Die Sache mit den Konfessionen oder das Brett vor dem Kopf

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  • Hina
    Erfahrener Benutzer
    • 03.03.2007
    • 4772

    #1

    Die Sache mit den Konfessionen oder das Brett vor dem Kopf

    Oh je, ich habe da so einen ewigen Hänger "Helbig". Bis den Namen der Großeltern meiner mütterlichen Großmutter ja alles kein Problem aber dann endete meine Suche in Wurzen und ich ließ es lange liegen. In den letzten Tagen machte ich mich wieder daran und dann hing ich plötzlich in Dresden fest. Dank Eurer Lesehilfe tastete ich mich immer weiter an den Großvater ran, letztendlich wusste ich, dass er Kazlist beim Appellationsgericht in Dresden war und über die Adressbücher und einen Heiratseintrag eines Sohnes kam ich auch an sein Todesjahr 1870 heran. Dann vergrub ich mich bei Archion in die Kirchenbücher, um seinen Sterbeeintrag zu finden. Nichts, nirgendwo. Ich suchte mich dumm und dämlich, nichts. Wie kann das sein, der ist eindeutig im Januar 1870 in Dresden gestorben. Heute Nacht kam mir dann ein scheinbar absurder Gedanken. Der Kerl war vielleicht gar nicht evangelisch und ich suche immer an der verkehrten Stelle. Volltreffer, ich fand ihn bei den Katoliken und dass er aus Leipzig stammte. Dort war es dann ein Kinderspiel. Der Vater war aus Fulda als "katholischer Diener zu Leipzig" zugewandert, schon da war es eine Mischehe, denn die Frau war lutheranisch, beim Sohn dann das Gleiche.

    Was lehrt mich das? Es gab auch schon zu früherer Zeit durchaus Mischehen, auch über mehrere Generationen. Also nicht enttäsucht sein, wenn man die Leute bei der einen Kofession nicht findet, man hat immer noch eine weitere Chance.
    "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
  • Falke
    Erfahrener Benutzer
    • 15.01.2013
    • 909

    #2
    Dem kann ich mich nur anschließen. Ich hatte auch gerade eine Serie, wo es munter durcheinander geht. Und gefühlt habe ich immer in der falschen Konfession mit der Suche begonnen.
    Viele Grüße
    Karen

    Meine Haupt-Namen: Spilker, Heysen, Bolbrügge, Schumacher, Ditzell, Wegner, Olbert, Melzer

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    • Elfchen21
      Erfahrener Benutzer
      • 06.12.2012
      • 101

      #3
      Glückwunsch zum Durchbruch! Mir ist das auch schon passiert. Ich hing ewig bei einem Ururgroßvater, der katholisch heiratete und beerdigt wurde, aber evangelisch getauft worden war. Wer ahnt sowas? Die Eltern waren ein ökumenisches Paar und heirateten 1820 standesamtlich im Elsass. Das erste Kind, mein Urgroßvater, wurde evangelisch im Heimatort der Mutter getauft. Man zog um und taufte alle weiteren Kinder katholisch. Es gibt nix, was es nicht gibt.
      Forsche u.a. in: M'Gladbach u. Niederkrüchten: Lenzen, Gerards, Michiels; Baden/Elsaß: Schneider, Tschamber; Bensberg/Kürten: Krauhs, Rottländer; Sinzig/Ahr: Schmickler, Fuchs, Decker; Partenstein: Kunkel, Mehrlich; Niederbayern: Gierlinger, Wittenzellner; Sachsen: Meinig, Schlegel

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      • Hina
        Erfahrener Benutzer
        • 03.03.2007
        • 4772

        #4
        Ja, das ist wirklich zum Haare raufen manchmal. Mir kam das überhaupt nur in den Sinn, weil mir irgendwie in Erinnerung kam, dass meine Großmutter mal erwähnte, die Helbigs wären katholisch. Das war aber in meiner Kindheit und uninteressant und ging in der Erinnerung verloren und plötzlich kam jetzt der Gedanke wieder. Wieso sagte die das, wenn die doch evangelisch waren oder hatte ich das falsch in Erinnerung? Scheinbar wohl nicht.
        "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann

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        • TG23
          Erfahrener Benutzer
          • 03.11.2023
          • 272

          #5
          Oh ja da kann ich auch mit dienen.

