#1  
Alt 25.10.2016, 13:25
2Emilia 2Emilia ist offline männlich
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Standard Weinkäufliche Kopulation

Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum: 1808
Genaue Orts-/Gebietseingrenzung: Bromskirchen, Hessen-Nassau
Konfession der gesuchten Person(en): evangelisch
Bisher selbst durchgeführte Internet-Recherche (Datenbanken): familysearch
Zur Antwortfindung bereits genutzte Anlaufstellen (Ämter, Archive):

Liebe Mitforscher,
bei den digitalen Kirchenbüchern der Mormonen sind auch Duplikate von KB aus Bromskirchen/Hessen-Nassau. Da bin ich über ein Copulationsprotokoll der Pfarrei Bromskirchen 1808 gestolpert, in dem es am Anfang heißt:
"Im Jahre 1808 am 8. Mai (Zahlen ausgeschrieben) wurden, nach geschehener in hiesiger Pfarr-Wohnung am 17. April geschehener weinkäuflichen Kopulation und darauf in hiesiger Pfarrkirche am 17. und 24. April und 1. Mai ordnungmäßig geschehener Aufkündigung, und am 13. April 1796 gnädigst erhaltener Befreiung von Krigs-Diensten - und unter dem 13. April vom Friedensgericht des Kantons Frankenberg konfirmierter Ehegatten, und Einwilligung des Bräutigams Vormund, und der Braut Vater getraut, und ehelich eingesegnet (Namen)...."
Was bedeutet "weinkäufliche Kopulation"? und mussten die Eheleute jedesmal vom Friedensgericht konfirmiert werden - oder ist das eine andere Konfirmation als die der evangelischen Kirche?
Kann mir jemand diese mysteriösen Bestimmungen erklären? Vielen Dank für Eure Mühe und viele Grüße
Bruno
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  #2  
Alt 26.10.2016, 14:06
2Emilia 2Emilia ist offline männlich
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Standard

Liebe Mitforscher,
da offenbar niemand mit meinen Fragen was anfangen kann: Ich habe es inzwischen in Schriftstücken gefunden. Die "weinkäufliche (auch leikäufliche) Kopulation" ist eine vor dem Pfarrer und zwei Zeugen geschlossene kirchliche Verlobung (meistens im Pfarrhaus), offenbar nur in der evangelischen Kirche, und zwar nahezu ausschließlich in Hessen. Bei einem gefundenen Hinweis hieß es, dass es das auch in Oldenburg gegeben hat. Ist wohl um 1870 rum abgeschafft worden!
Die Konfirmation ist der bewusste Eintritt in die evangelische Kirche, und die Mitgliedschaft ist Voraussetzung für eine kirchliche Trauung. Wenn einer/eine der Brautleute kein Mitglied ist, kann es keine kirchliche Trauung geben, nur einen Gottesdienst zum Zwecke der Eheschließung. Offenbar wird das in evgl. Pfarreien aber inzwischen unterschiedlich gehandhabt. Vielleicht kann jemand von Euch was damit anfangen!
Viele Grüße
Bruno
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  #3  
Alt 26.10.2016, 14:19
Der Suchende Der Suchende ist offline männlich
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Standard Kirchenbuch ?

Hallo Emilia.
Bist Du sicher das dies die offiziellen Kirchenbücher sind ?
In diesem Zeitraum (1808 - 1813) war Hessen von Napoleon (Königreich Westphalen) besetzt und dieser hat - zwar über die Pfarrer - eigene Bücher (Urkunden) führen lassen.
In anderen Gemeinden steht im Schriftkopf deshalb "Pfarrer und Beamter".
Diese "Bücher" sind meist ausführlicher als die Kirchenbücher. Bei Geburten und Sterbefällen werden die Urkunden von 2 Zeugen mit unterschrieben.
Grüße
Heinrich
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  #4  
Alt 26.10.2016, 19:37
2Emilia 2Emilia ist offline männlich
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Guten Abend, Heinrich,
Du hast Recht: Bei jedem neuen Jahrgang steht zwar nur, dass der Pfarrer das Heiratsprotokoll geschrieben hat. Aber am Schluss jedes Jahrgangs ist er dann "Pfarrer und Inspektor", also ein beauftragter Beamter. Insofern wird es wohl so was sein wie ein Standesbeamter. Was mich stutzig macht: Überall, wo ich bei Standesämtern unter französischer Besatzung Eintragungen gesehen habe, war es ein Formblatt mit Lücken, in die dann die Namen und Daten eingetragen wurden. In Bromskirchen ist aber auch in dieser Zeit jede Eintragung komplett handschriftlich erfolgt - allerdings, wie ich gerade noch mal nachgeschaut habe, "durch den Inspektor, der die Trauung verrichtet hat", unterschrieben. Danke für den Hinweis!
Viele Grüße
Bruno
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  #5  
Alt 04.11.2016, 12:07
sven345 sven345 ist offline
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Hallo,
Weinkauf ist eine frühneuzeitliche Form der Übernahme eines Kolonats, zB eines Meierhofes. Dabei hat Weinkauf nichts mit dem Getränk zu tun, sondern ist verwandt mit dem Wort Gewinn. Ich habe das bei einigen meiner Vorfahren, zB erkaufte ein Vater für seine Tochter bei einem Besitzerwechsel und zur Hochzeit seiner Tochter eine Meierstelle für 20 Thaler.
mfg Sven345
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  #6  
Alt 04.11.2016, 14:19
Andreas Krüger Andreas Krüger ist offline männlich
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Standard Weinkauf

