#61  
Alt 28.05.2010, 13:11
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Hallo, zusammen!
Ich find`s auch interessant, bitte weitermachen! Leider hatte ich unter meinen Vorfahren keinen "der mal aus der Reihe" getanzt ist. Damals für die Leute wahrscheinlich nicht so lustig wie für uns heute!

Danny
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  #62  
Alt 03.06.2010, 07:56
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Leberecht Leberecht ist offline männlich
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Man möge mir die bestimmt recht blöde Frage verzeihenen, aber:

ist es normal, dass in Kirchenbüchern solche langen Texte stehen?

Das was ich bis jetzt gelesen habe, war nach dem Tabellen-Schema:
- Name des Kindes
- Name der Eltern/Paten
- Datum ... fertig

In welchen Büchern stehen denn solche schönen Romane, wie von euch beschrieben?
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  #63  
Alt 03.06.2010, 08:24
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Hallo

Also: Das kam immer auf die Pfarrein und den jeweiligen Pfarrer an.
Während in Mülheim/ Ruhr bei den Reformieten die Paten nicht notiert wurden, haben andere Pfarrer viel mehr hinterlassen. Es kommt immer auf den Pfarrer an.

Der katholische Pastor schrieb in Latein einen ellenlangen Bericht ins Sterbebuch, als ein Vikar 1740 schon morgens von Todesahnung geplagt, tatsächlich abends gegen 10 Uhr verstarb.
oder:
Als 1750 die Kurpfalz- Kürassiere in der Nachbarpfarrei stationiert waren und ein reformierter Kürassier eine Magd schwängerte, die später schwanger einen Bauern heiratete, so schrieb der Pastor wieder einen ellenlangen lateinischen Bericht ins Taufbuch, weil die Frau zwar in der Nachbarpfarrei niederkam, aber in dieser Pfarrei wohnte und verheiratet war.
oder:
Der lutherische Pastor in der Nachbarpfarrei hatte eine Tochter: Anna Sophia Dorothea Charlotte Henkel. Als er sie beerdigen musste (um 1780) hat der sogar Teile der Leichenpredigt festgehalten, die heute recht geschmacklos scheinen. Aber der hat schon um 1750 angefangen, ins Sterbebuch viele Einzelheiten zu schreiben. So fiel ein Urahne von mir 1772 vom Dach und brach sich 7? Rippen. Er wurde am folgenden Tage vom Chirourgen zur Ader gelassen und verstarb unter heftigen Schmerzen eine Woche drauf. Er war 65 Jahre, 3 Monate und 17 Tage alt, lebte 6 Jahre im Witmannstande und hinterließ 5 Söhne und 2 Töchter, von denen noch 4 Kinder lebendig waren.
P.S. Die Altersangabe stimmt nicht ganz.
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  #64  
Alt 03.06.2010, 08:30
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Hallo Leberecht,

das kam sehr auf den Pfarrer an. Es gab Pfarrer die beschränkten sich wirklich auf das aller Notwendigste. Z.B. im Totenbuch dann nur Todesdatum, Name, vielleicht noch Alter und Todesursache. Das war es dann. Und es gab eben Pfarrer, die schrieben noch halbe Romane. Es kommt auch zusätzlich noch auf den Zeitraum an in welchem man in die Kirchenbücher schaut. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde in Württemberg z.B. auf ein festgelegtes Schema umgestellt. Damit endeten leider auch die ausführlichen Eintragungen. Außer es waren besondere Ereignisse wie dieses z.B.:
Stürzte von seinem mit Baumwolle von Havre geladenem Wagen, dieser fiel auf ihn und zerquetschte ihm den Kopf so, daß er auf der Stelle tot blieb.
Er hatte Auswanderer nach Havre geführt.
Ort und Zeit des Todes: Bei Sel. Evang. Gemeinde Maria Kirch (S. Marie aux Mines), Arrondisement de Colmar 1. Juli 1836
Ort und Zeit der Beerdigung: St. Blaise Gemde. Maria Kirch, 2. Juli 1836, Morgens 9 Uhr
Zur Beglaubigung.... d. 2 Juli 1836, der Pfarrer helvet. Confession Fr. Guill. Winter (Sterbeeintrag in Stetten im Remstal)
35 Jahr, 8 Mon, 2 Tag


Grüße
Eva
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  #65  
Alt 10.06.2010, 00:07
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"Anno 1742
den 24. Sept. starb Maria Catharina weiland Johann Michael Gegenheimers Bürgerl. Innwohners allhier nachgelassene schändliche wittib, ein unchristliches weib und Vor- auch in- meinem Hiersein Verstockte Göttliche Gnaden-Mittlen boßhafet biß in ihr elens End hinan muthwillig verharrende Veraechterin und ward den 27. Sept. nach hochlöb. Specialat-Befehl Mittags nur mit Läutung der kleinsten Glock ohne Gesang e. eußersten Eck deß Kirch-Hofs begraben und von mir e. ernstl. Strafpredigt in historiam Isabelis ex II. Reg. IX gehalten worden....."
(Anmerkung zur Bibelstelle, 2.Könige 9, 10: "Isebel aber sollen die Hunde auf der Feldmark von Jesreel fressen, und niemand soll sie begraben!")
Über die anwesenden Nachkommen schrieb der Pfarrer im Weiteren:
"Mali corvi, malum ovum" (lat.= schlechte Raben, schlechtes Ei)
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  #66  
Alt 10.06.2010, 00:55
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Randnotiz neben der Taufeintragung des Johannes Gottlieb Straub von 1690:
"ist zu schwebischen Hall umb seiner boßheit willen längst verdienter Maaßen gehenckt worden."
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  #67  
Alt 12.06.2010, 16:59
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Zitat:
Zitat von Curator Beitrag anzeigen
Über die anwesenden Nachkommen schrieb der Pfarrer im Weiteren:
"Mali corvi, malum ovum" (lat.= schlechte Raben, schlechtes Ei)
Köstlich...
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  #68  
Alt 25.06.2010, 00:03
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"Nachdem der bißherige Pfarrer.......sich mit Beata......in Unzucht vergangen und deßwegen .....sich flüchtig gemacht...so wurde....ich...als Pfarrer hieher gnädigst berufen."
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  #69  
Alt 27.06.2010, 20:45
Valentina Hausauer Valentina Hausauer ist offline weiblich
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Hallo Zusammen,

ich habe auch ein Paar Einträge gefunden.

Beerdigung 01.04.1694.
"Michael, S.d. Michael Pfeil, "welcher in dem Hauß, als ganz allein, todt gefunden worden den sein Vater als der dem Bettel nachgegangen, und die ander Freund Hungers haben sterben lassen" 4 J. 7 Mon.

Valentina
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  #70  
Alt 27.06.2010, 21:43
Valentina Hausauer Valentina Hausauer ist offline weiblich
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Hallo Zusammen,

hier habe ich noch ein Eintrag. Ist nicht so spektakulär.
Es war aber eine Tante von meiner 4. Urgroßmutter.

Gestorben am 13.02.1739. Anna Maria Beck.

"hat sich 10 Tage nach der Geburt ersäuft" 45 J.

Es sind 7 Kinder zurück geblieben. Ich habe Gänsehaut bekommen.

VG
Valentina
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