#11  
Alt 13.06.2020, 23:42
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.10.2012
Ort: Berlin
Beiträge: 8.462
Standard

Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
... Keine staatliche Institution zwang sie dazu. ...
Das soll wohl ein Witz sein? Die ganze DDR war ein Zwang.

Die DDR war auch kein Sozialismus, sondern sie war nur bemüht irgendwann das Idealziel des Sozialismus erreichen zu können. Die DDR befand sich noch im Stadium einer Diktatur des Proletariats.

"Die Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist auf die allseitige Stärkung des sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern als einer Form der Diktatur des Proletariats gerichtet." - zitiert aus: Autorenkollektiv der Akademie der Gesellschaftswissenschaften beim Zentralkomitee der SED: "Einführung in die marxistisch-leninistische Philosophie", Berlin (DDR), 1989
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (13.06.2020 um 23:45 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 13.06.2020, 23:55
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.05.2018
Ort: Harz
Beiträge: 1.695
Standard

Anna Sara, Du hast nicht richtig gelesen. Oder nicht richtig lesen wollen. Auch Teile meiner Familie (trotzdem sie nicht in der NSDAP waren, als "Faschisten und Kriegstreiber" verunglimpfte Großbauern mit >100 ha) empfanden die DDR als Zwang und Staatsterror und flohen rechtzeitig vor dem Bau der Mauer. Aber ungeachtet des Zwangssystems zwang sie niemand zur Flucht. Sie hätte ja wie die meisten anderen bleiben und sich mit dem System arrangieren können. Du verstehst den Unterschied zur Vertreibung? "Real existierenden Sozialismus" habe ich übrigens in Anführungszeichen gesetzt. Mir ist schon klar, daß es sich in Wahrheit um eine Diktatur gehandelt hat.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Johann Andreas MAASBERG, Bürger und Windmüllermeister in Peine, * um 1730
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 14.06.2020, 00:36
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.10.2012
Ort: Berlin
Beiträge: 8.462
Standard

Dann lasst Doch bitte die unsinnige Differenzierung von Flucht und Vertreibung.

Wenn im Nachbardorf alle umgebracht werden, und ich daraufhin flüchte, soll dass dann freiwillig sein?

Wenn ich in Bautzen einsaß, und später flüchte, war das dann freiwillig?

Nein!, man wurde durch die Umstände vertrieben!


Nochmal:
Zitat:
Zitat von Anna Sara Weingart Beitrag anzeigen
... ahd. fluhten = vertreiben, austreiben (9. Jh.)
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (14.06.2020 um 00:38 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 14.06.2020, 00:50
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.10.2012
Ort: Berlin
Beiträge: 8.462
Standard

Ich weiß ja, dass Flucht und Vertreibung als etwas unterschiedliche Sachverhalte verstanden werden können. Aber in ihrer Auswirkung waren beide gleich: sie beruhten auf die Unfreiwilligkeit der Opfer. Die sahen sich jeweils gezwungen; und wurden entweder direkt durch Militär, staatliche Stellen, oder aber durch die Umstände vertrieben.
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (14.06.2020 um 00:57 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 14.06.2020, 00:59
Benutzerbild von LutzM
LutzM LutzM ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 22.02.2019
Ort: Greifswald
Beiträge: 133
Standard

Nochmal zum Thema:
Ich habe Verwandschaft aus Schlesien, die sind erst in den 70er Jahren in die BRD ausgereist. Die Verwandtschaft floh '45, aber der Familienvater kam erst '48 aus russischer Gefangenschaft zurück. Dann haben sie irgendwann einen Ausreiseantrag gestellt, weil die ganze andere Verwandschaft schon im Westen war, welcher erst nach 10 Jahren bewilligt wurde.

