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  #1  
Alt 26.11.2021, 22:54
PosenEmser PosenEmser ist offline männlich
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Idee Wieso wurde dieser Taufeintrag nur nachträglich angepasst?

Liebe Forscherkolleg:innen,

rund um meinen ärgerlichsten toten Punkt gibt es für mich aktuell noch nicht nachvollziehbare Sachverhalte. U.a. die Anpassung eines Taufeintrages bei dem jüngsten Kind meines Vorfahren (siehe Nr. 306 anbei).

In diesem evangelischen Eintrag aus Bromberg/Posen wurde aus mir unerklärlichen Gründen ein weiterer oder auch abweichender Vorname (Christophorus) des Vaters Stephan Starkowski ergänzt - mit Verweis auf seinen katholischen Taufschein aus Paledzie Koscielne (deutsch: Kirchlich Palendzie). Die Nennung dieses Vornamens ist einmalig und dieser taucht später nicht mehr auf.

Die Gretchenfragen sind nun: Wieso wurde diese Anpassung nachträglich vorgenommen? Was könnte vor Oktober 1900 geschehen sein, das es notwendig machte einen Taufschein des Vaters vorzulegen?

Nachfolgend ein paar ergänzende Fakten für mehr Kontext:
  • Die Anpassung wurde nur im Kirchenbuchoriginal vorgenommen. Im Kirchenbuchduplikat findet sich keine Anpassung.
  • Christophorus (Stephan) Starkowski
    • * err. 26.12.1794 Paledzie Koscielne (kath. Kirchenbücher dieser Pfarre scheinen nicht mehr vorhanden zu sein)
    • oo 05.11.1817 evangelisch mit Louise Radtke in Deutsch Kruschin / Labischin (+ 02.10.1876 in Zielonke als Altsitzerin), leiblicher Vater ("Arbeitsmann gleichen Namens") bei Hochzeit bereits verstorben, Vormund (wieso?) und Mutter willigen Heirat ein
    • Beruf: Käthner, Tischler/Zimmergeselle
    • Kinder (vereinfacht dargestellt, konkrete Daten zu *, oo und + bei allen bis auf + Eva Rosina vorhanden): Gottlieb (+1883, Zimmergeselle), Eva Rosina (+ nach 1890 aktuell noch unklar, Hypothese Gegend Bromberg), Henriette (+1906), Friedrich (+1826), Wilhelm (+1828), Florentine (+1831), Caroline (+1834), CARL Augustin (+1918, Tischler), Stephan (+1916, Zimmermeister), Basilius Johann GUSTAV (siehe unten)
    • + 19.01.1867 in Zielonke (Randbemerkung hier: "Sohn Basilius bezeugt große Armut", Armenbegräbnis)
  • Basilius Johann GUSTAV Starkowski
    • * 23.06.1841 zu Ciele
    • oo 01.05.1870 mit Luisa Ziemke in Bromberg
    • 10.06.1881 taucht er in einer Hamburger Passagierliste mit Ziel New York via Liverpool auf (ohne Luisa Ziemke), Rückkehr sicher, Zeitpunkt vor 1888 nicht bekannt
    • Gerichtliche Trennung der kinderlosen Ehe mit Luisa Ziemke (+ 1892 an Wahnsinn) vor 1888 in Bromberg
    • oo 14.09.1893 mit Emilie Bertha Raschke (Tochter seiner Schwester Eva Rosina Starkowski) in Ciele, standesamtlich 30.12.1888 in Bromberg Wies I
    • Kinder: vermutlich unehelicher Sohn mit späterer Frau Emilia Bertha Raschke: Hermann Amsilius (* 05.07.1888 in Zielonke, alles weitere unbekannt), eheliche Tochter: Auguste Antonie Starkowski (* 12.09.1894 in Zielonke, oo 03.06.1930 mit Ernst Wilhelm Becker in Berlin, Kinder und + unbekannt)
    • Beruf: Käthner, Tischler
    • + 01.04.1919 in Zielonke (gefunden vom Gemeindevorsteher)
  • Dieser tote Punkt ist v.a. deswegen so ärgerlich, weil es ebenfalls zur gleichen Zeit zahlreiche weitere Starkowskis in der unmittelbaren Gegend gibt, die ich bislang nicht sicher zuordnen kann (Jacobs, Christoph, Anna, Maria, Eva, uvm.)

