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-   -   [ungelöst] Kirchspielarmer (https://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=195806)

obranies 29.10.2020 11:44

Kirchspielarmer
 
Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1866
Region, aus der der Begriff stammt: Ostpreussen


Hallo zusammen,

beim zusammensuchen der Daten zu meinem Ur-Ur-Grossvater (* ~1800ist mir aufgefallen, dass er bei allen Einträgen zu Heiraten, Taufe meines Ur-Grossvaters usw. als Losmann (also Klein-Pächter) geführt wurde.

Der Sterbeeintrag in 1869 jedoch nennt ihn als Kirchspielarmen. Der Begriff ist natürlich quasi selbsterklärend (und auch ein wenig deprimierend) und mir geht es auch eher um ggf. bestehende Besonderheiten in dieser Region, zu dieser Zeit. Also quasi die "Anekdoten" um diesen Begriff herum.

War dies z.B. mit zusätzlichen Nachteilen verbunden? Brachte dies ggf. zusätzliche Belastungen für die Nachkommen mit sich?

mit bestem Gruss,

Oliver

mawoi 29.10.2020 12:19

Hallo Oliver,
die Armenfürsorge war um 1800 Sache der Kirche. In dem niedersächsischen Kirchspiel, mit dem ich mich beschäftigt habe, war es so, dass ungefähr jeweils fünf Personen als Kirchenspielarme galten und Zuwendungen von der Kirche erhielten. Das Geld kam u.a. durch Kollekten im Gottesdienst zusammen und als Spende, bei Taufen, Trauungen und Beerdigungen. Die Kirchenältesten legten frest, wer als bedürftig galt und besonders zu Weihnachten wurde das Geld dann verteilt. Auch Schulgeld und Impfkosten für arme Familien wurden daraus finanziert. War es bei deinem Vorfahren vielleicht so, dass er am Lebensende nicht mehr ausreichend von seiner Familie versorgt werden konnte?


VG
mawoi

assi.d 29.10.2020 21:22

Zitat:

die "Anekdoten" um diesen Begriff herum.
Hm, Anekdoten waren für mich bislang immer etwas Lustiges...Aber als Kirchspielarmer hatte man definitv nix zu lachen. In den meisten Dörfern gab es ein Armenhaus, in dem alle Bedürftigen zusammen gepfercht wurden. Das waren Arme, Alte und Behinderte Menschen. Entsprechend oft kamen auch Krankheiten vor. Trauriges Schicksal.

Astrid

obranies 30.10.2020 00:57

Zitat:

Zitat von mawoi (Beitrag 1308392)
War es bei deinem Vorfahren vielleicht so, dass er am Lebensende nicht mehr ausreichend von seiner Familie versorgt werden konnte?

Ja, das wäre durchaus möglich. Allerdings habe ich nur wenige Informationen darüber. Ich war noch ein Jugendlicher als mein Opa starb, in dem Alter hatte man (ich zumindest) nicht so viel Interesse an Gesprächen mit den Grosseltern über vergangene Zeiten. Heute sehe ich das natürlich anders. Was ich aber weiss ist, dass noch 2 weitere Generationen im dem Kreis geboren und aufgewachsen sind. Erst mein Opa und seine Geschwister haben sich regional (und beruflich) verändert und sind teilweise "in die Welt gezogen".

obranies 30.10.2020 01:00

Zitat:

Zitat von assi.d (Beitrag 1308511)
Hm, Anekdoten waren für mich bislang immer etwas Lustiges...

Hallo Astrid, Du hast Recht. Das war mir gar nicht so bewusst. Für mich hatte der Begriff an sich immer etwas neutrales aber dennoch konkretes, mit einer bestimmten Situation, Person oder ähnlichem verbundenen Geschichte.
Dass es sich tatsächlich um einen üblicherweise eher humorvollen Kontext handelt, wusste ich nicht.


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