          Mit selbst gemischtkonfessionellen Eltern war mir immer eingebläut worden dass das bis zu den 1980/1990er Jahren ein Nogo war. Die Ahnenforschung hat mir dieses Vorurteil dann ziemlich schnell ausgetrieben. Der bisher absolute Spitzenreiter ist ein preußischer Soldat (*1750) in einem auch überwiegend evangelischem Gebiet der zwischen 1776 und 1797 insgesamt drei mal heiratete und dann insgesamt 13 Kinder hatte (soviele habe ich bisher jedenfalls gefunden). Mal ist die Ehefrau evangelisch, mal katholisch. Mal sind die Kinder lutherisch, mal katholisch, mal reformistisch getauft. Nicht mal einheitlich innerhalb einer Ehe. Ich vermute aber mal er kannte es auch nicht anders. Bin seinen Eltern noch nicht ganz auf der Spur habe allerdings die starke Vermutung dass auch seine Mutter reformistisch war, der Vater katholisch. Falls sich das bewahrheitet hätten die Eltern zuerst lutherisch geheiratet, und dann noch einmal katholisch. Die Kinder sind dann katholisch getauft, die Witwe heiratet nach seinem Tode reformistisch. Ein absolutes Chaos.

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          • Hina
            Erfahrener Benutzer
            • 03.03.2007
            • 4772

            #6
            Oh je, da kommt wirklich Freude auf beim Forschen
            "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann

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            • haertlin
              Benutzer
              • 05.05.2025
              • 59

              #7
              Ich habe ähnliches, aber immerhin stand die Konfession immer wieder dran. Ich glaube, wer einmal die Vorurteile gegenüber anderen Konfessionen aufgegeben hatte, konnte das alles nicht mehr so ernst nehmen.

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              • Ysabell
                Erfahrener Benutzer
                • 23.09.2008
                • 326

                #8
                Ich kenne das Dilemma zwar nicht mit gemischten Konfessionen, aber mit einer Scheidung.
                Johann, ein kleiner Tischler und Catharina heiraten 1802 und bekommen bis 1812 5 Kinder. 1814 heiratet Johann erneut. Ganz klar, Catharina muss verstorben sein. Weder ungewöhnlich noch sonst wie Bemerkenswert. Nur ließ sich nirgendwo ein Sterbeeintrag finden. Nicht im Wohnort, nicht in den umliegenden Kirchspielen, in den Wohnorten von Verwandten, die sie vielleicht besucht haben könnte. 1 1/2 Jahre lang habe ich nach diesem Sterbeeintrag gesucht. Und irgendwann, beim durchblättern des Kirchenbuches stolpere ich zufällig über ihren Sterbeeintrag. Im Jahr 1848 wo sie als die seit über 30 Jahren von ihrem Ehemanne geschiedene Catharina genannt wird.

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                • Hina
                  Erfahrener Benutzer
                  • 03.03.2007
                  • 4772

                  #9
                  Oh das sind wirklich echte Stolperfallen.

