#1  
Alt 13.10.2009, 19:08
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Standard von Lehmann

Hallo ihr Lieben,

hätte nun auch noch eine Frage zum Adel.

Ein Vorfahre von mir, Peter Lehmann, bekam am 11.12.1555 ein Wappen verliehen. Am 20.09.1562 erhielten er und seine Söhne Lorenz und Christoph eine Wappenbesserung und ein Prädikat "von Lehenthal". Es ist unklar, ob es eine Adelsstandsverleihung war oder nicht. Ein Nachkomme, Christian Theodor Lehmann hat 1703 eine Reichsadelsbestätigung erhalten. Man sei sich (nach Aussagen des Dt. Adelsarchivs) nicht sicher gewesen, ob die Familie adelig war. Ab 1703 dürfte sich die Familie "von Lehmann" genannt haben, wobei das Prädikat nicht geführt wurde.
(Quellen: Deutsches Adelsarchiv, Marburg.- Karl Friedrich von Frank: Standeserhebungen und Gnadenakte für das Deutsche Reich, Band 3, 1972.- Deutsches Adelsarchiv: Adelslexikon, Band VII, 1989.)

Nun treten bei mir (der ich vollkommen ahnungslos bin, was Adel angeht) Fragen auf:
1. Was ist eine Wappenbesserung und wieso passierte die 7 Jahre nach der Wappenverleihung?
2. Was sagt das "Prädikat" aus? Ist es schon ein Adelstitel oder nur ein Namenszusatz?
3. Ab wann durften sich die Familienmitglieder "von Lehmann" nennen? Ab 1555, 1562 oder 1703? Und fiel dann das Prädikat "von Lehenthal" weg?

Vielen Dank für Eure Mühe im voraus.

Liebe Grüße
Anton
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  #2  
Alt 13.10.2009, 19:47
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Hallo Anton,

warum soll die Familie nicht adlig gewesen sein? Im Adelslexikon von Kneschke ist sie in Band 5 S. 439 aufgeführt. Das Buch findest Du bei Google Books.

Viele Grüße

Dirk
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  #3  
Alt 13.10.2009, 23:59
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Hallo Anton,

warum man sich nicht sicher war, verstehe ich auch nicht. Aber vielleicht hatte man 1703 nichts dazu gefunden und deshalb den Reichsadelsstand bestätigt.

Peter Lehmann ist am 20.9.1562 in den Adelsstand erhoben worden. So habe ich das auch in anderen Veröffentlichungen gefunden. Allerdings läuft das immer auf Anton Schimon, Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien, als Quelle heraus. Er müsste demnach die Standeserhöhung im Archiv in Wien gefunden haben. Hier könnte eine Anfrage zu den kaiserlichen Standeserhöhungen im Staatsarchiv in Wien möglicherweise Klarheit schaffen. Die Regesta imperii sind ja leider nur bis 1505 veröffentlicht, sonst hätte ich gleich mal nachgesehen.

Eine Wappenbesserung oder auch -vermehrung genannt, gab es meist, wenn jemand im Stande erhoben wurde, aber schon vorher ein Wappen führte. Das heißt, dem Wappen wurden weitere Figuren oder auch ein Innenschild hinzugefügt.

"von Lehental" ist eindeutig ein Adelsprädikat. Von Lehmann nannten sie sich dann sicher erst nach der Bestätigung des Reichsadelsstandes 1703, wenn dieser ohne Prädikat bestätigt wurde, wobei das "von" auch ein Prädikat ist.

In Österreich war es sehr üblich, dass das Adelsprädikat dem vorher bürgerlichen Namen hinten meist mit einem Fantasienamen angehängt wurde, in Preußen, Sachsen usw. war es dagegen üblich, dem bürgerlichen Namen nur das adelige Prädikat "von" voranzustellen.

Viele Grüße
Hina
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  #4  
Alt 14.10.2009, 13:06
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Hallo Hina, hallo Dirk,

herzlichen Dank auch hier für Eure Antworten! Die Adelsstandserhebung des Peter Lehmann von 1562 habe ich aus dem Nationalarchiv in Prag bereits in Kopie vorliegen. Die Urkunde von 1555 liegt noch in Wien. Zur Zeit ist mir aber eine Kopie zu teuer, die verlangen viel, viel Geld für eine Suchstunde...

