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  #301  
Alt 12.02.2010, 20:19
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Standard Alte Berufe: Katenmann, Colonus, Holländer, Baumann

eggi

Habe ein paar alte Berufe in meinen Unterlagen gefunden, und hätte gerne gewusst was sie bedeuten.
Katenmann
Colonus
Holländer
Baumann

wolli222

Colonus
Holländer
Baumann

Marlies

wolli hat Dir ja schon für 3 der für Dich fremden Berufe Links aufgelistet, es fehlt nur noch der Katenmann. Was eine Kate ist, findest Du hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Kate_%28H%C3%BCtte%29 und daraus erklärt sich dann auch der Katenmann.

mesmerode

Colonus = Bauer, Ansiedler
ich kenne Hollandgärtner = Landwirtschaftlicher Arbeiter der im Frühjahr in Holland Arbeit sucht
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
  #302  
Alt 12.02.2010, 20:21
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Standard Maurer zum Doranth

Falko

mittlerweile habe ich festgestellt, dass es eine Schreibweise von Tharandt ist. Das ist die Stadt aus der mein Ahn stammt. Manchmal sollte man so ein Wort einfach mal laut vor sich her sagen. ;-)
__________________

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  #303  
Alt 12.02.2010, 20:23
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Standard Monatsbezeichnungen und anderes

Falko

Jahr aus dem der Begriff stammt: 18. Jhd.
Region aus der der Begriff stammt: Osterzgebirge
könnt ihr mir vielleicht bei folgenden Monatsbezeichnungen weiterhelfen?
Martij
gebohren den 10. 7br. Abends halb 10
gebohren den 14. Xbr. Nachmittage um 2.
Dann versteh ich folgende Formulierungen nicht:
ward den 1. Martij mit LchPr. u. Abd. begraben
nachgel. ehel. jüngste Tochter
ejusd: mit einer Abdanckung begraben
Jgf. Johanna Sophia, Johann George Gelferths, Gärtn. in Niederdorffe Tochter.

Christian Benz

siehe z.B. FAQ 2.8.2 Was bedeutet die Monatsbezeichung xyz?

Zitat:
LchPr. u. Abd
"Leichenpredigt und Abdankung"

Zitat:
nachgel. ehel. jüngste Tochter
nachgelassene (= hinterlassene) eheliche jüngste Tochter

Zitat:
ejusd
lat. eiusdem = desselben, im gleichen/selben [Monat, Jahr, ...], derselben, derselbe, ...

Marlies

es bedeutet: Jungfrau Johanna Sophia, Tochter des Gärtners Johann George Gelferth in Niederdorffe.

Falko

bedeutet Jungfrau in diesem Zusammenhang das sie noch nicht verheiratet war?

Marlies

ja, genau dieses
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(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
  #304  
Alt 12.02.2010, 20:25
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Standard Adelsprobe und Schupflehen

Fehrle

Adelsprobe der Ehefrau des Freiherrn Karl Fidel Ebinger von der Burg, geb. v. Freudenberg, Streitigkeiten zwischen den beiden Linien Ebinger von der Burg zu Steißlingen und zu Schlatt.
Bitte, was ist eine Adelsprobe?
Und an anderer Stelle hab ich den mir unbekannten Begriff "Schupflehen" gefunden ...

Marlies

heir findest Du die Adelsprobe: http://de.wikipedia.org/wiki/Adelsprobe
und hier etwas zum Schupflehen: http://de.wikipedia.org/wiki/Schupflehen

Joachim v. Roy

Weshalb jedoch die Ehefrau des Freiherrn Ebinger v. der Burg den Beweis ihrer adeligen Herkunft erbringen mußte, läßt sich nicht erkennen.
Den Ausdruck "Schupflehen" habe ich noch nie vernommen.
__________________

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(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
  #305  
Alt 12.02.2010, 20:32
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Standard 500 Taler - 1819 - Was waren die wert?

