#1  
Alt 10.02.2007, 15:19
Manfred Renner Manfred Renner ist offline männlich
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Standard Elisabeth "von Plieningen"

Liebe Adelsforscher ,
auch auf die Gefahr hin, sich hiermit durchaus unbeliebt zu machen, möchte ich dennoch aus der neuesten Ahnenforschung des Friedrich von Schiller auf das Problem der Elisabeth VON PLIENINGEN aufmerksam machen. Sicher muss der eine oder andere seine liebgewonnene Adelslinie danach korrigieren oder sogar komplett streichen:

"Schillers adelige Ahnen? - Entmythologisierung der Elisabeth "von Plieningen" Hans Vaut und seine Ehefrau Elisabeth treten in zahllosen Ahnentafeln und Ahnenlisten auf. Das Paar gehört zu den schwaebischen "Massenahnen". Der Familienforscher freut sich, hier eine Bruecke zu einer adeligen Ahnengruppe gefunden zu haben. Er stützt sich dabei auf Publikationen und Berichte renomierter Historiker und Genealogen, so z.B. auf einen Aufsatz von Gerd Wunder über "Schillers adelige Ahnen" von 1958/59 , auf dessen Vortragsbericht von 1959 zum gleichen Thema oder auf dessen Zusammenstellung der entsprechenden "Ahnenlinie Schillers" in der Familiengeschichte "Die Schenken von Stauffenberg" von 1972. Gerd Wunder geht aus von den Befunden Richard Lauxmanns zur Familie Vaut (1930) und vor allem von einem Bericht von Hansmartin Decker-Hauff über "Vorfahren und Nachkommen von Hans Vaut und Elisabeth von Plieningen" (1958). Aber schon Ferdinand Friedrich Haber nennt im Rahmen der "Württemberg. Familien-Stiftungen" in der 1853 publizierten Bayer'schen Stiftung die Frau des Johannes Vaut "Elisabet, geb. Edle v. Plieningen". Dabei beruft er sich auf die gedruckten Vischerschen Ahnentafeln, Tab. II, von Johann Jakob Moser. Nun kann man aber bei Lauxmann auf S. 4 nachlesen, dass dort eben nicht "Edle von Plieningen" steht, sondern " Plieningerin". Aber auch Lauxmann zieht nicht die Konsequenzen daraus, sondern lässt sich von der vermeintlichen Adelsabstammung verlocken. Ausgangspunkt, d.h. Probandin des adeligen Ahnenkreises ist in der Tat diese "Elisabeth von Plieningen", Ehefrau des Hans Vaut [3390] und angebliche Tochter des adeligen Paares Hans von Plieningen und der Adelheid Megenzer von Felldorf. Diese sind, vor allem durch die Monographie von Christine Buehrlen-Grabinger über "Die Herren von Plieningen" (1986) urkundlich belegt: Hans von Plieningen urk. um 1390/1438, 1405 Edelknecht in Goeppingen, 1424/35 Dienstmann der Grafen von Zollern, 1438 Richter in Wildberg, heiratet nach 1413 Adelheid Megenzer von Felldorf, urk. 1424/1435, Witwe des Albrecht Ast von Ergenzingen. Entscheidend ist , dass es für die Herkunft der Elisabeth aus dem Adelsgeschlecht derer von Plieningen keinerlei Beleg, nicht einmal indirekte Hinweise gibt. Im Gegenteil: In den Original-Akten der Bayer'schen Stiftung (Universitaetsarchiv Tuebingen) wird Elisabeth bezeichnet als "Elisabeth Plieningerin von Wangen". Genau diese Formulierung findet sich auch in den von Thilo Dinkel schliesslich im Hauptstaatsarchiv Stuttgart aufgefundenen genealogischen Notizen von Gabelkofer (J1 Nr. 154 Umschlag 420 Vaut). Darüber hinaus enthalten die genannten Kollektaneen der beiden Gabelkofer eine 107 Seiten umfassende Geschichte der Megenzer von Felldorf, in der auch die Ehe der Adelheid Megenzer mit Hans von Plieningen genannt wird, dabei aber ausdruecklich vermerkt ist, dass aus dieser Ehe keine Kinder bekannt sind: "Dieser Hans von Plieningen muß jeden und allem ansehenn nach ohne kinder verschiden sein". Auch aus diesem Grunde kann die "Elisabeth Plieningerin von Wangen" nicht als Tochter dieses Ehepaares angesehen werden. Von den adeligen Vorfahren Schillers (und vieler anderer) dürfen wir uns also gertrost verabschieden. Auch wenn das vielen schwer fallen wird, ist dieser adelige Ahnenkreis hier und in vielen anderen Ahnenlisten rigoros zu streichen, und zwar ohne Wenn und Aber. Elisabeth war keine Adelige "von Plieningen", sondern eine Bürgerstochter "Plieninger" aus Wangen bei Stuttgart."

