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  #31  
Alt 30.06.2018, 08:35
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
Einem Beweis käme man nahe, wenn ein und dieselbe Person mal mit der Kurzform und mal mit der Langform erschiene, am besten vom selben Schreiber, vielleicht sogar in eigenen Unterschriften. Aber auch dann sind Irrtümer oder Verfälschungen nicht völlig ausgeschlossen, auch durch den Namensträger selber. So mancher Dietrich hat gemeint, er sei ein Theodor.

Guten Morgen!

Mit Unterschriften ist es im Mittelalter recht dünn. Will sagen: mir liegen keine vor und ich unterliege auch nicht der Illusion, dergleichen zu finden.

Die Personen, um die es bei mir geht, tauchen in Urkunden auf. Zumeist entweder als Zeugen oder als Beteiligte von Rechtsgeschäften. In selteneren Fällen geht es um andere Dinge, etwa um von ihnen begangene Gewalttaten.

So vielfältig wie die Gründe der Erwähnungen, so verschieden sind auch die Aussteller der Urkunden: diverse Klöster, deren Schreiber natürlich Latein gebrauchen. Reichs- und Hansestädte, wo (Platt-)Deutsch geschrieben wird. Schreiber der Territorialherren etc.

Und wiederum noch mannigfaltiger sind die Varianten der einzelnen Vornamen! Mir war gar nicht klar, was man, abgesehen von der deutschen und der lateinischen Variante, alles aus einem harmlosen Rufnamen machen kann...
__________________
Gruß
  #32  
Alt 30.06.2018, 08:58
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
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Moinsen zusammen,
wie so oft in der Onomastik, liegt hier wohl ein Name vor,
den man auf unterschiedlichste Art und Weise interpretieren kann:
Bardos, ein weichherziger, fauler Kerl
Bardo, Ort in Niederschlesien
Bardo von Mainz (980-1051), Erzbischof ebd.
Bardus (Bartholomaeus), 1320 Bischof von Spoleto
Bardus (Franziskus), ein Jesuit um 1583
Bardus (Hieonymus), aus Florenz, Mönch, verst. 1594

Aus meiner Forschung heraus:
… gehört der Name Bartholomäus zu jenen Namen, der innerhalb
der Kirchenbuchschreibung recht selten *ausgeschrieben* wird.
Die häufigste Abkürzung zum Namen Bartholomäus ist > Bartel/Bartelt.

Schaut man sich allerdings die Verteilung/Vorkommen von Barde/Bardo
an, sei es als Vor- als auch Familienname, in den unterschiedlichsten
Regionen, müsste es sich eigentlich/auch um einen *eigenständigen*
Namen handeln, dafür spricht die Verbreitung, insb. als Vorname.
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


  #33  
Alt 30.06.2018, 10:27
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo Roland, zu

Bardos: dann hätten wir einen Übernamen. Aber woher hast Du den faulen Kerl? Dh welche Sprache? Und: ist ja anscheinend ein Familienname, wir suchen aber einen Vornamen
Bardo, Ort: dann hätten wir einen Herkunftsnamen. Aber: ebenfalls Familienname
Die drei Bardus, einer mit Bartholomäus dabei, sind natürlich sehr interessant!
Ansonsten hätte ich auch eher Bartel als Abkürzung für Bartholomäus erwartet.

Zur Verbreitung: was ist denn das Hauptverbreitungsgebiet von Barde/Bardo als Vorname? Gibts da Karten online? Das wäre natürlich super, such ich schon immer. Als Familienname sehe ich in Geogen für Bardo Schwerpunkte in Ansbach, im Saarland, im östlichen BW und im östlichen Sachsen-Anhalt. Aber das erfasst insgesamt nur 58 Telefonbucheinträge. Für eine Suche im Mittelalter sagt das überhaupt nichts aus. Für Barde dann zwar 121 Einträge, die Karte zur relativen Verteilung hänge ich mal an. Aber Schlüsse mag ich auch daraus nicht ziehen.

Hallo consanguineus,
das ist doch was und liefert zumindest Indizien!

1. Wenn in den lateinischen Texten nirgendwo für den Barde/Bardo mal ein Bartholomäus verwendet wird oder ein Bartel, dann bleibt der Bartholomäus für mich weiterhin eher hinten in der Liste, trotz Rolands Fund
2. Plattdeutsch hatte ich vermutet, die damalige Sprachstufe Mittelniederdeutsch war ja nicht nur Dialekt, sondern eigenständige Sprache mit weiter Verbreitung vor allem durch die Hanse, insbesondere auch Urkundensprache. Mnd barde heißt laut Gerhard Köbler Beil, Barte. In der vorhergehenden Sprachstufe altsächsisch lautet das Wort barda. Das stärkt den Bardolf als Zusammensetzung aus barde+wolf/wulf.