Jetzt muss ich noch mal was fragen... Die Erhebung in den Adelsstand war ja nur für Christoph und Lorenz Lehmann, bzw. den Vater der beiden, Peter Lehmann.
Jetzt kommt das für mich nicht Erklärbare:
Peter Lehmann hatte neben seinen Söhnen Lorenz und Christoph u.a. noch einen Sohn Peter (1545-1618), dessen Adelsstandserhebung nicht in der Urkunde von 1562 erwähnt wird. Dessen Enkel wiederum, Christian Lehmann (1611-1688), schreibt in einem Brief (als seine Tochter von der Gemeinde wegen ihrer schönen Kleider beleidigt wird), dass die Tochter das Recht habe, solche Kleider zu tragen, da die Familie adelig wäre. Er selbst unterschreibt alle der fast 100 überlieferten Briefe mit "Chr. Lehmann". Komisch daran ist: der Enkel Christian Lehmanns, Christian Theodosius (1682-1731), erhielt dann die Reichsadelsbestätigung.
Waren denn Christian Lehmann (1611-1688) bzw. dessen Großvater Peter adelig? Wenn der Christian Theodosius eine Bestätigung erhalten hat, sicherlich, oder?

Liebe Grüße
Anton
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  #5  
Alt 14.10.2009, 13:24
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Hallo Anton,

wenn in der Adelsverleihung der bereits nicht adlig geboren Sohn nicht erwähnt wird und die Urkunde keinen Hinweis darauf enthält, dass alle Nachkommen des in den Adelsstand erhobenen einbezogen sind, dann wurde der Sohn auch nicht geadelt. Er bzw. seine Nachkommen haben dann einfach mal die Sache ausgesessen und den Adel benutzt. Irgendwann hat es dann keiner mehr gewußt oder wissen wollen und ein Nachkomme hat dann die Bestätigung bekommen, vielleicht nur weil er den Adel lang genung unbeanstandet benutzt hat.

Viele Grüße

Dirk
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  #6  
Alt 14.10.2009, 13:37
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Hallo Dirk,

herzlichen Dank für die Antwort!
Das waren ja tolle Leute... Nehmen einfach einen Adelstitel an und lassen sich dann eine Bestätigung ausstellen...

Liebe Grüße
Anton
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  #7  
Alt 14.10.2009, 14:49
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Hallo Anton,

soetwas nennt man dann ersessener Adel und den gab es gar nicht so selten, wie man glauben mag.

In Preußen war das z.B. so geregelt, dass jemand selbst oder seine Vorfahren, die 44 Jahre lang unbeanstandet ihren vermeintlichen Adelsstand z.B. durch offizielle Führung eines adeligen Namens, glaubhaft machte, ihn dann auch tatsächlich bestätigt bekommen konnte, auch wenn der Adelsstand nicht zweifelsfrei nachweisbar war. In Bayern gab es eine 100 Jahre-Regelung. Ein Beispiel dafür ist z.B. v. Clausewitz aber auch sehr viele Niederrheinische Geschlechter.

In der Namenslinie meiner Familie wurde der Adel im Grunde auch wohl eher ersessen. In Wirklichkeit waren die Vorfahren Patrizier, die nicht zweifelsfrei adelig waren, die aber adelig heirateten. Ihnen wurde der Adelsstand vom König anerkannt und ihrem Namen sogar eine - wie ich nun festgestellt habe, unbewiesene - ritterliche Abkommenschaft "bestätigt", so dass die männlichen Nachkommen erst Ritter, dann Komturen des Christusordens wurden .

Dass jemand seine Briefe im 17. Jh. nicht unbedigt mit "von" unterschrieb, selbst wenn er adelig war, hat noch nicht allzuviel zu sagen. Zum einen gab es viele Patrizier, die adelig waren aber das Prädikat "aus Tradition" nicht führten. Einige adelige Familie hatten auch gar kein "von" im Namen, z.B. die Grafen Breuner, die Fürsten Fugger usw. Es gab auch Familien, die das "verdunkelten". So nennt man das, wenn sie von ihrem adeligen Prädikat keinen Gebrauch machten. Richtig setzte sich das im Grunde erst im 18. Jh. durch, wobei die meisten Familien es auch schon vorher führten.

Viele Grüße
Hina
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  #8  
Alt 14.10.2009, 14:58
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Hallo Hina,

na das ist doch prima. So einfach kam man also zu einem Adelstitel...
Danke für Deine ausführliche Antwort... Jetzt bin ich etwas klüger...
Ich sollte nun doch die 1555er Urkunde aus Wien anfordern, um alles klären zu können. Muss ich wohl oder übel paar Euro zusammensparen.