Jeeve5

Wieviel waren 500 Taler im Jahre 1819 wert?

Marlies

das ist nicht so einfach zu sagen, es gab andere "Werte" die zählten:
für das Ruhrgebiet habe ich für die Zeit nach 1800 gefunden:
es verdiente ein Zimmer-oder Maurermeister täglich: 18 Stüber und Kost
ein Zimmer- und Maurergeselle täglich: 15 Stüber und Kost
ein Brenner im Jahr: 68 Thaler
ein Bergarzt im Jahr: 50 Thaler
ein Chirurg je Bergarbeiter im Jahr, wobei er die von ihm verordneten Medikamente selbst bezahlen mußte: 1-2 Thaler
ein Tierarzt für die Behandlung der Grubenpferde: 100 Thaler
Es verdiente in Köln im Jahr 1817 ein Kind je nach Leistung im Jahr 7 1/2 - 30 1/2 Thaler
Es kostete in Köln 1828 1 Schwarzbrot a 4 Pfund 5 Silbergroschen 3 Pf.
1 Scheffel Weizen 2 Th. 15 Sgr.
Man sieht: es gab andere "Maßstäbe"

Jeeve5

Ich habe einen Vorfahren, der 1819 das Elternhaus verkauft und mit seinem Erbe von 500 Talern gen Osten gezogen ist. Laut Chronik unserer Stadt soll er es dort zu einem großen Gutsbesitzer gebracht haben. Da ich aber leider keine zusätzlichen Infos habe, um ihn aufzufinden, versuche ich so viel wie möglich aus den Informationen rauszubekommen, die ich schon habe.

Marlies

die 500 Taler könnten auch schon für die Reise draufgegangen sein, Ausrüstung, wochenlanges Unterwegssein usw.

Jeeve5

also ich glaube weniger, dass das Geld für die Reise drauf gegangen ist, weil er auch schon einmal von Rußland, nach Napoleons Feldzug, zurück nach Deutschland gekommen ist. Und 500 Taler wären klar zuviel für eine Reise gen Rußland, wenn man sich weiter oben mal das Jahresgehalt verschiedener Berufe anschaut.

Des Weiteren würde ich gerne wissen, ob und wie Napoleons Soldaten nach dem Feldzug bezahlt wurden. Immerhin sind Zitat:
von der ehemals so großen Armee nur noch rund 5000 Soldaten nach Paris
zurückgekehrt. Vielleicht haben sie also gar nichts bekommen, besonders, wenn man bedenkt, dass mein Vorfahre in Rußland gebleiben ist und nicht mit Napoleon zurück gegangen ist.

Rossi

Zum Vergleich: Friedrich Schiller hatte ein verbürgtes Jahresgehalt von 200 Talern als Geschichtsprofessor.
Tendenziell denke ich, dass die 25.000 € bei weitem zu niedrig gegriffen sind.
Der Taler wurde zwar Anfang des 20. Jahrhunderts 1 : 3 durch die Mark ersetzt, hatte allerdings bis dahin schon einen hohen Wertverfall.
Nebenbeibemerkt hat man damals deswegen Dreimarkmünzen geprägt.
Die Reichsmark wiederum hatte eine wesentlich höhere Kaufkraft als der Euro heute.

Jeeve5

Dem kann ich nur zustimmen. Bei den 500 Talern handelt es sich um den Erlös des Verkaufs von Haus und Scheune. Nach heutigen Maßstäben sicherlich mehr als 25.000€. Eine Null mehr dran könnte auch nicht schaden.

Friedrich

Kennt sich jemand damit aus, wieviel Euro (geschätzt) der Reichstaler zu Beginn des 19. Jahrhunderts wert war? Ist der Umrechnungsfaktor 50 zu hoch oder zu niedrig angesetzt?
Zur Information: Einer meiner Vorfahren, 1828 Domänenrentmeister in der Provinz Westfalen, verdiente in diesem Jahr 1000 Taler im Jahr.

