Zurück   Ahnenforschung.Net Forum > Allgemeine Diskussionsforen > Genealogie-Forum Allgemeines
Hier klicken, falls Sie Ihr Kennwort vergessen haben.

Hinweise

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht
  #21  
Alt 05.01.2022, 21:32
Benutzerbild von Ursula
Ursula Ursula ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 18.01.2007
Ort: BW
Beiträge: 1.310
Standard

Zitat:
Zitat von Tunnelratte Beitrag anzeigen
auch die "großen" Dialekte wie bayrsich oder schwäbisch, haben lokale Untergruppen/Färbungen, die "im Nachbartal" nicht verstanden werden, oder "unüblich" klingen. Diese kleinen feinen Unterschiede machen aber den Reiz, und die originalität eines Dialekts aus. Meine Mutter kommt vom westlichen Rand des württembergischen schwäbisch, zudem war iener ihrer Großvater Badener (=SKANDaaaaaaaaal!!!!) ihr Vater ber Stuttgarter. Mein Vater ist in Heilbronn von einer Heilbronnerin geboren worden, aber in Forchtenberg(Hohenlohe) aufgewachsen, später dann im schwbischen Unterland. Ich selber bin im schwäbischen Wald aufgewachsen. wo dann die anderen Kinder (sofern sie "eingeborene " waren) doch einen anderen Wortschatz hatten pflegten, als wir zu Hause, der sich für mich als ein Sammelsurieumquerbeetschwäbsch mit badisch-hohenlohisch-fränkischen EInsprengseln herausstellte. Im Studium hatte ich ein zwei Komilitonen "vo dr Alb ra" , Eine Offenbarung in Urschwäbischer Lokalität waren deren Beiträge in den Kursen, da mußten auch die Profs durch, die teilweise nur "norddoitsch" verstanden . In der Grundschue wollte eine Hamburger Mathelererin uns Schwabenkindern hochdeutsch einbleuen, wobei der Deutschunterricht bei der einheimeischen schwäbischsprachigen Feutschlehrerin stressfrei und schwäbisch war, Danke Rosa !.
Glückwunsch zu Deiner Deutschlehrerin.

Da fällt mir gerade ein, dass ich mir vor vielen, vielen Jahren, als ich zu Besuch in Köln war, in einer Metzgerei einen Spaß erlaubt habe. Ich verlangte einen Läbrkäswegga. "Wie bitte?" war die Antwort. Ich wiederholte meinen Wunsch, zeigte dabei auf den Korb mit Semmeln und dann auf den Laib Fleischkäse: "An Läbrkäswegga bitte." "Einen Fleischkäsesemmel wollen Sie?" "Ja!" Kopfschüttelnd richtete sie mir das Gewünschte her.

LG
Uschi
Mit Zitat antworten
  #22  
Alt 05.01.2022, 21:53
Sneezy
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo,
was consanguineus meint, sind diese Zwangsaussiedlungen, die aber nur wenige Dörfer im Speergebiet umfassen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Zwangs...utschen_Grenze

Dass dort aber in die leeren Häuser systemtreue DDR-Bürger aus anderen Regionen hingezogen sind, davon wird dort nichts erwähnt. Vielleicht haben sich DDR-Bürger aber auch einfach mehr vermischt.

Mein Opa väterlicherseits, der im Spreewald und in Ost-Berlin aufgewachsen ist, ist in den 1950er Jahren in ein kleines Dorf in Thüringen umgezogen und in den 1960er Jahren nach Leipzig. Er hat witzigerweise einen Mischmasch aus Berlinerisch und Sächsisch gesprochen.

Geändert von Sneezy (05.01.2022 um 22:32 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #23  
Alt 05.01.2022, 22:46
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.05.2018
Ort: Harz
Beiträge: 4.038
Standard

Hallo Balduin,

danke für den Link! Ich habe den Artikel so verstanden, daß 10 bis 12.000 Menschen deportiert wurden, und zwar nicht dörferweise, sondern Einzelpersonen oder Familien, welche durch Westkontakte, Kirchenbesuche oder weil sie das Ablieferungssoll nicht erfüllen konnten, negativ auffielen (oder denunziert wurden) und deswegen als "politisch unzuverlässig" eingestuft wurden. Man kann sich also vorstellen, daß die meisten Dörfer im Grenzgebiet betroffen waren. Und natürlich wurden die leerstehenden Häuser wiederbesetzt. Wohnraum war durch die vielen Vertriebenen äußerst knapp nach dem Krieg. Die neuen Bewohner der leeren Häuser kamen selbstverständlich von außerhalb. Und sicherlich wird man dort kein "Ungeziefer", wie die "politisch unzuverlässigen" Personen im DDR-Sozialismus in der diesem System eigenen entmenschlichenden Weise bezeichnet wurden, angesiedelt haben. Also kamen wohl Menschen mit anderem Dialekt in den Ort, was dazu geführt haben wird, daß die Sprache und der Wortschatz sich wandelten.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Suche:

Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
Carl KRÜGER, Amtmann in Bredenfelde, * um 1700
Georg Melchior SUDHOFF, Pächter in Calvörde, * um 1680
Dorothea v. NETTELHORST a. d. H. Kapsehden, * um 1600
Mit Zitat antworten
  #24  
Alt 06.01.2022, 09:55
Benutzerbild von Bergkellner
Bergkellner Bergkellner ist offline
Erfahrener Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 15.09.2017
Ort: (Nieder)Sachsen
Beiträge: 2.068
Standard

Zitat:
Zitat von Ursula Beitrag anzeigen
Da fällt mir gerade ein, dass ich mir vor vielen, vielen Jahren, als ich zu Besuch in Köln war, in einer Metzgerei einen Spaß erlaubt habe. Ich verlangte einen Läbrkäswegga. "Wie bitte?" war die Antwort. Ich wiederholte meinen Wunsch, zeigte dabei auf den Korb mit Semmeln und dann auf den Laib Fleischkäse: "An Läbrkäswegga bitte." "Einen Fleischkäsesemmel wollen Sie?" "Ja!" Kopfschüttelnd richtete sie mir das Gewünschte her.

LG
Uschi
Hallo Uschi,

das erinnert mich an eine Situation beim Bäcker in Berlin-Weißensee während des Studiums, als ein - offensichtlicher Urlauber - "zwei Berliner" habe wollte. Die Verkäuferin zeigte auf die Schlange hinter ihm und sagte:"Bitte bedienen Sie sich!"

Hat zwar nix mit Dialekt zu tun, ist aber immer wieder schön.

Lg, Claudia
__________________
Wer lesen kann, ist besser dran!(Andreas' Opa Fred)
Nierngstwuh giehts so zu wie uff dare Walt!(Claudias Uroma Anna)

Suchen immer:
Loewe - Steinau an der Oder/Schlesien(vor 1850)
Heine - Glogau/Schlesien(vor 1850)
Hollenstein - Bleiwäsche/Westfalen(vor 1710)
Ulich - Neukirchen b. Stollberg(um 1710)
Rothbart - Kröslin/Pommern(um 1740)
Mädtke - Grambin und Umgebung/Vorpommern(vor 1840)
Buden/Budin - Wriezen u.U./Brandenburg(um 1700)
Kellner/Gevers - Hannover Stadt u.U.(um 1700)


Mit Zitat antworten
  #25  
Alt 06.01.2022, 10:31
Sneezy
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo,
besonders witzig finde ich es, wenn Ausländer Dialekte sprechen. Ein sowjetischer Student aus Nowosibirsk, der von meinem polnischen Uropa betreut wurde, sprach richtiges sächsisch, da er lange Zeit in Sachsen studiert und gelebt hatte.

Bis heute leben die meisten Russen und Ukrainer in Ostdeutschland.

siehe die beiden Karten aus dem Jahr 2014:

https://upload.wikimedia.org/wikiped...eutschland.png

https://upload.wikimedia.org/wikiped...eutschland.png

Und speziell in Leipzig wohnen die meisten. In bestimmten Stadtteilen wie Leipzig-Lindenau gibt es an einigen Häusern mehr russische und ukrainische Namen als deutsche Namen. Dies liegt wohl auch an der Russisch-Orthodoxen Kirche in Leipzig, die auch bei den sowjetischen Studenten zu DDR-Zeiten sehr beliebt war. In Ostdeutschland wird bis heute als zweite Fremdsprache neben französisch die russische Sprache in Schulen unterrichtet.

Genauso sind auch viele DDR-Bürger in die Sowjetunion umgezogen und haben in Moskau studiert. Da die Sowjetunion der größte Staat der Welt war, war man also von der Reisefreiheit gar nicht so sehr eingeschränkt.

Es haben auch viele Kubaner und Nicaraguaner in der DDR gelebt.
Für die Kubaner war der Zusammenbruch des Ostblocks eine große Tragödie, da Kuba von der Sowjetunion abhängig war und es seitdem eine große Hungersnot gab. Außerdem mussten die Kubaner Ostdeutschland verlassen. Nur ein paar wenige konnten bleiben.

Geändert von Xtine (16.02.2022 um 19:26 Uhr) Grund: persönliches entfernt
Mit Zitat antworten
  #26  
Alt 06.01.2022, 11:08
MMR MMR ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 23.01.2015
Beiträge: 347
Standard

In Thüringen erlebe ich es immer wieder, dass sich gerade junge Menschen bei Ortsfremden für ihren Dialekt schämen, auch wenn sich positiv darauf angesprochen werden. Anscheinend merken auch sie, dass ostdeutsche Dialekte oft verpönt sind. Weshalb auch immer, ich mag sie.

