#1  
Alt 08.05.2006, 16:15
Marlies
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Standard Care-Pakete

Hallo,

die Care-Pakete, die wir nach dem Krieg bekamen, haben uns so manches mal geholfen, gerade was die Lebensmittel betraf. (obwohl auch immer etwas dabei war, was mir absolut nicht geschmeckt hat: Ei-Pulver) Ich kann mich erinnern, dass im Jahr 1954 die letzten Pakete bei uns eintrafen, dann zogen wir um.

Wann wurden die Care-Pakete eingestellt?

Viele Grüße
Marlies
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  #2  
Alt 08.05.2006, 21:19
Woody
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Standard

Hallo Marlies,
Das erste Care Paket kam am 14.August 1946 in Berlin an.
bis 1960 wurden insgesamt 10 Mio.Pakete verschickt.
CARE-Pakete enthielten folgende Grundnahrungsmittel: 0,5 kg Rindfleisch in Kraftbrühe, 0,5 kg Steaks und Nieren, 0,25 kg Leber, 0,5 kg Corned Beef, 0,4 kg »Prem« (Fleisch zum Mittagessen), 0,25 kg Speck, 1 kg Margarine, 0,5 kg Schweineschmalz, 0,5 kg Aprikosen-Konserven, 0,5 kg Honig, 0,5 kg Rosinen, 0 ,5 kg Schokolade, 1 kg Zucker, 0,25 kg pulverisierte Eier, 1 kg Vollmilch-Pulver, 1 kg Kaffee.

Kleine Anekdote:

Eines der älteren Mädchen von Frau F. hatte einen amerikanischen Besatzungssoldaten als Freund. Für uns jüngeren Mädchen in der Umgebung war er der schönste und hübscheste, den wir uns vorstellen konnten! Er sah so schneidig aus in seiner enganliegenden Uniform! Außerdem brachte er immer Kaugummi und Schokolade mit, die er großzügig unter uns Kindern verteilte, wenn er mit seinem Jeep vor der Haustür von Frau F. parkte. Dann war es als wäre der Weihnachtsmann gekommen. Wir liefen rasch zum Jeep in der Hoffnung auf einen Kaugummi oder zumindest, um einen Blick auf den "hübschen Andy" zu werfen.

Mit den Amerikanern hielten u.a. auch die Nylonstrümpfe ihren Einzug in Deutschland. Sie waren das, was sich deutsche Frauen wünschten und begehrten. Aber auch die Lebenslänge der Nylonstrümpfe war begrenzt. Früher oder später hatten sie eine oder mehrere Laufmaschen und, diese ließen eine völlig neue Berufsgruppe entstehen, nämlich die der "Laufmaschenaufnehmer". Von morgens bis abends saßen Frauen mit dieser Tätigkeit in Schaufenstern und nahmen Laufmaschen auf! Die Bezahlung war schlecht und erfolgte je aufgefangene Laufmasche. Lohnend war es lediglich für die Besitzerin der betreffenden Nylonstrümpfe, denn für sie war es billiger und leichter Laufmaschen aufnehmen zu lassen, als ein Paar neue Nylonstrümpfe zu erstehen!

Mit den "Care-Paketen" zeigte die amerikanische Bevölkerung ihre Solidarität mit jenen Deutschen, die es nach dem Krieg besonders schwer hatten. So kam es, daß wir ab und zu eine Mitteilung zur Abholung eines "Care-Paketes" erhielten. Diese Pakete konnten Kleidung oder Lebensmittel enthalten. Uns spielte es keine Rolle, was in den Paketen war, denn Kleidung war ebenso willkommen und notwendig wie Lebensmittel! Ein Lebensmittelpaket enthielt meistens verschiedene Konservendosen mit Trockenmilch, gekochten und geschälten Kartoffeln, Gemüse und "Corned beef". Wenn wir mit einem solchen Paket unter dem Arm nach Hause gingen, dann sahen wir nicht nur glücklich aus, wir waren es auch!

So kam es auch, daß Mutti einmal eine Dose Trockenmilch in einem Schrank im Korridor versteckt und eingeschlossen hatte. Den Schlüssel zu diesem Schrank gab sie Oma, bevor sie sich selbst auf eine ihrer unzähligen "Hamstertouren" begab, um Lebensmittel zu besorgen. Es war nicht oft, daß Oma auf uns aufpaßte, denn sie wohnte im russisch besetzten Teil in Glienicke, während wir im amerikanisch besetzten Teil Tempelhof wohnten. Das bedeutete jedesmal lange und umständliche Fahrten mit der S-Bahn und auch diverse Kontrollen, ganz abgesehen, daß sie dann noch uns vier Enkelkinder hatte, die ihr das Leben auch nicht gerade erleichterten.