Ich brauche die Schwarmintelligenz und kollektive Erfahrung dieses Forums. Habt Ihr schon etwas Ähnliches gesehen oder gehabt?

Ich hoffe sehr auf jede noch so kleine kreative Hypothese, Fantasie, jeden Denkanstoß, Tipp oder Hinweis, den Ihr mir geben könnt! Optimalerweise ergeben sich daraus neue Forschungsmöglichkeiten.

Einen guten und v.a. gesunden Start ins Wochenende!


LG,
Simon
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Basilius_Johann_Gustav_Starkowski_Geburt+Taufe.jpg (242,7 KB, 46x aufgerufen)
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  1. FN: Starkowski, Manthey und Radtke vor 1820 in Posen/Großpolen
  2. FN: Jansen vor 1731 in Rhede (Ems)
  3. FN: Umgeher vor 1760 in Krems Umgebung (AUT)

Geändert von PosenEmser (27.11.2021 um 14:19 Uhr)
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  #2  
Alt 26.11.2021, 23:19
Gastonian Gastonian ist offline
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Hallo Simon:


Ich bin mir etwas unklar, wie hier angepaßt wurde. Wurde der Vater zuerst nur als Stephan Starkowski bezeichnet (und so noch im Kirchenbuchduplikat), und hier das Christophorus dann ergänzt, mit einer Einklammerung des Stephan?


Falls das hier die Unsicherheit ist, würde ich gerne wissen, wie genau der Starkowski bezeichnet wurde, der am 19.01.1867 in Zielonke starb (da wir wissen, daß er einen Sohn namens Basilius hatte) - war das Christophorus Starkowski, Stephan Starkowski, oder Christophorus Stephan Starkowski?


VG


--Carl-Henry
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  #3  
Alt 26.11.2021, 23:27
PosenEmser PosenEmser ist offline männlich
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Hallo Carl-Henry,

guter Punkt. Der Vorname Christophorus wurde ergänzt. Sowohl im Duplikat, bei Heirat, Taufen, Heiraten und Toden seiner Kinder, als auch bei seinem Tod wird er nur Stephan genannt.

Habe es nochmal ergänzt im 1. Beitrag.


LG, Simon
__________________
  1. FN: Starkowski, Manthey und Radtke vor 1820 in Posen/Großpolen
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  3. FN: Umgeher vor 1760 in Krems Umgebung (AUT)

Geändert von PosenEmser (26.11.2021 um 23:33 Uhr)
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  #4  
Alt 26.11.2021, 23:48
Benutzerbild von Sbriglione
Sbriglione Sbriglione ist offline männlich
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Hallo Simon,

meine spontane Vermutung: Christoph könnte der erste Vorname Deines Vorfahren laut Taufeintrag gewesen sein, Stephan der zweite Vor- und zugleich der Rufname.

Zumindest bei meinen sizilianischen Vorfahren habe ich es häufig erlebt, dass nicht der erste Taufname, sondern irgend ein anderer als Rufname verwendet wurde. Das würde sehr gut zu einer Ergänzung "laut Taufschein" passen, die in Deinem konkreten Fall nachträglich im Kirchenbuch vermerkt wurde. Im Taufschein dürfte "Christoph" als erster Vorname vermerkt gewesen sein!

Viele Grüße!
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  #5  
Alt 27.11.2021, 06:27
Zita Zita ist offline
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Guten Morgen,
ich weiß nicht, wie die Vornamen in der Gegend abgekürzt würden, aber ein "Steffl" für Stephan ist von einem "Stoffl" für Christoph nicht so weit entfernt.
Liebe Grüße
Zita
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  #6  
Alt 27.11.2021, 17:42
PosenEmser PosenEmser ist offline männlich
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Hallo Sbriglione und Zita,

danke für Eure Einschätzung zum Vornamen generell. Ich stimme Euch zu!

Jedoch stellen sich ja grundsätzlich die folgenden Fragen:
  1. Wieso musste überhaupt der Taufschein des Vaters beschafft und vorgelegt werden?
  2. Wieso erfolgte die Anpassung im Kirchenbuchorginal?

Gibt es hierzu irgendwelche Ideen?


