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  #31  
Alt 04.02.2017, 18:00
tuedelluet tuedelluet ist offline männlich
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Moin,

ich fand es anfangs meiner Suche durchaus erstaunlich, Kurzschwangerschaften von 3 oder weniger Monaten bis zur Geburt des ersten Kindes nach der Hochzeit aufzufinden. Naiv wie ich war wusste ich zunächst nur von einem unbekannten Vater in 1850 in der Vorfahrenreihe.
Blöd finde ich, dass dort im heutigen Polen bis 1990 partout kein Weiterkommen war und auch jetzt nicht ist. Da gibt es zwar eine Fama, aber beweisen konnte ich bis dato nichts.

Ich mache mir aber schon Gedanken, wer die Kinder dann großgezogen hat, wenn die Mutter im Kindbett starb und auch kein Vater angeben ist. Das mussten ja nicht immer die Paten sein.
__________________
Gruß aus Bremen

tuedelluet
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  #32  
Alt 04.02.2017, 19:22
Benutzerbild von Kleeschen
Kleeschen Kleeschen ist offline männlich
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Hallo,

ich finde dieses Thema sehr interessant. Ich habe (aus Sicht eines Ahnenforschers) das "Glück", dass ich bisher nur einen einzigen Vorfahren habe, der unehelich geboren wurde. Und hier ist im Geburtenregister der Vater angegeben und er ist familiär auch überliefert.

Voreheliche Zeugung habe ich schon des öfteren gehabt, in einigen Fällen kamen mir Zweifel, ob der Ehemann (und Vater im Geburtenregister) wirklich der Vater war. So z.B. bei einem Vorfahren von mir. Seine Eltern heiraten zwei Monate vor seiner Geburt, im Heiratsregister wird auch explizit angegeben, dass die Mutter hochschwanger vom Bräutigam sei. Sie war aber verwitwet und den Tod ihres ersten Ehemannes kann ich bis heute nicht finden. Der Vater kam von weit weg. Doch zufällig fiel auf, dass der Vater ein Jahr vor der Geburt meines Vorfahren Taufpate im Ort ist, er kann also der Vater sein. Auch die Mutter ist ein Jahr vor der Geburt bereits als Witwe Taufpatin. So kann ich wohl davon ausgehen, dass er durchaus der Vater gewesen sein kann.

Eine, etwas weiter entferntere Verwandte, wurde 1930 unehelich geboren. Ihre Mutter starb zwei Wochen nach der Geburt, sie kam zu ihren Großeltern. Der Vater ließ sich 1931 anerkennen, ich denke aber nicht, dass Kontakt zur Tochter bestand. Der Vater heiratete 1934 und hatte weitere Kinder. Der Großvater starb 1945, die Großmutter 1946. Beim Tod der Großmutter zeigte sie den Tod beim Standesamt an, sie war also schon in der Lage solche Geschäfte zu erledigen. Laut Einwohnermeldeamt wohnte sie, als einzige Nachkommin, bis zu ihrer Heirat 1953 alleine in der Wohnung der Großeltern. Der Vater starb 1957.

Mir ist aufgefallen, dass ein enorm großer Teil aller unehelichen Kinder, die mir bisher während der Familienforschung unterkamen, noch als Kleinkinder verstorben sind. Ich habe die unehelichen Kinder in meiner Datei nicht besonders markiert, weswegen ich meine folgende Behauptung nicht beweisen kann, aber ich bin der Meinung, dass sogar fast alle unehelichen Kinder bei mir (außer die Verwandte von 1930 und ein 1812 geborenes Kind des Bruders meines Vorfahrens) das Erwachsenenalter nicht erreichten.

Viele Grüße
Kleeschen
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  #33  
Alt 07.02.2017, 10:57
Dunkelgraf Dunkelgraf ist offline
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Zitat:
Zitat von Kleeschen Beitrag anzeigen
Mir ist aufgefallen, dass ein enorm großer Teil aller unehelichen Kinder, die mir bisher während der Familienforschung unterkamen, noch als Kleinkinder verstorben sind. Ich habe die unehelichen Kinder in meiner Datei nicht besonders markiert, weswegen ich meine folgende Behauptung nicht beweisen kann, aber ich bin der Meinung, dass sogar fast alle unehelichen Kinder bei mir (außer die Verwandte von 1930 und ein 1812 geborenes Kind des Bruders meines Vorfahrens) das Erwachsenenalter nicht erreichten.

