Lesehilfe: Brief aus Ostpreußen im Juli 1946

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  • Offshorer
    Erfahrener Benutzer
    • 19.01.2026
    • 109

    #1

    [gelöst] Lesehilfe: Brief aus Ostpreußen im Juli 1946

    Liebe Expertinnen und Experten,

    ich benötige Eure Lesehilfe bei einem Brief aus dem Nachlass meines Großvaters Bruno.

    Das für Interessante, ist der Ort Markthausen und Kombination mit dem Datum 28.07.46 (sofern ich die erste Zeile richtig entziffert habe).

    Markthausen hieß, laut meiner Recherche, bis zum Jahr 1938 Popelken und ist somit der Geburtsort meines Urgroßvaters (Franz Sahmel). Laut einer Karte von Ostpreußen der 1930er Jahre liegt Markthausen in unmittelbarer Entfernung zum Geburtsort meines Großvaters. Wer mag ihm im Juli 1946 aus der Sowjetunion geschrieben haben?

    Herzlichen Dank im Voraus!

    Gruß, Jan
    Angehängte Dateien
    Zuletzt geändert von Offshorer; 23.01.2026, 12:16.
  • jebaer
    Erfahrener Benutzer
    • 22.01.2022
    • 4914

    #2
    Hallo Jan,

    aufgrund Deiner Fragestellung bin ich mir nicht ganz sicher, ob Du mit der Situation zum Ende der Naziherrschaft vertraut bist.
    Der Absendeort Popelken/Markthausen war seit damals sowjetisch:


    Ich fang mal an mit dem Brief. Alles noch mit Vorsicht zu genießen:

    Markthausen, d. 28.7.46
    Mein liebes Brunche
    Endlich habe ich Post erwartet, dachte immer
    Du bist tot. ich träumte nämlicjh vorigtes(?) Jahr, den
    18. Februar ich bekäm von Dir Post nur ein Blättchen
    und da stand oben werde übermorgen befördert
    Dein Sohn Bruno. Wurdest Du den 20. befördert?
    Nein liebes Brunche wie ich sehe bist Du nicht in
    Gefangenschaft sondern freier Mann. Herbert Kaufmann
    ist in Amerikanische Gefangenschaft. Arbeitest Du in
    eine Fabrik? Denn Frau Scheel in Löwenthal hatte
    den Brief eingelöst und gab ihr mit ließ grüßen
    Falz kaum lesbar
    Liebes Brunche lege doch Briefmarken ein mußt Dich
    .. erkundigen sie sollen sie eintauschen denn wenn
    man den Brief bekommt kostet 1 Rubel schickt man
    ab kommt wieder 1 Rubel. Ich arbeite nchts bekomm
    auch nichts kein Geld auch keine Verflegung schon
    einige Wochen. Bin jetzt zu Berta Kaufmann
    hingezogen im Müllerschen Haupthause(?) .........
    ... dorf wohnen die Russen. Wir warten
    immer die sollen rauskommen dafür kommen
    Zivilrussen. Den Brief schickt Berta Kaufmann
    zu Fr. Schwebig(?) hin sie schreibt ihr zurück deswegen
    bekommst Du von ihr den Brief dann brauche ich
    keine Rubel


    Ja liebes Brunche wir sind alle so arm hier Lumpen
    suchen wir uns zusammen und nähen viel.
    .... der Russe hat uns alles weggenommen
    und jetzt stihlt noch ein Deutscher dem andern weg
    was er hat. Nun will ich Dir schreiben wie mir
    gegangen ist. Sonnabend d. 19.1.45 Nachmittag 3 Uhr
    sollte unser Auto nach .....itten(?) fahren da schoß
    der Russe soviel mit Bordwaffe(?) es ging nichts mehr
    um 4 Uhr war der Panzerschütze ... unser Militär heute
    ab zur Feld nach Tag...(?). Hier waren viel geblieben
    sogar der junge Schmidt. Der ist jetzt in Labiau die alte
    Fr. Schmidt ist tot auch Kaufmanns .....(?) Fr. Merkinat(?) Fr
    Holz Rufus Kloß Miluhn
    g
    früh nach Litt....(?) und blibe bis 1. Mai bei Hutedorf
    Dann kam ich zurück und war mit Fr. H...dorf Sch...
    Keykebusch
    Hause zusammen
    keine Sachen die ..... .... die Russen nach Russland hin
    was gut ist. Bis Dezember habe ich gearbeitet dann ging
    ich im Februar im .....schen Hause um
    4 Waisenkinder
    ich bis vor ... Wochen. Jetzt ist der Verband aufgelöst
    jetzt gibt niichts da zog ich weg. Vor Ostern bekam ich
    Tiphus lag 5 Wochen fest zu Bett und bin heute
    noch ein Krüppel .... .... gesund denn arbeiten
    kann ich nicht


    LG Jens
    Zuletzt geändert von jebaer; 21.01.2026, 04:57.
    Am besde goar ned ersd ingnoriern!

    Kommentar

    • Offshorer
      Erfahrener Benutzer
      • 19.01.2026
      • 109

      #3
      Vielen Dank für deine Mühe Jens!
      Mir sind viele Sachverhalte / der geschichtliche Kontext nun viel klarer. Der Brief stammt von meiner Urgroßmutter (Emma Sahmel) an meinen Großvater (Bruno Sahmel, daher die Koseform "Brunche"). Ich dachte immer, dass meine Urgroßmutter auf der Flucht aus Ostpreußen verschollen / gestorben ist und ein Großvater keinen Kontakt mehr hatte. Nochmals herzlichen Dank, dass du mit deiner Arbeit zu (m)einem besseren Verständnis beigetragen hast, dass bedeutet mir sehr viel!

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