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  #1  
Alt 24.08.2020, 03:42
Amanita Amanita ist offline
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Registriert seit: 06.02.2020
Beiträge: 20
Standard Wie sicher ist für euch "sicher genug"?

Hallo zusammen,

ich würde hier gerne ein paar Gedanken mit euch teilen, die mir in den ca. fünf Jahren gekommen sind, die ich mich nun mit Ahnenforschung beschäftige.

Da ist in erster Linie die Frage:
Wann nehmt ihr jemanden als gesicherten Vorfahren in eure Aufzeichnungen auf? Was betrachtet ihr als "sicher genug"?

Wenn wir in den Kirchenbüchern die Zeit rückwärts gehen, ist ja erst einmal alles klar. Bei jedem Eintrag stehen Daten, Eltern, deren Eltern, Adressen, Hofnamen etc. Man kann alles gut überprüfen und sich seiner Sache sehr sicher sein.

Doch je weiter wir in die Tiefe der Zeit eintauchen, umso spärlicher werden die Informationen.
Da steht man dann plötzlich vor einem Trauungseintrag wie "Adam Müller heiratete Maria Mayer" - keine Angaben zu Eltern, Herkunft, Wohnort etc.
Dann sucht man sich durch die Kirchenbücher der entsprechenden Pfarre und findet vielleicht andere Einträge, die zu den genannten Personen passen würden - aber ob es sich tatsächlich um genau jene Personen handelt, lässt sich nicht nachvollziehen.

Was macht ihr in solchen Fällen?
Was ist für euch "sicher genug", um eine Person als jene zu betrachten, die ihr in die Ahnenreihe aufnehmt?
Was, wenn eine Verbindung sehr naheliegend scheint, aber nicht überprüft werden kann?

Fragen über Fragen ...

Ich würde mich sehr über eure eigenen Erfahrungen und Gedanken dazu freuen.

LG, Karin
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  #2  
Alt 24.08.2020, 16:11
Benutzerbild von Svenja
Svenja Svenja ist offline weiblich
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Registriert seit: 07.01.2007
Ort: Kanton Luzern, Schweiz
Beiträge: 2.991
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Hallo Karin

Ich handhabe das so, dass ich immer alle Einträge vollständig in ein Word Dokument abschreibe (in der Originalsprache und mit genauer Quellenangabe). In meinen Online-Stammbaum trage ich jedoch nur die Personen und Daten ein, die ich für sicher halte (mit genauer Quellenangabe). Sowas unsicheres wie von dir beschrieben würde ich nicht in meinen Online-Stammbaum aufnehmen und auch nicht auf meiner Website veröffentlichen.

Bei meiner Suche im Ostallgäu (Bistum Augsburg) hatte ich bisher das Glück, dass die Heiratseinträge immer im selben Ort wie die Taufeinträge der Kinder zu finden waren. In den Heiratseinträgen wurden immer die Namen der Eltern und die Herkunftsorte von Braut und Bräutigam erwähnt. Meistens kamen beide von einem anderen Ort und dort hatte ich dann wiederum das Glück, dass es immer nur ein Paar mit den passenden Namen in der fraglichen Zeit gab. Die Schwierigkeit bestand meist eher darin, die Herkunftsorte in den Heiratseinträgen richtig zu entziffern und richtig zuzuordnen, denn teilweise gibt es mehrere Orte gleichen Namens, die in Frage kommen könnten.

Zudem sind in Bayern (zumindest im Ostallgäu und in Weilheim-Schongau) die Paten keine Hilfe, denn eine Familie hatte immer für alle Kinder dieselben Paten (meist ein Ehepaar, in den meisten Fällen wohl nicht verwandt). Was mir jedoch aufgefallen ist, der erstgeborene Junge wurde immer nach dem Paten benannt und das erstgeborene Mädel nach der Patin. So weiss man dass man bei den Taufeinträgen der ersten Kinder angelangt ist und in welcher Zeitspanne man nach der Heirat der Eltern suchen muss.

