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Balduin1297 04.02.2020 18:15

Militärkirchenbücher der 2. Artillerie Brigade
 
Hallo,
ich suche die Militärkirchenbücher der 2. preußischen Artillerie Brigade zwischen 1828 und 1866. Speziell geht es mir um den Theodor Müller, der am 20.11.1810 geboren wurde und am 20.1.1866 gestorben ist. Vor dem Jahr 1841 war er Secondelieutenant und wurde am 27.2.1844 zum Premierlieutenant befördert und am 12.10.1846 verabschiedet. Werden verabschiedete Offizier trotzdem in den Todenregistern der Militärkirchenbüchern geführt?

Die 2. Artillerie Brigade hatte zu der Zeit seine Garnision in Stettin, Stralsund, Kolberg und Gartz. Es gehörte zum II. Armeekoprs, welches seinen Standort in Stettin hatte.
Leider habe ich bei den Militärkirchenbüchern des GStA PK keine Abteilung für Artillerie gefunden. Dafür habe ich die Todenregister des II. Armeekorps in Stettin für das Jahr 1866 gefunden, wo der Theodor Müller mit eingetragen wurde. Dort wird auch der neuere Name der 2. Artillerie Brigade mit angegeben: Feldartillerie-Regiment Nr. 2 (1. Pommersches)


VIII. HA, MKB, Nr. 2406 (Fiche 3908)

II. und XVII. Armeekorps (Feldkirchenbuch)
Enthält:
Tote 1866 (mit Namensindex)
Preußische Armee (ab 1806/07):
Armeeeinteilung:
1. Armee-Inspektion Danzig:
XVII. Armeekorps Danzig:
- Infanterie-Regiment Nr. 21 (4. Pommersches) von Borcke (S. 21-37)
- Infanterie-Regiment Nr. 61 (8. Pommersches) von der Marwitz (S. 39-51)
XX. Armeekorps Allenstein:
- Ulanen-Regiment Nr. 4 (1. Pommersches) von Schmidt (S. 53-54)
8. Armee-Inspektion Berlin:
II. Armeekorps Stettin:
- Grenadier-Regiment Nr. 9 (2. Pommersches/Kolbergsches) Graf Gneisenau (S. 1-8)
- Infanterie-Regiment Nr. 49 (6. Pommersches) (S. 11-20)
- Feldartillerie-Regiment Nr. 2 (1. Pommersches) (S. 55).

Und weiß jemand, ob in den Todenregistern auch der Geburtsort angegeben wird?

Weiß jemand, für welchen Zeitraum welche Militärkirchenbücher verfügbar sind?
Und wo haben eigentlich die verabschiedeten preußischen Offiziere gewohnt? Denn so viele Invalidenhäuser gab es ja gar nicht. Und was ich auch seltsam finde, ist, dass er im Jahr 1860 in Iwanowka im Gouvernement Cherson der Taufpate seines nach ihm benannten Neffen Gottlieb Theodor Müller war. Normalerweise müsste er dann ja auch in Russland gestorben sein.
http://genwiki.genealogy.net/FAR_2
http://genwiki.genealogy.net/II._Armeekorps_(Alte_Armee)
https://forum.ahnenforschung.net/sho...11#post1242611
http://archivdatenbank.gsta.spk-berl..._mkb/index.htm

SusanneVonG 08.02.2020 14:37

Zitat:

Zitat von Balduin1297 (Beitrag 1242829)
Dafür habe ich die Todenregister des II. Armeekorps in Stettin für das Jahr 1866 gefunden, wo der Theodor Müller mit eingetragen wurde.