Bei einer solchen Gelegenheit, als Oma auf uns aufpaßte, geschah es, daß Mutti früher als berechnet von ihrer Hamsterfahrt zurückkam. Sie schloß die Wohnungstür auf und begrüßte Oma, die sich gerade im Korridor aufhielt. Oma wollte die Begrüßung erwidern, doch das klappte nicht so recht. Denn anstelle von Worten, spritzte Mutti eine große weiße Wolke Trockenmilch entgegen! Das Rätsel war gelöst; der Hunger machte, wie es schien, auch vor Omas nicht halt und, Mutti wußte nun, daß es nicht unbedingt ihre Kinder sein mußten, die für das Verschwinden von Lebensmitteln, die unter Verschluß standen, verantwortlich waren.
Gruß Woody
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  #3  
Alt 09.05.2006, 07:02
Marlies
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Zitat:
Original von Woody
Das erste Care Paket kam am 14.August 1946 in Berlin an.
bis 1960 wurden insgesamt 10 Mio.Pakete verschickt.
CARE-Pakete enthielten folgende Grundnahrungsmittel: 0,5 kg Rindfleisch in Kraftbrühe, 0,5 kg Steaks und Nieren, 0,25 kg Leber, 0,5 kg Corned Beef, 0,4 kg »Prem« (Fleisch zum Mittagessen), 0,25 kg Speck, 1 kg Margarine, 0,5 kg Schweineschmalz, 0,5 kg Aprikosen-Konserven, 0,5 kg Honig, 0,5 kg Rosinen, 0 ,5 kg Schokolade, 1 kg Zucker, 0,25 kg pulverisierte Eier, 1 kg Vollmilch-Pulver, 1 kg Kaffee.
Hallo Woody,

DANKESCHÖN! so genau hatte ich das gar nicht in Erinnerung.

An die Nylon-Strümpfe kann ich mich auch erinnern: sie hatten eine Naht und man hat peinlich genau darauf geachtet, das diese auch kerzengerade am Bein verlief. Und Laufmaschen-Auffangen lassen konnte man an jeder Strassenecke.

Kaugummi war in meiner Familie ein"eigenes" Thema: Meine Mutter war strikt dagegen, wir haben deswegen in aller Heimlichkeit gekaut und den Kaugummi, kurz bevor wir nach Hause kamen, in irgend ein Eck gepappt, um bei der nächsten Gelegenheit weiter zu kauen.

Viele Grüße
Marlies
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  #4  
Alt 21.10.2006, 00:38
Norbert Staub Norbert Staub ist offline männlich
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Standard RE: Care-Pakete

Hallo Marlies
da unsere Familie keiner Religion angehört, gab es für sie in Duisburg kein Care Paket. Bei uns bekamen diese Zuwendungen nur die bekannten Kirchenläufer. Verwandte aus Amerika schickten dafür Zigaretten, Kaffee, Kleider, Strümpfe, Schokolade.

Viele Grüsse

Norbert
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  #5  
Alt 21.10.2006, 22:52
Marlies
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Standard RE: Care-Pakete

Zitat:
Original von Norbert Staub
da unsere Familie keiner Religion angehört, gab es für sie in Duisburg kein Care Paket. Bei uns bekamen diese Zuwendungen nur die bekannten Kirchenläufer.
Hallo Norbert,

es ist mir neu, dass die Zuteilung der Pakete von einer Religionszugehörigkeit abhängig war.

Lieben Gruß
Marlies
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  #6  
Alt 21.10.2006, 22:57
Carlton
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Standard RE: Care-Pakete

Hallo Marlies,

wir haben auch keine Care Pakete bekommen. Aber nicht, weil wir keiner Relgion angehörten, sondern weil uns Verwandte aus den USA direkt Pakete schickten.

Ich komme aus einem kleinen Dorf und da haben meine Eltern sebstverständlich auf die Care Pakete verzichtet.

Schönen Sonntag noch,

Ursula
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  #7  
Alt 22.10.2006, 10:28
Siegfried Mühle Siegfried Mühle ist offline
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Standard RE: Care-Pakete

Als im Zweiten Weltkrieg Millionen von Menschen in den Ruinen der zerstörten Städte ohne Obdach, Nahrung, Kleidung und Medikamente waren, gründeten in Washington 22 US-amerikanische Wohlfahrtsverbände am 27. November 1945 in Washington die private Hilfsorganisation CARE, „Cooperative for American Remittances to Europe“, um Hilfsaktionen für Europa koordinieren zu können. Initiator dieses Verbunds war Lincoln Clark. Auch die US-Armee beteiligte sich und stellte aus ihren Depots die ersten Lebensmittellieferungen, zunächst nach Frankreich. Ende Februar 1946 genehmigte die US-Regierung Hilfslieferungen nach Deutschland, die meist von US-Bürgern an Verwandte abgeschickt wurde. Fast zehn Millionen CARE-Pakete mit Lebensmitteln, Kleidung oder Werkzeugen erreichten zwischen 1946 und 1960 Deutschland, Österreich und andere europäische Staaten. Das Standard-CARE-Paket enthielt Lebensmittel (Fleischkonserven, Getreide, Zucker, eingemachtes Obst und Gemüse, Kaokao und Kaffee) für 30 Mahlzeiten sowie Zigaretten. Besondere Bedeutung bekamen die Pakete während der Berlin-Blockade.

