und diese dankenswerterweise persönlich übergeben haben.

    Ich nehme gerne jeden Input zu Such- und Rechercheansätzen diesbezüglich.

    Attachments:
    • Briefkorrespondenz April 1955
    • Gendarmerie Korrespondenz Kaprun Mai 1955
    • Gendarmerie Korrespondenz Salzburg Juni 1955
    • Briefkorrespondenz Oktober 1955
    • Fotos
    Lg
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Friedrich; 10.02.2026, 23:44. Grund: Geburtsdatum korrigiert (Mod)
  • Geufke
    Erfahrener Benutzer
    • 20.01.2014
    • 1135

    #2
    Moin, falls er sich der Fremdenlegion angeschlossen hat, dann hat er eventuell eine neue Identität bekommen. Das könnte die Suche problematisch gestalten. Weiß nicht, ob es sich lohnt, mal nachzufragen? https://www.legion-etrangere.com/mdl...titre=Contacts Ansonsten versuche, an die Ermittlungsakten der Gendarmerie zu kommen, falls vorhanden. Sollte er Selbstmord begangen haben, müsste es ja eigentlich auch irgendwie Nachrichten gegeben haben, vielleicht in Zeitungen der Umgebung, in denen von aufgefundenen Toten mit ungeklärter Identität berichtet wird. Das wären so einige Ideen von mir...
    Viele Grüße, Anja

    Noch immer verzweifelt gesucht: Hans (evtl. Johannes) Georg Timm, um 1930 in und um Parchim

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    • Geschichtensucher
      Erfahrener Benutzer
      • 03.09.2021
      • 1140

      #3
      Nur eine Kleinigkeit: könnte es statt "Tom" auch "Toni" heißen?
      Beste Grüße, Iris

      Kommentar

      • scheuck
        Erfahrener Benutzer
        • 23.10.2011
        • 5431

        #4
        Zitat von Geschichtensucher
        Nur eine Kleinigkeit: könnte es statt "Tom" auch "Toni" heißen?
        Ja, ich denke auch; das i-Pünktchen ist wohl ein "i-Strich" geworden. Zu einem "m" wie in Tom passt das nicht so ganz. - Vergleichsweise gibt es mehrere "i-Striche".
        Sagt Dir "Toni" irgendwas, Xian? - Kann natürlich "Anton" bzw. "Antonia" sein .
        Zuletzt geändert von scheuck; 28.01.2026, 22:55.
        Herzliche Grüße
        Scheuck

        Kommentar

        • Xian2905
          Erfahrener Benutzer
          • 02.02.2024
          • 526

          #5
          Zitat von Geufke
          Moin, falls er sich der Fremdenlegion angeschlossen hat, dann hat er eventuell eine neue Identität bekommen. Das könnte die Suche problematisch gestalten. Weiß nicht, ob es sich lohnt, mal nachzufragen? https://www.legion-etrangere.com/mdl...titre=Contacts Ansonsten versuche, an die Ermittlungsakten der Gendarmerie zu kommen, falls vorhanden. Sollte er Selbstmord begangen haben, müsste es ja eigentlich auch irgendwie Nachrichten gegeben haben, vielleicht in Zeitungen der Umgebung, in denen von aufgefundenen Toten mit ungeklärter Identität berichtet wird. Das wären so einige Ideen von mir...
          Mein erster Ansatz wären die Ermittlungsakten; momentan bin ich aber noch ratlos an welche Stelle ich mich hier wenden müsste - Gendarmeriekommanden gibt es ja nicht mehr - die Erhebungsnummer auf dem einem Schreiben wäre zumindest ein Suchansatz. Hat jemand eine Idee?

          Ich glaube auch, dass eine Anfrage bei der Fremdenlegion wenig Erfolg haben wird. Mir sollen demnächst noch Briefe zwischen Fritz und seiner Verlobten übergeben werden - da sollte es anscheinend einen möglichen Hinweis auf die Legion geben. Ich wäre ja schon zufrieden mit einer Antwort ja, die Person hat sich bei uns gemeldet oder nein, wir haben keinen Eintritt(sversuch) verzeichnet.