Hallo Balduin1297,

die Sache ist mir rätselhaft. Ich finde den von Dir genannten Sterbeeintrag im MKB, GStA 2406, nicht. Der kann dort aber auch gar nicht enthalten sein. Denn ein 1810 geborene Offizier, der bereits 1846 die Truppe verließ, wurde doch nicht im Feldzug 1866 reaktiviert. Müßte er aber, weil das von Dir genannte MKB ein Feldkirchenbuch ist, und damit nur die Einträge zum Feldzug 1866 enthalten sollte. Tatsächlich ist darin das 1. Pom. FeldArtRgt. Nr. 2 enthalten (wie genannt auf S. 55), aber nur die 3. FußAbtl. und dazu nur 2 Einträge von Gäbel u. Plath. Dann habe ich das MKB des Regiments durchgesehen, auch dort fehlt er im Januar 1866 sowie im Verz. der gefallenen Soldaten des FZs 1866. Schließlich fehlt er auch in der Regimentschronik, auch wenn dieses etwas kurz gehalten ist, so müßte doch ein gefallener Oberleuntnant enthalten sein. Im Militärwochenblatt ist er dann vermerkt, allerdings als Prm.Ltn. a.D. und damit starb er als gewesener Soldat, nicht aber als Teilnehmer des Feldzuges 1866. Könntest Du mir bitte angeben, auf welcher Seite er im Film 2406 enthalten ist. Die Verfilmung hat 150 Seiten, die möchte ich nicht alle durchsehen.

Anbei die MKB der 2. Art.Brig. bzw. 1. Pom. FeldArtRgt. Nr. 2:
Das gesamte Regt.:
Bd. 1 1820-1838 Tf (mit Index), Tr, Bg (GStA, Sig. 1208)
Bd. 2 1838-1856 Tf (mit Index), Tr, Bg (GStA, Sig. 1219)
Bd. 3 1856-1866 Tf (mit Index), Tr, Bg (GStA, Sig. 1222)

Bd. 4 1834-1860 Tf, Tr, Bg - alles nur Duplikat für Stettin (GStA, Sig. 1213)
Bd. 5 1860-1866 Tf, Tr, Bg - alles nur Duplikat für Stettin (GStA, Sig. 1226)

Bd. 6 1842-1868 Tf, Tr, Bg - alles nur II. Abteilung in Kolberg (GStA, Sig. 1318)

Bd. 7 1873-1893 Tf, Tr, Bg - alles nur I. Abteilung in Gollnow (GStA, Sig. 1281)

Grüße
Susanne.

SusanneVonG 08.02.2020 16:11

Hallo Balduin1297,

noch eine andere Sache: Bist Du Dir mit dem Geburtsdatum sicher? Dieses 20.11.1810 stammt doch nicht aus der Offz.-Klatur, oder? Weil dort werden in der Regel keine Geburtsdaten genannt. Wegen den Wasserflecken läßt sich nur spekulieren. Ich meine aber, dort 1832 20. Nov. zu lesen. Das würde auch Sinn machen. Nach den pr. Ranglisten erscheint nämlich erstmals 1832 ein Müller, der, vermutlich aufgrund seiner Schulbildung, als SekLtn. in die 9. Batterie, 3. Abtl., in Stralsund in die Brigade kam. Er wurde gleich zur Art. u. Ing. - Schule nach Berlin kommandiert. 1832 Sek.Ltn. und 1844 Prm. Ltn. paßt auch. Vermutlich wurde er krank oder erhielt eine bessere Zivilanstellung u. ging deshalb bereits 1846 ab.

Grüße
Susanne.

Balduin1297 08.02.2020 16:46

Vielen Dank für die Hilfe. Seinen Sterbeeintrag habe ich leider bisher nur in der Offiziernomenklatur gefunden. Sein vermutetes Geburtsdatum vom 20.11.1810 stammt von stammt auch aus der Offiziernomenklatur. Allerdings kann ich nicht erkennen, welches Wort direkt nach dem Datum steht. Was könnte dieses erstgenannte Datum noch bedeuten? Das einzige, was sonst noch lesen kann, ist der 20.11.1813. Beim zweiten Datum, wo der Fleck ist, könnte der 24.10.1832 gennannt sein. Und der 20.11.1832 wird auf jeden Fall das richtige Datum sein. Und er ist nicht im Jahr 1866 gefallen, da er bereits im Jahr 1846 verabschiedet wurde. Ich möchte trotzdem sein Sterbeeintrag aus dem Militärkirchenbuch finden. Dafür müsste ich wohl den Band 3 bestellen. Allerdings hast du ja gemeint, dass du schon den dritten Band durchgesehen hast und den Sterbeeintrag nicht gefunden hast. Weißt du vielleicht, warum er nicht im Militärkirchenbuch genannt wird? Liegt das vielleicht damit zusammen, dass er nicht mehr im Invalidenhaus gewohnt hat und nach Russland ausgewandert ist und dort auch gestorben ist? Vielleicht hat er in Russland auch einen neuen zivilen Beruf gelernt, weshalb er vielleicht nicht im Kirchenbuch genannt wird. Weißt du vielleicht, wie man den Geburtsort des Theodor Müllers herausfinden kann?
Und könntest du mir bitte noch die beiden genauen Einträge des Theodor Müllers aus dem Militärwochenblatt und aus der preußischen Rangliste schicken? Wann hat er die Artillerie- und Ingenieurschule in Berlin besucht?
Und wie findet man in der Datenbank des GStA die Signatur 1222 sowie die anderen Signaturen?

