#11  
Alt 23.10.2006, 20:17
Siegfried Mühle Siegfried Mühle ist offline
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Standard RE: Care-Pakete

Guten Abend Marlis,

die Care-Pakete wurden zuerst durch Care selbst oder durch beauftragte Stellen der jeweiligen Besatzungsmächte (britische, amerikanische und französische Besatzungsverwaltungen) versandt. Mit der sowjetisch besetzten Zone gab es keine derartigen Verträge.

Care-Pakete waren zunächst aus Armeebeständen im Pazifikkrieg (wegen der unerwartet frühen Kapitulation Japans) übriggebliebene vorgepackte Versorgungspakete. Diese konnten von Privatleuten im wesentlichen aus den USA und Kanada, aber auch aus anderen Ländern, für 10 Dollar erworben werden.
Sie wurden dann im Namen der Käufer an von den Käufern genannte Privat-Adressen versendet. Da die Käufer meist Verwandte als Adressaten angaben, konnten durchaus auch Adressen aus der sowjetisch besetzten Zone dabei sein, zumindest bis zur Gründung der DDR.

Die Verteilung der Care-Pakete wurde also nicht in Deutschland bestimmt, auch nicht von kirchlichen Stellen. Die Empfänger wurden per Adresse in den USA oder Kanada ausgewählt. Die oben gemachten Aussagen Punkt 1, Punkt 2 und Punkt 3 sind demzufolge so nicht richtig.

Siegfried (Mühle)
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  #12  
Alt 23.10.2006, 20:23
menestrel menestrel ist offline männlich
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Moin Marlies,
wie es mit den US-Pakten war, weiß ich nicht. Bevor die 22 Wohltäter in USA den Verein CARE gründeten, wurde bereits über das internationale Rote Kreuz (Genf) eine Hilfsaktion gestartet, an der sich vor allem die skandinavischen Staaten beteiligten. Ich weiß aus eigener Erfahrung und nach Bestätigung vom örtlichen Bürgermeister (1958), dass die Briten in S-H bereits im Spätsommer es erlaubten, dass über die örtlichen Rathäuser (Sozialamt) und örtlichen DRK-Gemeinschaften die ersten Hilfspakete aus Schweden in die ärmsten Familien ausgeliefert wurden. Dabei wurde darauf geachtet, dass
a) keine NS-Funktionäre sich bedienen konnten;
b) zuerst die alleinstehenden Mütter mit mehreren Kindern regelmäßig etwas bekamen; (1 x im Monat), wie z.B. meine Mutter;
c) Nahrungsmittelpakete auch alte und ausgebombte Personen erhielten.
Zusammen mit diesen Maßnahmen, die durchaus woanders und örtlich ganz anders gelaufen sein mögen, wurde in unserer Kreisstadt versucht, zusammen mit dem Wohnungsamt, jenen auch eine vernünftige Unterkunft zu besorgen, die es am dringensten brauchten. Dazu kamen auch Kleiderspenden von kirchklichen und karitativen Ortsvereinen oder später die Erstausrüstung für Kinder, die eingeschult werden mußten (bis Sommer 1947).
Ich bekam so aus Schweden einen Schulranzen aus Hartpappe, mit Bändsel dran mit kleinem Schwamm, eine Kreidetafel mit Griffel und Lappen sowie Schulhefte (2 liniert, 1 Kariert) sowie eine kleine Zink-Kanne 1/2 L für die Schulspeisung.
Ein Care-Paket aus der Schweiz enthielt nur Kinderkleidung, sodass ich eine gestrickte "Seppelhose" mit Gürtelträgern und Hirschhornemblem auf der Brust bekam. (1946)
Dank allierter Vernichtungsbombem noch am 23.4.45 auf unsere Stadt (700 Tote in nur 1/2 Stunde) nördlich von Hamburg hatten wir in der Stadt viele Ausgebombte, Flüchtlinge aus dem Osten und seit dem 4.5. auch die Briten als Besatzer. Aber das hatte ich - glaube ich - schon mal früher in etwa angedeutet, oder?
Gruß
bongolit
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  #13  
Alt 23.10.2006, 20:46
Carlton
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Hallo alle miteinander,
hallo Marlies!

Schau doch mal in Googel unter Care-Pakete nach, dann muss Siegfried nicht alles aus diesen Texten abschreiben und du hast dann eine umfassende Information.

Ich habe gerade noch mit meiner Mutter gesprochen. Denn viees steht ja nicht geschrieben, sondern sind Erfahrungen aus dieser Zeit.
Ergebnis:
1. In meinem Geburtsort wurden die Pakete von der Kirche verteilt
2. Als erstes wurden Familien mit vielen Kindern bedacht, unabhängig einer religiösen Bindung
3. Für die "allgemeinen" Pakete waren keine Empfänger vorgegeben.
4. Wir bekamen direkt von einem Onkel und einer Tante Pakete zugesandt. Diese liefen aber nicht unter "Care-Pakete".
5. Generell durften keine neuen Kleidungsstücke geschickt werden. Daher haben die Kinder unserer Verwandten diese immer einmal getragen. Sie waren dadurch natürlich so gut erhalten, dass meine Mutter die Kleidung weitergeben konnte, sobald wir rausgewachsen waren (und als Kind wächst man ja schnell).
6. In Hannover gab es gelegentlich zusätzlich eine Stelle, damals im Tiergarten, die Kleidung verschenkt hat. Aber da musste man erst einmal hinkommen. Wir brauchten dieses zum Glück nicht, da wir je direkt versorgt wurden.