Meine Mutter aus Sudetendeutschland kam auch erst '46 nach Norddeutschland weil mein Opa "systemrelevant" war.
__________________
Lieben Gruß

Lutz
--------------
suche Wegner und Eising um 1880 aus/bei Creuzburg/Ostpreußen
Mit Zitat antworten
  #16  
Alt 14.06.2020, 10:06
Lock Lock ist gerade online
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 07.04.2016
Beiträge: 263
Standard

Guten Morgen Zusammen

Für eine Differenzierung von geflüchtet oder vertrieben, halte ich die Eigenschaft "freiwillig" für ungeeignet.
Da wir hier die Ereignisse um das Ende des WK2 und seine Folgen diskutieren, würde ich es eher Zeitlich eingrenzen. Wer vor Ende des Krieges seine Heimat verlassen musste den würde ich mit Flüchtling bezeichnen. Wer sich nach Ende plötzlich in einem neuen Staatsgebiet wieder gefunden hat und seine Heimat verlassen musste den kann man wohl mit Vertriebener bezeichnen.
Wobei Einzelschicksale erheblichen Abweichungen unterliegen.
Ich möchte drei Beispiele meiner Familie(Sippe) anführen.
Die meisten meiner Vorfahren stammen grob gesagt aus der Gegend zwischen ehem. Königsberg und den Masurischen Seen, ei Zweig war in Hirschberg(Schlesien) beheimatet.

Ende 1944 wollte mein Großvater freiwillig seine Landwirtschaft (in der Nähe von Wehlau)aufgeben und seine Familie in Sicherheit bringen. Er hat wohl die kommenden Ereignisse ziemlich gut eingeschätzt. Dies wurde Ihm verwehrt.
Wer es genauer wissen will kann sich mal die Anweisungen des damaligen Gauleiters Koch zu Gemüte führen. In folge dessen waren sie Anfang 1945 bei den Flüchtlingstrecks mit dabei.

Die in Hirschberg beheimateten wurden im Juli/August 1946 schlichtweg ausgewiesen man kann auch vertrieben sagen.

Und dann gibt es noch den Fall wo weder das eine noch das andere zutrifft
Ein Teil der Familie besaß ein kleines Bauerngut in der Nähe von Angerburg.
und sie sind dageblieben. Damit sie dauerhaft bleiben konnten, sind sie polnische Staatsbürger geworden. Die genauen Umstände ließen sich nicht ermitteln jedenfalls bewirtschaften die Nachkommen Heute noch das Gut.

v.G.Gerhard
Mit Zitat antworten
  #17  
Alt 15.06.2020, 09:37
Schischka Schischka ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 10.02.2015
Ort: in Sichtweite der Ostgrenze
Beiträge: 86
Standard

Die Flucht vor der anrückenden Front hatte mental meist einen vorläufigen Charakter - andere flohen vor der kommunistischen Besatzung, da war dann schon eine gewisse Endgültigkeit im Hinterkopf. Daß Rückkehr und Verbleiben in der Heimat verwehrt wurden - das war dann Vertreibung. Insofern wurden Flüchtlinge im Laufe der Zeit zu Vertriebenen.
In Polen gab es (ausnahmsweise? immer?) auch die Optionslösung - wer sich als Pole bekannte, durfte bleiben. Andere mußten bleiben, insbesondere in Oberschlesien, um dort die Industriearbeitsplätze zu besetzen. (Kenne zwei Familien - ohne alle Details zu wissen - die sich jahrelang bemüht hatten und erst in den 50er Jahren nach Deutschland (konkret DDR) ausreisen durften.
Mit Zitat antworten
  #18  
Alt 15.06.2020, 10:31
hmw hmw ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.06.2016
Beiträge: 381
Standard

Hallo Araminta,

zu den Begrifflichkeiten Flucht und Vertreibung wurde ja nun schon einiges geschrieben. Was jetzt in welchem Fall der zutreffende Terminus ist, kann man sicher auch unterschiedlich beurteilen. Ein Begriff, der hier aber noch gar nicht gefallen ist, ist der der Aussiedler bzw. Spätausslieder.

