#1  
Alt 29.01.2021, 15:39
Preuschle Preuschle ist offline
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Hallo zusammen,

ein Großteil meiner Familie kommt aus dem ehemaligen Kreis Groß Wartenberg in Niederschlesien, u.a. aus Kotzine bei Neumittelwalde. Bei meinen Nachforschungen bin ich jetzt zufällig auf einen polnischen Blogeintrag mit Bildern des ev. Friedhofs in Kotzine gestoßen. Diese waren für mich sehr hilfreich und ich möchte sie euch nicht vorenthalten, falls noch nicht bekannt.

http://wyspawodcinkach.blogspot.com/...wyspie-20.html

Damit zusammenhängend habe ich noch eine Frage an die Schlesien-Experten. Kotzine wurde 1920 durch den Versailler Vertrag Polen zugesprochen. Mich würde nun interessieren welchen Einfluss dies auf die Standesamtsregister hatte. Einträge zu Personen aus Kotzine findet man in den Büchern von Neumittelwalde-Land. Diese scheinen aber 1924 zu enden. Was bedeutet dies? Wurden die Einträge jetzt in den Büchern Neumittelwalde-Stadt vermerkt oder war ab da ein polnisches Standesamt zuständig? Wenn ja, welches? Wo könnte man z.B. einen Sterbeeintrag von 1926 für eine Person aus Kotzine finden?

Ich hoffe ihr könnt mir weiterhelfen. Bisher habe ich mir an der Frage den Kopf zerbrochen.
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  #2  
Alt 29.01.2021, 23:09
Manni1970 Manni1970 ist offline
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Hallo,

Kotzine kam mit Wirkung vom 10. Januar 1920 an die neue Republik Polen. Neumittelwalde blieb beim Dt. Reich. Demnach wurde ein am 10. Januar 1920 in Kotzine geborenes Kind von einem polnischen Standesbeamten irgendwo eingetragen. Sicher nicht im deutschen in Neumittelwalde. Ich kenne keine polnischen Ortsverzeichnisse aus der Zwischenkriegszeit, aus denen man die kirchliche oder standesamtliche Zugehörigkeit feststellen könnte. Da müsstest du in einem polnischen Ahnenforscher-Forum fragen. Vielleicht haben die Polen auch so was wie ein Amtsblatt rausgebracht, aus dem man die neue Zugehörigkeit feststellen könnte. Dass man von deutscher Seite aus die Haupt- oder Nebenregister vom Standesamt Neumittelwalde-Land 1920 an die Polen abgeben musste, glaube ich nicht. Höchstens wenn alle Orte daraus zu Polen gekommen sind. Mit etwas Glück kann man dir vielleicht auch im polnischen Standesamt von Neumittelwalde weiterhelfen. Da gibt es ja heute noch Personen, die bspw. 1930 in Kotzine geboren wurden und nun eine Geburtsurkunde benötigen. Die Standesbeamten müssten also wissen, wo man deren Geburtsurkunde finden kann.

MfG
Manni
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  #3  
Alt 30.01.2021, 20:08
Preuschle Preuschle ist offline
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Hallo Manni, danke für deine Einschätzung.

Anhand der Karte (http://www.gross-wartenberg.de/sukgw/bilder/s315_05.jpg) sieht man, dass Neumittelwalde durch den Versailler Vertrag fast die gesamte Landgemeinde verloren hat. Trotzdem gibt es noch bis 1924 Standesamtbücher für diese auf deutscher Seite. Ich kann mir daher vorstellen, dass Anfangs die Deutschen Einwohner immer noch nach Neumittelwalde für Einträge gingen. Die Frage ist, ob danach die Bücher von Stadt und Land zusammengelegt wurden, Land gestoppt wurde und die Deutschen in Polen auf ein polnisches Standesamt gingen, oder ob die Bücher in den Jahren nach 1924 einfach im Krieg verloren gegangen sind.

Es ist natürlich eine Option das heutige Standesamt anzuschreiben, aber vielleicht gibt es hier im Forum ein paar Experten die sich mit den Grenzgebieten und die Besonderheit der 1920 übergegangen Gebiete auskennen und von ihrer Erfahrung berichten können. Gab es damals Standesämter in Polen oder wurden einfach die Deutschen weitergeführt, z.B. Suschen oder Tscheschen in diesen Gebiet. Wie hieß der Kreis auf polnischer Seite in dem die Orte wie Kotzine eingegliedert wurden?

Danke im Voraus für eure Einschätzungen. Gruß
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  #4  
Alt 30.01.2021, 23:03
Manni1970 Manni1970 ist offline
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Zitat:
Zitat von Preuschle Beitrag anzeigen
Ich kann mir daher vorstellen, dass Anfangs die Deutschen Einwohner immer noch nach Neumittelwalde für Einträge gingen.
Gewagte These!