Liebe Grüße
Anton
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  #9  
Alt 14.10.2009, 15:07
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Hallo Anton,

sehr einfach war das sicher nicht, denn Beanstandungen gab es sicher sehr schnell. Wenn ein armer Bauer, der aus seinem Herkunftsnamen mit "von", was es ja oft gab, ableitete und versuchte glaubhaft zu machen, er wäre adelig, hätte sicher schon der erste Beamte Alarm geschlagen. Das schafften eher nur Familien, wo es wirklich nicht so ganz klar aber auf Grund ihrer Stellung in der Gesellschaft zumindest anzunehmen war. Hier entschied man dann sozusagen zu Gunsten des Angeklagten .

Ersessenen Adel finden wir z.B. auch sehr viel bei gut betuchten Einwanderern in Russland. Dort machten viele glaubhaft, sie entstammten einem adeligen Geschlecht ihres Heimatlandes. Die russischen Behörden hatten so gut wie keine Möglichkeit, das nachzuprüfen und bestätigten sehr oft den Adel. "Echte" Adelige waren sie dann allemale, denn eine Bestätigung war letztendlich eine Nobilitierung.

Viele Grüße
Hina
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  #10  
Alt 14.10.2009, 16:11
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Ich glaube nicht, daß es sich hier um ersessenen Adel handelt. Warum?
Denn der Peter Lehmann war schließlich 1562 in den Adelsstand erhoben worden- übrigens mit Mitte 16. Jahrhundert ein recht früher sogenannter Briefadel.
Und das hieß zu dieser Zeit in jedem Fall: erblicher Adel für alle Nachkommen. Warum Peter d.J. nicht in dem Diplom erwähnt wird, bleibt offen. Ich vermute, weil er noch minderjährig war und somit unter dem Hausstand des Vaters mitlief.

Etwas anderes ist es, wenn dieser Familienzweig den Adel über mehrere Generationen nicht führte. Man nennt das, glaube ich, verschleierten Adel. Die Gründe dafür waren vielfältig, meist weil es nicht mit dem Berufsstand (z.B. innerhalb einer städtischen Bürgerschaft) zusammenpaßte und/oder finanziell zu kostspielig war: Adel setzte nämlich auch einen gewissen Lebenstandard und Repräsentationen voraus, was nicht jeder erfüllen konnte oder wollte. Bisweilen hatte es auch mit einer pietistischen Grundhaltung zu tun.
Daß der Adel dann nicht geführt wurde, habe ich auch bei Familien meiner eigenen Forschung beobachten können, z.B. Teile der ostpreußischen Familie Kalau vom Hofe, oder der schwäbischen Familie Moser von Filseck. Denen entstammte der -von mir unten mit Zitat angeführte- Staatsrechtler J. J. Moser, der bewußt bürgerlich sein wollte. Die Gründe, warum bereits sein Großvater den Adel nicht führte, hat er in einer Familiengeschichte dargestellt und sie treffen ungefähr das oben gesagte. Dazu kam bei ihm selbst eine sparsam-pietistische Lebenseinstellung. Sein Sohn übrigens, später hess.-darmstädt. Minister, sah das ganz anders und führte den Adel wieder (später zum Freiherrn verbessert) inklusive einem üppigen Lebensstil und sehr zum Argwohn des Vaters. Dies nur als ein (schriftlich exzellent belegtes) Beispiel.

Die Lehmann-Nachkommen konnten also m.E. zurecht ihren Stand geltend machen. In den Genealogien schreibt man dann das Adelsprädikat in Klammern dazu, also:
"Christian Lehmann (v. Lehenthal)"
Vor allem in diesem Fall scheint das angebracht, da der Adel ja in späteren Generationen wieder auftauchte und bestätigt wurde. Bei anderen Fällen muß man vielleicht abwägen, z.B. dem zitierten Moser würde man keinen Gefallen damit tun…

Viele Grüße
Johannes
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Dergleichen [genealogische] Nachrichten gereichen nicht nur denen Interessenten selbst, sondern auch anderen kuriosen Personen zu einem an sich unschuldigen Vergnügen; ja, sie haben gar oft in dem gemeinen Leben und bei besonderen Gelegenheiten ihren vielfältigen Nutzen. Johann Jakob Moser, 1752
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adelsarchiv , annaberg , lehenthal , lehmann , scheibenberg

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