                  Ich habe heute die richtige Härte gehabt. Also diesmal war ich bei Archion richtig aber ich konnte ums Verrecken nicht den Eintrag finden, obwohl ich genau wusste, dass ich das korrekte Datum haben aber sicherheitshalber schaut man ja dann noch mehr durch, wenn man nichts findet. Irgendwann hatte ich dann das ganze Kirchenbuch durch, von der Familie nicht die geringste Spur. Ich schließe das KB und schaue nochmal auf die Liste, gibt es doch glatt zwei KB aus der Zeit, einmal lutheranisch einmal reformiert. Tja, ich hatte bei den Lutheranern geschaut und er war reformiert. Peng, wieder ein Brett vor dem Kopf.
                  "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann

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                  • consanguineus
                    Erfahrener Benutzer
                    • 15.05.2018
                    • 7703

                    #10
                    Bin ich (aus Sicht des Ahnenforschers) froh, unter tausenden von Vorfahren nicht einen einzigen Katholiken zu haben. Bis auf die vorreformatorischen Ahnen natürlich. Aber die hatten ja keine Alternative...
                    Daten sortiert, formatiert und gespeichert!

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                    • Hina
                      Erfahrener Benutzer
                      • 03.03.2007
                      • 4772

                      #11
                      Zitat von consanguineus
                      Bin ich (aus Sicht des Ahnenforschers) froh, unter tausenden von Vorfahren nicht einen einzigen Katholiken zu haben. Bis auf die vorreformatorischen Ahnen natürlich. Aber die hatten ja keine Alternative...
                      Oh Du Glückliche . Ich habe gerade eben wieder so einen "fliegenden Wechsel". Umzug von Mainz nach Meiningen, und mal eben noch katholisch, jetzt sind wir Protestanten . Ich hatte vor Jahren die Ahnen meines Vaters zusammengetragen, die sind zu 100 % katholisch, da stellte sich die Frage gar nicht erst. Mein armer Vater wurde sogar noch in eine Jesuitenschule gesteckt. Er hat um alles in der Welt verhindert, dass wir getauft wurden . Und jetzt bei meiner Mutter ein heiden Durcheinander. Ich habe da nun auch schon sehr viele Ahnen zusammengetragen aber kaum mal eine zweite Generation war am gleichen Fleck, das waren extreme Zugvögel. Mein Mann witzelt schon rum, seine Kleinbauern waren extrem bodenständig und immer Protestanten, bei mir ist aber kein einziger Bauer, den es auf der Scholle halten könnte.
                      Zuletzt geändert von Hina; 05.01.2026, 00:06.
                      "Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann

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                      • Wolfg. G. Fischer
                        Erfahrener Benutzer
                        • 18.06.2007
                        • 5537

                        #12
                        Ich war überrascht, wie oft im 17. und 18. Jahrhundert der ev. Pfarrer nicht vermerkte, wenn seine Schäfchen eigentlich katholisch waren.

                        In der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert taucht dann manchmal die Schwierigkeit auf, dass die Menschen freikirchlichen Gruppen angehörten.

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                        • consanguineus
                          Erfahrener Benutzer
                          • 15.05.2018
                          • 7703

                          #13
                          Zitat von Hina
                          Und jetzt bei meiner Mutter ein heiden Durcheinander.
                          No pun intended?

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                          • Friedrich
                            Moderator

                            • 02.12.2007
                            • 11600

                            #14
                            Moin zusammen,

                            richtig schön wird das dann, wenn man eine Mischehe hat (Mitte 19. Jh.), in der zwar alle Kinder katholisch getauft wurden, die Söhne es auch blieben, aber die Töchter nachweislich evangelisch wurden (oder trotz katholischer Taufe als solche angesehen wurden).

                            Friedrich
                            "Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."
                            (Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)

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                            • Eva64
                              Erfahrener Benutzer
                              • 08.07.2006
                              • 840

                              #15
                              Zum ersten Mal traf ich auf Konfessionen Durcheinander, als ich die Vorfahren meines Mannes aus Elsenz (heute Stadtteil von Eppingen) zusammentrug. Dort gab es einen ständigen Wechsel zwischen katholisch, reformiert und lutherisch. Zum Glück hatte da schon Herr Rössler Vorarbeit geleistet mit einem Ortsfamilienbuch... Seitdem bin ich tiefenentspannt

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