Viele Grüße
Kleeschen
Hallo Kleeschen,

diese Beobachtung habe ich auch gemacht! Das 20 Jahrhundert muss man hier aber ausklammern, auch ab Mitte des 19 Jahrhunderts war die Überlebensrate unehelicher Kinder bereits höher. Das mag an besserer medizinischer Versorgung (seit etwa 1780 waren Impfungen gegen Windpocken z.B. bereits üblich) gelegen haben oder doch weil uneheliche Mütter durch die Industrie jetzt mehr oder weniger schlecht in der Lage waren sich und ein Kind durchzubringen.

Vor 1848 ist meiner Meinung nach die Überlebenschance eines Kegels sehr gering. Oft wurde das Kind halt mal etwas "zu lange" draußen vergessen, oder das Fenster wurde ein wenig zu lange neben der Wiege offenstehen lassen. Wenn die Kinder krank wurden, pflegte man sie natürlich, aber man gab sich auch nicht besonders viel Mühe bei unehelichen Bälgern. Meist hatte sich das Problem dann bald von selbst erledigt. Man hatte dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen, sondern sah das als moralisch gute Tat, da dem Kind ein erbärmliches Leben erspart blieb und außerdem stiegen die Heiratschancen der Mutter wieder. Besonders häufig habe ich bei Beerdigungseinträgen solcher Kegel die Formulierung gelesen: "hat dieses Jammertal schon nach 2 1/2 Monaten verlassen"

Zur Frage warum uneheliche Kinder peinlich waren und trotzdem an der Tagesordnung waren, gilt eigentlich dass dies neben der Zeit, aus dem Stand heraus gesehen werden muss. Eine uneheliche Tagelöhners Tochter, wurde sicher weder von den anderen Taglöhnern, noch von Hirten, Soldaten Scharfrichtern oder Bettlern schief angesehen. Eine Kaufmannstochter, die unehelich schwanger war, wurde sicher von ihres Gleichen gemieden und sehr schief angesehen.
Uneheliche Geburten höheren Standes finden sich sehr selten. Man kann sagen, je höher der Stand, desto seltener eine uneheliche Geburt und desto moralisch verwerflicher wurde damit umgegangen.
Methoden dies zu verbergen gab es auch viele: Eine schnelle Heirat mit einem Mann, der ein klein wenig unter dem eigenen Stand war. Ein Aufenthalt bei weit entfernten Verwandten. Auch die Einmietung zur Kost und Logis in weit entfernten Städten unter falschem Namen war üblich. Meist hat man das Kind dann gegen einen Geldbetrag zur Auferziehung gleich dort gelassen.
Unehelich schwangere Bauerstöchter und Handwerkertöchter, gingen oft einige Monate vor der Geburt "auf Arbeitssuche" und liefen soweit bis irgendwann die Wehen einsetzten. Zuweilen ließen sie dann das Kind an Ort und Stelle zurück. Ich habe Dutzende solcher Beispiele gefunden, sowohl in meiner Gegend, wo die Frauen aus den katholischen Gegenden stammten, als auch einige Bälger von hiesigen Bauerntöchtern aufgespürt, die bis zu 100 km Entfernung auf die Welt gekommen waren.

Gruß
Dunkelgraf
__________________
Wer einen Tippfehler findet, darf ihn gern behalten. Viel Spass damit wünscht Dunkelgraf
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  #34  
Alt 07.02.2017, 12:31
gki gki ist offline
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Hallo Dunkelgraf!

Zitat:
Zitat von Dunkelgraf Beitrag anzeigen
Vor 1848 ist meiner Meinung nach die Überlebenschance eines Kegels sehr gering. Oft wurde das Kind halt mal etwas "zu lange" draußen vergessen, oder das Fenster wurde ein wenig zu lange neben der Wiege offenstehen lassen. Wenn die Kinder krank wurden, pflegte man sie natürlich, aber man gab sich auch nicht besonders viel Mühe bei unehelichen Bälgern. Meist hatte sich das Problem dann bald von selbst erledigt. Man hatte dabei noch nicht einmal ein schlechtes Gewissen, sondern sah das als moralisch gute Tat, da dem Kind ein erbärmliches Leben erspart blieb und außerdem stiegen die Heiratschancen der Mutter wieder. Besonders häufig habe ich bei Beerdigungseinträgen solcher Kegel die Formulierung gelesen: "hat dieses Jammertal schon nach 2 1/2 Monaten verlassen"
Ich finde Deine Aussagen etwas arg mutig, hast Du irgendwelche Belege, zB eine statistische Auswertung von Kleinkind-Todesfällen?