Balduin1297 08.02.2020 18:09

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Ich habe gerade herausgefunden, dass der Theodor Müller am 24.10.1832 einrangiert wurde (siehe Anhang). Also stimmt schon mal das zweite Datum, was teils von dem Fleck bedeckt wurde. Jetzt fehlt nur noch das erste Datum, welches noch unsicher ist.
Die beiden Einträge stammen auch aus dem Militärwochenblatt. Was ich auch seltsam finde, ist, dass er laut dem Militärwochenblatt bei der Einrangierung 1832 den Dienstgrad eines Kapitäns war, der sich über dem Secondelieutenant und Premierlieutenant befand. Der Kapitän/Capitain war der selbe Dienstgrad wie der spätere Hauptmann. Und hast du alle Militärkirchenbücher der 2. Artillerie Brigade aus Stralsund, Stettin und Kolberg nach dem Sterbeeintrag des Theodor Müller durchsucht?
Und weißt du, was die Abkürzung hdw. in der preußischen Rangliste bedeutet? Denn diese Abkürzung wird ständig in Verbindung mit dem Theodor Müller genannt.

SusanneVonG 08.02.2020 22:35

Hallo Balduin1297,

Du darfst bitte zwei Dinge nicht vergessen: Der Name Müller war und ist sehr, sehr häufig. Der pr. Staat kannte praktisch keine Vornamen, sei es in Beamtenverzeichnissen oder eben in den Ranglisten, im Militärwochenblatt usw. Der von Dir gefundene Hptm. ist natürlich ein anderer. Das war Müller 1 und der Theodor dann Müller 2. Der hier besprochene Theodor Müller wurde 1832 (verm. am 20. Nov.) SekLtn., 27. Feb. 1844 PrmLt., am 12. Okt. 1846 verabschiedet und starb am 20. Januar 1866.
Im MKB des 1. Pom. FeldArtRgt. Nr. 2 kann sein Sterbeeintrag nicht enthalten sein, weil er kein aktiver Soldat war. Starb er am Standort einer preußischen Garnison mit einem eigenen Militärkirchenbuch könnte / sollte sein Sterbeeintrag dort verzeichnet sein. Wenn er aber 1846 abging, um im Zivilen mehr Geld zu verdienen (Art.- u. Ing.-Offiziere waren aufgrund ihrer technischen Kenntnisse gesuchte Leute während der Industrialisierung), wird es keinen Sterbeeintrag in einem MKB geben. Er nahm ja seinen Abschied, war also in keiner Invalidenkompanie, sondern vielleicht Eisenbahningenieur, Maschinenbautechniker oder etwas in der Art.

Eine Frage habe ich aber an dieser Stelle: Wenn Du anscheinend nur wenige Daten (aus Russland?) zu dieser Person vorliegen hast, woher weißt Du, daß dieser Theodor M. der richtige ist?

Grüße
Susanne.

Balduin1297 09.02.2020 17:11

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Nochmal danke für die Hilfe. Es ist nur seltsam, dass dieser Kapitän Theodor Müller auch am 24.10.1832 einrangiert wurde. Denn das Datum 24.10. wird auch im Offiziernomenklatureintrag genannt. Ich denke, dass er der richtige ist. Und dann steht auch noch, dass er in Stralsund einrangiert wurde, was ja auch stimmt. Denn warum sollte genau am selben Tag jemand anderes einrangiert worden sein. Denn du vergisst immer dieses zweite Datum, den 24.10. Am 20.11. wurde er wahrscheinlich geboren. Auch wenn ja angeblich keine Geburtsdaten in der Offiziernomenklatur eingetragen wurden, denke ich trotzdem, dass es sein Geburtsdatum ist. Denn die Zahl nach der 18 ist ganz sicher eine 1. Danach könnte es eine 0 oder drei sein. Wahrscheinlicher denke ich eine 0. Vom Alter her passt das auch genau, denn wenn er im Jahr 1832 einrangiert wurde, hat er drei Jahre eher im Jahr 1828 oder 1829 das Studium an der Artillerie- und Ingenieurschule im Alter von 18 Jahren begonnen.