LG,
Simon
__________________
  1. FN: Starkowski, Manthey und Radtke vor 1820 in Posen/Großpolen
  2. FN: Jansen vor 1731 in Rhede (Ems)
  3. FN: Umgeher vor 1760 in Krems Umgebung (AUT)
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  #7  
Alt 05.12.2021, 20:43
Benutzerbild von AKocur
AKocur AKocur ist offline weiblich
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Hallo Simon,

Zitat:
Zitat von PosenEmser Beitrag anzeigen
In diesem evangelischen Eintrag aus Bromberg/Posen wurde aus mir unerklärlichen Gründen ein weiterer oder auch abweichender Vorname (Christophorus) des Vaters Stephan Starkowski ergänzt - mit Verweis auf seinen katholischen Taufschein aus Paledzie Koscielne (deutsch: Kirchlich Palendzie). Die Nennung dieses Vornamens ist einmalig und dieser taucht später nicht mehr auf.

[...]

* err. 26.12.1794 Paledzie Koscielne (kath. Kirchenbücher dieser Pfarre scheinen nicht mehr vorhanden zu sein)
Beim Durcharbeiten der KB von Obra, wo meine polnischen VF herkamen, ist mir aufgefallen, dass es anscheinend bei den katholischen Polen dort sehr üblich war, ein Kind nach dem Heiligen zu benennen, dessen/deren Festtag gerade war. Wurde ein Junge also am oder kurz vor dem 14.2. geboren, wurde er Valentinus getauft; ein am oder kurz vor dem 6.12. Geborener auf den Namen Nikolaus, usw. Der 26.12. ist der Festtag des hl. Stephanus.

Ich könnte mir da 2 Szenarien vorstellen:
1) Er wurde auf den VN Christophorus getauft, aber in einer überwiegend katholischen Umgebung etablierte sich aufgrund des Geburts-/Tauftags der Rufname Stephan.
2) Er sollte auf den VN Christophorus getauft werden, aber der katholische Pfarrer packte den Stephanus noch dazu, weil ja gerade Stefanitag war. Dieser Name etablierte sich dann.

Weißt du, wie der Vater mit VN hieß oder gibt es da nur die Beschreibung "gleichen Namens" aus dem Heiratseintrag?


Es gibt aber auch noch ein 3. Szenario, dass ich mir vorstellen könnte. In Obra gibt es zu diesem Zeitpunkt zwei gleichzeitig geführte KB, eins mit ausgeschriebenen Einträgen, das andere ist tabellarisch aufgebaut (ähnlich wie die Listenform, die später im 19. Jh. idR als Vordrucke genutzt wurden). Ob diese Praxis in dieser Region üblich war oder eventuell sogar vorgeschrieben, weiß ich nicht, aber es sind beides Originale. IdR stimmen die Einträge überein, aber es gibt auch teilweise Abweichungen. Meist ist die Abweichung, dass in einem Taufbuch ein VN angegeben ist und im anderen ein weiterer VN.

Falls so eine doppelte Buchführung auch in Paledzie Koscielne existierte, könnte sich so ein plötzlich auftauchender VN erklären. Der stand dann halt nur in dem einem Buch (aus dem der für die Heirat erforderliche Taufschein erstellt wurde). Als man um 1900 erneut einen Taufschein anforderte, wurde diese dann aber aus dem anderen Buch erstellt, wo ein weiterer VN angegeben war.


Zitat:
Zitat von PosenEmser Beitrag anzeigen
Die Anpassung wurde nur im Kirchenbuchoriginal vorgenommen. Im Kirchenbuchduplikat findet sich keine Anpassung.
Das Duplikat wird zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr in der Pfarrei gewesen sein; das musste abgegeben werden. Daher ist es ganz normal, dass man Änderungen/Korrekturen im Original nicht auch im Duplikat findet.


Zitat:
Zitat von PosenEmser Beitrag anzeigen
Was könnte vor Oktober 1900 geschehen sein, das es notwendig machte einen Taufschein des Vaters vorzulegen?
Da du das Sterbedatum der Eva Rosina noch nicht kennst, würde ich erstmal darauf tippen. Für eine Erbschaft musste die Verwandtschaft nachgewiesen werden und dafür brauchte es dann halt die betreffenden Taufscheine etc.


