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  #1  
Alt 14.05.2018, 20:04
Scherfer Scherfer ist offline
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Standard Testament 1747

Quelle bzw. Art des Textes: Testament
Jahr, aus dem der Text stammt: 1747
Ort und Gegend der Text-Herkunft: Stralsund (Testament geschrieben in Danzig)
Namen um die es sich handeln sollte: Wraatz bzw. Wratz


Guten Tag zusammen,

ich habe das Testament von 1747 meines direkten Vorfahren Martin Wraatz aus Stralsund vorliegen. Leider komme ich mit dem Entziffern an einigen Stellen nicht richtig weiter und möchte den Text deshalb gerne mit Bitte um Hilfe hier nach und nach einstellen.

Martin Wraatz war Gewürzhändler in Stralsund, er hatte aber wohl auch so etwas wie eine Dependence in Danzig, denn später taucht im Text auch eine Tabakfabrik in Danzig auf.
Das Testament richtet sich wohl in erster Linie an seinen ältesten Sohn Martin Ludwig (geboren ca. 1732, also zum Zeitpunkt des Testamentes 15 Jahre alt – mein Vorfahr), fünf weitere Kinder (geboren zwischen 1737 und 1747) sind mir bekannt. Martin Ludwig stammte aus der 1. Ehe, die anderen Kinder aus der 2. und 3. Ehe. Für die Kinder wurden wohl mehrere Vormünder bestellt, die später im Testament genannt werden.

Hier der Text des ersten Teiles (eine Art Vorrede zum eigentlichen Testament), den ich meine entziffern zu können, der aber zugegebenermaßen an einigen Stellen noch keinen rechten Sinn ergeben mag:

„Nachdem einige Zeit Ich kränklich und [an jetzo ?] in Dantzig sehr schwächlich da niederliege, so weiß nicht ob je mahlen vor die Meinigen wieder zu sehen […] will also meiner Hochwohlgeboren Obrigkeit und die Hoch Ehr [Weisen ?] Herrn, in […] die erwähnten Herrn Vor Münder diese […] gebehten haben, mein letzten Willen […] die Kinder so zu verfahren wie oben [angeführt ?], den der erste Sohn ist, wurde geschickt die Handlung meist vor zu stehn, aber wurde nicht […], die klein [… …] und […] mit […] zu [verlieren ?], den die Handlung so jetzo bey dem Hauß ist mehr [wehrt ?] als mein Capital.
geschrieben in Dantzig d. 13 July 1747. Martin Wraatz“


Per Zufall fand ich kürzlich den (vermutlichen) Begräbniseintrag des Martin Wraatz als indexierten Eintrag auf Ancestry. Ein Kaufmann Martin Wratz wurde am 25. August 1747 in Krummin-Netzelkow, Pommern, begraben. Warum gerade dort? Ich könnte mir vorstellen, dass er auf der Rückreise von Danzig nach Stralsund verstarb. Aber wie könnte man das nachweisen?

https://www.ancestry.de/interactive/61456/as911d_00226/7087579

Ich bedanke mich vorab für jede Hilfestellung!

Geändert von Scherfer (16.05.2018 um 21:05 Uhr)
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  #2  
Alt 14.05.2018, 20:10
Benutzerbild von Horst von Linie 1
Horst von Linie 1 Horst von Linie 1 ist offline
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Hallo,
2. Wort: Gleichen
3.: dienstlich.
Nach Hauß: "ist, ist mehr wehrt.."
Krencklich und
schwechlich.
Elste Sohn.
Hoch-Edle weißen Herrn
__________________
Freundliche Grüße.
Fahr mal wieder U-Bahn. Linie 1.