Wienerkaffee

Die Gebäudeversicherung rechnet jedes Gebäude im Wert zurück auf das Jahr 1914. Den Umrechnungsfaktor müßte man bei jeder Versicherungsgesellschaft erhalten.
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  #306  
Alt 12.02.2010, 20:38
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Standard Übersetzung Estnisch

Manfred Renner

könnte mir jemand die nachfolgend aufgeführten Wörter/Begriffe bzw. Textpassagen ins Deutsche übersetzen? Für jede Hilfe danke ich im Voraus ganz herzlich
Ema
Hessed (Name der Familie Hesse?)
Isa
Kirjanik
Kuressaare
Liivimaal
Märjamaa
Naine
Pärnus
Paide
Poeg
Saaremaal
Tartu kaupmees
Tartu Maarja
Tütar
Vaderid
HESSE: sepp ja dekabrist Andreas v. Roseni koolivend, kes Mäetaguse Paruni hobuse teel,
Narvas ära rautas (A.v. Rosen * 1880)
Bei den mir vorliegenden Daten bzw. Textpassagen handelt es sich um die Vorfahren des Schriftstellers Hermann Hesse, die ins Baltikum auswanderten.

petrdetok

Ema - Mama, Mutter
Hessed (Name der Familie Hesse?) Kein Estnisches Wort evtl. doch der Familienname.
Isa - Vater, Papa
Kirjanik - Schriftsteller
Kuressaare -Stadt auf der Insel Saaremaal
Liivimaal - siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Livland
Märjamaa - Ortschaft in Estland
Naine - Frau
Pärnus - Parnu eine Stadt in Estland
Paide - Paide eine Stadt in Estland
Poeg - Sohn
Saaremaal - Eine Insel in Estland
Tartu kaupmees - Tartu (Stadt in Estland) Kaufmann
Tartu Maarja - Dialektform der südestnischen Sprache (Tartumaa - Kirchspiel Tartu Maarja)
Tütar - Tochter
Vaderid - Kein Estnisches Wort, falsch geschrieben?
HESSE: sepp (Schmied) ja (und) dekabrist (Dekabrist, siehe unten ) Andreas v. Roseni koolivend (Schulfreund), kes (wer, der) Mäetaguse (Landgemeinde in Estland) Paruni (Baron) hobuse teel, (Pferde Straße,Weg)
Narvas (Narva) ära rautas (Hufeisen) (A.v. Rosen * 1880)
Von russ. dekabr´ Dezember abgeleitete Bezeichnung für die Teilnehmer des am 26.12.1825 in St. Petersburg versuchten Militärputsches gegen die zaristische Autokratie.
Ansonsten scheint es mir so, das der Text ziemlich auseinander gerissen ist.
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  #307  
Alt 12.02.2010, 20:39
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Standard Beruf: Kipper

Marlies

Jahr aus dem der Begriff stammt: 18. Jahrhundert
Region aus der der Begriff stammt: Fuldabei einem meiner Vorfahren steht bei Standes: Kipper Im Lexikon fand ich "Geldfälscher" als Erklärung.
Kennt jemand eine andere Erklärung? (Ich will den Vorfahren nicht schönreden, aber als täglichen Broterwerb kann ich mir Geldfälschen nicht vorstellen)

Fehrle

Kipper (Beruf)
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kipper ist die Bezeichnung für einen Arbeiter in einem Steinbruch, der Felsklötze zu kleinen Steinen schlägt, die vor allem im Straßenbau als Pflastersteine verwendet wurden. Die Felsklötze werden dem Kipper vom Stößer, der diese schon vorbearbeitet hat, übergeben.
wobei Geldfälscher auch was für sich hätte
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  #308  
Alt 12.02.2010, 20:43
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Standard

pia07
ich habe in meinen Unterlagen einige Berufe wie Senkler, Traiteur Corduanmacher, Kärrner und Altreißer was soll denn das sein?

