#11  
Alt 01.08.2018, 10:41
Sandby Sandby ist offline
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Jetzt glaubte ich zunächst, eine Erklärung gefunden zu haben. Meine Theorie war: Die Untertanen trugen als ersten Vornamen den Namen des Landesherrn. Meine Orte liegen heute zwar in 2 Bundesländern, damals war es aber eine Grafschaft (Haus Löwenstein Wertheim). Hier die Namen: 1721-1790 Graf Johann Ludwig, 1791-1816 Graf Johann Karl.

Und schon beim Schreiben fiel mir auf, dass die Namen der Grafen vor 1791 (Graf Heinrich Friedrich) und nach 1816 (Fürst Georg) nicht von den Untertanen übernommen wurden.

Also gab es auch beim Adel in der Zeit den Brauch.
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  #12  
Alt 01.08.2018, 13:29
Dunkelgraf Dunkelgraf ist offline
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Hallo,

die Doppelten Vornamen entstanden nach meinen Recherchen zu Beginn des 18. Jahrhunderts, einzelne auch schon davor.
Meine Erklärung dafür ist, dass die Überlebensrate der Kinder stieg und da die Namensvergabe ausschließlich nach den Taufpaten erfolgte, war die Zahl an gebräuchlichen Vornamen begrenzt. Aus einer Kombination mit Johann stieg die Möglichkeit an RUFNAMEN. Wenn drei Söhne einer Familie Johann Nicolaus getauft wurden, dann wurden diese noch lange nicht alle drei auch so genannt.
In einer Ortschronik von 1907 hat ein Schulmeister mal die gebräuchlichen Rufnamen zusammengestellt. Ein auf Johann Nicolaus getaufter Sohn wurde demnach Johann, Nicolaus, Nicol, Claus, Nickel, Hannickel, Hanclas, Hansclaus, Jonnik, Hannik Hanno, oder Jannik gerufen. Die Kombination bei den Männern mit Johann ist, wenngleich die häufigste, nicht die einzige. Es gibt durch aus auch die Kombination mit Georg als ersten Namen, Bei den Frauen wird gern bunt durcheinander kombiniert, obwohl die Kombination mit Anna oder Margarethe am häufigsten sind. Aber Susanna Dorothea oder Maria Elisabeth werden auch gerne genommen, weil es auch hier viele Rufnamenkombinationen gibt: Maria, Elisabeth, Lisbeth, Marlies, Ilse, Marille, Libetha, Mabeth.
Übrigens die Tradition, dass der offizielle Taufname ein Biblischer Name sein sollte, der Rufname aber ganz anders ist, gibt es in Ober- und Niederbayern noch häufig. Wenn ich in meinem Kollegenkreis so rumschaue: Der Josef wird nur Sepp genannt, der Johannes nur Hans, die Maria Magdalene wird Marlene gerufen, und den Johann Georg heißt man den Hanjörg. Sepp hat übrigens einen Bruder, der auch Josef heißt, der wird auch tatsächlich Josef gerufen.
Gruß
Dunkelgraf
__________________
Wer einen Tippfehler findet, darf ihn gern behalten. Viel Spass damit wünscht Dunkelgraf
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  #13  
Alt 01.08.2018, 16:09
YMariusY YMariusY ist offline männlich
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Der Vorname kommt ebenfalls im meinen Ahnenregionen in signifikanter Menge vor - meist als Erstname, doch nur selten als Rufname.

Mitte des 18. Jarhundert, in der Region Hannover und Ostwestfalen bereits zur frühen Mitte des 17. Jahrhunderts, kam die lange recht ansteigende besagte "Johannwelle" in meinen Ahnengebieten.

Die größte Häufung kann ich bei meinen Ahnen in der Region Hannover sowie Ostwestfalen finden. In Posen, Neumark, Masuren und im evangelischen Südwestfalen kam er in mittlerer Menge vor. Für meine katholischen Ahnen Westfalens galt eine häufige, doch "latiniserte Tendenz" - statt Johann Johannes, statt Jo(b)st Joducus. Meine schlesischen und pommerschen Ahnen trugen nur selten den Vornamen Johann.

Ca. ab den 1850ern wurde der besagte Vornamen inkl. katholischer Variation in den meisten besagte Gebieten weitaus seltener. In en katholischen Gebieten Westfalens schien mir dieser noch für einige Dekaden länger anzuhalten.
__________________
Liebe Grüße, MCG

Geändert von YMariusY (01.08.2018 um 16:23 Uhr)
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  #14  
Alt 01.08.2018, 20:15
Benutzerbild von zeilenweise
zeilenweise zeilenweise ist offline
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Zitat von Araminta Beitrag anzeigen
@zeilenweise darf ich fragen, weshalb es genau Johannes der Täufer ist?
Ich habe, z.B. auch Johann Baptist in der Familie und bin da immer vom "Täufer" ausgegangen. Sonst gibt es zig Johannes als Namenspatron.
Vielen Dank
Na klar gibt es eine ganze Reihe von Johannes-Namenspatronen. Aber in den seltensten Fällen wird ja genau definiert, welcher Johannes gemeint ist - wie bei dem von dir genannten Johann Baptist.
Insofern kann man sich bei jedem Johannes den Täufer mitdenken.


In katholischen Familien wird der Namenstag zum Teil mehr gefeiert als der Geburtstag. Manche tauften auch ihre Kinder auf den Namen, der zum Geburts- oder Taufdatum gehörte. Das nur so am Rande.
__________________
Gruß, zeilenweise
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