          Das Telegramm passt gar nicht in die ganze Sache; ich denke auch eher Toni statt Tom heißen wird. Nein, der Name sagt mir nichts und anscheinend sagte er meiner Großmutter auch nichts - insbesondere auch der Ort Obervellach passt nicht wirklich.

          Das Motorrad in Zell am See könnte eventuell ein Hinweis sein, er hat einen Zug bestiegen - wenn man damals von Kaprun nach Frankreich gewollt hätte, wäre das naheliegend ... keine Ahnung

          Ich habe in der Zwischenzeit mit der Bergrettung Salzburg Kontakt aufgenommen, ob es jemals einen Suchauftrag oder Kontakt seitens der Polizei/Familie gab. In der Liste der Verunglückten im Kaprunertal https://www.bergrettung-salzburg.at/...liste_2023.pdf war natürlich kein Hinweis zu finden. Die Bergettung hat dankenswerterweise rasch zurückgeschrieben, dass sie im Jahr 1955 von niemanden mit diesem Thema konfrontiert wurden - was ich auch seltsam finde...

          Kommentar

          • Kaisermelange
            Erfahrener Benutzer
            • 09.11.2020
            • 1329

            #6
            Zitat von Xian2905

            Mein erster Ansatz wären die Ermittlungsakten; momentan bin ich aber noch ratlos an welche Stelle ich mich hier wenden müsste - Gendarmeriekommanden gibt es ja nicht mehr - die Erhebungsnummer auf dem einem Schreiben wäre zumindest ein Suchansatz. Hat jemand eine Idee?
            Hallo,
            ich würde beim
            Bundeskriminalamt
            Referat 3.2.3 Cold Case Management (CCM)
            Josef-Holaubek-Platz 1
            1090 Wien
            Österreich
            anfragen.
            Grüße Kaisermelange

            Kommentar

            • scheuck
              Erfahrener Benutzer
              • 23.10.2011
              • 5431

              #7
              Dieses Telegramm ist merkwürdig, aber ....

              Gemäß Brief-Korrespondenz vom 17. April 1955 zwischen meiner Großmutter Maria Koschar und seiner Verlobten Maria Amort erhielt die Familie meiner Großmutter am Karfreitag 1955 (dies war der 8. April) ein mysteriöses Telegramm aus Obervellach mit Text "Fritz zu Hause, warte auf Antwort - Toni

              Wir kennen das Telegramm im Original nicht; es wäre aber nicht mehr ganz so merkwürdig, wenn dort gestanden hätte "Fritz zu Hause? Warte auf Anrwort" - Da macht sich also Toni am 08.04. Sorgen ....

              Diese/dieser Toni muss ja die Anschrift der Großmutter gekannt haben, ansonsten hätte man kein Telegramm zustellen können. Anders herum, wenn man eine Antwort erwartet, setzt das auch voraus, dass die an die richtige Adresse kommt, nämlich an "Toni aus Obervellach".

              Vollkommen falsch gedacht?
              Herzliche Grüße
              Scheuck

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              • Xian2905
                Erfahrener Benutzer
                • 02.02.2024
                • 526

                #8
                Zitat von Kaisermelange
                Hallo,
                ich würde beim
                Bundeskriminalamt
                Referat 3.2.3 Cold Case Management (CCM)
                Josef-Holaubek-Platz 1
                1090 Wien
                Österreich
                anfragen.
                Grüße Kaisermelange

                Danke; ich hab dort mal hingeschrieben. Auch das Wiener Stadt- und Landesarchiv (Rückmeldung; ohne Aktenzahl kein Suchen....) sowie das Salzbuger Landesarchiv.