Ich habe im Verlauf meiner Beschäftigung mit Schlesien schon sehr oft über das Verhalten der Polen gestaunt. Da ist also vieles möglich. Dass aber ein polnischer Staatsbürger nach dem 10. Januar 1920 sein Kind bei einem deutschen Standesbeamten angemeldet hat, das Kind also eine deutsche Geburtsurkunde erhielt, halte ich für sehr unwahrscheinlich.

Der Versailler Vertrag stammt vom 28. Juni 1919. Demnach hatten die Polen ein halbes Jahr Zeit, ihre Verwaltung aufzubauen. Wo siehst du das Problem, bspw. einen Lehrer zum Standesbeamten zu machen und ihn eine Urkunde in polnischer Sprache ausstellen zu lassen? In der Gegend waren doch viele zweisprachig. Ich kann dir nur nicht sagen, wo sich das Standesamt befand. Ja, Suschen wäre möglich. Denn da war bis Dez./Jan. 1919/20 ein deutsches Standesamt.

Dann bin ich mal gespannt, ob sich hier noch jemand meldet, der das zuständige Standesamt für Kotzine nach dem 10.1.1920 kennt.
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  #5  
Alt 30.01.2021, 23:46
Preuschle Preuschle ist offline
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Hallo Manni,

danke für den Austausch. Die Staatsbürgerschaft ist ein guter Punkt. Daraufhin habe ich Google bemüht und folgenden Aufsatz gefunden.

"Deutsche Minderheiten in der Zwischenkriegszeit"
https://www.bundestag.de/resource/bl...9-pdf-data.pdf

Ab Seite 12 steht etwas zur Staatsbürgerschaftsfrage für die Deutsche Minderheit in Polen nach dem Versailler-Vertrag. Demnach war es nicht so eindeutig, da es eine 2-jährige Übergangszeit gab und der polnische Staat die Deutschen eigentlich nicht wollte und scheinbar sogar mitunter Neugeborenen nach 1920 die polnische Staatsbürgerschaft verweigerte. Falls das so war, dann blieb vielleicht nur die Anmeldung auf der anderen Seite der Grenze.

Das ist auf jeden Fall ein interessantes Thema und ich hoffe, dass andere Mitforscher auch ihre Erfahrungen teilen.

Gruß
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  #6  
Alt 02.02.2021, 18:48
Manni1970 Manni1970 ist offline
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Hallo!

Ich habe einen polnischen Forscherkollegen um Hilfe gebeten, hat etwas gedauert.

Kotzine, polnisch Kocine, kam zum Kreis Adelnau, poln. Odolanów, der 1932 aufgelöst wurde und dem Kreis Ostrowo angeschlossen wurde. Das zuständige Standesamt für Kotzine war in Suschen, polnisch Sośnie.

Von einer Übergangszeit nach dem 10.1.1920 weiß er nichts, geht also davon aus, dass alle im Standesamtsbezirk Suschen stattgefundenen Personenstandsfälle (Tod, Heirat, Geburt) ohne Rücksicht auf Konfession, Nationalität oder was auch immer dort zur Anmeldung gebracht werden mussten.

Am besten du fragst beim Standesamt Sośnie nach:
https://www.sosnie.4bip.pl/index.php?idg=3&id=90&x=14

Die Register sind allerdings zum Teil bereits im Kalischer Archiv
https://szukajwarchiwach.pl/11/750/0...5/15#tabZespol

MfG
Manni
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  #7  
Alt 05.02.2021, 09:26
Preuschle Preuschle ist offline
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Hallo Manni,

Vielen Dank für deine Hilfe. Die Aussagen deines Forscherkollegen machen mich hoffnungsvoll die gesuchten Einträge zu finden. Dann werde ich mich mal an das Standesamt in Suschen bzw. ans Archiv wenden.

Gruß
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  #8  
Alt 03.03.2021, 09:14
Preuschle Preuschle ist offline
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Hallo Zusammen,

nachdem ich das Kalischer Archiv vor ca. einem Monat angeschrieben hatte, habe ich heute eine Rückmeldung samt Dropbox-Links zu den Scans der von mir gesuchten Einträgen aus dem Personenstandsregister Suschen bekommen. Zu meiner freudigen Überraschung hat dies nichts gekostet.

Nochmals vielen Dank Manni für deine Hilfe.
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  #9  
Alt 03.03.2021, 15:10
Manni1970 Manni1970 ist offline
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Hallo!

Besten Dank für die Rückmeldung! Freut mich, dass die Sache geklappt hat.

MfG
Manni
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groß wartenberg , kotzine , neumittelwalde

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