Marlies

Senkler: http://www.muehle-com.de/HP-Tools/Berufe__S_.pdf
Traiteur: http://www.effilee.de/wissen/Traiteur.html
Kärrner: http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%A4rrner

Joachim v. Roy

- SENKLER vgl. http://wiki-de.genealogy.net/Senkler
- CORDUANMACHER vgl. http://wiki-de.genealogy.net/Corduanmacher
- ALTREIS vgl. http://wiki-de.genealogy.net/Altreis
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  #309  
Alt 12.02.2010, 20:48
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Standard Das "D." vor den Namen

Ursula

Jahr aus dem der Begriff stammt: 1713
Region aus der der Begriff stammt: Schwarzwald

wisst Ihr, was das "D." vor vielen Väternamen und Zeugennamen bedeuten könnte?
Nicht alle Pfarrer schrieben das auf.
Manche Männer haben das auch nicht.

Schlumpf

Das dürfte ein D(ominus) = Herr sein.

Friedhard Pfeiffer

D. = dominus = Herr
[Sonst bedeutet D. = Dr. theol.]

Ursula

Wodurch unterscheidet sich ein "Herr" von einem "normalen" Mann?

Hintiberi

ich würde mal sagen Geld - oder Adel - oder beides... )
In einer Linie habe ich auch ein paar Dominüsse, hier wirds eher drauf hinauslaufen, daß sich in der Familie wohlhabende Mühlenpächter befanden.

Hina

die Dominüsse sind ein hochkompliziertes Thema. Es gab da keine eindeutige Regelung, wer so genannt werden konnte und wer nicht. Im Grunde sind sie aber erstmal Herr über etwas - was auch immer. Dass sie zwangsläufig adelig waren, entspricht auch nicht den Tatsachen. Oft wurde diesen das nobilis noch beigesetzt. Aber auch das nicht immer und einige hatten den Zusatz und waren dennoch nicht adelig. Ich denke, es gab da in den Bezeichnungen auch regionale Unterschiede.
Hier vielleicht eine grobe Überschicht zum Nachlesen, was ein Herr war
http://de.wikipedia.org/wiki/Herr

Ursula

Ja natürlich, Chirurgus, Vogt, Consul.........
Da ist noch einer, da steht sonst nichts dabei, außer dem D. Dem muss ich nachgehen, was das für einer war, genau der interessiert mich. Aber jetzt weiß ichs ja, was das D. für eine Bedeutung hat und kann gezielter suchen.

Friedhard Pfeiffer

Der Plural von dominus ist nicht etwa dominüsse sondern domini.

Anhut

das D. war früher die Abkürzung für Dr. theol. (für evangelische Theologie). Martin Luther z. B. schrieb sich auch D. Martin Luther.
Die Abkürzung D. für Herr war eher in Spanien (Don) oder Portugal (Dom) gebräuchlich.
Andererseits kann das D. auch für Dispens stehen, das bedeutet Befreiung von einem Kirchengesetz.
Quelle: Genealogisch-etymologisches Lexikon.
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

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  #310  
Alt 12.02.2010, 20:58
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Standard in facie Ecclesiae

GiselaR

Jahr aus dem der Begriff stammt: 1683
Region aus der der Begriff stammt: Meinerzhagen/Märk. Kreis
in einem Traueintrag heißt es, das Paar sei "in facie Ecclesiae" copulieret worden.
"facies" hat mehrere Bedeutungen, u.a. Ansicht, Anblick, Angesicht und noch weitere
Übersetzen ist nicht das Problen, sondern was bedeutet das? Viellelicht, daß die Trauung vor der Kirche im Freien stattfand?

Christian Benz

"im Angesicht der Kirche" darf man sich nicht zu bildhaft ausmalen, das ist mehr in übertragenem Sinne zu verstehen, meint also eher, dass die Trauung rechtmäßig vor Pfarrer und Zeugen geschlossen wurde.

