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  #31  
Alt 17.03.2017, 22:32
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Araminta Araminta ist offline
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Ob man sich entscheiden konnte ob zur Waffen SS oder zur Wehrmacht, weiß ich nicht, aber ich denke ja.
Du solltest aber nicht vergessen, dass dein Großvater zu Kriegsbeginn nicht mal 20 Jahre alt war und quasi mit der Doktrin aufgewachsen ist!

Als er dann selbst an der Front war, hat er seine Meinung offenbar, wie viele andere auch, grundlegend geändert!
Und ich kenne auch Fälle, in denen sich Männer versteckt hielten um nicht als Deserteure erschossen zu werden.

In einer Doku auf dem BR wurde auch deutlich gesagt, dass es Männer gab, die sich absichtlich Gliedmaßen brechen ließen um nicht an die Front geschickt zu werden.

Ich finde deine Geschichte aber auch sehr schön und romantisch!
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  #32  
Alt 18.03.2017, 15:30
Benutzerbild von Kleeschen
Kleeschen Kleeschen ist offline männlich
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Hallo,

wäre interessant zu wissen, wenn er wirklich aus eigener Entscheidung in die Waffen SS kam. Mein Großvater wurde, wie bereits erwähnt, 1943 eingezogen. Vorher war er am Krieg nicht "beteiligt".

Ich habe nun die Niederschrift der "Geschichte" vorliegen. Hier ein Auszug aus ihr:

"[Meine Eltern] heirateten während des Krieges und mein Vater kämpfte bei den Deutschen, das mussten die Männer deutscher Abstammung. Bis zu der Zeit, als unser Vater Soldat wurde, hat die Familie nicht viel vom Krieg gespürt. [...] Unser Papa wurde verwundet und bekam Urlaub für ein paar Tage. In dieser Zeit kamen alle Leute aus dem Dorf vorbei und fragten, ob er eventuell etwas von deren Angehörigen wisse. Also hatte er überhaupt keine Ruhe und dann war der Urlaub auch schon vorbei. Am Bahnhof bei der Verabschiedung war meine Mutter völlig außer sich. Sie wollte ihren Mann nicht weglassen, hat sich an ihn geklammert, geweint und ihn festgehalten. Er wollte sich immer losreißen, um auf den Zug aufzuspringen, der schon langsam anrollte, aber sie hat ihn nicht losgelassen. Schließlich ist der Zug ohne ihn losgefahren und mein Vater sagte, es würde etwas Schlimmes passieren, denn er sei jetzt ein Deserteur. Und das könnte ihn das Leben kosten.

Aber das Gegenteil ist eingetreten, meine Mutter hat meinem Vater das Leben gerettet, denn dieser Zug, mit dem mein Vater fahren wollte, wurde bombardiert und niemand überlebte. [...] Das könnte 1943 passiert sein, denn bald darauf mussten sich die Deutschen aus der Ukraine zurückziehen.

So war unser Papa offiziell tot und ist dann auch nicht zurückgekehrt an die Front, sondern er hat sich bis zum Kriegsende versteckt.

Es war eine verrückte Zeit: den Russen gegenüber haben sie sich als Deutsche ausgegeben und den Deutschen gegenüber als Russen.

[...] Unsere Familie hat dann [...] [die Heimat] verlassen und ist Richtung Westen gezogen. Wir kamen bis ins Warthegau, das ist im heutigen Polen. Als die russische Armee bis dorthin vorgedrungen war, mussten wir wieder verschwinden. Es hieß erst, dass wir zurück in die Ukraine gebracht würden, aber dann ging es nach Archangelsk im hohen Norden Russland, dort war es eisig kalt. Wir lebten in einem Arbeitslager unter unvorstellbaren Bedingungen."



Hier stimmt definitiv etwas nicht. Meine Großmutter gab bei ihrer Einbürgerung am 05.08.1944 an, dass ihr Mann (mein Großvater) seit dem 06.04.1943 "bei den Waffen SS" sei. Theoretisch müsste sie ja angegeben haben, dass er tot sei. Und von meinem Großvater ist auch eine Verwundung am 08.11.1944 nachgewiesen.

Meine Vermutung wie das ablief: mein Großvater wurde am 06.04.1943 eingezogen, freiwillig oder nicht, da befand er sich noch in seiner Heimat am Schwarzen Meer. Meine Großmutter wurde mit ihrem Sohn am 17.03.1944 aus ihrer Heimat gebracht und kam am 22.05.1944 im Wartheland an. Am 05.08.1944 wurde sie eingebürgert, hier lebt sie in Wildenbach Krs. Welun. Am 08.11.1944 wurde mein Großvater an der Front verwundet, er kommt in ein Lazarett und darf dann für ein paar Tage nach Hause. Zu dem Zeitpunkt lebte meine Großmutter in Altort, Post Falkenhof, Krs. Welun. Sie scheint umgezogen zu sein. Wahrscheinlich lebte sie am 05.08.1944 in einem Lager, bis ihr dann ein ehem. polnischer Bauernhof zugeteilt wurde. Mein Großvater muss zurück, nimmt den Zug nicht und versteckt sich bis Kriegsende. Meine Großeltern wurden von den Russen gefangen genommen, nach Sibirien gebracht und mein Großvater kam in Kriegsgefangenschaft. Meine Großmutter arbeitete seit dem 15.04.1946 in einer Zellulosefabrik in Archangelsk. Um 1950 zieht die Familie dann um. Erst 1975 kommt sie nach Deutschland.

Hat hier jemand noch eine Idee zu? Kann das an sich so stimmen? Kann ich hier irgendein Geschehnis nachweisen?

Viele Grüße
Kleeschen
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