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Pommerellen 24.05.2022 21:57

Oheim
 
Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1803
Region, aus der der Begriff stammt: Rheinland - Bonn


Hallo,

mir geht es um die Bedeutung der Bezeichnung Oheim.
In einer Heiratsurkunde steht " Oheim der Braut". Kann ich davon ausgehen, das damit der Bruder der Mutter der Braut gemeint ist und nicht grundsätzlich ein Onkel. Da in diesem Fall der Familienname des Vaters der Braut und dieses Oheims gleich sind und so der Bruder des Vaters gemeint ist.

Viele Grüße

Scriptoria 24.05.2022 22:05

Hallo,

wenn der Oheim den Nachnamen des Brautvaters hat, ist er damit wohl eher dessen Bruder.
Im Adelung (erschienen zwischen 1793 und 1801) gilt der Begriff sowohl für die mütterliche als auch die väterliche Linie.
1803 fällt ja in diesen Zeitbereich. Der gleiche Name spricht eher gegen eine durch den Dialekt geprägte Bezeichnung als Mutterbruder.

https://woerterbuchnetz.de/?sigle=Adelung&lemid=O00325


Gruß
Scriptoria

Xtine 25.05.2022 08:50

Hallo,

ich kenne den Oheim nur generell als Onkel. Eine Unterscheidung, wessen Bruder das ist, ist mir nicht bekannt.

Wie Scriptoria schon schreibt, da der Nachame derselbe wie der des Brautvaters ist, wird es wohl sein Bruder sein.

Scriptoria 25.05.2022 08:56

Hallo Xtine,

hier wird die urspüngliche Bedeutung von Oheim als Mutterbruder beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Oheim

Gruß
Scriptoria

Alter Mansfelder 25.05.2022 09:24

Hallo Scriptoria,
Zitat:

Zitat von Scriptoria (Beitrag 1463114)
hier wird die urspüngliche Bedeutung von Oheim als Mutterbruder beschrieben:
https://de.wikipedia.org/wiki/Oheim

wobei aber unbedingt ergänzt werden muss: "hier wird die angebliche Bedeutung von Oheim als Mutterbruder falsch beschrieben". Der Oheim oder Ohm ist vor allem im Hoch- und Spätmittelalter die Bezeichnung für irgendeinen Verwandten allgemein :! Wieviele falsch verknüpfte Abstammungslinien aus diesem Fehlverständnis resultieren, kann man sich leicht ausmalen ... Für das lateinische avunculus mag etwas anderes gelten - das entzieht sich meiner Kenntnis.

1803 wird "Oheim der Braut" dagegen "Onkel der Braut" bedeutet haben - zu diesem Zeitpunkt war die Begriffsbildung in unserem heutigen Sinne wohl längst abgeschlossen.

Es grüßt der Alte Mansfelder

Scriptoria 25.05.2022 10:08

Wie kommen solche Definitionseinschränkungen zustande?
In meinem Lexer ist als erste Bedeutung des Oheims im Mittelhochdeutschen auch der Mutterbruder angegeben. Darauf folgen Schwestersohn, Neffe, und Verwandter überhaupt.
Auch die Grimms beginnen mit dem Mutterbruder, ohne die Bedeutung jedoch auf diesen einzuschränken.
Da sollte es nicht wundern, wenn es zu Fehlinterpretationen kommt.

Alter Mansfelder 25.05.2022 10:22

Zitat:

Zitat von Scriptoria (Beitrag 1463140)
Wie kommen solche Definitionseinschränkungen zustande?

Ja, gute Frage. Ich vermute, dass irgendwann einmal jemand das gegenwärtige Begriffsverständnis zu bedenkenlos rückprojiziert hat und dass dann (wie immer) einer vom anderen abschreibt. Ist beim Vetter ähnlich (= Onkel oder Neffe, auch Cousin, selten irgendjemand) .

Ich empfehle als klarstellende Lektüre: Arnold Berg, Über Verwandtschaftsbezeichnungen, Ehedispense und Namengebung im Mittelalter. Manuskript aus dem Nachlaß, in: Archiv für Familiengeschichtsforschung 1 (1997) S. 368-385.

Es grüßt der Alte Mansfelder

Andre_J 25.05.2022 10:52

Zitat:

Zitat von Xtine (Beitrag 1463112)

Wie Scriptoria schon schreibt, da der Nachame derselbe wie der des Brautvaters ist, wird es wohl sein Bruder sein.

Es gab ja durchaus Doppelhochzeiten nach dem Motto:

"Heiratest du meinen Bruder, heirate ich deine Schwester".

Also bitte nicht noch mehr voreilige Schnellschüsse.

Scriptoria 25.05.2022 10:56

Hallo Alter Mansfelder,


danke für den Literaturhinweis. Auf die Quellen bin ich schon gespannt.

Grüße
Scriptoria

Alter Mansfelder 25.05.2022 12:00

Zitat:

Zitat von Scriptoria (Beitrag 1463147)
danke für den Literaturhinweis. Auf die Quellen bin ich schon gespannt.

Der Beitrag ist mit vielen Quellenbeispielen untersetzt. Ich habe auch selbst genügend aus eigener Forschung.

Es grüßt der Alte Mansfelder


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