Soweit die zitierte Stelle aus: SWSA 4: Vorfahren und Familie des Dichters Friedrich Schiller, eine genealogische Bestandsaufnahme , von Thilo Dinkel und Guenther Schweizer.
Mit freundlichem Gruss aus Hamburg,
Manfred
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  #2  
Alt 06.05.2011, 14:36
iehu iehu ist offline männlich
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Die richtige Formulierung in HStAS, J 1 Nr. 154 Umschlag 420 Vaut, Bl. 1 [in Mikrofilm 154/20] lautet "Elisabeth Plieningin" (aus Wangen) nicht "Elisabeth Plieningerin". D.h. sie bzw. ihr Vater hieß "Pliening", evtl. trotzdem "Plieninger".
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  #3  
Alt 21.05.2011, 00:23
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Oh schade, aber zumindest bin ich immer noch mit Schiller verwandt!
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  #4  
Alt 21.05.2011, 00:46
Galbania Galbania ist offline
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Also ich hab mir das grade nochmal ueberlegt. Ihr Ehemann Johannes Fautt oder Vaut war ja Vogt, denn das ist es was Vaut bedeuted, und ist auch wahrscheinlich denn seine Nachkommen waren grossenteils Voegte. So ein hochgestellter Mensch wuerde wohl eher keine Buergerliche heiraten oder? Vieleicht hat das kinderlose "Eltern" Ehepaar ja auch Elisabetha adoptiert gehabt, das koennte doch sein?
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  #5  
Alt 21.05.2011, 01:19
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Hallo Galbinia,
so ein "hochgestellter" Mensch, war ganz einfach ein Verwalter (z.B. von einem Gut) und nicht zwangsläufig adelig. Die wenigsten Vögte waren adelig und diejenigen, die es waren, waren auch hinreichend als solche bekannt.
Ich werde mich übrigens auf keine wilden Spekulationen hier einlassen, weder über Standesüberlegungen noch Adoptionen, denn sie bringen rein gar nichts.
Viele Grüße
Hina
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  #6  
Alt 21.05.2011, 11:11
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Michael Michael ist offline
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Galbina,
in den meisten Fällen wurden Bürger aus der württembergischen Ehrbarkeit ernannt, die zuvor schon Beamte in anderer Funktion waren.

Die genealogischen Arbeiten von Gerd Wunder und Hansmartin Decker-Hauff sind umstritten, denn vor Beginn der Kirchenbücher wurde von ihnen mancher Adelsanschluß passend konstruiert. Sie haben auch die Behauptung, daß Elisabeth eine geborene "von" sein soll, ungeprüft übernommen.

Ein Georg Plieninger war später auch Keller in Schorndorf.
__________________
Viele Grüße
Michael
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  #7  
Alt 21.05.2011, 20:36
Lars Severin Lars Severin ist offline männlich
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Hallo!
Das etwas mit der Elisabeth "von Plieningen" nicht stimmt, ist ja länger bekannt, bzw. wurde schon früher vertiefend kommuniziert. Mir zumindest unbekannt war jedoch, dass "Decker-Hauff" der Urheber war. Dies ist nun wiederum zumindest für mich ein klares Indiz die Diskussion abzuschließen. Unstimmigkeiten die sich hier (gleichzusetzten bei Herrn Fahne) ergeben, lohnen nicht vertieft zu werden. Man kann ja diese Linien dennoch so für sich stehen lassen, sollte aber für externe und spätere Leser einen deutlichen Vermerk machen. Sonst nämlich kann einem alles in Frage gestellt werden. Und das wär doch immer Schade, wo das meiste seriöse erforscht ist.
Beste Grüße
Lars
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