Im Jahr 1860 war er der Taufpate seines Neffen Gottlieb Theodor Müller. In dem Taufeintrag wurde er als verabschiedeter preußischer Artillerie Offizier bezeichnet und da er im Jahr 1846 verabschiedet wurde und 1866 verstorben ist, passt das also auch von der Zeit her. Außerdem gab es zu der Zeit insgesamt vier Artillerie Brigaden. Also muss er bei einer dieser Artillerie Brigaden gedient haben und ich habe nur einen Theodor Müller bei der 2. Artillerie Brigade gefunden. Der Taufeintrag aus Nikolajew befindet sich im Anhang.


Weißt du vielleicht, was die Abürzung hdw. in der preußischen Rangliste bedeutet? Teilweise steht dort auch hdw.-Comp., also hdw.-Kompanie. Die hdw.-Kompanie war in Stralsund stationiert.


https://www.familysearch.org/search/...tory%20Library


Hier gibt es noch Stammrollen von Stralsund. Allerdings glaube ich, dass dort nur die Mannschaften genannt werden und nicht die Offiziere. Dort werden auch die Geburtsdaten und Geburtsorte mit angegeben. Es muss doch auch Verzeichnisse geben, in denen auch die Geburtsdaten und Geburtsorte der Offiziere mit angegeben werden. Denn es kann doch nicht sein, dass es zu den einfachen Mannschaften mehr Daten gibt als zu den Offizieren. Ich habe noch gelesen, dass es auch Kriegsstammrollen gibt, wo auch die Offiziere genannt werden. Und das es zu den Offiziere noch Personalakten gibt. Allerdings weiß ich nicht, wo man diese einsehen kann.

SusanneVonG 09.02.2020 18:29

Hallo Balduin1297,

hdw = Handwerker, also die Handwerkerkompanie mit Stellmachern, Schmieden usw. Du liegts aber mit dem Hptm. Müller falsch. Wie soll denn ein um 1810 geborener Soldat bereits 1832 Hptm. der Artillerie gewesen sein. Außerdem führte dieser das Eiserne Kreuz II. Klasse von 1814-1815, was er dann mit 4-5 Jahren bekommen hätte! Wenn der Taufeintrag von 1860 ist, dann könnte ein fraglicher Art.Offz. aus der pr. Armee also auch 1859 abgegangen sein. 1846, wo 'unser' Theodor abging, gab es 8 Art.Brig., die Festungs.Art.Res.-Kompanien, die Feuerwerker-Abtl., die Art.Offz. vom Platz (allerdings >= Hptm.) und die Zeugs.Offz. 1859 war dies (mit einigen Umformatierungen) noch immer so.

Und in der Offz.-Klatur gab es nur einen Art.Offz. namens Theodor Müller vor 1860, ist das richtig?

Grüße
Susanne.

Kasstor 09.02.2020 18:40

Hallo,

Hdw ist die Abk. für Handwerks. Die Handwerks-Kompanie stand in Berlin.
Ich sehe den Capt Müller aber zumindest 1836 u 38 bei der 1. Kompanie, die nach der Rangliste in Stettin stand.
mittlerweile geänderte Bezeichnung: Hauptmann Müller Abgang als Major u 5ter Stabs-Offiz. verzeichnet in der Rangliste 1843.
In der Rangliste 1847 steht dann zum Premier-Ltnt Müller : mit Art.-U. m d v Abz f V, m Auss auf Civ-Ver u mit Pens. dim.
In der Rangliste 46 war er zum ersten und einzigen Mal bei der 6. Kompanie, die in Kolberg stand.



Thomas

Balduin1297 09.02.2020 19:46

Danke nochmal. Dann ist dieser Kapitän Müller doch ein anderer, obwohl er am 24.10 einrangiert wurde und dieses Datum kommt auch in dem Eintrag des Theodor Müllers in der Offiziernomenklatur vor.

