#1  
Alt 09.11.2019, 14:51
Lereko Lereko ist offline
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Guten Tag,


anhand eines aus dem Jahr 1716 datierten Geburtsscheins aus Thallwitz bei Eilenburg aus einem Gerichtsbuch Wurzens (siehe Auszüge im Anhang, Quelle: Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden, 12613 Gerichtsbücher, Nr. GB AG Wurzen Nr. 0257) wurde der Vorfahre im Feldlager bei Warschau am 16.07.1698 von einem Feldprediger mit seiner Ehefrau getraut.

In diesem Zusammenhang ist die Rede von einem Kürassier-Regiment bzw. einer Leib-Kompanie.


Dazu nachfolgende Fragen:
1. Von welchem Kürassier-Regiment ist hier die Rede?
2. Liegen zu diesem Regiment irgendwelche Archivalien vor?
3. Kann anhand des Regiments nachvollzogen werden, woher (aus welcher Region) die Soldaten rekrutiert wurden?


Für Eure Hilfe danke ich im Voraus.


Lereko
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  #2  
Alt 09.11.2019, 15:31
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Hallo Lereko,
ich vermute das Kürassier-Regiment v. Beust ?!?: https://archiv.sachsen.de/archiv/bes...8-ef4c129615cd
Ich kenne mich aber mit Sachsen/Kursachsen nicht aus.
Gruß Jens

Geändert von Jensus (09.11.2019 um 15:33 Uhr)
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  #3  
Alt 10.11.2019, 17:33
Lereko Lereko ist offline
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Danke Jens.
Gemäß der Quelle https://digital.slub-dresden.de/werk...t/dlf/7080/54/ ab Seite 43 marschierte die gesamte Kavallerie im Kursächsischen Lande 1697 nach Polen. Dies diente der Krönung von August dem II. (https://de.wikipedia.org/wiki/August_II._(Polen)).
Auf Seite 51 wird dein genannter von Beust mit seinen Regimentern genannt.
Gruß Lereko
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  #4  
Alt Gestern, 19:52
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Hallo!
1. Die kursächsischen Regimenter hatten kein höheres Ordnungssystem (wie z.B. Nummerierungen). Sie wurden immer nach dem Regimentsinhaber benannt. In deinem zweiten Auszug ist die Leib-Compagnie des Kürassierregiments von Beust aus dem Jahre 1698 genannt. Damit weißt du sowohl Regiment als auch Kompanie (dürfte entsprechend die erste gewesen sein). Als Dienstgrad wird Kürassier (also Mannschaft/Gemeiner) genannt.
Wichtig ist auch der Zeitpunkt, da die Benennungen abhängig von der Personalfluktuation von Jahr zu Jahr schwanken. Auf der von dir aufgeführten Quelle S. 51 ist unten unter Anmerkung Nr. 68 ein kurzer Abriss des von Beust aufgeführt. In der Urkunde wird er mit Bezug auf das Jahr 1698 noch General-Major genannt, im Buch bereits retrospektiv General-Leunant. Das passt auch: Beförderung während des Krieges. Du erfährst zudem, dass dieses Regiment ab 10/1700 unter "Königin-Kürassier" firmierte.
Mehr lässt sich erst einmal ohne die Inskriptionslisten nicht sagen, da gerade die Zeit, welche dich interessiert, von plötzlichen Herrscherwechseln eingeleitet und vom Großen Nordischen Krieg überschattet wurde. Es wurden neben den "etatmäßigen" sehr häufig kriegsbedingt Regimenter geschaffen, umstrukturiert und aufgelöst - weil der Krieg für Sachsen-Polen eher schlecht und verlustreich verlief. Zudem wurden die Mannschaften oft hin und hergeschoben. Dein Ahn wird in dieser Zeit mit Sicherheit in verschiedenen Formationen gedient haben.
Interessanterweise wird er wieder greifbar als Kürassier in Thallwitz im Jahre 1716. Sollte sich die Stationierung zwischenzeitlich nicht geändert haben, führt Wikipedia für 1732 eine Zugehörigkeit zum "Kürassierregiment von Polenz" mit Haupt-Garnison in Dahlen auf (https://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A...ege_(1733–1745)). Um 1716 als "von Arnstädt" (K4) - entstanden durch Umgruppierungen nach der Schlacht an der Düna 1702 (https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_...sierregimenter). Auch hier könnte man ihn bis zur Kompanie/zum Schwadron herunter zuordnen. Die Kontinuität muss aber nicht gegeben sein.

3. In dem von dir eingestellten ersten Gerichtsbuch-Auszug ist von einem "Deutschen Kürassier-Regiment" die Rede. Das weist auf ein Kursächsisches - im Gegensatz zu einem königlich polnischen - hin. Die Dienstverpflichteten konnten auch aus entfernten Regionen stammen und wurden nicht selten zum Dienst gepresst. Dieses Vorgehen endete in Kursachsen erst um 1717. Auch wurden ab diesem Zeitpunkt nahezu ausschließlich "Landeskinder" gezogen. Die Rekrutierung deines Vorfahren muss jedoch schon vorher passiert sein. Sollten sich in Friedenszeiten noch ordentlich geführte Inskriptionslisten erhalten haben, könnte die Herkunft vermerkt sein.

2./Quellen: Ich kenne mich da nicht so aus. Falls dich das Thema mehr interessiert wäre evtl. diese Buch hilfreich:
Georg Tessin: Die Regimenter der europäischen Staaten im Ancien Régime des XVI. bis XVIII. Jahrhunderts; 3 Bände; Biblio Verlag: Osnabrück 1986–1995. ISBN 3-7648-1763-1.
Sächsisches Staatsarchiv: Beständegruppe 2.3.8 Militär (Hauptstaatsarchiv Dresden; nicht online einsehbar)
Oder du fragst hier einmal an:
http://www.heereskunde.de/index.php?id=184
Die haben bestimmt auch Zugang zu entsprechenden Dokumenten oder können dir sagen wo diese Archiviert sind.
Gruß
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