Geändert von Horst von Linie 1 (14.05.2018 um 20:16 Uhr)
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  #3  
Alt 14.05.2018, 20:51
mawoi mawoi ist offline
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Hallo,
im Zusammenhang etwa so:


„Nachdehm einige Zeit sehr krencklich und an jetzo in Dantzig sehr schwechlich da niederliege, so weiß nicht ob je mahlen von die Meinigen wieder zu sehen krige? will also Meiner Hochwohlgebohren Obrigkeit und die Hoch Edle Weisen Herrn, in Gleichen die erwähnten Herrn Vor Münder dienstlich gebehten haben, mein letzten Willen mit die Kinder so zu verfahren wie oben angeführt , den der Elste Sohn ist würdig geschickt die Handlung meist vor zu stehn, ebens würdig anicht guht sein, die klein weißen Guht und bluht mit eines zu verlieren , den die Handlung so jetzo bey dem Hauß ist mehr wehrt als mein Capital.

geschrieben in Dantzig d. 13 July 1747. Martin Wraatz“

VG
mawoi

Geändert von mawoi (14.05.2018 um 20:59 Uhr)
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  #4  
Alt 15.05.2018, 08:16
Scherfer Scherfer ist offline
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Danke euch beiden für die Lesehilfe! Noch zwei Rückfragen dazu:

1) Wer könnte mit der "hochwohlgeborenen Obrigkeit" und den "Hochedlen weisen Herrn" gemeint sein? Richtet sich ein Testament nicht eher an die Angehörigen?

2) Und was bedeutet der Abschnitt "ebens würdig anicht guht sein, die klein weißen Guht und bluht mit eines zu verlieren"? Das verstehe ich gar nicht. Könnten mit "weißen" "Waisen" gemeint sein?
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  #5  
Alt 15.05.2018, 08:22
mawoi mawoi ist offline
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Ja, ich denke, es sind die Waisen gemeint, die jüngeren Geschwister des Ältesten, der das ihnen Zustehende (guht) und die verwandtschaftlichen Beziehungen (bluht) nicht gefährden würde.
Vielleicht gibt es ja noch andere Deutungen?

VG
mawoi

Geändert von mawoi (15.05.2018 um 19:52 Uhr)
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  #6  
Alt 15.05.2018, 12:39
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von Scherfer Beitrag anzeigen

1) Wer könnte mit der "hochwohlgeborenen Obrigkeit" und den "Hochedlen weisen Herrn" gemeint sein? Richtet sich ein Testament nicht eher an die Angehörigen?
Hallo,

Hochwohlgeborne Obrigkeit = die Herrschaften, die das Sagen über ihre Untertanen hatten.

Hochedle weise Herrn = Titulatur

https://de.wikipedia.org/wiki/Kurialien

Punkt 2 hat Mawoi gut erklärt.
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
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  #7  
Alt 15.05.2018, 13:52
Scherfer Scherfer ist offline
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Danke nochmals! Hier kommt die nächste Seite des Testaments mit einer Aufzählung einiger Ratschläge und Verfügungen. Ich beginne wieder mit dem, was ich selbst meine, entziffern zu können. Wörter/Abschnitte, bei denen ich mir unsicher bin, setze ich erneut in eckige Klammern:

„Mein Sohn Martin nach dehm ich Spühr das der Herr mit dir ist so gebe der Höchste dass ich in Mein Gedanken nicht Irre, will dir mit diesen wenigen, eine [ver?] Mahnung und anleitung geben, so das Nie mahlen aus deinen Augen […] solst. So wird dieses kleine Papier dir mehr […] bringen als […].

1. Fürchte deinen Gott und behte aus treuen hertzen, halte seine Geboht, so weit dir deiner Möglich
2. Ehre deine Mutter und die Obrigkeit, und laß an […], ein Aufrichtiger […] gemacht. Hüthe dich aber für falsche und […] in Handel wohl die [betrüger ?] Handel nie mahlen umb das du ein Großen Nahm willst haben. Hüthe duch für große […] Halte deiner Sachen alle mahl accoraht [akkurat?] ein. […] und da bey geheim und verschwiegen, Sey nicht Faul und träge.
3. Hüthe [dich ?] ja für ein ge[…]
4. Habe jeder Zeit ein absehen für […] und ihrer Gleichen den es hengt an diese, wer […]dein zeitlich und ewige […]
5. Gewehre dir nicht zum Spiel, […]
6. So lange deine Mutter in [Ehre ?] und sich nicht ver [ändert ?] diene ihr mit aller Auf Richtigkeit, Liebe und Ehr erbietung, wen du 17 Jahr alt bist, soll sie dir ein Ehren Kleidt geben und für ein Gesellen […] das Erste Jahr soll sie dir 20 […] das andere 25 […] und so bis […] Sellarum geben [Ich entnehme daraus, „sellarum“ ist so etwas wie ein Stipendium? Oder ein echter Lohn - vgl. "salary"?], im Gleichen sol sie dir […] den Anfang ge macht, ferner ein Klein […] so in ihrer Handlung […] Frey geben, wo zu du dir schon […] verdient hast.
7. Sollte deine Mutter sich [versorgen ??!] mit ein getreuen Freundt und das sie sich also wieder in Ehestand begeben…“

