Familiennamen Zusatzendung "en"

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  • Digedag
    Benutzer
    • 20.08.2024
    • 28

    #1

    Familiennamen Zusatzendung "en"

    Hallo, mir ist bekannt, dass oft die Endung "in" angehängt wird bei weiblichen Personen. Wurde auch "en" in diesem Sinne verwendet? Ich habe jetzt mehrere Fälle, wo es mir so erscheint, z.B. Einbrodtin, Berken.
  • Anna Sara Weingart
    Erfahrener Benutzer
    • 23.10.2012
    • 17754

    #2
    Ja, das kommt vor.


    Früher gab es z.B. auch manchmal das Umgekehrte, jedenfalls in Schwaben:
    Herr Eberlin, Frau Eberler oder Frau Eberlinin oder Frau Eberlerin.
    Früher gab es eigentlich sehr häufig die (männliche) Namensgrundform mit -in am Ende.
    Heute schreibt man dagegen eher Herr Eberle.
    Zuletzt geändert von Anna Sara Weingart; 18.03.2026, 13:24.
    Viele Grüße

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    • rpeikert
      Erfahrener Benutzer
      • 03.09.2016
      • 3738

      #3
      Das hängt stark von der Gegend ab.

      Aus der Schweiz kenne ich nur das "in". In Niederschlesien habe ich das "in" zwar auch gesehen, aber viel öfter das "en", resp. nur "n" bei Namen die z.B. auf -er oder -el enden.

      LG Ronny

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      • Xtine
        Administrator

        • 16.07.2006
        • 30800

        #4
        Hallo,

        also ich kenne es auch, daß es quasi der Genitiv des Namens ist.
        Im Beispiel oben mit dem Namen Berk wäre das dann: Anna, des Johann Berken Ehefrau
        Viele Grüße
        Christine


        Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu erkennen, der kann anderen ein Lehrer sein.
        (Konfuzius)

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        • Xylander
          Erfahrener Benutzer
          • 30.10.2009
          • 6895

          #5

          Hallo zusammen,

          wie Xtine schreibt, kennzeichnet die Endung -en einen Genitiv, und zwar handelt es sich um den "schwachen" Genitiv. Der "starke" Genitiv endet auf -s. Beide Genitivformen wurden zur Bildung patronymischer Familiennamen herangezogen:
          - FN auf -en: Harmen, Diercken, Heinen, Cordten, Kurten, Kürten, Frantzen, Fritzen, Schmidten
          - FN auf -s: Harms, Diercks, Hinrichs, Cordes, Friedrichs, Schmitz (aus Schmidts = Schmieds)
          - FN mit kombinierten Formen: Harmens, Dierckens, Kurtens

          Verwendet werden die FN auf -en für beide Geschlechter, es gibt also einen Johann Kurten und eine Maria Kurten (die nicht die Ehefrau oder die Tochter eines Herrn Kurt ist). Damit ist die Ausgangsfrage eindeutig beantwortet. Die Endung -en kennzeichnet nicht die weibliche Form von Familiennamen. Sie entspricht somit nicht der Endung -in in südwestdeutschen, bayerischen und österreichischen FN.

          Anmerkung 1: die Endung -s ist nicht zu verwechseln mit der Endung -sen. Diese ist vielmehr eine Form von -sohn.
          Anmerkung 2: der Endung -in in südwestdeutschen, süddeutschen und österreichischen FN entspricht die Endung -sche. Beispiel: eine Katharina, die mit einem Herrn Schmidt verheiratet ist, wird "die Schmidtsche" genannt.
          Anmerkung 3: die mittelhochdeutsche Endung -lin hat Diminutiv-Funktion, entsprechend dem neuhochdeutschen -lein. Dasselbe gilt für die verkürzten Formen -li, -le und -l. So kommt es zustande, dass Herr Eberl eine Tochter Sophia Eberlin hat (ausgedachtes Beispiel). Was ich nicht wusste, dass die Frau eines Herrn Müller erwartungsgemäß die Müllerin war, die unverheiratete Tochter der beiden aber oft Müllerlin genannt wurde (sagt Google KI). Wenn man das -lin als Diminutiv-Suffix auffasst, dann wäre die Tochter "das Müllerchen", sie rutscht also ins Neutrum, ganz ähnlich wie in Köln "et Schmitzebill" - es/das(!) Schmitzens Sibylle.
          Anmerkung 4: Literaturtipp von Google KI: https://www.germanistik.uni-mainz.de...ovierungen.pdf