Ich erinner mich düster an eine Dissertation oder sonstige Forschungsarbeit wo jemand die KB einer oberbayrischen Gemeinde daraufhin ausgewertet hat und keinen signifikanten Unterschied bei den Sterblichkeitswahrscheinlichkeiten fand.
__________________
Gruß
gki
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  #35  
Alt 07.02.2017, 23:15
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Ursula Ursula ist offline
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Hallo Dunkelgraf,

Zitat:
Zitat von Dunkelgraf Beitrag anzeigen
(seit etwa 1780 waren Impfungen gegen Windpocken z.B. bereits üblich)
ich glaube, Du hast Dich da vertan. Gegen Windpocken wird erst seit ca. 2004 geimpft. Ich vermute, du meinst die Pocken/Blattern https://de.wikipedia.org/wiki/Pocken

LG
Uschi
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  #36  
Alt 09.02.2017, 00:43
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Hallo

Zitat:
Zitat von Gunther11 Beitrag anzeigen
Abtreibung gab es schon seit ca. 1600 v.Chr., dort Beschreibt ein Ägyptischer Gelehrte diverse Methoden. Also gab es Möglichkeiten des Schwangerschaftsabbruches.
Klar, diverse Methoden waren seit langem bekannt und wurden sicher angewandt. Aber man muss da bedenken, dass es früher keine Aufklärung gab im heutigen Sinne (Schule / Eltern / Bravo). Gerade sehr junge Frauen wussten teils nicht mal, wie frau denn genau schwanger wurde ("dass" war sicher allen klar, aber nicht im Detail "wie"). Es gibt auch aus dem 20. Jhd. genug Berichte (Einzelfälle) von jungen Frauen, die mehrere Monate nicht bemerkt / verstanden haben, dass sie schwanger sind. Dann muss sich eine junge schwangere Frau noch jemandem mit dem "Fachwissen" anvertrauen bzw. überhaupt wissen, dass ein Schwangerschaftabbruch möglich ist. Wobei ich mir da eher vorstelle, dass eine Verwandte die junge Frau dann zu jemandem mit Fachwissen schleppte.
Weiter die Tatsache, dass Schwangerschaftsabbrüche früher ein grosses gesundheitliches Riskio für die Mutter darstellten (auch heute noch, in Ländern wo diese illegal durchgeführt werden).
Bereits im frühen Christentum wurde Abtreibung genauso wie die Tötung von Neugeborenen als Sünde angesehen (Quelle: "Kindheit im Mittelalter"). In der Schweiz war die Abtreibung offiziell bis 2002 verboten, in Deutschland bis 1995 (wenn ich die Texte zu den Gesetzesänderungen richtig verstanden habe).

Zitat:
Zitat von Gunther11 Beitrag anzeigen
Gibt es irgendwo eine Studie zu der Situation von unehelichen Kindern im Mittelalter?
Ich weiss von keiner Studie, habe aber mal im Buch "Kindheit im Mittelalter" von Shulamith Sahar nachgeschaut.

Ich zitiere einfach mal alles zu diesem Thema:
Zitat:
[Nebst behinderten Kindern] Auch die unehelichen Kinder von Adligen und wohlhabenden Bürgern wurden für die kirchliche Laufbahn bestimmt oder ins Kloster geschickt. Bastarde wurden in Klöstern auch ohne Dispens aufgenommen, das Klosterleben sollte sie vom "Makel ihrer Geburt" befreien. Um Geistlicher zu werden, bedurfte ein Bastard der Dispens. Für die niederen Weihen genügte die Dispens des Bischofs, für die höheren musste der Papst sie erteilen, was jedoch ohne Schwierigkeiten möglich war. Nur die Dominikaner hielten Bastarde für Menschen, die "zu unmoralischem Verhalten neigen" und dadurch das Klosterleben stören könnten.
Zitat:
Abgesehen von der emotionalen Entwicklung waren die Überlebenschancen der Kinder, die bei Ammen in Pflege waren, geringer als derjenigen, die im Elternhaus blieben. Aus Gardens Studie über Kinder, die Ende des 18. Jahrhunderts in Lyon ihre ersten Lebensjahre bei Ammen verbrachten, sowie aus anderen Studien über den gleichen Zeitraum in Paris und Rouen im 18. Jahrhundert geht hervor, dass ihre Sterblichkeitsziffer sehr hoch war. In der Toskana war sie im Spätmittelalter besonders hoch bei Säuglingen, die vom Florentiner Findelhaus zu Ammen in Pflege gegeben wurden, sowie bei unehelichen Kindern, die von Privatpersonen zum Stillen ausser Haus gegeben wurden. Wie viele Säuglinge ermordet wurden oder infolge Verwahrlosung starben und wie viele eines natürlichen Todes, lässt sich nicht feststellen.
Hier geht es allgemein allerdings eher darum, ob Stillen gesund für das Kind ist und wie das damals gesehen wurde.