Ja, richtig. Es gab in der Offiziernomenklatur nur einen Theodor Müller, der vor 1860 verabschiedet wurde. Ich habe noch einen weiteren Theodor Müller gefunden, der auch als Artillerie Offizier bezeichnet wurde. Allerdings wurde er erst nach 1860 oder gar nicht verabschiedet. Das heißt, dieser Theodor Müller muss der richtige sein.

Hier ist ein Teil der Transkription, da ich nicht alles lesen konnte:

Theodor, Bombardier in der 6. Art. Brig. 29. März ... 1840 8.10. ... SecLt
mit Infant? Gehalt. 1842 6. Jun.? Artill. Offizier ... 1852 30. Juni PrLt 1857 1. Januar ...
1858 1. Mai Comp. resp.? Battr. Chef 1865 5.12. ... Major u. Abtheilungs-Commandant? ...
Brigd. 1866 6. Juni in d. 6. Artill. Brigd. 1868 4.? Janr. Artill. Offizier u. ...


Laut Randbemerkung wurde er am 18.6.1869 noch zum Oberstlieut. und am 18.8.1871 zum Oberst befördert.

Eintrag: http://dfg-viewer.de/show/cache.off?...afb90be8d20245

SusanneVonG 10.02.2020 10:32

Hallo Balduin1297,

ich denke, es will Dir hier niemand Deinen Erfolg kleinreden. Denn im fernen Russland einen Taufpaten zu finden und diesen anschließend in einem pr. Offz.-Verz. aufzuspüren, ist sicher ein Erfolg. Es bleibt eben das Problem mit der Häufigkeit des Namens Müller. Auch ist die Offz.-Klatur nicht vollständig. Gerade bei 'Müller' könnte ich mir einige fehlerhafte Zuordnungen oder sogar Auslassungen von Personen gut vorstellen. Vielleicht fehlen auch Seiten oder der Wasserschaden läßt den einen oder anderen Müller 'ganz verschwinden'. Wenn Du aber den gefundenen als den richtigen ansiehst, ist das letztlich natürlich Deine Sache.

Die Stammrollen des FAR 2 sind seit April 1945 nicht mehr vorhanden. Was Du noch versuchen könntest: Im GStA Berlin befindet sich eine Akte Artillerie- und Ingenieur-Schule zu Berlin, 1832 - 1888, Sign. I. HA Rep. 76, VI Sekt. XIV z Nr. 7. Wenn Du Glück hast, sind die darin die aufgenommenen Schüler mit Geburtsort oder sogar mit einem kleinen Lebenlauf enthalten. Wenn es schlecht läuft, enthält die Akte nur Abrechnungen über Tinte, Federkiele, Bestuhlung oder ähnliches.

Grüße
Susanne.

Balduin1297 10.02.2020 16:44

Ein zusätzlicher Hinweis ist, dass er der richtige Onkel ist, ist, dass er zuletzt in Berlin stationiert war und bei der Handwerks-Kompanie war. Er ist wahrscheinlich deshalb nach Russland gegangen, um mit dem Rest seiner Familie zusammen zu sein und da bei der Industrialisierung in Russland viele gute,vor allem deutsche Ingenieure gesucht wurden, hatte er dort auch sehr gute Möglichkeiten. Außerdem ist ab den 1880er Jahren ein Teil der Familie Müller auch nach Berlin gezogen, genauer gesagt mein Ururgroßvater und sein älterer Bruder. Sie sind sozusagen in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Ich werde versuchen, diese Akte der Artillerie - und Ingenierschule einzusehen.
Hier ist der komplette Werdegang des Theodor Müllers laut der Rangliste, wo ich allerdings eine Angaben nicht richtig verstanden habe:


1832-1833 Secondelieutenant bei der 9. Kompanie in Stralsund, com. bei Art. u. Ing.-Schule
1834-1838: Secondelieutenant bei der 3. Kompanie in Stettin, ad inst. Frw.-Lt.
1839: Secondelieutenant bei der 10. Kompanie in Stralsund, com. in Berlin (Handwerks-Kompanie in Berlin)
1840-1841: Secondelieutenant bei der 10. Kompanie in Stralsund
1842-1843: Secondelieutenant bei der Handwerks-Kompanie in Berlin
1844-1845: Premierlieutenant bei der Handwerks-Kompanie in Berlin
1846: Premieurlieutenant bei der 6. Kompanie in Kolberg, 1ste


