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  #1  
Alt 22.01.2014, 10:14
Benutzerbild von Lewh
Lewh Lewh ist offline männlich
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Registriert seit: 18.07.2013
Beiträge: 1.259
Standard Verfolgung einer Person über mehrere Orte - sozialer Abstieg?

Hallo,
ich interessiere mich für einen gewissen Jacob/Jakob Heims/Heimer. Er gehört zwar nicht zur direkten Linie aber ist definitiv ein Verwandter meines zurzeit Meistgesuchten. Ich hoffe das er mich vielleicht irgendwann zum Gesuchten führt.

Der ersten beiden Einträge stammen aus Erxleben und Bregenstedt. Sie liegen mir bisher nicht im Original vor (Infos aus den jeweiligen OFB).
Am 03.09.1748 wird in Erxleben sein Sohn Johann Heinrich Heim geboren.
Am 25.07.1753 wird in Bregenstedt(Nachbarort zu Erxleben) seine Tochter Dorothea Maria Heim geboren.
Jacob ist bei beiden Einträgen beschrieben als Brauermeister in Erxleben.

Im Taufeintrag zur letztgeboren Kind meines direkten Vorfahren Heinrich Heim/er im Jahr 1748 der mir vorliegt, taucht Jacob als Taufzeuge auf. Er wird als Braumeister und Cammerherr zu Erxleben bezeichnet. Hier der Wortlaut (Lesehilfe):

[D. 9. Apr]il gegen Abend gebohren
[Heinrich] Heims, Häußlings alhir
[Tochter u.] D. 12. h[u]j[us] getauft.
[Gevat]tern
[1.)]???[So]fia Mertens
?????s Leinewebers
2.) Jungfr. Maria Elisabeth
Gronaus, Arbeitsmanns u. Häus[lings]
alhir eheleibl. Tochter
3.) Jungfr. Dorothea Schuldts
Mstr. Christian Schuldts, Leinweber
u. Häußlings alhir eheleibl.Tochter
4.) Jacob Heims, BrauMeister
u. Cammerherr, Stifte zu Erxleben
5.) Johann Heinrich Kucher
Dienstknecht bey Mstr. Schmidten
Schaafmeister u. Krüger alhir
Catharina Maria Sophia


Nach 1753 verschwindet er (soweit bekannt) aus der Gegend.
1755 taucht er in Mariental wieder auf bei der Geburt eines weiteren Sohnes. Hier wird er als Braumeister in Mariental bezeichnet. Hier der Wortlaut (Lesehilfe):

D 21st Decembr: ist dem Braumeister zu Ma-
rienthal Jakob Heimers ein Sohn gebohren
und d 25st dito getauft worden.
Pathen sind:
1)Mons[ieur]: Just Schmalbruch, Verwalter bey
d[em] H[errn] Amtmann Stolze
2) Mademoiselle Heinriette Mitgau
3)Frau Caroline Säugere Haushälterin
bey d[em] H[errn] Amtmann Stolze
Das Kind heißt Friedrich Just Carl


Nach 1755 ist in Mariental nichts mehr über ihn zu finden.

In Helmstedt habe ich anschließend eine Reihe von Einträgen gefunden die sich mit einem Jacob Heim befassen nur das dieser Arbeitsmann und Tagelöhner ist.

1758 in Helmstedt (Lesehilfe):

Eod. die [16. Sept.]
hat Jacob Heim ein Sohnl.[ein] Johannes
Heinrich zu St: Walpurgis begraben
lassen alt 10 Jahr


Hier war es strittig ob der Nachname so stimmt. Inzwischen bin ich mir relativ sicher. Hinzukommt dann dieser Sterbeeintrag perfekt zu Jacob Heims ersten Sohn passen würde, wäre somit Indiz dafür das Jacob aus Mariental und Jacob aus Helmstedt die selbe Person ist.

1762 erscheint dann ein Taufeintrag (Lesehilfe) in Helmstedt zu einer Marie Conradine Henriette deren Vater als Jacob Heims ein Tagelöhner beschrieben wird:

1.Vater: Jacob Heims ein Tagel[löhner]
2.Kinder: Maria Conradine Henriette
3. Tag der Geburt September 3.
4. Tag der Taufe September 5.
5. Gevattern:
Ludewig Conrad Sulfrian
Brauknecht
Lucia Maria Heimer
Heinrich Andreas Schulze, ein
Arbeitsmann


Anschließend folgt ein Begräbnis in Helmstedt 1772:

Eodem die [15ter Sept.]
hat der Tagelöhner Jacob Heims
seine Tochter Marie Conradine
Henriette zu st. Waldp. begraben
lassen alt. 9 Jahr 11 Mon.