Aber noch etwas anderes fand ich interessant. Nach einer gewissen Zeit musste für Kaffee und Tee in den Paketen Zoll bezahlt werden. Am Anfang dieser Maßnahmen waren die Pakete geöffnet. Dann mussten die Empfänger der Pakete vom Oberharz nach Goslar fahren, dort den Zoll bezahlen und bekamen dann die Pakete ausgehändigt. Bei Paketen, die über die Kirche verteilt wurden, wurden der Zoll von der Kirche verauslagt.

Man hat die Absender darüber informiert. Diese schreiben dann die Menge von Kaffee und Tee auf das Paket. Somit blieben dann die Pakete zu, der Zoll wurde auf die notierten Angaben erhoben.

Liebe Grüße,
Ursula


Siegfried, die Aussage, dass meine Eltern verzichtet haben, weil wir privat versorgt waren, ist schon korrekt. Ursula
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  #14  
Alt 23.10.2006, 20:59
Siegfried Mühle Siegfried Mühle ist offline
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Zitat:
Original von Carlton
Hallo alle miteinander,
hallo Marlies!

Schau doch mal in Googel unter Care-Pakete nach, dann muss Siegfried nicht alles aus diesen Texten abschreiben und du hast dann eine umfassende Information.
Dem kann ich nur zustimmen. Danke.

Siegfried (Mühle)
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  #15  
Alt 23.10.2006, 21:47
Marlies
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Zitat:
Original von Siegfried Mühle
Dem kann ich nur zustimmen. Danke.
Hallo Siegfried,

es ist supernett von Dir, dass Du Dir diese Arbeit gemacht hast, es wäre aber nicht nötig gewesen, das, was Du hier geschrieben hast, kannte ich schon.

Ursulas Aussage, dass in ihrem Geburtsort die Pakete von der Kirche verteilt wurden, und Norberts Aussage, dass nur die sogenannten Kirchenläufer Pakete erhielten, widerspricht so manchem, was man liest bzw. was man gelesen hat.

Aber lassen wirs gut sein, es ändert ja im Nachhinein nichts mehr an dem,was war.

Herzlichen Gruß
Marlies
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  #16  
Alt 24.10.2006, 17:52
Benutzerbild von liseboettcher
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Standard Care-Pakete

Zum Thema "Pakete" kann ich etwas beitragen, auch wenn es sich nicht um Care-Pakete handelte, die gab es im Osten nicht. Mein Vater starb durch Unfall (43 J. alt)im Jahr 1946. Etwa 1949/1950 zu einer der ersten Leipziger Messen, tauchte ein Jugendfreund meiner Mutter aus Amerika (USA) auf, er war etwa 1925 ausgewandert. Er wollte uns alle mitnehmen, aber Mutter wollte nicht, es lebte ja noch die Großmutter, und sie hatte Angst. Aber es war wunderbar: Der Onkel aus Amerika schickte Pakete um meine Konfirmation zu verschönern: Kleid, Schuhe, Nylonstrümpfe!! und Kaffee. Das war für uns ein großes Geschenk. Leider haben wir später nie wieder von ihm gehört.
Und noch einmal Pakete: Meines Bruders Kinder wurden katholisch getauft, da die Mutter kath. war. Und so bekam meine Nichte zur Kommunion von fremden Menschen aus der Erzdiözese Paderborn, zu der Halle um 1968 noch gehörte, ebenfalls Pakete, dafür waren wir alle ebenfalls sehr dankbar.
Die vielen Pakete, die meine Cousine aus dem Schwarzwald uns vor der Wende geschickt hatte, möchte ich ebenfalls nicht unerwähnt lassen.
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  #17  
Alt 29.10.2006, 19:08
menestrel menestrel ist offline männlich
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Moin Marlies,
gönnst Du den übrigen Forumsfreunden nicht die Informationen? Oder wie soll man das verstehen, wenn Du meinst:
"...es ist supernett von Dir, dass Du Dir diese Arbeit gemacht hast, es wäre aber nicht nötig gewesen, das, was Du hier geschrieben hast, kannte ich schon."?
Ich weiß auch viele Dinge, die hier mal wiedergegeben werden, nur ich äussere mich dann nicht mehr dazu. Vielleicht ist das für Dich auch eine kleine "Hilfestellung"?
Herzlichst
bongolit
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  #18  
Alt 29.10.2006, 19:27
Marlies
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Hallo Bongolit,

ich meinte, dass ich die Hinweise von Siegfried zu "Google -> Care-Pakete " schon kannte, normalerweise informiere ich mich schon zu einem Thema, bevor ich Fragen dazu stelle, nur wenn es etwas absolut neu für mich ist, überlege ich nicht lange und "schreie" ich um Hilfe (was sicher oftmals nicht nötig wäre, wenn ich eine Nacht drüber schlafen würde, käme ich selbst dahinter )
(aber spontane Fragen sind ja auch nicht schlecht, oder?)

Schönen Gruß in den hohen Norden
Marlies
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  #19  
Alt 01.11.2006, 16:49
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Moin Marlies,
danke für die netten Grüße "in den hohen Norden" - hier fängt es gerade an zu schneien!
Ich hatte es ja nicht böse gemeint, nur fragen wollen, warum Du nicht gleich dabei schreibst, dass Du Dich schon dort oder wo auch immer "schlau" gemacht hast? War ja nur ein Vorschlag, gelle?
Herzlichst in das südlich gelegene "Ausland" -hihi- :P
bongolit
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