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  #1  
Alt 06.10.2018, 16:19
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Standard FN Budel - unterschiedliche Schreibweisen

Hallo zusammen!

Es geht um eine Familie Budel, welche ab 1355 in der Stadt Braunschweig auftaucht. Im Urkundenbuch Braunschweig erscheint dieser Name einige Male, und zwar in verschiedenen Schreibweisen: neben Budel kommt der Name als Buodel und als Buedel vor, woei das o und das e jeweils etwas hochgestellt gedruckt ist. Leider geht das Urkundenbuch nicht über das Jahr 1400 hinaus, sodaß ich nicht weiß, wie sich der Name später entwickelt. Ich hatte leider noch keine Gelegenheit, das Städtische Archiv Braunschweig in dieser Angelegenheit persönlich aufzusuchen.

Meine Frage nun an die Experten: was mögen diese hochgestellten Buchstaben bedeuten? Aufgrund welcher Schreibweise in den Originalurkunden hat man sich dazu entschlossen, das so zu handhaben? Solche hochgestellten Buchstaben, auch andere, kommen auch bei anderen Familiennamen vor. Wer weiß Rat?

Vielen Dank und herzliche Grüße
consanguineus
__________________
Gruß

Geändert von consanguineus (06.10.2018 um 19:00 Uhr)
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  #2  
Alt 06.10.2018, 17:15
Benutzerbild von Laurin
Laurin Laurin ist offline männlich
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Standard

Hallo,

vor einer Beantwortung durch sachkundige Forenmitglieder wäre ein Einblick in die Originale, z.B. Foto oder Scan, sehr hilfreich.
Sonst wird evtl. doch nur gemutmaßt.
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #3  
Alt 06.10.2018, 18:59
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Laurin,

sobald ich Zeit habe, werde ich mich nach Braunschweig aufmachen, um mir die Originalurkunden anzusehen.

Meine Frage zielte eigentlich generell darauf ab, ob unter den ausgebildeten Archivaren hier im Forum oder unter denjenigen, die über entsprechende Kenntnisse verfügen, jemand ist, der mir erklären kann, warum man in manchen Urkundenbüchern diese halb hochgestellten Buchstaben benutzt. Das hat sich ja sicherlich nicht der Praktikant im Archiv in Braunschweig in der Mittagspause ausgedacht. Möglicherweise handelt es sich ja um eine "genormte" Vorgehensweise um irgendeine Nuance bei der Aussprache des voranstehenden Vokals zum Ausdruck zu bringen.

Viele Grüße
__________________
Gruß
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  #4  
Alt 07.10.2018, 08:38
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Hallo consanguineus,
kannst Du denn trotzdem mal einen Scan oder Link zur gedruckten Wiedergabe einstellen? Das vermittelt zumindest einen Eindruck, was gemeint sein könnte.

Die Bedeutung ist wohl klar: Beutel, zB für einen Beutelmacher

Viele Grüße
Xylander
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  #5  
Alt 07.10.2018, 10:05
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Vorläufig tippe ich auf folgende Erklärung:
Bei u mit o darüber handelt es sich um einen Diphthong
https://books.google.de/books?id=zc-...staben&f=false

Bei a, o, u mit e darüber sind es im allgemeinen die Umlaute ä, ö, ü. Ob alternativ auch Diphthonge, weiß ich nicht.
Um es genau zu enträtseln, braucht man wohl die Primärquellen.

Viele Grüße
Xylander
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  #6  
Alt 07.10.2018, 11:19
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Einen schönen Sonntach zusammen

also: Ich bin nun weder Historiker noch Germanist noch ausgebildeter Archivar, kann dazu aber folgendes beisteuern:

Zunächst solltest Du klären, ob das UB BS nach Editionsprinzipien von Historikern oder Germanisten bearbeitet wird. Die Historiker arbeiten meistenteils nach den Heinemeyer-Editionsprinzipien, was bedeutet (wie ich boshaft zuzuspitzen pflege), dass sie an dem Originaltext solange herum"standardisieren" und herum"normalisieren", bis von dem originalen Texteindruck wenig übrigbleibt. Viele Germanisten wiederum betrachten diese historische Editionsweise als weitgehend wertlos für ihre Fragestellungen und bemühen sich um eine weitestgehend buchstabengetreue Textwiedergabe. Ob es sich um eine Historiker- oder Germanistenedition handelt, erkennst Du meines Wissens am leichtesten daran, ob im Druck das lange S (Schaft-s) original wiedergegeben wird oder nicht. Falls ja, dann kannst Du Dir meistenteils den Blick in das Original sparen.