Die letzte bisher bekannte Nennung erfolgt dann 1781 in Helmstedt bei einer Hochzeit (Lesehilfe):

Dom: Sexagesima et Quinquagesima sind aufgebothen und
den 26. Februarii auf hochfürstl[iche] Concession in der
ersten Fastnachts Woche nach der Betstunde copuliret worden.
Georg Heinrich Holtzhausen Einwohner und Oel-
schläger in Bartensleben und
Anna Ilse Christiane Heims, Jacob Heims Einwoh-
ners und Arbeitsmanns alhier, eheleibl[iche] einzige Tochter.


Aus dieser Folge von Nennungen schließe ich dass Jacob Heims der das erste Mal in Erxleben benannt wird der selbe ist der später in Mariental und noch später in Helmstedt wohnt. Seht ihr das auch so?

Was mich nun wundert ist das Jacob ja anscheinend Braumeister war und gleichzeitig Cammerherr. Diese Berufe unterscheiden sich doch ziemlich von den Berufen seiner vermutlich Verwandten (Tagelöhner/Arbeitsmänner/Hirten).
Ich könnte mir vorstellen das er mit diesen Berufen möglicherweise etwas besser gestellt war.
Nachdem er aber aus Erxleben wegzog scheint er in Helmstedt "abgestiegen" zu sein zu einem einfachen Arbeitsmann/Tagelöhner.
Erscheint das plausibel? Hat er vielleicht einfach Pleite gemacht und musste sich dann durchschlagen?
Das ist natürlich alles nur Spekulation aber wir sind ja schließlich hier in der Plauderecke

Meinungsäußerungen sind sehr willkommen.
Viele Grüße,
Lars
__________________
Suche:
Hanß Heimsen *1674 +1737 in Marienborn
Schweinemeister und Hirte in Harbke
Namen auch: Heinße, Heimße, Heimer usw.

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Geändert von Lewh (22.01.2014 um 10:56 Uhr)
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  #2  
Alt 22.01.2014, 21:23
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Auch wenn er Pleite gemacht hätte, wäre er wahrscheinlich in seinem erlernten Metier geblieben und hätte auch als Brauknecht noch ein besseres und sichereres Einkommen gehabt als als Tagelöhner.
Aber vielleicht hat er sich etwas zuschulden kommen lassen und hat deshalb keine adäquate Stellung bekommen?
Oder es handelt sich um einen anderen Mann mit dem gleichen Namen, vielleicht einen Verwandten. Da waren Wohlstands- und Standesunterschiede nicht selten, sind sie heute ja auch nicht.
__________________
Gruß Asphaltblume
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  #3  
Alt 22.01.2014, 22:35
Joanna
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Hallo,

es wird hier davon ausgegangen, dass der Tagelöhner keinen Beruf hatte. das ist absolut nicht so gewesen.

Es gab viele Tagelöhner, die sehr wohl einen Beruf wie Tischler, Schmied, Schumacher usw. hatten. Sie konnten nur vor Ort keine Arbeit finden und haben sich dann als Tagelöhner (täglich ausgezahltes Geld für die geleistete Arbeit) verdingt. Ein Arbeitsmann ist dem gleich zusetzen.

Natürlich hat es auch viele ungelernt Arbeitskräfte gegeben.

Dieses sollte bei der Anfrage berücksichtigt werden. Denn vom Begriff lässt sich nicht ableiten, ob er eine Arbeit in seinem Beruf ausübte oder eine ungelernte Kraft war. Er hat, wie bereits erwähnt, nur täglich seinen Lohn ausgezahlt bekommen. Manchmal war er einige Tage an ein und derselbsen Arbeitsstätte, manchmal nur einen Tag. Oft in der Nähe seiner Familie, konnte aber auch 50 km und mehr entfernt tätig gewesen sein.

Gruß Joanna
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  #4  
Alt 23.01.2014, 07:31
M. Lützeler M. Lützeler ist offline männlich
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Hallo Lars,

Joanna hat völlig recht; die Bezeichnung Tagelöhner sagt nichts über die Qualifikation und Verwendung aus, nur über die Art des Lohnempfangs.

Ein Vorfahre von mir hatte nach seinem Umzug nach Köln nachweislich nur einen Arbeitgeber bis zu seinem frühen Tode. Er hatte 14 Jahre in ein und derselben Fabrik gearbeitet (zum Schluß als Werkmeister). In den standesamtlichen Unterlagen (Geburten der Kinder; seine Sterbeurkunde) steht aber immer "nur" Tagelöhner...

Grüße

Matthias
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  #5  
Alt 23.01.2014, 10:41
Benutzerbild von JuHo54
JuHo54 JuHo54 ist offline weiblich
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Hallo Lars,
Matthias und Joanna haben völlig Recht, er muss sich dadurch nicht zwangsläufig schlechter gestanden haben oder es muss nicht zwangsläufig ein sozialer Abstieg gewesen sein. Nichtsdestotrotz kann es auch möglich sein , dass er z.B. durche einen Unfall seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte.
Liebe Grüße
Jutta
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  #6  
Alt 23.01.2014, 11:23
gudrun gudrun ist offline
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Hallo,

ich habe mal gelesen (weiß leider nicht mehr wo),
dass sich die Tagelöhner nicht so schlecht gestanden haben.
Sie waren oft die Leute, die Bargeld hatten.
Und wie schon geschrieben, kann auch ein Unfall und seine Folgen die Ursache sein,
dass er seinen Beruf als Brauermeister nicht mehr ausführen konnte.