          Viele Grüße
          Peter
          Zuletzt geändert von Xylander; 19.03.2026, 14:46.

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          • rpeikert
            Erfahrener Benutzer
            • 03.09.2016
            • 3738

            #6
            Guten Abend

            Wie gesagt, es kommt auf die Region an. Natürlich kann -en ein Genitiv sein, das kenne ich gut aus der Schweiz und auch aus dem Süden Deutschlands. Dieser Genitiv mit -en wird in gewissen Situationen noch heute in der Schweiz verwendet, hauptsächlich bei Namen die auf s oder z (etc.) enden, wo man nicht gut ein -s anhängen kann, beispielsweise "Kunzen Hund hat die ganze Nacht gebellt"

            Weiter nördlich, oder konkret in Niederschlesien wo ich Tausende von Kirchenbucheinträgen gelesen habe, kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass -en dort ein weiblicher Suffix war, anstelle des anderswo üblichen -in. Bei Namen wie Becker oder Hensel wurde statt dem -en nur ein -n angehängt. Mein Familienname Peikert wurde in Schlesien in mindestens 14 Varianten geschrieben, davon einige ohne das abschliessende t. Konsequenterweise hiessen in solchen Fällen die Frauen dann "Peickern" (o.ä.) und andernfalls eben 'Peuckerten" (o.ä.).

            LG Ronny


            P.S. Hier z.B. eine Kirchenbuchseite aus Saabor im Kreis Grünberg. Es handelt sich um Trauungen und die Nachnamen der Bräute stehen mit Sicherheit nicht im Genitiv. Die Namen enden alle auf -n, ein paar auf -in, aber die meisten auf -en. Bei "Heintzen" kann der eigentliche Name Heintz oder Heintze sein, und im letzteren Fall wäre dann nur ein -n angehängt worden. Aber z.B. bei "Feindten" (Nr. 24) ist der Name eindeutig Feindt, d.h. es wurde ein -en angehängt.
            Zuletzt geändert von rpeikert; 19.03.2026, 22:00.

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            • Xylander
              Erfahrener Benutzer
              • 30.10.2009
              • 6895

              #7
              Hallo Ronny,

              in Niederschlesien kenne ich mich nicht aus, und ich finde die dortige FN-Tradition, wie du sie schilderst, hoch interessant.

              Du hast Recht, bei den Traueinträgen deiner Beispielseite stehen die FN der Bräute als Satzglied nicht im Genitiv, sondern nach der Präposition "mit" im Dativ. Dass dessen Formen mit denen des Genitivs gleichlautend sein können, ist für unsere Frage unerheblich.

              Denn die Endungen -en oder -n, die den FN der Frauen anstelle des -in angehängt werden, kennzeichnen die Trägerin zwar ebenso wie das -in als weibliche Person, sie sind aber meiner Meinung nach nicht etwa spezifisch niederschlesische Varianten des -in, sondern ganz einfach die bekannten Genitivsuffixe -en oder -n. Da sie in Niederschlesien anders als in anderen Regionen regelmäßig nur bei Frauennamen verwendet werden, könnte man sie als originäre Weiblichkeitssuffixe empfinden, doch das sind sie mE nicht.

              Interessieren würde mich, ob du bei deinen Forschungen mal einen FN eines Mannes gefunden hast, der im Nominativ auf -en endete.