Gruss
Svenja
__________________
Meine Website über meine Vorfahren inkl. Linkliste:
https://iten-genealogie.jimdofree.com/

Interessengemeinschaft Oberbayern http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=38

Interessengemeinschat Unterfranken http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=37

Interessengemeinschaft Sudetendeutsche http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=73

Geändert von Svenja (24.08.2020 um 16:13 Uhr)
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  #3  
Alt 24.08.2020, 18:19
Benutzerbild von Saraesa
Saraesa Saraesa ist offline weiblich
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Registriert seit: 26.11.2019
Beiträge: 519
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Ich handhabe es wie Svenja: Ich trage nur Vorfahren ein, die ich durch Traueinträge usw. als sichere Ahnen betrachten kann. Zu naheliegenden Verbindungen mache ich mir möglichst viele Notizen, um diese vielleicht später überprüfen zu können. So erspare ich mir den möglichen späteren Kummer beim Absägen falsch angehängter Zweige.
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  #4  
Alt 24.08.2020, 20:31
hessischesteirerin hessischesteirerin ist offline
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Registriert seit: 08.06.2019
Ort: im Ländschje
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ich habe das Problem sehr oft, da viele Ahnen zeitgleich einen Namensvetter im Ort hatten.

Ich schreibe mir alle Daten auf, suche, wer wann gestorben ist, wer wann wen geheiratet hat etc und aufgrund des Ausschlussverfahrens bleiben zumSchluss nur wenige übrig

und glaubst mir, Lina Stein oder Peter Stemmler hiess bei uns jeder Dritte :-)
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  #5  
Alt 25.08.2020, 10:34
Benutzerbild von Balle
Balle Balle ist gerade online männlich
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Registriert seit: 22.11.2017
Beiträge: 1.482
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Manchmal nehme ich es auf mit einem Vermerk warum ich mir unsicher bin, wenn z.B. zwei fast gleichaltrige namensgleiche Väter am Ort wohnen.
Dadurch habe ich es im Bestand und kann weiter darauf rumdenken.
In einem Fall konnte ich es weiter verfolgen, beide Eltern waren Brüder und hatten den Söhnen den Namen ihres Vaters gegeben.
Zumindest in väterlicher Linie war ich zwei Generationen weiter wieder auf der richtigen Spur.
Und auch die Väter konnte ich bald zuordnen da einer eher verstorben ist und die Wittwe erneut geheiratet hat...
Meinen Bedenkenvermerk konnte ich danach löschen....
Ist aber nicht immer einfach.
Meine Gedanken in einer Personenbemerkung zu notieren hilft auch die Person erst einmal fallen zu lassen und später mit diesen Informationen gedanklich wieder anzuknüpfen.
Es gibt ja genug lose Enden
__________________
Lieber Gruß
Manfred


Gesucht: Herkunft von Johann Christoph Bresel (Brösel, Prehel, Brahel),
ehem. Dragoner im Churfürstlich Sächsischem ehemaligen Herzog Churländischen Regiment Chevaux Legers in Zittau.
Eheschließung 1781 in Zittau
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  #6  
Alt 25.08.2020, 11:03
Benutzerbild von scheuck
scheuck scheuck ist offline weiblich
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Registriert seit: 23.10.2011
Beiträge: 3.801
Standard "Sicherheit"

Zitat:
Zitat von Balle Beitrag anzeigen
............ Meine Gedanken in einer Personenbemerkung zu notieren hilft auch die Person erst einmal fallen zu lassen und später mit diesen Informationen gedanklich wieder anzuknüpfen.
Es gibt ja genug lose Enden
Hallo, zusammen!