Zitat:
Zitat von PosenEmser Beitrag anzeigen
Hermann Amsilius (* 05.07.1888 in Zielonke, alles weitere unbekannt)
Am 10.7.1888 stirbt in Zielonke im Alter von 5 Tagen der noch ungetaufte Hermann Amsilius Raschke an Schwäche. Laut dem Sterbeeintrag sollen seine Eltern Jacob Raschke und seine Frau Rosina geb. Starkowski sein, was ja vorn und hinten nicht passt (Jacob bereits verstorben, Eva Rosina wiederverheiratet seit 1874 und 1888 eh viel zu alt um selbst noch Mutter zu werden). Im Taufbuch ist die Geburt des Hermann Amsilius für den 5.7.1888 eingetragen (keine Patenangaben!) und als Mutter die unverehelichte Emilie Raschke.


LG,
Antje
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  #8  
Alt 05.12.2021, 22:27
sternap sternap ist offline
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du darfst dir das so vorstellen.
die kirche wollte das geld der gläubigen, diese bekamen dafür angst vor der hölle eingeimpft und schutz davor versprochen, vermittelt durch die sakramente und riten.
das taufbuch war im grund ein buchhaltungsbuch, wer den grundschutz bezahlt und beansprucht hatte.


zusätzlich waren von den gläubigen strenge gesetze einzuhalten, sonst flog man raus. es musste also genau klar sein, wer von wem stammte, damit vor einer heirat des nachwuches inzucht oder polygamie ausgeschlossen werden konnte.



der bischof war daran interessiert, dass der pfarrer nichts privat einsackte.
er kam mit tross regelmäßig zur visitation, zeichnete das buch als korrekt ab oder kritisierte eigentlich eine buchhaltung bis zum visitationsdatum,

und erhielt gleich oder später ein duplikat. für die klärung der geldsache reichte das.


im wirklichen taufbuch sollten weiterhin im idealfall alle heiratsdaten und verwitwungen eingetragen werden und die vorfahren stimmen. siehe thema inzucht.


hier in dem fall meint einer, der wohl ein stoffl war und lieber ein steffl gewesen wäre, er heiße laut taufbuch stefan, aber es gab nur einen christoph zur auswahl.
der pfarrer wollte korrekt sein, er begann beim taufschein zu überprüfen, dann bei der mutter.
__________________
______________________________
freundliche grüße
sternap


weil man sich nicht sieht, mein gesichtsausdruck: my dog stepped on a bee!
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  #9  
Alt 08.12.2021, 19:47
PosenEmser PosenEmser ist offline männlich
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Beitrag Danke Antje!

Hallo Antje, hallo Forscherkolleg:innen,

danke für Deine Zeit und ausführliche Antwort. Ich bin beruflich die Tage etwas untergegangen, habe aber nun endlich Zeit gefunden, um zu antworten.

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
...aufgefallen, dass es anscheinend bei den katholischen Polen dort sehr üblich war, ein Kind nach dem Heiligen zu benennen, dessen/deren Festtag gerade war. Wurde ein Junge also am oder kurz vor dem 14.2. geboren, wurde er Valentinus getauft; ein am oder kurz vor dem 6.12. Geborener auf den Namen Nikolaus, usw. Der 26.12. ist der Festtag des hl. Stephanus.

Ich könnte mir da 2 Szenarien vorstellen:
1) Er wurde auf den VN Christophorus getauft, aber in einer überwiegend katholischen Umgebung etablierte sich aufgrund des Geburts-/Tauftags der Rufname Stephan.
2) Er sollte auf den VN Christophorus getauft werden, aber der katholische Pfarrer packte den Stephanus noch dazu, weil ja gerade Stefanitag war. Dieser Name etablierte sich dann.
Deine Theorien, v.a. 2) kann ich gut nachvollziehen und würde ich auch so vermuten. Die Begründung der Herkunft der Vornamen, kann ich so abhaken.

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Weißt du, wie der Vater mit VN hieß oder gibt es da nur die Beschreibung "gleichen Namens" aus dem Heiratseintrag?
Es gibt tatsächlich nur die enttäuschende Beschreibung "verstorbener Arbeitsmann gleichen Namens" aus dem Heiratseintrag. Leider hatte sich der Pfarrer den Vornamen nicht gemerkt oder die Mutter bzw. Stephan hatten den Namen bereits wieder vergessen, weil schon so lange her?! Aufgrund dessen kann man wohl nur hypothesenbasiert weitermachen. Ich fand dennoch einen sehr passenden Eintrag im Januar 1795 im evangelischen Kirchenbuch Bromberg (kurz nach Stephans Geburt). Der vermeintliche Vater wäre "George Starkowsky, 45 Jahre, gebürtig aus Polen".