Was die von Dir angemerkten Schreibvarianten anbetrifft (u, uo, ue - letztere übergestellt oder nicht), ist zunächst einmal als wichtigste allgemeine Erkenntnis vorab anzumerken, dass es damals keine allgemeinen Schreibgrundsätze gab, dass also verschiedene Schreiber gleiche Aussprachen (!) in durchaus unterschiedlichen Zeichenfolgen wiedergeben.

Ein Zeichen über dem u kann als Unterscheidungszeichen ein bloßer Zirkumflex sein, um u und n leichter und schneller auseinanderhalten zu können.

ü und ue (übergestellt) sind mitunter nicht zu unterscheiden. Das nach-/übergestellte e kann aber auch bloßes Dehnungs-e sein. Statt seiner werden in manchen Gegenden auch -i und/oder -y angehängt.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass die von Dir genannten Schreibvarianten allesamt mit der Aussprache zu tun haben, also mit der "Rücküberführung" der geschriebenen Zeichen in die gesprochene Sprache durch den zeitgenössischen Leser der Urkunde. Im Falle Deines gesuchten FN Budel könnten (!) sie allesamt schlichtweg nur bedeuten, dass die erste Silbe betont auszusprechen ist ("Búdel").

Es grüßt der Alte Mansfelder
__________________
Gesucht:
- Albrecht, Gottfried, Ziegeldecker aus Aschersleben, oo wo? v. 1791
- Beilcke, Joh. Caspar, Schafmeister Südharz, oo wo? um/v. 1767
- Blendor, Blandor(t), Joh. Christian, zul. Unteroffizier, *?/oo v. 1762/+ v. 1793 wo?
- Daume, Daniel *wo? (1716), zul. Erbmüller in Stangerode
- Kaur, Johann, 1815 Soldat Magdeburger Garnison, Schneider, */oo/+ wo?
- Knispel, Michael, oo wo? um/v. 1812 (Prov. Posen) Anna Rosina Linke
- Stahmer, Jacob *wo? (1767), Soldat, zul. in Aschersleben
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  #7  
Alt 07.10.2018, 12:39
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Gruß
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  #8  
Alt 07.10.2018, 14:31
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Zusätzliches Rätsel: das hochgestellte o ist mal in großer Schriftgröße geschrieben, mal in kleiner. Tippfehler oder sachlicher Unterschied?

Beim Budel mit hochgestelltem e favorisiere ich den Umlaut, aber auch Dehnungs-e halte ich für möglich.

@ Alter Mansfelder: Akzent brauchts ja eigentlich keinen, würde nicht jeder mittelalterliche Leser automatisch auf der ersten Silbe betonen? Sonst müsste man die Existenz eines geläufigen Namens oder Begriffs budel(l) mit Betonung auf der zweiten Silbe annehmen. Bouteille zB.?

Viele Grüße
Xylander
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  #9  
Alt 07.10.2018, 15:39
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Xylander,

die Sache mit dem Betonungsakzent sehe ich genauso wie Du.

Die große oder kleine Schriftgröße hängt offensichtlich davon ab, ob der Name auch in der "Normalform" (hier also Budel) vorkommt, dann nämlich werden bei den (geklammerten) alternativen Schreibweisen die hochgestellten Buchstaben klein geschrieben. Kommt der Name ausschließlich in einer Sonderform vor, ist der hochgestellte Buchstabe groß (vgl. Bruotzem und Buoleshusen!).

Die Deutung des Namens als "Beutel" sieht Heintze nicht so. Er führt den Namen auf dei Grundform BOD- zurück, also im Sinne von "gebieten", so wie es in der Berufsbezeichnung "Büttel" noch geläufig ist.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Gruß
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  #10  
Alt 07.10.2018, 18:06
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Hallo consanguineus,
ja, das leuchtet mir ein.
Hättest Du vom Eintrag bei Heintze mal einen Scan? Auf den Büttel war ich auch gestoßen, hatte ihn aber verworfen

Viele Grüße
Xylander
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