Viele Grüße
Gudrun
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  #7  
Alt 23.01.2014, 18:31
Benutzerbild von Brigitte Bernstein
Brigitte Bernstein Brigitte Bernstein ist offline weiblich
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Hallo Lars!
Die Bezeichnung Tagelöhner hatte damals eine andere Bedeutung als heute. Auch ich habe mehrere Ahnen die zuerst selbstständige Handwerker waren, zum Beispiel Schmiedemeister, Schumacher oder auch Zimmermann und später in einer Fabrik als Tagelöhner arbeiteten. Möglicher Weise verdienten sie sogar besser, als wenn sie als selbstständige Handwerker pro Tag oder gar Woche gerade mal einen Auftrag hatten. Natürlich kommt es darauf an wo sie wohnten, ob in einer Stadt oder einem Dorf. Einige betrieben ihr Handwerk sogar noch neben bei, was ja auch Einkünfte brachte.
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Suche im Raum Trautenau, Parschnitz, Alt Rognitz, Deutsch Prausnitz, Bausnitz und Lampersdorf. Meine Namen Rasch, Staude, Reichelt, Letzel,
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  #8  
Alt 23.01.2014, 18:47
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Wieder was gelernt, danke dafür!
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Gruß Asphaltblume
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  #9  
Alt 23.01.2014, 19:02
Joanna
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Zitat:
Zitat von Brigitte Bernstein Beitrag anzeigen
Hallo Lars!
Die Bezeichnung Tagelöhner hatte damals eine andere Bedeutung als heute. Auch ich habe mehrere Ahnen die zuerst selbstständige Handwerker waren, zum Beispiel Schmiedemeister, Schumacher oder auch Zimmermann und später in einer Fabrik als Tagelöhner arbeiteten. Möglicher Weise verdienten sie sogar besser, als wenn sie als selbstständige Handwerker pro Tag oder gar Woche gerade mal einen Auftrag hatten. Natürlich kommt es darauf an wo sie wohnten, ob in einer Stadt oder einem Dorf. Einige betrieben ihr Handwerk sogar noch neben bei, was ja auch Einkünfte brachte.
Wir sollten dann wissen, von welcher Zeit wir sprechen.

Fabriken gab es ca. ab 1780, also eigentlich nach der Zeit, über die Lars etwas wissen möchte.

Fabrikarbeiter gehörten dann allerdings zu den Personen, die nicht in ihrem Beruf tätig waren. Und zu dieser Zeit hatte der Begriff auch schon wieder einen anderen Sinn.

Vielleicht noch etwas zu einem Braumeister. Ich kenne den Begriff aus den Bergstädten im Harz. Da wurden jedes Jahr neue Häuser bestimmt, in denen der Besitzer "Braumeister" war und dass Bier brauen durfte. Es waren immer mehrere Personen dazu befugt. Und es änderte sich in vielen Fällen von Jahr zu Jahr.

Gruß Joanna
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  #10  
Alt 23.01.2014, 20:15
Benutzerbild von Brigitte Bernstein
Brigitte Bernstein Brigitte Bernstein ist offline weiblich
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Hallo Johanna
Natürlich ist es richtig , wenn Du sagt, dass es Fabriken erst ab zirka 1780 gab. Das hatte ich nicht bedacht. Aber meine Ahnen waren alle mit ihren Berufen in Fabriken tätig. Weil die einzelnen Handwerker in den kleinen Dörfern in welchen sie lebten kaum mit den Fabriken mit halten konnten. Meine Oma war zum Beispiel Weberin, eine einzelne Weberin konnte ihre Produkte einfach nicht so billig verkaufen wie es die Fabriken konnten und hatte so keine Überlebensmöglichkeit. Mein Urgroßvater war Schmied. Er arbeitete am Tage in einer Fabrik von Parschnitz als Eisenschmied und zu Hause als Hufschmied. Und doch fand ich immer wieder die Bezeichnung Tagelöhner. Die Menschen hatten zu diesen Zeiten keine Verträge wie heute und konnten von einer Stunde zur anderen entlassen werden. Ihre Belohnung war in vielen Fällen tageweise, weil der Meister nie wusste ob er den nächsten Tag noch genug Aufträge hatte. In guten Zeiten wurden sie wochenweise bezahlt. Bei den Zimmerleuten war das nicht anders. Sie hatten nur Chancen wenn sie sich zusammen schließen konnten und gemeinsam größere Projekte in Auftrag nehmen konnten.
Grüße Brigitte
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