Genau so mache ich das auch - Infos erstmal zu sammeln, um später mal entscheiden zu können, ob man sie gebrauchen kann oder nicht, schadet nie!
Meine entsprechende Sammlung ist im Laufe der Jahre deutlich kleiner geworden. Vieles konnte ich "enträtseln" und entsprechend "einbauen"; von anderen Dingen weiß ich inzwischen sicher, dass ich sie nicht gebrauchen kann, also konnten jene Vermerke weg.
Sammeln macht zunächst mal etwas Mühe, zahlt sich aber irgendwann aus
__________________
Herzliche Grüße und bleibt gesund!!!!!
Scheuck
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  #7  
Alt 25.08.2020, 17:04
Malte55 Malte55 ist offline
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Beiträge: 1.020
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Moin,
ich kann es für mich nicht in Zahlen oder Prozenten ausdrücken, bei mir geht das eher nach Gefühl. Je mehr Indizien für eine Zuordnung um so besser. Dagegen würde aber auch ein Indiz(Mutter mit 46 Jahren und drüber) reichen, um eine Zuordnung als unmöglich einzustufen. Aber auch da habe ich Toleranzen, wenn etwa Altersangaben zu ungenau sind.
Jemand fragte mich mal, warum ich nicht die naheliegende Geburt einer Anna Meier aus dem selben KB der Braut zugeordnet habe.
Zum einen weil der Nachname in jedem umliegenden Dorf vorkommt und zum anderen weil wegen mickriger KB-Angaben und auch Lücken keine weiteren Indizien aufzufinden waren.

Was macht man in solchen Fällen?
Das würde ich abhängig machen vom Gesamtkenntnisstand. Je nach Beruf und Stand würde ich in den umliegenden Orten im gleichen Milieu schauen ob etwa Paten auftauchen oder ob es weitere Verbindungen von Geschwistern gab. Bei Allerweltsnamen wäre das zwar auch recht mühselig, aber bei selteneren Namen wüßte man schon das ein Schmied Haumichweg wohl dazugehören könnte. Manchmal findet man aber auch nur einen weiteren Hinweis wo die Suche fortgesetzt werden kann.
Bei Hofeigentümern würde ich immer schauen ob ein Sterbefall eines Elternteils Auslöser der Heirat/Übergabe gewesen sein könnte.
LG Malte
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  #8  
Alt 25.08.2020, 17:39
Benutzerbild von Silke Schieske
Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Zitat:
Zitat von scheuck Beitrag anzeigen
Hallo, zusammen!

Genau so mache ich das auch - Infos erstmal zu sammeln, um später mal entscheiden zu können, ob man sie gebrauchen kann oder nicht, schadet nie!
Meine entsprechende Sammlung ist im Laufe der Jahre deutlich kleiner geworden. Vieles konnte ich "enträtseln" und entsprechend "einbauen"; von anderen Dingen weiß ich inzwischen sicher, dass ich sie nicht gebrauchen kann, also konnten jene Vermerke weg.
Sammeln macht zunächst mal etwas Mühe, zahlt sich aber irgendwann aus

Joo und genauso mache ich das schon seit Jahren. Irgendwann passt dann tatsächlich was. Oftmal führt der Weg auch über Geschwister weiter


LG Silke
__________________
Wir haben alle was gemeinsam.
Wir sind hier alle auf der Suche, können nicht hellsehen und müssen zwischendurch auch mal Essen und Schlafen.
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  #9  
Alt 26.08.2020, 02:28
Amanita Amanita ist offline
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Registriert seit: 06.02.2020
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Erst mal herzlichen Dank für die vielen interessanten Antworten!

Ich mache es eigentlich auch so, dass ich erst einmal nur Informationen sammle und dann weiter recherchiere (z.B. Geschwister, Taufpaten), doch irgendwann kommt man an einen Punkt, an dem man sich entscheiden muss, ob man die Person als die "richtige" ansieht (und in der Linie weiter machen kann) oder ob man sich eingestehen muss, an einem toten Punkt angekommen zu sein.

Zitat:
Zitat von Svenja Beitrag anzeigen
In den Heiratseinträgen wurden immer die Namen der Eltern und die Herkunftsorte von Braut und Bräutigam erwähnt.
Da hast du wirklich Glück, wenn die Bücher immer so genau geführt sind. Ich hatte oft sehr lückenhafte Einträge, wie z.B. diesen hier:

https://data.matricula-online.eu/de/...252F05/?pg=222

Da wird es dann wirklich schwierig, wenn auch bei ledigen Brautleuten keine Namen der Eltern genannt werden.

Ein anderes Problem sind natürlich auch immer fehlerhafte Einträge.
Vertauschte Vornamen, einmal sogar ein falscher Familienname, die Altersangaben als Schätzwerte, Wohnorte von Eltern und Paten werden vertauscht etc. etc.
Ich tue mir da manchmal ziemlich schwer zu entscheiden, ob ich hier etwas als Fehler betrachte oder weiter suchen muss, weil es einfach nicht passt.

