#1  
Alt 19.02.2016, 13:11
GeorgeB GeorgeB ist offline
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Standard Deportation nach Transsilvanien um 1750

Hallo liebe Community!

Ich habe mir bei der Zuordnung dieses posts zu einem Forum etwas schwer getan, Deportation als Auswanderung zu bezeichnen ignoriert immerhin die Tatsache dass die Deportation im Gegensatz zur Auswanderung definitiv erzwungen ist.

Ich bin vor kurzer Zeit auf den Sterbeeintrag des Kindes eines meiner Ahnen, eines gewissen Matthias Tengg in Laastadt/Gemeinde Arriach gestoßen.
In diesem Eintrag wird (wenn ich das richtig interpretiert habe) festgestellt, dass dieser Matthias vor 1753 nach Transsilvanien (Siebenbürgen) deportiert wurde.
Ich kann mir diesen Hinweis nur mit der Transmigrationspolitik Maria Theresias erklären, die Familie Tengg als alteingesessene akatholische/protestantische Familie war der Herrschaft wohl ein Dorn im Auge.
Natürlich basieren meine Annahmen auf reinen Vermutungen, ich vertraue auf euch, mir hier weiterzuhelfen.
Vielleicht hat jemand in Richtung Transmigration bereits geforscht? (Es ist natürlich auch möglich dass ich mit meiner Interpretation komplett falsch liege.
Bei Interesse an dem Thema kann ich noch weitere Informationen zu der betreffenden Familie weitergeben

Der Link zu dem Eintrag auf Seite 38 (1753): http://www.data.matricula.info/php/v...=795614&count=


Bin für jeden Beitrag dankbar

lg Georg
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  #2  
Alt 20.02.2016, 16:24
GeorgeB GeorgeB ist offline
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Habe gerade gemerkt dass der Link nicht funktioniert, ich hänge noch ein Bild an.
Angehängte Grafiken
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  #3  
Alt 20.02.2016, 18:46
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hallo,
Da man den zu deportierenden Eltern ihre Kinder wegnahm um sie katholisch zu erziehen, wie es in dem wikipedia-Artikel "Transmigration (Österreich)" beschrieben wird, liegt Deine Annahme im Bereich des Wahrscheinlichen.
Zur Bestätigung wäre eine wortgetreue Übersetzung Deines Eintrags nötig. Dafür empfehle ich das Unterforum "Lese- u. Übersetzungshilfe für fremdsprachige Texte".

Viele Grüsse. Danke für dieses interessante Thema

Geändert von Anna Sara Weingart (20.02.2016 um 18:50 Uhr)
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  #4  
Alt 22.02.2016, 15:05
zimba123 zimba123 ist offline
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Hallo Georg,

zu diesem Thema eine Buchempfehlung: "Reisen ohne Wiederkehr. Die Deportation von Protestanten aus Kärnten 1734-1736" von Stefan Steiner.

Er konzentriert sich in seiner Arbeit allerdings auf die Herrschaft Paternion (ist ja nicht so weit weg von Arriach), aber man bekommt ein sehr gutes Bild von dem, was da "abging".

Und wie meine Vorschreiberin schon sagte: Die Kinder verblieben in der Regel in Österreich - auf dem Hof als Arbeitskräfte oder, wenn sie Glück hatten, bei Verwandten. Sie sollten dort in gutem katholischen Glauben erzogen werden.

Viele Grüße
Simone
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  #5  
Alt 23.02.2016, 17:23
GeorgeB GeorgeB ist offline
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Vielen Dank für eure Tipps!

lg
Georg
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  #6  
Alt 24.02.2016, 16:50
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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Als Landler oder Siebenbürger Landler bezeichnet man die Protestanten, die unter Karl VI. und Maria Theresia in der Zeit von 1734 bis 1756, u.a. aus dem österreichischen Kernland in das einzige Gebiet der Habsburgermonarchie, in dem der Protestantismus geduldet wurde, nach Siebenbürgen in die Nähe der Stadt Hermannstadt deportiert wurden.https://de.wikipedia.org/wiki/Landler_(Protestanten)

Siebenbürger Landler - Google: https://www.google.at/#q=siebenbürger+landler+

Hier etwas zur Geschichte der Kärntner Hutterer in Siebenbürgen ab Seite 65 - deren Geschichte teilweise eng mit der der LANDLER verknüpft ist: http://othes.univie.ac.at/980/1/2008-08-29_0200472.pdf

....und Siebenbürgen
Die übrigen Hutterer zogen weiter nach Siebenbürgen, wo sie sich in Unter-Winz (auch Alwünz, ungarisch Alvinc, rumänisch Vinţu de Jos) niederließen. Die Chronisten beschreiben die folgende Zeit als eine Zeit des Verfalls der Tradition und einer Abkehr vom Glauben.

…..Die Gemeinschaft steht kurz vor der Auflösung
Durch die ständigen Kriege und die anhaltenden Plünderungen sahen sich die Hutterer schließlich im Jahre 1685 dazu veranlasst, ihre Gütergemeinschaft gänzlich aufzugeben. Die Gemeinschaft stand kurz vor ihrer Auflösung; zahlreiche Anhänger konvertierten nach Androhung von Zwang zum katholischen Glauben. Nur die Gemeinde in Siebenbürgen blieb von der Gegenreformation verschont.