Ist es möglich gleichzeitig in Berlin zu studieren und Offizier bei der 9. Kompanie zu sein?
Was bedeutet die Abürzung ad inst.? Von 1834-1838 war er gleichzeitig bei der regulären 3. Kompanie und Feuerwerksleutnant, obwohl es bei der 2. Artillerie Brigade gar keine Feuerwerksabteilung gibt. Diese gibt es allerdings in anderen Brigaden.


Im Jahr 1839 war er auch gleichzeitig bei der 10. Kompanie und nach Berlin kommandiert. Vermutlich hängt das mit der Handwerkskompanie zusammen, die er später beitritt.
Ab 1842 war er dann bei der Handwerker-Kompanie in Berlin, allerdings wird er nicht separat noch bei der Handwerks-Kompanie mitgenannt.
Und was bedeutet im Jahr 1846 die Angabe "1ste"?

SusanneVonG 10.02.2020 22:44

Hallo Balduin1297,

daß er längere Zeit in der Handwerkerkompanie der 2. Art.-Brig. war, könnte allerdings in der Tat auf seinen Hang zur Technik hindeuten. Er war also vermutlich eher Techniker (für Eisenguß?) als Offizier und verließ daher die Armee.

Er nahm die Stelle eines Sek.Ltn. der 9. Komp. der 2. Art.Brig. ein, besuchte aber die Schule in Berlin.

ad int. (nicht ad inst.!) = ad interim = vorläufig

Vielleicht war jeder Sek.Ltn. zeitweise als Feuerwerks-Ltn. innerhalb der Brigade/Regiment eingeteilt. Die Qualität des Schwarzpulvers zu überprüfen, die Herstellung von Brand- oder Sprenggranaten, Überwachung der Pulvermagazine usw. gehörten verm. zu seinen Aufgaben.

1ste = er war Müller Nr. 1, weil es noch einen zweiten Offz. Müller in der Brigade gab.

Grüße
Susanne.

Balduin1297 10.02.2020 23:10

Nochmal vielen Dank für die ganzen interessanten und wichtigen Informationen.

Juergen 12.02.2020 15:35

Hallo Balduin,

Die Berliner Adressbücher kennst Du ja sicher.
Darin sind auch Offiziere mit deren Wohnanschrift verzeichnet.
nur manchmal ohne Rufnamen-Kürzel wie Th. für Theodor oder auch Thomas (damals seltener).

Viel hilft es aber auch nicht weiter, so man einen vermuteten passenden Kamditaten gefunden
hat.

Jahrgang 1845: MÜLLER
--> https://digital.zlb.de/viewer/image/34111722_1845/315/

Jhrg. 1846 --> https://digital.zlb.de/viewer/image/34111722_1846/317/

Ein Th. Müller bei den Offizieren wird nicht gelistet.
Ein Sec. Lieutn. dienstl. z.Z. bei der Garde Art. Brigade Schadow Str. 14

1845 SchadowStr. 14:
--> https://digital.zlb.de/viewer/image/34111722_1845/652/
dort wohnhaft noch ein G.F. MÜLLER, Wirkl. Geh. Kriegsrath.

Schadow Str. 14 war wohl die Kriegs-Schule oder dergleichen.

Falls Dein gesuchter Theodor MÜLLER verheirtat war und Kinder hatte,
sollten diese in Militär Kirchenbücher zu finden sein.

Viele Grüße
Juergen

Balduin1297 12.02.2020 15:44

Nochmal danke. Dann hätte ich noch eine weitere Bitte an Susanne, ob sie in den Militärkirchenbüchern zwischen 1832 und 1846 nach der Heirat des Theodor und den Taufen der Kinder des Theodor nachschauen könnte. Ich wäre wieder sehr dankbar.. Vor allem hoffe ich sehr, dass in der Heirat auch der Geburtsort eingetragen wurden. Das ist die letzte Hoffnung, doch noch etwas über die Herkunft der Familie Müller in Russland etwas herauszufinden.


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