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Alt 25.10.2011, 23:35
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Rolf Stichling Rolf Stichling ist offline männlich
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Beitrag Die Entwicklung von Kaufkraft und Geldwert im 18. und 19. Jahrhundert

Im 18. Jahrhundert und auch in den ersten siebzig Jahren des 19. Jahrhunderts galten in Deutsch*land noch ver*schiedene Währungen nebeneinander. Will man Preis- und Einkommens*angaben der damaligen Zeit mit der Kauf*kraft dieser Währungen vergleichen, so ist es hilfreich, zunächst das Austauschverhältnis der Währungen untereinander zu beschreiben.

Im betrachteten Zeitraum finden wir viele Preis- und Einkommensangaben in Talern oder in Gulden ausge*drückt. Die Wertrelation von Talern zu Gulden mag vor 1838 im Zeitablauf etwas geschwankt haben, als An*halt kann uns aber der Umrechnungskurs dienen, der für 1860 mit 1: 1,7 angegeben wird.

Ein preußischer Verwaltungsbeamter (Rat) bezog ein Gehalt von 1000 bis 1200 Talern, was 1720 bis 2060 Gulden entsprochen hat.
Ein studierter Jurist ohne Promotion wurde 1771 in Frankfurt (als Adjunkt des Forstschreibers - heute würde man diese Position wahrscheinlich als die eines Juristen in der städtischen Forstverwaltung bezeichnen) mit 120 Gulden Jahresgehalt eingestellt, ein Gerichtsschreiber (auch Jurist) erhielt 1773 in Frankfurt 300 Gulden. In Frankfurt erhielt der "Physikus extraordinarius" (Arzt) im Jahre 1790 ein städtisches Gehalt von 75 Gulden jährlich, der gleiche Arzt erhielt 1803, inzwischen als "Physikus ordinarius", 150 Gulden.
1837 erhielt der berühmte Historiker Leopold von Ranke in Berlin als ordentlicher Professor ein Gehalt von 1400 Talern (plus Kolleggelder, woraus sich Gesamteinnahmen von 3400 Gulden ergaben). Er selbst be*zeich*nete dies als "ein ganz erträgliches Einkommen".
Der präsidierende Bürgermeister in Bremen erhielt vor 1848 eine Summe von 2600 Talern, der akademische Senator erhielt zwischen 1640 und 2100 Taler und der kaufmännische Senator bezog 1200 Taler als eine Art Ehrensold.
In Bremen erhielten Lehrer an den höheren staatlichen Schulen 1857 Gehälter zwischen 600 und 1400 Talern, die Direktoren erhielten zwischen 1200 und 1700 Talern.
1868 erhielt in Frankfurt ein Lehrer am Gymnasium ein Anfangsgehalt von 2000 Gulden, das nach einigen Jahren auf 2566 Gulden ansteigen sollte. Zur gleichen Zeit gab es in Heidelberg allerdings ordentliche Pro*fessoren, deren Gehalt nur 1500 oder 2000 Gulden betrug, wobei sie allerdings auch neben ihrem Gehalt noch Kolleggelder bezogen.
Ein Ministerialrat erhielt in Preußen 1872 zwischen 2500 und 3000 Taler, ein Ministerialdirektor 5000 Taler.

Man konnte um 1750 in einem bürgerlichen Gasthaus für 1 1/2 Groschen gut und reichlich zu Mittag essen. 1780 betrug der Kaufpreis für ein Bauernpferd etwa 25 Reichstaler oder etwas über 40 Gulden.
Ende der achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts betrug die Durchschnittsmiete für zwei möblierte Zimmer inklusive Kost 100 bis 120 Taler im Jahr. Um 1797 kosteten 10-12 Pfund Schweinefleisch, 12-14 Pfund Rindfleisch, 18-20 Pfund Kalbfleisch oder 12-14 Tauben jeweils einen Taler.
Zu dieser Zeit erhielt man für jeweils einen Taler 25 Pfund Brot, 2 Pfund Tabak, 1/2 Pfund Tee oder 2 Flaschen Champagner. Für einen Maßanzug mußte man 20 Taler ausgeben.
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