Meistens wird dieser für Deutsche in der ehemaligen Sowjetunion genutzt, aber dieser Begriff umfasst allgemein Volksdeutsche, die erst nach 1950 und in den folgenden Jahrzehnten ausgesiedelt sind - auch aus Polen.
Wenn ich es recht im Kopf habe, ist z.B. Ex-Nationalspieler Miroslav Klose ein Beispiel dafür. Dessen Vater war ein deutschstämmiger, dessen Familie nach Kriegsende weiterhin in Polen lebte. Erst in den 1980er-Jahren siedelte die Familie schließlich aus und landete in der Pfalz.

Von wirklicher Freiwilligkeit lässt sich wohl in keinem der zuvor beschriebenen Fälle sprechen. Aber es ist keinesfalls so, dass die Flucht/Vertreibung der Deutschen aus Osteuropa 1950 beendet gewesen wäre - im Gegenteil, dieser Prozess ist quasi immer noch im Gange. Natürlich ist es kein Vergleich zur Situation nach dem Kriegsende - sowohl was die Zahlen, als auch die konkrete Bedrohungssituation betrifft. Aber trotzdem waren es in den letzten Jahren etwa 5.000-10.000 pro Jahr, die meisten aus Russland, der Ukraine und Kasachstan:

https://de.wikipedia.org/wiki/Aussie...%A4taussiedler
Mit Zitat antworten
  #19  
Alt 15.06.2020, 10:55
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.05.2018
Ort: Harz
Beiträge: 1.695
Standard

Zitat:
Zitat von Anna Sara Weingart Beitrag anzeigen
Ich weiß ja, dass Flucht und Vertreibung als etwas unterschiedliche Sachverhalte verstanden werden können. Aber in ihrer Auswirkung waren beide gleich

Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Suizid, natürlicher Tod etc. sind ebenfalls unterschiedliche Sachverhalte. Dennoch sind sie in ihrer Auswirkung alle gleich.
__________________
Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Johann Andreas MAASBERG, Bürger und Windmüllermeister in Peine, * um 1730
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
Mit Zitat antworten
  #20  
Alt 16.06.2020, 13:08
Pitka Pitka ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 02.08.2009
Ort: Duisburg
Beiträge: 846
Standard

Ich las` gerade in einem alten Ostpreußenblatt aus 1953 folgenden Satz:


Vertriebener oder Flüchtling?
... auf dem Ozean der Gesetze und Verordnungen. Der hagere Mann hinter dem Fensterchen ist zwar gebürtiger Ostpreuße, aber er lebte schon vor der Vertreibung in Vorpommern. Und da die Gesetzgeber hinter dem Schicksal um Jahre herzuhinken pflegen — um mühselige Leidensjahre für die Betroffenen —, galt er folglich als Sowjetzonenflüchtling, nicht als Vertriebener, und sah sich ohne Möglichkeit, zu einem Kredit zu kommen. ...


Es hatte also zusätzlich sehr viel mit den Unterstützungen vom Staat zu tun. Und die waren sehr unterschiedlich, ob man als Flüchtling oder Vertriebener galt.


LG Pitka
__________________
Suche alles zu folgenden FN:
WERNER aus Mertensdorf/Kr. Friedland, Allenstein und Marwalde (Ostpreussen), HINZ / HINTZE und KUHR aus Krojanke/Kr. Flatow (Posen/Westpreussen), WERNER, HINZ und SEIDEL aus Gilgenburg/Kr.Osterode (Ostpreussen), ELIS und FESTER aus Siegen bzw. dem Kr. Wetzlar (Hessen), ZILLEN aus Venekoten bzw. In den Venekoten, Gem. Elmpt (jetzt: Niederkrüchten) Kr. Erkelenz (NRW), SAENGER aus Süß und Machtlos (Hessen) u. aus Essen (NRW), PHILIPP aus Wolfsdorf/Niederung Kr. Elbing
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 08:31 Uhr.