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Es gibt aber auch noch ein 3. Szenario, dass ich mir vorstellen könnte. In Obra gibt es zu diesem Zeitpunkt zwei gleichzeitig geführte KB, eins mit ausgeschriebenen Einträgen, das andere ist tabellarisch aufgebaut (...) IdR stimmen die Einträge überein, aber es gibt auch teilweise Abweichungen. Meist ist die Abweichung, dass in einem Taufbuch ein VN angegeben ist und im anderen ein weiterer VN.

Falls so eine doppelte Buchführung auch in Paledzie Koscielne existierte, könnte sich so ein plötzlich auftauchender VN erklären. Der stand dann halt nur in dem einem Buch (aus dem der für die Heirat erforderliche Taufschein erstellt wurde).
Das wäre interessant und super für mich, da es bedeuten könnte, dass es noch Chancen auf zumindest 1 Form des Taufeintrages gibt. Aber leider schätze ich die Wahrscheinlichkeit hierfür sehr gering ein... Weder das Erzdiözesanarchiv Gnesen noch das Staatsarchiv Bromberg haben Unterlagen von Paledzie Koscielne vor 1800. Staatsarchiv Posen könnte ich ggf. noch probieren oder?

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Als man um 1900 erneut einen Taufschein anforderte, wurde diese dann aber aus dem anderen Buch erstellt, wo ein weiterer VN angegeben war.
Hiermit zielst Du genau auf die zentrale Fragestellung ab, wieso 33 Jahre nach dem Tod von Stephan und knapp 60 Jahre nach der Geburt von Basilius der Taufschein von Stephan nochmal angefordert wurde. Das verstehe ich einfach nicht und kann doch nicht einfach per Zufall passieren! Außer Erbsachen fällt mir aber leider hierzu nix ein.... Wenn Erbsachen, dann hab ich ggf. noch Chancen auf Unterlagen im Amtsgericht Bromberg bzw. Staatsarchiv oder? Was könnten noch Gründe außer Erbsachen sein?

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Da du das Sterbedatum der Eva Rosina noch nicht kennst, würde ich erstmal darauf tippen. Für eine Erbschaft musste die Verwandtschaft nachgewiesen werden und dafür brauchte es dann halt die betreffenden Taufscheine etc.
Das könnte passen ja. Mein neuer Beitrag im Posen Forum und Deine Antwort auf dieses Thema haben sich glaube ich fast überschnitten. Der älteste Sohn Gottlieb starb 1883, d.h. als nächst ältestes Kind wäre Eva Rosina mit der Erbschaft dran. Seltsam aber, dass 17 Jahre zwischen Gottliebs Tod und Eva Rosinas Erbschaftsanfrage lägen... Seltsam auch, dass dann Basilius den Taufschein von Stephan gebracht hat und sein Taufeintrag korrigiert wurde.. Verstehe ich nicht Oder meinst du nach Eva Rosina wäre der jüngste Sohn Basilius mit der Erbschaft dran gewesen?

Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Am 10.7.1888 stirbt in Zielonke im Alter von 5 Tagen der noch ungetaufte Hermann Amsilius Raschke an Schwäche. Laut dem Sterbeeintrag sollen seine Eltern Jacob Raschke und seine Frau Rosina geb. Starkowski sein, was ja vorn und hinten nicht passt (Jacob bereits verstorben, Eva Rosina wiederverheiratet seit 1874 und 1888 eh viel zu alt um selbst noch Mutter zu werden). Im Taufbuch ist die Geburt des Hermann Amsilius für den 5.7.1888 eingetragen (keine Patenangaben!) und als Mutter die unverehelichte Emilie Raschke.
Ja das ist auch quer, da hast Du Recht. Habe über genealogiawarchiwach mal den Standesamteintrag hierzu nachgesehen und gesichert. Hier steht es richtig drin, Anzeigende ist Eva Rosina Lischewski geb. Starkowski verwittwete Raschke, Mutter Emilie Raschke.

Hoffe Du magst oder kannst mir nochmal mit Deiner Einschätzung helfen. Weitere Denkanstöße und Hinweise von anderen sind ebenfalls jederzeit herzlichst willkommen. Vielleicht sehe ich auch den Wald vor lauter Bäumen einfach nicht mehr und stehe auf dem Schlauch.


