#1  
Alt 31.07.2022, 07:24
EmmaD EmmaD ist offline weiblich
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Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1762
Region, aus der der Begriff stammt: Sauerland (NRW)



Schönen guten Morgen zusammen,


im Kirchenbuch Kallenhardt bin ich über den Begriff "vagabundus gallus" gestolpert. Ich hätte das nun frei als Gaukler übersetzt.


Weiß jemand vielleicht mehr zu dem Begriff?


Viele Grüße
Emma
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  #2  
Alt 31.07.2022, 08:41
Benutzerbild von Horst von Linie 1
Horst von Linie 1 Horst von Linie 1 ist offline
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https://relaunch.kreis-ahrweiler.de/.../hjb1955.7.htm
Hier gibt es eine Deutung zu diesem Begriff bei einem frz. "Zigeuner" in dem mit "Heinrich Küntgen" beginnenden Absatz.
Der Name Schincke hört sich aber eher nord- oder ostdeutsch an
__________________
Falls im Eifer des Gefechts die Anrede mal wieder vergessen gegangen sein sollte, wird sie hiermit mit dem Ausdruck allergrößten Bedauerns in folgender Art und Weise nachgeholt:
Guten Morgen/Mittag/Tag/Abend. Grüß Gott! Servus.
Gude. Tach. Juten Tach. Hi. Hallo.

Und zum Schluss:
Freundliche Grüße.
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  #3  
Alt 06.08.2022, 04:39
EmmaD EmmaD ist offline weiblich
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vielen Dank für deine Info!
Weitere Infos gibt es zu Jakob Schicke nicht. Ich würde mal vermuten, dass er auf der Durchreise dort gestorben ist.



Schönen Tag allerseits
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  #4  
Alt 06.08.2022, 08:01
sternap sternap ist offline
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Zitat:
Zitat von EmmaD Beitrag anzeigen
[fragebogen]

im Kirchenbuch Kallenhardt bin ich über den Begriff "vagabundus gallus" gestolpert. Ich hätte das nun frei als Gaukler übersetzt.

besonders nach kriegen gab es mitunter das frühere gebiet nicht mehr, wenn aus dem oder einem anderen grund jemand nicht zu den neuen herren zurückkehren wollte oder ein untertan nicht in seine alte heimat bzw. ein handwerksmeister den lohn vorenthalten hatte, dann blieb er eben landstreicher und unterhielt wie ein gockel=gallus die leute mit irgendeiner kunst.


beim kapitel deutschland...
https://de.wikipedia.org/wiki/Jenische
__________________
______________________________
freundliche grüße
sternap


weil man sich nicht sieht, mein gesichtsausdruck: my dog stepped on a bee!

Geändert von sternap (06.08.2022 um 08:23 Uhr)
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  #5  
Alt 06.08.2022, 10:18
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Hallo zusammen,
gallus könnte auch einfach "Gallier" bedeuten, also Franzose. vagabundus bedeutet oft "nichteinheimisch".
Viele Grüße
Peter
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  #6  
Alt 06.08.2022, 12:27
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo, hier ist die Erklärung:
Demnach so wie Peter sagt: Gallus = aus Frankreich
vagabundus = Zigeuner (Sinti)

Heinrich Küntgen war demnach der letzte „villicus Hambachensis". Als Kuriosum seien noch folgende Eintragungen mitgeteilt: „Am 6. 1. 1763 wurde mit Genehmigung des Pfarrers von Ringen in Holzweiler getauft: Mathias Moreng i,Morin), der auf Landgut Hambach geboren war. Eltern: Josef Moreng und Katharina Rysers, "vagabundi ex provincia Gallicana" (d. i. Zigeuner aus der Provence in Frankreich). Am 30. 4. 1779 ist dieser „vagabundus Gallus" Josef Moreng gestorben. Er hatte auf Hof Hambach als Knecht gedient.
https://relaunch.kreis-ahrweiler.de/.../hjb1955.7.htm


Sein Name lautet also Moreng, und nicht Schincke
Zitat:
Zitat von Horst von Linie 1 Beitrag anzeigen
https://relaunch.kreis-ahrweiler.de/.../hjb1955.7.htm
Hier gibt es eine Deutung zu diesem Begriff bei einem frz. "Zigeuner" in dem mit "Heinrich Küntgen" beginnenden Absatz.
Der Name Schincke hört sich aber eher nord- oder ostdeutsch an
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (06.08.2022 um 12:34 Uhr)
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  #7  
Alt 06.08.2022, 12:44
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Korrektur: die ethnische Zuordnung Sinti ist nur eine Mutmaßung von mir gewesen, und möchte ich zurückziehen