              Viele Grüße
              Peter



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              • rpeikert
                Erfahrener Benutzer
                • 03.09.2016
                • 3738

                #8
                Hallo Peter

                "Männliche" Nachnamen auf -en habe ich schon auch in meinen Gedbas-Daten, aber keine wo das "en" als solches ein Bestandteil des Namens wäre. Vielleicht also nicht das, worauf Deine Frage gezielt hat(?). Beispiele: Senftleben, Degen, Steffen, und mehrere Namen die auf -chen enden. Weibliche Formen von solchen Namen habe ich auf die Schnelle nur gerade zwei gefunden: Senftleben --> Senftlebin, Frömichen --> Frömichin. Es wurde ja nicht einfach stur ein -en angehängt.

                Hier ist noch ein Beispiel aus Namslau mit Kochen, Heinrichen, ..., Wollfen, etc.

                LG Ronny
                Zuletzt geändert von rpeikert; 21.03.2026, 07:56.

                Kommentar

                • Xylander
                  Erfahrener Benutzer
                  • 30.10.2009
                  • 6895

                  #9
                  Hallo Ronny,

                  ja, das ist eindeutig:
                  die Suffixe -en/-n sind von Hause aus und im größten Teil des Verbreitungsgebiets der deutschen Sprache und ihrer Dialekte keine Moveme (sprachliche Mittel zur Kennzeichnung des biologischen Geschlechts durch Ableitung von einer Ausgangsform) wie z.B. die Suffix -in und -sche bei Familiennamen von Mädchen und Frauen oder das Suffix -ich bei Gänsen und Enten. https://de.wikipedia.org/wiki/Movierung

                  Speziell in Schlesien wurden -en bzw. -n jedoch in großem Umfang und ganz klar erkennbar movierend für die Bildung der Familiennamen von Mädchen und Frauen verwendet, und zwar alternativ zum Movem -in, das ebenfalls häufig benutzt wird. Ich habe die beiden Kirchenbücher, aus denen deine Auszüge stammen, und außerdem ein Taufbuch aus Saabor durchgeblättert und keinen einzigen Eintrag gesehen, der dagegen spräche, dass -en und -n für die weibliche Form des Namens stehen.
                  https://www.szukajwarchiwach.gov.pl/de/jednostka/-/jednostka/6659772?_Jednostka_delta=1&_Jednostka_resetCur=fal se&_Jednostka_cur=1&_Jednostka_id_jednostki=66597 7 2

                  Ich hätte also kein Problem mehr damit, -en und -n als Moveme oder Weiblichkeits-Suffixe zu bezeichnen, die speziell in Schlesien verwendet wurden. Ob auch anderswo in dieser Eindeutigkeit, weiß ich nicht.

                  Unbedingt betonen möchte ich aber: -en und -n sind mE keine dialektalen oder umgangssprachlichen schlesischen Varianten des Suffixes -in, sondern vielmehr Alternativen zu -in. Ich halte sie für Genitiv-Suffixe, die hier die Funktion eines Movems bekommen haben.

                  Was meinst Du dazu?

                  LG
                  Peter
                  Zuletzt geändert von Xylander; 21.03.2026, 12:48.

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                  • rpeikert
                    Erfahrener Benutzer
                    • 03.09.2016
                    • 3738

                    #10
                    Hallo Peter

                    Für mich klingt das alles plausibel, aber weil ich mich nie mit Lingusitik beschäftigt hatte, kann ich da nicht wirklich mitreden.

                    Mir ging es nur darum, dass nicht ein 'Nein" als Antwort auf die Eingangsfrage stehen bleibt. Vielleicht verrät uns Digedag ja noch, um welche Gegend es sich bei ihm/ihr handelt. Ich glaube das weibliche -en auch in Posen und Ostbrandenburg schon gesehen zu haben.

                    LG Ronny

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