Aber auch die Hypothese eines eingliedrigen, eigenständigen Namens Barde/Bardo, von Roland zuletzt favorisiert, rückt für mich nun wieder nach in die Liste. Übersetzung, wie ich schon schrieb: Axt (oder halt Beil). Ein Kerl wie eine Waffe. Klingt möglich, aber gibt es Parallelbeispiele? Heißt irgendwo jemand im Mittelalter mit Vornamen Hamer? Der Gero, abgeleitet von as. ger - Speer wäre ein Kandidat, aber das -o deutet doch wieder auf einen verkürzten Wolf.

Soll heißen, mir fällt nix mehr ein, hoffen wir auf einen Fund in einer Quelle.

Viele Grüße
Xylander
Angehängte Grafiken
Dateityp: png Karte Barde.png (47,0 KB, 3x aufgerufen)

Geändert von Xylander (30.06.2018 um 13:04 Uhr)
  #34  
Alt 30.06.2018, 12:30
Verano Verano ist offline
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Registriert seit: 22.06.2016
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Hallo,

noch etwas zur Erhellung Verwirrung:

https://www.heiligenlexikon.de/BiographienB/Bardo.htm

http://www.kirchenweb.at/vornamen/na...vornamen02.htm

Namenstage 20.5. und 24.8. u.a. im ewigen Kalender = 20.5. Barthel, 24.8. = Bartholomäus .
Bardo im ewigen Kalender am 30.7. = Batho

Außer Konkurrenz, Lektüre zum Sonntag:

https://de.wikipedia.org/wiki/Bardowick

Zwei Stifter:

https://books.google.de/books?id=_9Z...0bardo&f=false

Hallo Themenersteller, dürfen wir den FN erfahren?
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
  #35  
Alt 30.06.2018, 13:49
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo August,
Erhellung!
Interessant der Bardo Erzbischof von Mainz, hatte ich bei Roland übersehen, in der Deutung "Streitaxt und Wolf" aber nicht neu
Auch interessant die Kurzformen von Bartholomäus im zweiten Link: kein Bardo dabei. Und im selben Link die Deutung von Bardo: Kurzform von Zusammensetzungen mit Beginn Bard-
Höchst interessant die Stifter des Klosters Liesborn im Münsterland Boso/Bozo und Bardo im 9. JH: die beiden waren demnach Westfalen, ihre Namen also vermutlich altsächsisch, Vorläufer von mittelniederdeutsch, und sie könnten für mich evtl. eingliedrig sein, ich weiß nicht, wann die Verkürzungen zweigliedriger Namen im altsächsischen Bereich einsetzte. Nachtrag: im Fall von Otto und ahd laut Wikipedia allerdings schon im Frühmittelalter
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Liesborn
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_(Vorname)#Bedeutung

Immer wieder interessant Bardowick. Bloß, bei einem Thread zu dessen Namendeutung würde ich wohl lieber verreist sein. Sonst müsste ich wieder über den Bahlow mit seinen Sümpfen frozzeln.
Jedenfalls, danke!

Xylander

Geändert von Xylander (30.06.2018 um 14:12 Uhr) Grund: Nachtrag Otto
  #36  
Alt 30.06.2018, 15:21
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
und sie könnten für mich evtl. eingliedrig sein, ich weiß nicht, wann die Verkürzungen zweigliedriger Namen im altsächsischen Bereich einsetzte.
Wann steht auch nicht dabei, aber mal ein kleiner Überblick für Interessierte.

Zitiert aus Namenkunde, Vor- und Familiennamen im deutschen Sprachgebiet:


Kurzformen

1.Einstämmige Kurzformen entstehen dann, wenn eines der beiden Glieder weggelassen wird:
- statt Folchert oder Folcrad nur Folc.
Meist entfällt das unbetonte Zweitglied; aber auch das Erstglied kann wegfallen:
für Hildebrand, Gisprand ist Brand bezeugt, für Kunigunde Gunda.
Bald kann also für Bald[olf] oder [Willi]bald stehen.
Diese Kurzformen können stark dekliniert werden, also der Brun, des Brunes, zu Brun[walt, -hart],
aber auch schwach, und dann erhalten die männl. Formen im Ahd. die Endung –o, die weibl. a.

Später schwächten sich diese Endungen teils zu –e ab, oder entfielen ganz; teils hielten sie sich,
unter Einfluß lat. Gebrauchs der Namen, so dass nebeneinander stehen: Hugo, Huge, Hug; Otto, Otte, Ott.