In Hessen ist es anders: Dialekt wird unter jungen Leuten nicht ganz so sehr als rückständig angesehen. Aber er verschwindet. Das Frankfurterische ist bereits im Rhein-Main-Gebiet verschwunden bzw. hat es sich verdünnt. Weiter nördlich von Frankfurt, wo sich der Dialekt in der Mitte Hessens schon wieder erheblich anders anhört, geht es noch. Je weiter man sich aus der Metropole entfernt, desto ländlicher wird es und umso stärker ist der Dialekt. Was nach und nach verloren geht sind vorallem "Fachbegriffe", die es nicht im hochdeutschen gibt und das Vokabular.
__________________
Experte für die Region Oberhessen.
Mit Zitat antworten
  #27  
Alt 06.01.2022, 11:27
Sneezy
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Hallo,
in dieser Doku über den Frankfurter Flughafen sprechen lustigerweise recht viele Mitarbeiter hessisch:

https://www.youtube.com/watch?v=DRv7...fbgrA&index=48

Geändert von Sneezy (06.01.2022 um 17:28 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #28  
Alt 06.01.2022, 12:28
Benutzerbild von Schlumpf
Schlumpf Schlumpf ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 20.04.2007
Ort: davorne links
Beiträge: 339
Standard

Verschwinden von Dialekten...

Hallo
Als ich in die Schule kam, sprach ich wie mein Vater und Großvater kein Wort Hochdeutsch.
In den Augen der anderen galt Dialekt als "Dummheit" oder "Rückständigkeit". In jedem
Fall war es ein Makel, der den späteren Lebensweg sehr negativ beeinflussen konnte.
Im Gegensatz zu den Nachbarskindern habe ich mir das Sprechen des Dialektes bewahrt.
Aber ich habe es nicht geschafft, meinen Kindern den Dialekt beizubringen. Das hatte auch
seine Gründe:
Meine Frau stammt nicht aus der hiesigen Gegend. Also kann ich mich auch nicht mit ihr
in der Sprache unterhalten. Meine Schwestern sprechen auch kein Dialekt.
Der hiesige Dialekt ist recht heftig. Es ist immer so, dass Schwaben oder Bayern und Sachsen
kein Wort davon verstehen. Ich habe es einmal fertiggebracht und bin in einem Satz von
Dialekt zu Hochdeutsch gewechselt. Der Gesprächspartner war vor den Kopf gestoßen.
Der Dialekt ist dermaßen heftig, dass ich als Sprecher oft an der Supermarkttheke gebeten
werde, doch Deutsch (und nicht Niederfränkisch) zu reden. Ist auch schon vorgekommen,
dass die Verkäuferin die Redewendungen als unpassend ansah. (z.B. te vel Wercks oder masch)
Komisch, dass aber Ausländer sehr erstaunt sind, wenn sie erfahren, dass es einen
eigenen hiesigen Dialekt gibt. Gerade dann ist das Erstaunen groß, wenn sie hier in die
Schule gegangen sind. Verstehen? Kann das aber keiner.
Aber seit kurzem versucht man wenigstens, die Sprache ein wenig zu pflegen. Da aber nur
alte Leute dort hingehen und das Ganze als "Theateraufführung" begreifen, habe ich dafür
keine Zeit.

viel Spaß damit
Schlumpf
__________________
Uns ist in alten mæren wunders vil geseit. von helden lobebæren, von grôzer arebeit,. von fröuden, hôchgezîten, von weinen und von klagen,.
Mit Zitat antworten
  #29  
Alt 06.01.2022, 22:19
Benutzerbild von Ursula
Ursula Ursula ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 18.01.2007
Ort: BW
Beiträge: 1.310
Standard

Völlig OT, Entschuldigung, aber ich muss es loswerden.

Zitat:
Zitat von Balduin1297 Beitrag anzeigen
Besonders gefallen mir russische Männerchöre
Hallo Balduin,

dann hör Dir das da an. Ist zwar kein reiner Männerchor, aber es ist himmlisch. Aus der Liturgie d. Joh. Chrysostomus von Tschaikowsky. Die Hymne der Cherubim.

https://www.youtube.com/watch?v=SZQzW_QfPew

LG
Uschi

Geändert von Ursula (06.01.2022 um 22:21 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #30  
Alt 07.01.2022, 14:17
Benutzerbild von Tunnelratte
Tunnelratte Tunnelratte ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 10.03.2014
Beiträge: 715
Standard

Zitat:
Zitat von Ursula Beitrag anzeigen
G"An Läbrkäswegga bitte." "Einen Fleischkäsesemmel wollen Sie?" "Ja!" Kopfschüttelnd richtete sie mir das Gewünschte her.
Ähnlich ergieng es einem Ulmer Kollege, der in dieser niederreheinischen Gegend eine Butterbrezga wolte. Butter auf eine ordentich gelaugte brezel, sowas bekommt man halt nur südlich des Mains in akzeptabler Qualität

In meiner Heimat gab es eine Metzgerei am Rande der landstraße, die hatten einen Werbeaufsteller diret am Straßerand "LKW 1 Euro" das war für nicht heimische immer seltsam, wenn diret eben dem Schid ein 40 Tonner geprkt war, dessen Fahrer sich einen LKW in der Metzge holte
__________________
wenn man den Nachbarshund zum angeln mitnimmt, ist wenigstens die Köterfrage geklärt
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 14:23 Uhr.