Zitat:
Es sollte grundsätzlich zwischen Mord an Kindern und der Tötung Neugeborener unterschieden werden. [....]
Die Tötung Neugeborener war hingegen nicht in allen Gesellschaften geächtet. [...] Vor der Verbreitung des Christentums war es in Rom das Privileg des pater familias zu entscheiden, welche Kinder am Leben bleiben dürfen und welche getötet werden sollen. Das Christentum verbot hingegen ganz entschieden die Tötung Neugeborenerm einschiesslich behinterter und unehelicher Kinder. Nach Jean Gerson erlägen die Eltern einer der Versuchungen des Teufels, wenn sie ihre unehelichen Kinder töteten in der Annahme, sie würden damit auch ihre Sünde tilgen. [...]
Es gibt aber auch handfeste Beweise für die Tötung Neugeborener: in Frankreich, Deutschland, Italien und vereinzelt auch in England wurden Frauen wegen dieses Delikts vor Gericht gestellt. Aus den Begnadigungsbriefen des Königs von Frankreich für Kindsmörderinnen im 14. und 15. Jahrhundert geht hervor, dass ausnahmslos uneheliche Kinder umgebracht wurden. Nicht wirtschaftliche Not, sondern Angst vor der Schande liess die meisten Frauen das Verbrechen begehen. Junge Mädchen, Witwen und verheiratete Frauen machten sich dieses Vergehens schuldig und begründeten ihr Verbrechen mit "Angst und Scham".
Es folgen vier Seiten über die Sterbeursachen und ob die Mütter verurteilt wurden (wenn es als Unfall angesehen wurde oder Armut der Grund war, dann eher nein und wenn damit ein Ehebruch vertuscht wurde, dann ja).
Es werden tatsächlich Studien erwähnt, die Forschung sei sich aber uneinig, ob nach dem 15. Jhd. im Zuge der Reformation einfach strenger hingeschaut und verurteilt wurde oder ob die Fälle (auch wegen grösserer Schande) tatsächlich zugenommen hatten.


Betreffend Sterblichkeitsrate bei Kindern kann ich noch sagen, dass diese in meinem Gebiet in Italien selbst Anfang 20. Jhd noch ziemlich hoch war. Klar, mit der Zeit gab es Impfungen, aber diese wurden bei weitem noch nicht flächendeckend eingesetzt. Meine Grossmutter und mein Onkel erkrankten noch in den 1950er-Jahren an Typhus, obwohl es seit 1897 eine Impfung dafür gibt. Die Medikamente waren sehr teuer und bei meinem Onkel schlugen sie nicht richtig an. Zum Glück überlebten aber beide.
Interessanterweise fand ich dort bisher keine unehelichen Kinder, sondern nur einige wenige Findelkinder.
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  #37  
Alt 23.02.2017, 02:40
Bender Rodriguez Bender Rodriguez ist offline männlich
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Hi.

In meiner Familie gehört das "zum guten Ton". So viele uneheliche Kinder wie in meinem Stammbaum rumgeistern. Sowohl weit vor der Ehe der Eltern gezeugt und später legitimiert, als auch mit unbekanntem Vater. Was mich im letzteren Fall nur stört, ist der abgeschnittene Zweig im Stammbaum.

Witzig fand ich das ganze dahingehend, weil man uns früher immer eingeredet hatte, dass zuerst geheiratet werden musste. Alles andere wäre frevelhaft. Seit ich mich durch die KB arbeite kann ich darüber nur lachen.

Zur Sterblichkeit. Vielleicht lag es auch an den Umständen. Nicht am Vorsatz.
Die alleinerziehende Mutter musste sich ja allein um das Kind, als auch um den Lebensunterhalt kümmern. Geld und Gutscheine vom Amt gab es ja damals nicht.
Zum Beispiel kenn ich aus Erzählungen in der Familie, dass das Kind von der Tante betreut und aufgezogen wurde, da die Mutter ja arbeiten gehen musste.

mfG Bernd
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  #38  
Alt 22.04.2018, 13:19
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Beim systematischen Abarbeiten der standesamtlichen Daten in meinem Dorf in Süditalien, habe ich mal genauer auf uneheliche Kinder geachtet.