LG,
Simon
__________________
  1. FN: Starkowski, Manthey und Radtke vor 1820 in Posen/Großpolen
  2. FN: Jansen vor 1731 in Rhede (Ems)
  3. FN: Umgeher vor 1760 in Krems Umgebung (AUT)

Geändert von PosenEmser (08.12.2021 um 22:35 Uhr)
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  #10  
Alt 08.12.2021, 20:29
PosenEmser PosenEmser ist offline männlich
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Beitrag

Hallo Sternap, hallo Forscherkolleg:innen,

danke auch Dir für die Zeit und Deinen Input.

Zitat:
Zitat von sternap Beitrag anzeigen
du darfst dir das so vorstellen.
die kirche wollte das geld der gläubigen, diese bekamen dafür angst vor der hölle eingeimpft und schutz davor versprochen, vermittelt durch die sakramente und riten.
das taufbuch war im grund ein buchhaltungsbuch, wer den grundschutz bezahlt und beansprucht hatte.

zusätzlich waren von den gläubigen strenge gesetze einzuhalten, sonst flog man raus. es musste also genau klar sein, wer von wem stammte, damit vor einer heirat des nachwuches inzucht oder polygamie ausgeschlossen werden konnte.

der bischof war daran interessiert, dass der pfarrer nichts privat einsackte.
er kam mit tross regelmäßig zur visitation, zeichnete das buch als korrekt ab oder kritisierte eigentlich eine buchhaltung bis zum visitationsdatum, und erhielt gleich oder später ein duplikat. für die klärung der geldsache reichte das.

im wirklichen taufbuch sollten weiterhin im idealfall alle heiratsdaten und verwitwungen eingetragen werden und die vorfahren stimmen. siehe thema inzucht.
Bis hierhin sehe ich alles genauso wie Du. Ich glaube v.a. vor der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts war das sicherlich so extrem wie Du es beschrieben hast, aber wurde dann auch in Richtung Ende des 19. Jahrhunderts allmählich "säkularisierter" oder?

Zitat:
Zitat von sternap Beitrag anzeigen
hier in dem fall meint einer, der wohl ein stoffl war und lieber ein steffl gewesen wäre, er heiße laut taufbuch stefan, aber es gab nur einen christoph zur auswahl.
Ok, Christoph war der eigentlich richtige Name, aber Stephan fand er oder die anderen dann besser und setzte sich letztlich durch - verstanden.

Zitat:
Zitat von sternap Beitrag anzeigen
der pfarrer wollte korrekt sein, er begann beim taufschein zu überprüfen
Diesen Absatz verstehe ich nicht ganz. Wieso sollte der Pfarrer knapp 60 Jahre nach der Taufe von Basilius den Taufschein des Vaters nochmal anfordern? Das muss ja einen guten Grund gehabt haben und nicht einfach per Zufall oder zur Überprüfung 60 jähriger Einträge auf Inzucht passiert sein oder?

Bzw. eine Idee könnte folgendes sein: Stephans Sohn, der "Basilius Johann Gustav" heiratete am 30.12.1888 standesamtlich die Tochter "Emilie Bertha Raschke" seiner Schwester "Eva Rosina Lischewski, geb. Starkowski verwittwete Raschke“. Die evangelische Trauung war 5 Jahre später am 14.09.1893. Macht es Sinn, dass die evangelische Kirche hier auf Inzucht überprüfen ließ?

Ansonsten würde doch vermutlich nur Erbschaft eine Anforderung des Taufscheines des Vaters erfordern oder gibt es noch andere Möglichkeiten?

Zitat:
Zitat von sternap Beitrag anzeigen
dann bei der mutter.
Das mit der Mutter verstehe ich leider auch nicht, vielleicht stehe ich da grad auf dem Schlauch. Für eine Mutter wurde m.W.n. nichts überprüft.

Auch hier hoffe ich, dass Du mir nochmal mit Deiner Einschätzung helfen kannst oder magst. Weitere Denkanstöße und Hinweise von anderen Mitlesern sind natürlich auch jederzeit herzlichst willkommen.


LG,
Simon
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  1. FN: Starkowski, Manthey und Radtke vor 1820 in Posen/Großpolen
  2. FN: Jansen vor 1731 in Rhede (Ems)
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Geändert von PosenEmser (08.12.2021 um 22:44 Uhr)
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bromberg , labischin , randbemerkung , starkowski , toter punkt , vormund , ziemke

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