Zitat Krünitz:
Vagabund, Vagant, Vagabundus, ein Landstreicher. Es kommt von dem Lateinischen vagare, umhertreiben, umherziehen; man hat davon auch im gemeinen Leben das Zeitwort vagieren, welches sowohl unstät herumlaufen, herumschweifen, bedeutet, als auch mit etwas unbehutsam hin und her fahren; daher sagt man auch: Jemandem mit der Hand vor dem Gesichte herumvagieren, so wie man auch sagt: auf den Straßen, im Lande herumvagieren. -- In der Rechtswissenschaft versteht man darunter eine Person, welche nirgends einen festen Wohnsitz hat, sondern sich bald hier, bald dorthin begiebt, immer auf der Landstraße liegt, und seine Herberge in niederen Wirthshäusern oder Schenken, bei den Landleuten auf Heuböden und in Holzställen sucht. Dieses ist die eigentliche Bezeichnung eines Vagabunden, wie man das Wort rechtlich versteht; damit ist aber nichts Ehrenrühriges verbunden; denn die herumziehende Lebensart ist nicht immer Folge eines liederlichen Lebenswandels, sondern rührt oft von herumziehenden Eltern her, wo es zur Gewohnheit bei den Kindern geworden ist, sich unter freiem Himmel umherzutreiben; dann auch durch die Art des Erwerbes, wenn Individuen ihr Brod durch das Helfen der Landleute beim Feldbau und andere Beschäftigungen suchen, und also, um diesen nachzukommen, bald hier, bald dorthin als Tagelöhner ziehen, im Sommer auf den Feldern und in Gehölzen, und im Winter auf Heuböden schlafen. Wenn daher mit diesem Herumziehen weiter nichts verbunden ist, als sich auf eine ehrliche Weise zu ernähren, so hat es, wie schon bemerkt, nichts Ehrenrühriges an sich. Da aber mit dem Begriffe eines Vagabunden oder Landstreichers oft eine verächtliche Lebensart verbunden ist, er auf Zigeuner, Glücksritter, Gaukler, Marktschreier, Taschenspieler, Bären= und Affenführer etc. angewendet wird, so pflegt man oft den Ausdruck Vagabund dem von Gauner gleichzustellen, weil viele der genannten Individuen sich bei ihrem fahrenden Gewerbe auch Gaunereyen zu Schulden kommen lassen; sie auch Jahrmärkte und Messen beziehen, und hierauf ein anrüchiges Nebengewerbe betreiben. In diesem Sinne nun nimmt man gewöhnlich das Wort Vagabund oder Landstreicher, und leitet es hauptsächlich, was die Lebensart betrifft, von den Zigeunern her, welche zuerst zu Anfange des funfzehnten Jahrhunderts Deutschland betraten, und sich dann weiter nach Westen, nach der Schweiz, Italien, Frankreich, Spanien etc., ausbreiteten. Da nun dieses Volk auch ein Nomadenleben in Europa fortführte, und sich in abgelegenen Gegenden unter freiem Himmel in Zelten und Hütten aufhielt, so gesellten sich in der Folge auch andere Herumtreiber, die zu keiner dauernden Beschäftigung Lust hatten, zu ihnen, oder erwählten ihre Lebensart, als der Faullenzerey günstig ...
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (06.08.2022 um 12:48 Uhr)
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  #8  
Alt 06.08.2022, 14:31
sternap sternap ist offline
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Zitat:
Zitat von Anna Sara Weingart Beitrag anzeigen
Hallo, hier ist die Erklärung:
Demnach so wie Peter sagt: Gallus = aus Frankreich
vagabundus = Zigeuner (Sinti)

die zuordnung zu sinti und roma geht von einer relativ jungen herkunft von indien aus, keine 700 jahre.


sogenannte ursprünglich schwäbische und linksrheinische jenische oder tiroler karrner, demnach vagabundierende herumstreifende, kamen zu einem großen teil aus normalen mittel- und westeuropäischen haushalten.
weichende erben, verdrossene bürger, ehemalige soldaten verkaufter herrschaftsgebiete, söldner und zum tross gehörende,auf der landstraße gestrandete, handwerker und verarmte betteljuden wurde dazugezählt.

da die jenische sprache - nachträglich wurde den so sprechenden eine identität als volk reklamiert- elemente der jaunersprache, des gaunerischen enthielt, und in deutschsprachigen ländern sich dazu ein gemisch aus französischen und italienischen wörtern sehr gut eignete, verkannte man sie als franzosen oder italiener bzw. nachkommen der alten galliuier.


seit romagruppen die heilige sarah als ihre schutzheilige feiern und auf der alljährlichen reise nach Saintes-Maries-de-la-Mer linksrheinische und jenische orte für ihren weg und zwischenaufenthalt wählen, verstehen sich noch nicht als volksgruppe anerkannte jenische zunehmend als teil der anerkannten roma bzw. sinti.
__________________
______________________________
freundliche grüße
sternap


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  #9  
Alt 06.08.2022, 16:41
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Schincke ist ja nun tatsächlich kein französischer Name, auch kein Elsässer. Aber mW auch kein Sauerländer. Auch als Sinti- oder Roma-Namen finde ich ihn nicht. Entweder stimmt sternaps Erklärung, oder die Familie hatte vielleicht vorher in Frankreich gewohnt oder dies behauptet.
Viele Grüße
Peter

Geändert von Xylander (06.08.2022 um 16:49 Uhr)
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  #10  
Alt 06.08.2022, 17:26
sternap sternap ist offline
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wie vermutet, kommt der name schinke im krummen elsaß vor.
somit könnte der gaukler ein lothringer österreicher oder ein vorderösterreicher sein.
denn der kleine teil lothringens weigerte sich, zum katholischen glauben zu wechseln und wollte deshalb dem elsaß zugeschlagen werden.


https://gen-roms.de/index.php/auswah...s-liste.html#S


https://de.wikipedia.org/wiki/Krummes_Elsass
__________________
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freundliche grüße
sternap


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Geändert von sternap (06.08.2022 um 17:36 Uhr)
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