Gerade in den älteren Büchern (17. und 18. Jhdt) wird der Familienname der Frau (also ihr Mädchenname) oft in keinem einzigen Eintrag zu ihren Kindern erwähnt, den sieht man dann zum ersten Mal im Trauungseintrag (wenn man ihn denn findet ). Und so hat man dann ganz viele Taufeinträge und auch Trauungseinträge der Kinder, deren Eltern immer Blasius Tatzberger und seine Frau Rosina aus dem Ort Hintertupfing Nr.4 waren, findet endlich einen Trauungseintrag, der perfekt passen würde - und die Braut heißt Susanna.

In dieser Art habe ich einige Fälle und bei manchen habe ich schließlich einfach beschlossen, dass im Trauungseintrag ein falscher Vorname der Frau eingetragen sein muss (aus welchem Grund auch immer).

Denn wie wahrscheinlich ist es denn, dass es sich bei dieser "Susanna" nicht um Rosina handelt, wenn die Hochzeit ein Jahr vor der Geburt des ersten Kindes stattfand, es keinen Sterbeeintrag zu einer verstorbenen "Susanna Tatzberger" gibt und auch keine Wiederverheiratung eines Witwers Blasius Tatzberger (und das Alles auch nicht in den umliegenden Pfarren)? (Namen und Orte habe ich hier frei erfunden, es ist nur ein Beispiel für einige Fälle, die mir untergekommen sind).

Mich würde das sehr interessieren, wie ihr mit solchen Fällen umgeht.
Also wenn eigentlich alles klar scheint, alles bis auf ein Detail (in diesem Fall der Vorname der Braut) passen würde, man bereits Dutzende Kirchenbücher Dutzender anderer Pfarren durchwühlt hat auf der Suche nach einer anderen Trauung von einem anderen Blasius Tatzberger mit einer Rosina - und das alles ergebnislos bleibt.

Wäre euch das "sicher genug"?
Ich bin mir selbst noch nicht so sicher...


LG, Karin
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  #10  
Alt 26.08.2020, 07:44
Benutzerbild von Balle
Balle Balle ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 22.11.2017
Beiträge: 1.482
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Ich verstehe die Schwierigkeiten einer Entscheidung gut. Da hat wohl jeder solche Endpunkte.
Für mich ist auch wichtig was danach kommt. Wenn es dann sowieso nicht weitergeht weil die KB auch davor schlecht geführt sind, dann hilft mir eine Entscheidung ja nicht weiter. Dann notiere ich mir das Problem und schließe es ab.
Aber wenn das schon in der fünften oder sechsten Generation passiert, dann ist mir das zu früh.
Ich versuche eine logische Entscheidung zu treffen, ein bißchen Bauchgefühl ist auch dabei.
Allerdings kriege ich diese Entscheidungen dann ein paar Tage nicht aus dem Kopf, denke immer wieder darauf rum und hinterfrage das ständig. Gibt es noch weitere Möglichkeiten: Zeitungsarchive, Brandversicherungskataster, Grundbücher, Konfirmandenlisten.
Über Konfirmandenlisten konnte ich kürzlich Geburtsdaten ermitteln für einen Zeitraum für den es kein Taufbuch gab. Oder ein Kirchstuhlregister bestätigt die Entscheidung.
Es werden immer mehr Daten zugängig. Deswegen notiere ich die Unsicherheit bei meiner Entscheidung. Vielleicht findet sich später ja was dazu.

Sicher kann man sich nie sein ob der Vater wirklich der Vater ist, nur weil der Pastor da einen Namen ins Buch geschrieben hat.
Nicht einmal das muß richtig sein.
Deswegen erlaube ich mir manchmal auch eine Entscheidung.....aber ich mache es mir nicht zu leicht.
__________________
Lieber Gruß
Manfred


Gesucht: Herkunft von Johann Christoph Bresel (Brösel, Prehel, Brahel),
ehem. Dragoner im Churfürstlich Sächsischem ehemaligen Herzog Churländischen Regiment Chevaux Legers in Zittau.
Eheschließung 1781 in Zittau
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