GiselaR

ich hab mal eines meiner schlauen Wörterbücher gewälzt und festgestellt, daß die Bedeutung von "ecclesia/ekklesia" viel mehr bei Kirche im Sinne von Gemeinde liegt und auch aber weniger bei Kirche als Gebäude.
Also glaube ich jetzt, der Eintrag bedeutet, daß die Trauung in Anwesenheit der Gemeindemitglieder stattfand, entweder während eines regulären Gottesdienstes oder es war ein separater Trauungstermin, bei dem die Gemeinde aus anderen Gründen anwesend war. Das trifft sich ja z.T. mit deiner Deutung. Allerdings wären, denke ich, auch bei einer Trauung ohne Gemeinde Pfarrer und Zeugen anwesend gewesen. "In facie ecclesiae" geht glaube ich darüber hinaus.
(Auf die Idee, daß die Trauung draußen vor der Kirche stattfand, kam ich, wei es zu diesen Zeiten öfter vorkam, daß der Taufstein außerhalb der Kirche stand, und daher draußen getauft wurde. In späteren Jahrhundertern wurden sie dann im Zuge von Renovierungen ins Kircheninnere gebracht.)

Christian Benz


Zitat:
Kirche im Sinne von Gemeinde liegt und auch aber weniger bei Kirche als Gebäude
Ja, das ist es worauf ich raus wollte.

Schlumpf

Interessant ist diese Formel nur deshalb, es handelt sich dabei um eine lutherische Gemeinde.
In Facie Ec^lia in matrimonio contraxerunt sunt....
sowas steht bei den Katholiken....

GiselaR

ich hab mir darüber unter einem anderen Gesichtspunkt schon Gedanken gemacht:
1. die Trauung war 1683
2. der Vater der Braut war lt demselben Eintrag "des Thumcapitelss zu Muenster Bedienten .."
Also, wenn denn Münster in Westfalen gemeint sein sollte, da mußte doch angeblich die letzten Protestanten schon 1628 die Stadt verlassen. Zwischen diesen beiden Jahren liegt eine lange Zeit.
Wie paßt das zusammen? hat jemand eine Idee?
In dem Eintrag von Meinerzhagen ist sonst kein Hinweis, daß die Familie früher katholisch gewesen sein könnte. Der Familienname ist BANGE.

Schlumpf

Ich denken, man wird mir es nicht glauben, aber das ist eine Gemeinde im alten Jülich, Kleve Berg. Die Grafschaft Mark gehörte auch dazu. Da aber der Herzog in Düsseldorf schwachsinnig war, konnte in der Zeit ab ca 1585 alles sich durchsetzen. Es gibt jede Menge reformierter, katholischer und auch eben lutherischer Gemeinden. Dort ist die Reformation nicht ein scharfer Schnitt gewesen, der die Gemeinden von der Tradition abschnitt, es war vielmehr ein längerer Vorgang, der sich fast 200!! Jahre hinzog. So wurden weniger wichtige teile der Messe wie z.B. die Ohrenbeichte usw erst 1717 aus dem Gebrauch gestrichen. Sowas, wie hier beschrieben ist, finde ich völlig normal und hab ich auch schon mehrfach nachvollziehen können.
P.S. In der Pfarrei Meinerzhagen waren um diese Zeit keine Katholiken, ausser den Besitzern des Gutes Badinghagen und deren Bediensteter.

Homburger

Die konfessionellen Unterschiede sollten nicht immer und überall zu hoch gehalten werden - wie Schlumpf schon andeutete.
Gerade die Protestanten beider Konfessionen (Reformierte und Lutheraner) in Mark, Kleve, Jülich und Berg verstanden Kirche erheblich stärker als Gemeindekirche und weniger als "Amtskirche". Nicht von ungefähr entstand genau dort auch eine Spielart des besonders frommen Pietismus und der Erweckungsbewegung im 19. Jahrhundert.
__________________

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