Hallo,

möge es nutzen.

Gruß Andreas

Weinkauf

Mit Weinkauf wurde in der Grafschaft Lippe, aber auch darüber hinaus, während der Zeit der Leibeigenschaft (1500–1810) ein Antrittsgeld bezeichnet, das bei Übernahme eines Kolonats an den Grundherrn zu zahlen war. Der Begriff Weinkauf hat mit Wein nichts zu tun, sondern stammt von dem niederdeutschen Wort Winkop ab. Die erste Silbe beinhaltet den Ausdruck Gewinn und bedeutet in diesem Fall Nutzungsrecht an Grund und Boden. Win wurde beim Übertragen ins Hochdeutsche zunächst irrtümlich in wien und dann in wein verändert.[1]
Der in der Regel leibeigene Bauer erkannte mit der Zahlung des Weinkaufs das Eigentumsrecht des Grundherrn an, erwarb damit aber seinerseits gewisse Eigentumsrechte. Übernahm zum Beispiel ein Nachfolger das Nutzungsrecht, so bekam sein Vorgänger eine Abfindung. Manchmal wurde der Weinkauf für das Kolonat im Abstand von einigen Jahren mehrmals fällig. Die Höhe des Weinkaufs richtete sich nach der Größe des Besitzes und dem Wert des Inventars.[2]
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  #7  
Alt 04.11.2016, 15:16
Der Suchende Der Suchende ist offline männlich
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Standard Weinkauf

Hallo.
Im ersten Beitrag geht es um den Ausdruck "Weinkauf" in Verbindung mit einer Copulation und nicht um irgendwelche Verkäufe oder Überschreibungen.
Grüße
Heinrich
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  #8  
Alt 04.11.2016, 17:29
Benutzerbild von Friedrich
Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Moin zusammen,

auch ich kenne, wie mein Vorschreiber, den Begriff "Weinkauf" im Zusammenhang mit Hochzeiten. In der den hessischen Landen benachbarten ehemaligen Grafschaft Wittgenstein war der "Begriff" Weinkaufsbrief identisch mit einem Heiratsvertrag.

Friedrich
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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  #9  
Alt 05.11.2016, 19:17
sven345 sven345 ist offline
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Zitat:
Zitat von Der Suchende Beitrag anzeigen
Hallo.
Im ersten Beitrag geht es um den Ausdruck "Weinkauf" in Verbindung mit einer Copulation und nicht um irgendwelche Verkäufe oder Überschreibungen.
Grüße
Heinrich
Hallo,
genau, das beschrieb ich ja auch. Nur der gesetzliche Erbe oder Anerbe ist vom Weinkauf befreit. Daher muß auch eine auf den Hof heiratende Braut diesen Weinkauf leisten. das ist damit eine weinkäufliche Copulation.
lg sven345
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  #10  
Alt 06.11.2016, 13:33
Ditthardt Ditthardt ist offline männlich
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Ich kann bei dieser speziellen Anfrage vermutlich nicht helfen, hätte aber eine Anschlussbemerkung zu den Antworten. In Nassau-Dillenburg ist beim Grundstückserwerb, /-übergabe oder Schuldzahlungen immer von den bei der aufrichtung des vertrages anwesenden weinkauffsleuth die rede, daher nahm ich bisher immer an, dass es sich dabei um zeugen oder bürgen des vertrages handelt. Oft lautet die formulierung auch in etwa: den weinkauff haben getrunken x und y...
Also war entweder den leuten um 1500-1600 schon die etymologie des begriffes nicht mehr klar oder er kommt doch von wein
__________________
Gruß, B a s t i a n
___________________________
Kreuzburg (Oberschlesien): Anders
Margonin (Posen): Draheim
Raum Kolmar (Posen): Saegert
Flatow-Czernitza: Heldt/Zimmermann
Raum Preuß. Stargard: Hildebrandt/von Zielinski
Guttstadt: Wohlgemuth/Rautenberg/Schiminski
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