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Alt 25.05.2020, 08:39
Pierre06140 Pierre06140 ist offline
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Hallo und Vielen Dank Ulpius,

Glauben sie, das Haus von Carl Senior wurde von den Soldaten beschlagnahmt ?
Haben sich die Bewohner freiwillig für die Unterbringung von Soldaten entschieden oder waren sie verpflichtet (vom Militär angeforderte Häuser) ?

Pierre
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  #12  
Alt 25.05.2020, 13:57
Ulpius Ulpius ist offline
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Zitat von Pierre06140 Beitrag anzeigen
Hallo und Vielen Dank Ulpius,

Glauben sie, das Haus von Carl Senior wurde von den Soldaten beschlagnahmt ?
Haben sich die Bewohner freiwillig für die Unterbringung von Soldaten entschieden oder waren sie verpflichtet (vom Militär angeforderte Häuser) ?

Pierre
Lieber Pierre,

um das wirklich beantworten zu können wäre es wichtig zu wissen, wo Carl Merlet in Meßkirch gewohnt hat. Als Großherzoglicher Gerichtsnotar wird er kein heruntergekommenes, schlechtes Haus, sondern eher ein gutbürgerliches bewohnt haben. Selbstverständlich weiß ich das nicht mit Sicherheit und man könnte es vermutlich nur in Archiven vor Ort herausfinden. Ich denke mir aber, dass er ein Standesbewusstsein hatte und entsprechend agierte. Wenn er ein geräumiges Haus hatte, also mit viel Platz, dann wäre es möglich, dass er, nachdem die Kinder aus dem Haus waren, die nun freien Räume als Wohnungen für Offiziere angeboten hat. Soldaten in niederen Diensträngen wären sicher kaserniert gewesen, vermutlich dürften diese "Mannschaftsdienstgrade" auch nicht Herrn Merlets Geschmack entsprochen haben. Insofern ist das Wort "besetzt", das er verwendet, vielleicht nicht als einquartieren durch Beschlagnahme der Räume, also durch Zwang, zu verstehen, sondern sagt nur aus: es sind keine Zimmer frei im Hause Merlet in Meßkirch.
Mitte der 1880er Jahre gab es in der Region keinen Grund für erhöhte Militärpräsenz, die man sonst als Zwangsgrund für Beschlagnahme und Einquartierung heranziehen könnte.

Was es im Militär des Deutschen Reiches aber gab, ab 1871 reichsweit, das waren die "Einjährig-Freiwilligen". Das sind Männer, die sich freiwillig zum Militärdienst meldeten, sich dann aussuchen konnten, wo sie den Wehrdienst ableisteten und nach der Grundausbildung Offizier der Reserve werden konnten. Wer sich darum beworben hat, der bzw. dessen gesetzlicher Vertreter (weil die Kandidaten noch sehr jung sein konnten, Mindestalter waren 17 Jahre) musste schon ganz am Anfang erklären, dass er selbst für die Kosten des Unterhalts (Ernährung, Bekleidung, Wohnung) aufkommen würde. Dazu musste selbstverständlich das nötige "Kleingeld" vorhanden sein, diese jungen Männer kamen also in der Mehrzahl aus wohlhabenden Häusern. Konsequenterweise bestand dann der Wunsch, wenn man schon selbst zahlt, auch den Platz, an dem man wohnt, selbst zu bestimmen, sobald das möglich war. Und das ging, sobald die Grundausbildung abgeschlossen war und man rangmäßig aufgerückt war. Über die Einjährig-Freiwilligen haben die "richtigen" Soldaten seinerzeit eher gelästert. Es war aber für den, der es sich leisten konnte, eine Möglichkeit, den sonst dreijährigen Dienst "bei den Fahnen", also in der aktiven Truppe, ganz erheblich zu verkürzen. (Gibt es eigentlich Unterlagen dazu, ob Carl/Charles Merlet Militärdienst geleistet hat? Er ist ja vermutlich nicht vor der Fahne geflohen [= hat sich nicht vor dem Militär gedrückt], sondern er hat -bestimmt mit Hilfe des Vaters- vor der Auswanderung bei den Behörden die entsprechenden Genehmigungen eingeholt.)

Ich nehme also an, dass Carl Merlet sen. entweder an Einjährig-Freiwillige vermietet hat, was aber bedeuten würde, dass er ungefähr alle halbe Jahre Wohnungswechsel hatte, oder dass er an reguläre Offiziere der Streitkräfte Wohnungen vermietet hat. Das zweite wäre eine längerfristige Sache, mit weniger Wohnungswechsel, dafür könnten möglicherweise Männer mit Familien eingezogen sein.

Zwangseinquartierung und Beschlagnahme halte ich für sehr unwahrscheinlich. Herr Merlet wird vermietet haben.


Ich füge hier noch ein Link zu einem Bild bei, auf dem Ansichten von Meßkirch im 19. Jahrhundert zusammengestellt sind. Man findet dafür als Datum ca. 1850, ich selbst halte die dargestellte Zeit für etwas älter. So oder so gibt es einen kleinen Eindruck, in welcher Stadt der kleine Karl herumgerannt ist, aus der sich der Zwanzigjährige dann für immer verabschiedet hat, während der Vater bis an sein Lebensende dort blieb.

https://upload.wikimedia.org/wikiped...a_T_2_B_71.jpg

Geändert von Ulpius (25.05.2020 um 13:59 Uhr)
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