Die ersten CARE-Pakete sind so genannte Ten-in-One-Rationen aus Beständen der US-Armee. Ursprünglich dafür gedacht, während des Zweiten Weltkrieges jeweils zehn Soldaten mit einer Mahlzeit zu versorgen, enthält jedes Paket:

9,8 Pfund Fleisch und Innereien,
6,5 Pfund Cornflakes, Haferflocken und Kekse,
3,6 Pfund Obst und Pudding,
2,3 Pfund Gemüse,
3,9 Pfund Zucker,
1,1 Pfund Kakao-, Kaffee- und anderes Getränkepulver,
0,8 Pfund kondensierte Milch,
0,5 Pfund Butter,
0,4 Pfund Käse,
eine Packung Zigaretten,
etwas Kaugummi

Im März 1947, als die Bestände an Zehner-Paketen verbraucht sind, beginnt CARE, Pakete zu verschicken, deren Inhalt die Organisation selbst zusammenstellt und packt. Diese sind stärker auf den Bedarf von zivilen Familien als den von Soldaten abgestimmt. Sie enthalten mehr Fleisch, mehr Fett, mehr Kohlenhydrate und andere Bestandteile, um die europäische „Diät“ anzureichern. Der Nährwert dieser Pakete entspricht etwa 40.000 Kalorien. Er variiert von Zeit zu Zeit, hat jedoch folgende Grundausstattung:

1 Pfund Rindfleisch in Kraftbrühe,
1 Pfund Steaks und Nieren,
0,5 Pfund Leber,
0,5 Pfund Corned Beef,
0,75 Pfund „Prem“ (Fleisch zum Mittagessen),
0,5 Pfund Speck,
2 Pfund Margarine,
1 Pfund Schweineschmalz,
1 Pfund Aprikosen-Konserven,
1 Pfund Honig,
1 Pfund Rosinen,
1 Pfund Schokolade,
2 Pfund Zucker,
0,5 Pfund pulverisierte Eier,
2 Pfund Vollmilch-Pulver
2 Pfund Kaffee

Hinweis: 1 USA-Pfund entspricht ca. 454 Gramm.

Siegfried (Mühle)
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  #8  
Alt 22.10.2006, 14:32
gudrun gudrun ist offline
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Beiträge: 3.275
Standard RE: Care-Pakete

Hallo,

wir bekamen keine Care-Pakete, es gab in dem Dorf anscheinend noch viele Leute, die Ärmer waren, als wir.
Mein Großvater (Essen) erzählte mal, daß seine Schwestern von einem Cousar Pakete bekamen. Die sollten allerdings ihrem Bruder was abgeben, was aber nie geschah. Ob wohl mein Großvater diese Hilfe auch hätte gebrauchen können. Er ist mindestens zweimal in Essen ausgebombt worden.
Von den Amerikanern erhielten wir erst etwas, als mein Vater bei den Amis gearbeitet hat. Da brachte er öfter etwas mit nach Hause.

Viele Grüße
Gudrun
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  #9  
Alt 22.10.2006, 21:12
Norbert Staub Norbert Staub ist offline männlich
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Standard RE: Care-Pakete

Hallo Marlies,
ich habe heute noch mit meiner Mutter gesprochen. Sie ist 77 Jahre alt und für unsere Forschungen die letzte und ergiebigste Quelle. Wie gesagt, gab es in unserer Stadt, sie war zu 89% zerstört nur die Pakete an die sogenannten Kirchenläufer. Diese Personen waren auch die ersten, die die Zuteilungen als erste bekamen. Zum Beispiel gab es Freitags Fisch. Sie bekamen die guten Sachen, die anderen die Köpfe. Um nicht zu verhungern war meine Mutter und ihre Schwestern auf Hamstertour. Entweder am Niederrhein, Richtung Hannover oder in Richtung Baden-Württemberg. Ein Teil ihrer kleineren Geschwister waren bei guten Menschen in Württemberg in Pflege. Von dort bekamen die Staub alles was sie zum Leben brauchten. Während des Krieges war meine Mutter in Kisslegg. Sie ging dort sogar zur Schule. Wenn die Leute im Ruhrgebiet nicht die Felder abgegrasst hätten wären sie verhungert. Das Leben war mehr als hart. Es hat immer Unterschiede gegeben. Wie auch heute.
Viele Grüsse

Norbert
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  #10  
Alt 23.10.2006, 20:31
Marlies
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Standard RE: Care-Pakete

Hallo,

nun haben wir (hier im Forum) zu diesem Thema 3 Aussagen. Es gab Familien, die nicht in den Genuß der Care-Pakete kamen, weil 1. freiwillig darauf verzichtet wurde, 2. es noch ärmere Familien in der Gemeinde gab und 3. gab es keine Zuteilung, weil man keiner Kirche angehörte.

Punkt 1 und 2 kann ich nachvollziehen, Punkt 3 nicht (ich zweifle nicht an Deiner Aussage, Norbert)

Gibt es irgendwo ein Schriftstück, welches besagt, dass die Verteilung "nur" über christliche Organisationen laufen durfte?

Viele Grüsse
Marlies
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