Transmigranten bringen einen neuen Geist
Dort traf im Jahr 1755 auch eine Gruppe von österreichischen Transmigranten ein, die von Maria Theresia wegen ihres protestantischen Glaubens zwangsumgesiedelt wurden und in Grosspold (rumänisch Apoldu de Sus) angesiedelt wurden, welches ganz in der Nähe von Unter-Winz liegt.
Einige dieser aus Kärnten stammenden Landler, die davor nichts von der Existenz der Täufer gewusst hatten, waren von deren Prinzipien und Standhaftigkeit beeindruckt und schlossen sich diesen Hutterern an. Dadurch gaben sie der kleinen Gemeinschaft neue Impulse und auch die Gütergemeinschaft wurde 1762 neu eingeführt.
Die kleine Gruppe verbliebener Hutterer verließ das Land 1767 nach anhaltenden Repressionen endgültig in Richtung Russland. Dieser Weg wird etwas weiter unten detaillierter geschildert.…..
http://www.evang-spittal.at/hutterer_1.htm


Kärntner Transmigranten stoßen zu den Hutterern in Winz
Die Hochblüte der Hutterer in Winz war - wie bereits geschildert - allerdings schon längere Zeit vorüber, als die Kärntner Transmigranten 1756 zu den Hutterern in Winz stießen. Aber in den wichtigsten Glaubensgrundsätzen stimmte man noch überein, ihre Predigten gefielen und ihre Schriften wurden gern gelesen.
Daher scheint es logisch, dass diese kleine Gruppe von Transmigranten aus Kärnten (23 Männer, 16 Frauen und 22 Kinder) freudig aufgenommen wurden.
Auf ihre Vorhaltungen hin führte die Gemeinschaft wieder die Gütergemeinschaft ein und wurden schließlich auch zu Rettern der geistig und biologisch zu Grunde gehenden Hutterer in Winz….
http://www.evang-spittal.at/hutterer_2.htm


Geschichte der Evangelischen in Kärnten
500 Jahre Protestantismus in Kärnten
http://www.evang-kaernten.at/kirche/...en-in-kaernten

Buch - Rückkehr unerwünscht von Stefan Steiner: http://www.boehlau-verlag.com/downlo...OpenAccess.pdf

Geändert von carinthiangirl (24.02.2016 um 17:20 Uhr)
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  #7  
Alt 24.02.2016, 16:59
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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Apoldu de Sus, deutsch Großpold, siebenbürgisch-sächsisch: Grißpuln, landlerisch: Großpoln, ungarisch: Nagyapold
ist ein Ort im Kreis Sibiu in Siebenbürgen, Rumänien.
https://de.wikipedia.org/wiki/Großpold
https://www.google.at/maps/place/Gro...9ef1c274815ee2
http://www.siebenbuerger.de/ortschaf...sspold/bilder/
http://www.grosspold-online.de/ortsi...old/index.html
http://www.schoener-reisen.at/forum/...Siebenb%FCrgen

Vințu de Jos, deutsch Winz, Unterwintz, Unter-Wintz oder Alwinz, ungarisch Alvinc
ist eine Gemeinde im Kreis Alba in Siebenbürgen, Rumänien.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vințu_de_Jos
https://www.google.at/maps?q=Vinţu+d...YgCUMQ_AUIBigB

Hier bei Ancestry kannst du auch nachsehen ob der Name Tengg 1848-1800 bei den evangelischen Matriken Arriach auch noch wo vorkam:
https://familysearch.org/search/collection/1393793

Geändert von carinthiangirl (24.02.2016 um 17:28 Uhr)
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  #8  
Alt 26.02.2016, 22:17
zimba123 zimba123 ist offline
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Zitat von carinthiangirl Beitrag anzeigen
Kärntner Transmigranten stoßen zu den Hutterern in Winz
Die Hochblüte der Hutterer in Winz war - wie bereits geschildert - allerdings schon längere Zeit vorüber, als die Kärntner Transmigranten 1756 zu den Hutterern in Winz stießen. Aber in den wichtigsten Glaubensgrundsätzen stimmte man noch überein, ihre Predigten gefielen und ihre Schriften wurden gern gelesen.
Daher scheint es logisch, dass diese kleine Gruppe von Transmigranten aus Kärnten (23 Männer, 16 Frauen und 22 Kinder) freudig aufgenommen wurden.
Auf ihre Vorhaltungen hin führte die Gemeinschaft wieder die Gütergemeinschaft ein und wurden schließlich auch zu Rettern der geistig und biologisch zu Grunde gehenden Hutterer in Winz….
http://www.evang-spittal.at/hutterer_2.htm
Ich denke, dieser "Deal" hat beiden Gruppen das Überleben gesichert, nicht nur deb Hutterern. Laut dem Buch von Stefan Steiner endeten viele Transmigranten in Siebenbürgen in der Bettelei; Gelder aus dem Verkauf der Höfe in der Heimat kamen nie in Rumänien an. Viele verstarben früh - auch an Heimweh (nach den Kindern).
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