2. Zweistämmige Kurzformen entstehen durch Zusammenziehung beider Namensglieder;
Adelheit zu Aleit/Aleth(e); Adalwolf zu Alf; Gerhart zu Gert; Rudolf zu Rolf.
Diesen unechten Kurzformen begegnet man häufiger erst ab dem 13. Jh.
Bei den wesentlich älteren echten Kurzformen bleibt:

a) das erste Glied ganz oder größtenteils erhalten, vom zweiten nur der Anfangslaut; daran wird männl. –o, weibl. –a angehängt.
Thiot-burg wird zu Thio-b+a, Sigi-beraht zu Si-b+o.(später Siebe), Thiot-mar zu Thie-m+o (später Thiem(e) oder Diem(e);
b) seltener bleibt das Zweitglied mit dem letzten Laut des Erstglieds erhalten:
Bert-old wird zu T-old+o, (später Dold(e))

3. Lallformen wie Beppo zu Bernhart wiederholen bestimmte Konsonanten und vermeiden Laute wie r oder l, wie es für die Kindersprache typisch ist.
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
  #37  
Alt 30.06.2018, 16:20
Xylander Xylander ist offline männlich
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Danke, hab den dtv-Atlas Namenkunde auch, lese mir das ganze Kapitel nochmal durch und melde mich, wenn ich noch weiteres Hilfreiche finde.
Inzwischen: in der verlinkten Quelle werden Ubbo und Erl als altsächsische Namen (ohne Kurz-) bezeichnet, Eso aber als Kurzform. GenWiki bezeichnet Ubbo demgegenüber als (friesische) Kurzform. Die Region der verlinkten Publikation entspricht etwa der vom Kloster Liesborn
https://books.google.de/books?id=jsu...formen&f=false
Bin jetzt mal weg, muss Frankreich die Daumen halten
Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (30.06.2018 um 17:00 Uhr)
  #38  
Alt 01.07.2018, 07:34
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Verano Beitrag anzeigen
Hallo Themenersteller, dürfen wir den FN erfahren?

Aber sicher. Der Familienname ist von (dem) Rode, de Novali und was an Schreibweisen dazwischen liegt.
__________________
Gruß
  #39  
Alt 01.07.2018, 08:05
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo zusammen,
im dtv-Atlas Namenkunde habe ich zur Entstehungszeit der Kurzformen altsächsischer Namen nichts Zusätzliches gefunden. Allerdings zählt Tiefenbach die Namen Bardo und Boso zu den Kurznamen
https://books.google.de/books?hl=de&...e&q=Bardo+Boso

Die von August verlinkten Liesborner Klosterstifter Bardo und Boso aus dem 9. JH könnten also einen altsächsischen Namen in Kurzform getragen haben. Beim Namen Bardo haben wir mögliche Langformen durchdiskutiert, insbesondere den Bardolf.

Speziell für den Klosterstifter Bardo ergibt sich aber noch eine weitere Möglichkeit: er wird in verschiedenen Quellen mit einem Grafen Bardo aus dem Bardengau gleichgesetzt, zB hier S70
https://books.google.de/books?id=TQE...0Bardo&f=false

Und damit wären wir glücklich im onomastischen Streitfeld bzw. in der Schlammschlacht Bardowick/Bardengau/Bardonen/Langobarden angelangt. Nach verbreiteter Meinung steckt da überall das Wort Bart drin, altsächsisch bard. Also auch beim demnach vielleicht eingliedrigen Klosterstifter und Grafen Bardo.

Bahlow aber meint: es ist ein Wort für Sumpf. Und beim Durchlesen dieser Quelle vergeht mir die Skepsis. Seite 58 ff:
https://books.google.de/books?id=A0R...20name&f=false

Für eine Entscheidung Bart oder Sumpf fehlt mir die Kompetenz (allerdings ist mE nur der Bart personennamen-tauglich).

Aber consanguineus, ich habe eine Frage an Dich: handelt es sich bei Deinen Bardo/Barde um Angehörige eines Adelsgeschlechts? Wenn ja, könnte dieses Geschlecht Verbindungen zu den Bardonen haben und deren Namenstradition pflegen?
https://de.wikipedia.org/wiki/Bardonen

Dann hätte ich die Theorie, dass (unbeschadet der anderen Deutungen!) Deine Bardo/Barde zu deuten wären wie Graf Bardo. Und dann haben wir ein Problem

Viele Grüße
Xylander
Nachtrag: Sehe gerade: Adelsgeschlecht ja!

Geändert von Xylander (01.07.2018 um 08:11 Uhr) Grund: Nachtrag Adelsgeschlecht
  #40  
Alt 01.07.2018, 08:23
consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
Aber consanguineus, ich habe eine Frage an Dich: handelt es sich bei Deinen Bardo/Barde um Angehörige eines Adelsgeschlechts? Wenn ja, könnte dieses Geschlecht Verbindungen zu den Bardonen haben und deren Namenstradition pflegen?
https://de.wikipedia.org/wiki/Bardonen

Dann hätte ich die Theorie, dass (unbeschadet der anderen Deutungen!) Deine Bardo/Barde zu deuten wären wie Graf Bardo. Und dann haben wir ein Problem

Ja, es handelt sich um ein Adelsgeschlecht. Allerdings um eine historisch wirklich nicht sonderlich bedeutende, der Ministerialität enstammende thüringische Familie. Eine Verbindung mit den Bardonen halte ich für vollkommen ausgeschlossen.
__________________
Gruß
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