Hier die Statistik (ohne 100% Gewähr auf Korrektheit, aber es wird für einen Eindruck reichen):
1810: 4x auf Strasse gefunden
1811: 1x vor Türe gefunden, 2x auf Strasse gefunden
1812: 3x auf Strasse gefunden
1813: 1x vor Türe gefunden
1814: 1x vor Kloster gefunden, 2x vor sonstiger Türe gefunden, 3x von unbekannter Person übergeben
1815: 3x vor Kloster gefunden, 2x sonst vor Türe gefunden
1816: 3x Eltern unbekannt
1817: 1x auf Strasse, 1x vor Kloster gefunden
1818: 3x Eltern unbekannt
1819: 5x Eltern unbekannt
1820: 3x Eltern unbekannt
1822: 2x vor Haustüre gefunden
1823: 1x Vater unbekannt (Mutter 33 Jahre alt)
1827: 5x Eltern unbekannt, 1x Vater unbekannt (Mutter 18 Jahre alt), 2x Vater nicht ausgefüllt (Mütter 24 bzw 40 Jahre alt)
1834: 1x Vater nicht erwähnt (Mutter 20 Jahre alt)
1838: 1x Vater nicht erwähnt (Mutter 32 Jahre alt)
1839: 1x Vater nicht erwähnt (Mutter 32 Jahre alt)
1839: 1x Vater unbekannt (Mutter 30 Jahre alt)
1841: 1x Vater unbekannt (Mutter 23 Jahre alt)
1855: 1x Vater unbekannt

Nach 1855 habe ich nicht darauf geachtet und kann daher nichts über uneheliche Kinder sagen.

Was dabei auffällt:
- Anfang 19. Jhd. wurden meist mehrere Kinder pro Jahr ausgesetzt, während Mitte 19. Jhd. das Kind als unehelich notiert wurde und die Mutter bekannt war.
- Es waren nicht nur junge Mütter, die uneheliche Kinder zur Welt brachten
- Im Verhältnis zur stark zunehmenden Einwohnerzahl ab 1838 gab es relativ wenige uneheliche Kinder.
- Anfang/Mitte 19. Jhd. gab es auffallend viele Heiraten, bei denen die Braut und manchmal auch der Bräutigam erst 17 Jahre alt war. Teilweise war kurz vorher jemand von den Eltern verstorben, was ein möglicher Grund gewesen sein könnte. Ein weiterer möglicher Grund könnte das Vorbeugen von vorehelichen Kindern gewesen sein?
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  #39  
Alt 01.05.2018, 01:16
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Araminta Araminta ist offline
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In meiner Familie gab es mehr uneheliche Kinder, desto katholischer der Landstrich wurde....in meiner evangelischen Familie in Norddeutschland gab es nur eine "Frühgeburt" wie der Pfarrer so nett vermerkte. Sonst waren dort alle ehelich und die Männer waren in diesem Familienast auch nicht wirklich reicher.
Seltsamerweise sind zwar Väter eingetragen aber die finde im gesamten Bistum sonst nicht wieder.....
Außerdem steht da immer noch die Geschichte im "Weg", nachdem doch alle unverheirateten Frauen schlimme Sünderinnen wären. Nicht nur in der Geschichte, sondern auch teils heute noch.

Aber nach den vielen Schicksalen, die ihr geschildert habt, kann das doch nicht so schlimm gewesen sein, oder?
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  #40  
Alt 01.05.2018, 12:02
Isis2 Isis2 ist offline weiblich
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Hallo Araminata. An diesem Thema arbeite ich mich auch ab - ich suchte verzweifelt nach dem Vater meiner Mutter, was ich jetzt aufgegeben habe. Meine Mutter wurde 1928 im erzkatholischen bayrischen Wald geboren. Während der Vater ihrer sieben Jahre älteren Schwester wenigstens namentlich bekannt ist, fehlt vom Vater meiner Mutter jeder Hinweis. Ich habe mir die Geburtseinträge aus 1928 angesehen da ich mir einen Hinweis erhofte. Was ich fand waren im Geburtsregister von Nr. 21 bis Nr. 27 VIER mit "illegitim" gezeichnete Geburten(vier von sieben). Meine Oma hat Zeit ihres Lebens nicht geheiratet, war geachtet in Familie und Umgebung und hat nach dem Tot ihres Vaters den kleinen Hof übernommen und bis zu ihrem Tot geführt. Wie es scheint waren die Gegebenheiten doch sehr vielfälltig - von Ächtung bis anerkanntes Mitglied der Gemeinde.
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Lieben Gruss
Isis2

Das Unglück kommt immer aus dem Schweigen


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In Frankreich die Nachkommen des Lieutnant Maurice Joly.
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