                Die Erhebungsnummer aus Salzburg ist mein einziger Anhaltspunkt....

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                • Xian2905
                  Erfahrener Benutzer
                  • 02.02.2024
                  • 526

                  #9
                  Zitat von scheuck
                  Dieses Telegramm ist merkwürdig, aber ....

                  Gemäß Brief-Korrespondenz vom 17. April 1955 zwischen meiner Großmutter Maria Koschar und seiner Verlobten Maria Amort erhielt die Familie meiner Großmutter am Karfreitag 1955 (dies war der 8. April) ein mysteriöses Telegramm aus Obervellach mit Text "Fritz zu Hause, warte auf Antwort - Toni

                  Wir kennen das Telegramm im Original nicht; es wäre aber nicht mehr ganz so merkwürdig, wenn dort gestanden hätte "Fritz zu Hause? Warte auf Anrwort" - Da macht sich also Toni am 08.04. Sorgen ....

                  Diese/dieser Toni muss ja die Anschrift der Großmutter gekannt haben, ansonsten hätte man kein Telegramm zustellen können. Anders herum, wenn man eine Antwort erwartet, setzt das auch voraus, dass die an die richtige Adresse kommt, nämlich an "Toni aus Obervellach".

                  Vollkommen falsch gedacht?
                  Der Satz im Bf - "ob dieses Telegramm mit dem Verschwinden zusammenhängt" legt für mich die Vermutung nahe, man konnte das Telegramm nicht wirklich einordnen.... Es wurde der Gendarmerie übergeben; würde dann wohl im Ermittlungs/Erhebungsakt vorliegen.....

                  Toni könnte natürlich auch einer der Arbeitskollegen gewesen sein...

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                  • scheuck
                    Erfahrener Benutzer
                    • 23.10.2011
                    • 5431

                    #10
                    Hoffen wir also auf Akten!!!
                    Herzliche Grüße
                    Scheuck

                    Kommentar

                    • Xian2905
                      Erfahrener Benutzer
                      • 02.02.2024
                      • 526

                      #11
                      Ja, falls es noch welche gibt und man die überhaupt einsehen darf 😅

                      Kommentar

                      • scheuck
                        Erfahrener Benutzer
                        • 23.10.2011
                        • 5431

                        #12
                        Ich drücke schon mal die Daumen!!!!!
                        Herzliche Grüße
                        Scheuck

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                        • Xian2905
                          Erfahrener Benutzer
                          • 02.02.2024
                          • 526

                          #13
                          Zitat von Kaisermelange
                          Hallo,
                          ich würde beim
                          Bundeskriminalamt
                          Referat 3.2.3 Cold Case Management (CCM)
                          Josef-Holaubek-Platz 1
                          1090 Wien
                          Österreich
                          anfragen.
                          Grüße Kaisermelange
                          nice try aber natürlich Rückmeldung, dass derartige Anfragen nicht entgegengenommen werden; ich solle mich an eine lokale Polizeidienststelle wenden .... naja

                          Kommentar

                          • Kaisermelange
                            Erfahrener Benutzer
                            • 09.11.2020
                            • 1329

                            #14
                            Hallo,
                            hast du nachgefragt, ob der Akt dort lagert? Antwort auf deine Nachfrage klingt nach Standardschreiben, nach dem Motto, wer wagt es mich zu quälen vor dem Wochenende.
                            Gerichtsakten lagern normalerweise nach 50 Jahren im jeweiligen Landesarchiv, ob dort die Ermittlungsakten auch lagern, weiß ich nicht.
                            Grüße Kaisermelange

                            Kommentar

                            • Balthasar70
                              Erfahrener Benutzer
                              • 20.08.2008
                              • 3193

                              #15
                              Hallo in die Runde,

                              schaut man sich die Orte und den zusammenfassenden Text an, ergeben sich noch Fragen bzw. Hinweise:

                              1. Das Tauernkraftwerk wurde Sptember 1955 in Betrieb genommen. https://www.youtube.com/watch?v=nZSOMQ2YWP0 https://www.youtube.com/watch?v=NYLCwIa9Jeo
                              Es gab dort eine Baracke als Unterkunft. Was war sein Beruf? War es eine Art Baumontagezeit?
                              Dann wird bevor gestanden haben, dass seine Arbeit dort bald endete, ein neuer Lebensabschnitt begann.
                              Die Bezahlung für Arbeiter am Tauernkraftwerk war gemäß Recherche wohl überdurchschnittlich.
                              2. Wo lag zu dieser Zeit sein ständiger Wohnort, in Sicheldorf, in Zell am See oder in der Baracke in Kaprun?
                              3. Er führte sicher eine Fernbeziehung mit der Maria AMORT aus Tristach, bei der Distanz. Wurde denn überprüft, ob kirchliche und/ oder standesamtliche Aufgebote tatsächlich schon gemacht waren?
                              4. Der Weg zwischen Kaprun und Zell am See ist kurz. Zell am See hat sowohl Seilbahnen in die Berge als auch ein großes Gewässer. Im Frühling sicher reizvoll für einen Ausflug am Wochenende. Womöglich unternahm er einen solchen allein, und ging verlustig. Dass er auf einem Feste/ in einer Gastronomie war, kann man wohl ausschließen, dann gäbe es Freunde, die ihn vermisst hätten.
                              5. Auf welche Art würde man 1955 reisen, wenn man sich ins Ausland absetzen wollte, mit der Bahn, mit dem Bus? Wäre Zell am See der geeignete Start-Ort? Würde man sein geliebtes Motorrad in solch einem Fall einfach auf dem Parkplatz stehen lassen?
                              Zur Fremdenlegion noch ein Link: https://amicale-legion-etrangere.com/kontakt/
                              6. Ja, und dann gibt es noch Toni aus Obervellach. Wenn Fritz seinen Hauptwohnsitz noch in Sicheldorf hatte, würde es Sinn machen, ein Telegram dorthin zu senden und (bei ihm) nachzufragen, ob er dort angekommen ist.
                              7. Es ging ihm für die Nachkriegsverhältnisse gut, man konnte sich schließlich schon eine Reise nach Venedig gönnen.
                              8. Habt Ihr Euch mit der Familie von Maria AMORT mal ausgetauscht? Von den in #38 erwähnten Geschwistern leben in 2020 noch 5 Schwestern. Wenn das man nicht die beste Quelle für neue Erkenntnisse ist!
                              9. Es gab nach Literaturquellen früher zum Tauernkraftwerk Kaprun ein TKW-Archiv, das nach Übernahme durch die Verbund AG wohl in das VERBUND-Archiv überführt wurde. Dieses soll betriebseigene, historische Unterlagen beinhalten (oder beinhaltet haben). Dem Ansatz könnte man noch nachgehen. https://www.verbund.com/de/konzern/impressum
                              10. Es besteht die Möglichkeit (siehe #25), dass er eine Beziehung zu einem Mann (Toni?) pflegte. Dann hätte er möglicherweise unter einem hohen Entdeckungsdruck (ggf. Erpressungsdruck) gestanden. Dafür stand in dieser Zeit noch Gefängnisstrafe und hohe gesellschaftliche Repression, noch dazu in dieser kleinstädtischen bzw. dörflichen Gegend. Österreich hatte in den 1950er Jahren eine sehr hohe Verfolgungsintensität im Vergleich westlicher Staaten. Weiterhin muss man sich fragen, warum DREI Kollegen aussagen, dass von ihm MEHRFACH beteuert wurde "Er (Fritz) wolle vom Heiraten nichts wissen." Sind solche Themen tatsächlich Schwerpunktthemen unter Männern am Bau?!
                              Zuletzt geändert von Balthasar70; 31.01.2026, 09:59.
                              Gruß Balthasar70

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