Ja, möglicherweise. Aber auch dann geht der FN ja auf den ursprünglichen Rufnamen des Mühlenbesitzers zurück. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Geselle entweder den Rufnamen seines Vaters trug oder aber, wenn er z. B. als Aussiedler in den Osten ging, um bei Deinem Beispiel zu bleiben, einen Rufnamen nach seinem Herkunftsort erhielt, der dort bekannter war. Theismühlen wird niemandem im Osten ein Begriff gewesen sein. Ich weiß jetzt nicht, wo genau Theismühlen liegt, aber wenn das in der Nähe von Trier ist, wird der ausgewanderte Johann eher den Rufnamen Moseler, Mosler oder Trier erhalten haben, aber nicht Theis.
Ja, das macht ja auch niemand hier. Es geht nicht um den persönlichen Rufnamen des Namensträgers, sondern um den Rufnamen seines Vorfahren, aus dem der Familienname und der Ortsname entstanden sind. Und ich habe ausdrücklich anerkannt, dass in Ausnahmefällen Ortsnamen, die anderen Ursprungs sind, ebenfalls zu Familiennamen werden konnten (Beispiel: Theisa, wobei man mal genau untersuchen müsste, ob irgendjemand, der aus Theisa kam, wirklich den Familiennamen "Theis" erhalten haben könnte, oder ob die Ableitungen dann nicht eher andere Auslaute hatten).
Gruß
Alexander
Namen im Trierer Raum
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und wie, meinst du wird der Johann, Geselle des Theismüllers, der keinen festen FN hatte am Ort genannt (sicher nicht Theismühlener) oder als er nach Trier oder gar als Aussiedler in den Osten kam?
Das war der Theis Johann - später Johann Theis (oder je nach Region in Schreib-Variationen) ohne jemals selber einen "Mattes" in der Familie gehabt zu haben und das trifft auch auf einen ehemaligen Bewohner eines anderen Ortes zu.
So wie RN sich nur auf den Ortsnamen bezieht oder das Haus, wenn man aus ihm stammt. Es ist falsch und unlogisch, bei jedem FN aus dem ein Rufname zu lesen ist, automatisch auf einen persönlichen RN des Namenträgers zu schließen.
Ich möchte nicht mißverstanden werden: ich bestehe keineswegs darauf, daß der Ortsherkunftsname oder die Örtlichkeit/ der Hausname die Regel ist, aber ich verwehre mich gegen die unlogische Vereinfachung und Reduzierung auf einen Rufnamen in Kurzform.
IrmgardEinen Kommentar schreiben:
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Hallo Irmgard,
Hier möchte ich widersprechen. Theis, Theiss, Theiß, Teiß, Theys, Thies, Thieß, Theißgen, Theus, Thys, aber auch Teves, Tewes, Theweß, Thews, Thevus sind alles mundartliche Formen des Vornamens Matthias bzw. Matthäus. Sowohl Orts- als auch Familiennamen entwickelten sich zumeist aus diesen mundartlichen Rufnamensvarianten.
Nicht der Gründer bzw. Eigentümer der Mühle selbst gab dem Ort seinen Namen, sondern meist war es sein Umfeld, das den Ort, die Mühle, das Haus mit seinem Namen zur Spezifizierung in Verbindung brachte. So wurde aus der Mühle des Theis irgendwann Theismühlen, und die Nachkommen des Theis bekamen, als die Familiennamen aufkamen, ebenfalls als Zunamen Theis. Der Sohn hieß dann z. B. Johann Theis, damit er (in Zeiten starker Bevölkerungszunahme), wenn von einem Johann die Rede war, von Johann Arndts (dem Sohn des Arnold) oder Johann Berndt (dem Sohn des Bernhard) unterschieden werden konnte. So gab es weniger Verwirrung und weniger Verwechslungen.
Ich hoffe, so ist es etwas anschaulich geworden, um zu zeigen, dass der FN Theis aus einem Rufnamen entstanden ist.
das ist in Ausnahmefällen richtig. So geht beispielsweise der Ortsname Theisa auf das wendische Wort Tisow = Eibe zurück.
Gruß
AlexanderEinen Kommentar schreiben:
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Hallo Gerhard,
aber sicher bezog sich Ingrids Frage auf einzelne, als Beispiel genannte FN im Raum Trier. So wie diese aus Ortsnamen gebildet wurden, wurde auch der FN Theis aus einem Ortsnamen gebildet und sicher nicht aus einem äusserst häufigen Rufnamen.
Jemand aus Theismühlen mußte nicht Matthias heißen um Theis genannt zu werden. Nur der Gründer/ Eigentümer der Mühle gab dem Ort seinen Namen .. oder auch nicht, wenn er sie dem Hl.Matthias widmete. Was nicht ausschließt, daß ein Ortsname beginnend mit "Theis.." nicht auch eine völlig andere Ursache haben könnte und lautmalerisch nur angepasst/ verständich verändert wurde, was aber für dieses Beispiel wenig wahrscheinlich ist und nur angemerkt werden sollte.
Aber natürlich kannst du in einem eigenen Thread für Theis mal eine Reihe von Synonymen aufzählen, die für Deutungen als Erklärung dienlich sein können.
netten Gruß,
Irmgard
P.S.: ich habe nicht vor mich hier regelmäßig einzubringen ;-)Einen Kommentar schreiben:
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Hallo Ingrid,
melde Dich doch bitte mal bei povilas, er scheint mit Dir verwandt zu sein.Einen Kommentar schreiben:
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der FN Theis (Theiß) ist meist ebenso von einem Ortsnamen gebildet worden; siehe z.B. Theisbergstegen ; Theismühlen ... bis Theißing
netten Gruß,
IrmgardEinen Kommentar schreiben:
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Nachnamen im Trierer Raum
Hallo Gerhard,
ganz herzlichen Dank für deine Auskunft. Oft ist mir aufgefallen, dass der Vorname "Matthias" als "Theis" abgekürzt wurde und es da auch viele Nachnamen Theis gibt. Schon sehr interessant.
IngridEinen Kommentar schreiben:
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Hallo Ingrid,
im Prinzip ja, wobei die ortsbezogenen Nachnamen (Familiennamen) denjenigen gegeben wurden, die ihren angestammten Ort verlassen hatten.
Kommt im gleichnamigen Ort der ebenso lautende Familienname (Herkunftsname) wieder vor, ist der Namensträger dorthin wieder zurückgekehrt.
Erklärendes findest Du auch hier:
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Namen im Trierer Raum
Bei meiner Forschung im Diözesanarchiv in Trier ist mir bei den Namen aufgefallen, dass viele Peronen als Nachnamen Ortsnamen haben. Wer weiß darüber Bescheid? Waren die Ortsnamen zuerst und haben sich die Nachnamen in dieser Gebend daraus entwickelt?
Ich nenne mal die Nachnamen wo von ich auch Ortsnamen gefunden habe: Waxweiler, Krames, Klüsserath, Oberbillig, Konz, Piesport usw. Dies ist nur eine Auswahl.
IngridStichworte: -
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