Erneut bin ich euch dankbar für alle Ideen und Hinweise zu den Lücken!

Geändert von Scherfer (16.05.2018 um 21:05 Uhr)
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  #8  
Alt 15.05.2018, 15:18
Verano Verano ist offline
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Hallo Scherfer,

besser wäre es, du fängst ein neues Thema an.

Hier der Anfang:

„Mein Sohn Martin nach dehm ich Spühre das der Herr mit dir ist
so gebe der Höchste das ich in Mein Gedanken nicht Irre, will
dir mit diesen wenigen, eine ver Mahnung und anleitung
geben, so dir? Nie mahlen aus deinen Augen setzen solst. So
wird dieses kleine Papier dir mehr Früchte bringen
alß wohl Goldt.


__________________
Viele Grüße August

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Geändert von Verano (15.05.2018 um 15:22 Uhr)
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  #9  
Alt 15.05.2018, 15:59
Verano Verano ist offline
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Noch ein Stückchen:

1. Fürchte* deinen Gott und behte aus treuen hertzen, halte
seine Geboht, so viel dir Immer Muglich
2. Ehre deine Mutter und die Obrigkeit, und laß an dir bey
jeden ein Auffrichtiges rehdliches genucht spühren, Hüthe
dich aber für falsche und Merke in Handel wohl die betrigers
Handel nie mahlen umb das du ein Großen Nahm wilst haben.
Hüthe dich für große weit leuffig keitten Halte deine Sachen
alle mahl accoraht [akkurat] ins Enge. und da bey geheim und
verschwiegen, Sey nicht Faul und träge. (trage?)


* Buchstabendreher? Es sieht so aus wie Früchte.
__________________
Viele Grüße August

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Geändert von Verano (15.05.2018 um 19:31 Uhr)
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  #10  
Alt 15.05.2018, 18:38
Verano Verano ist offline
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3. Hüthe dir ja für ein gesoff für Nemblich Br: wein
4. Habe jeder Zeit ein absehen für huhren und ihres Gleichen
den es hengt an diese, ver mahnig dein zeitlich und ewige wohlfahrt
5. Gewehne dir nicht zum Spiel, hohe Spiel stelle dich
alle mahl alß ein Glüen eisern,
6. So lange deine Mutter in Ehestandt sich nicht ver Endert
diene ihr mit aller Auf Richtigkeit, Liebe und
Ehr erbietung, wen du 17 Jahr alt bist, soll sie dir ein
Ehren Kleidt geben und für ein Gesellen erkennen
das Erste Jahr soll sie dir 20 Reichsthaler das andere 25 Rthl
und so bis 50 Rthl Sellarum geben [Ich entnehme daraus, „sellarum“ ist so etwas wie ein Stipendium? Oder ein echter Lohn - vgl. "salary"?], im Gleichen sol sie
dir wie schon den Anfang ge macht, ferner ein Klein handel
so in ihrer Handlung* nicht feldt Frey geben, wo zu du
dir schon etliche? Rthlverdient hast.
7. Sollte deine Mutter sich versorgen mit ein getreuen
Freundt und das sie sich solte wieder in Ehestand begeben…“

* sieht aus wie ein ü.
__________________
Viele Grüße August

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Geändert von Verano (15.05.2018 um 19:31 Uhr)
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