#11  
Alt 03.08.2011, 15:33
Balbina Balbina ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von christian Beitrag anzeigen
Speziell die deutsche Bevölkerung hat, je weiter es gen Osten ging, in richtigen kleinen Enklaven oder Kolonien zusammen gelebt.
Ja, und genau dieses Absondern von der restlichen Bevölkerung ist es, die wir heute bei den Türken in unserem Land nicht dulden.
Dazu kommt, dass deutsche Ansiedler geworben wurden und oftmals eine ganze Reihe Vergünstigungen gegen die eingeborene Bevölkerung hatten.
Nicht gerade die besten Voraussetzungen für ein friedliches Miteinander, trotzdem ging es wirklich lange erstaunlich gut.

Zitat:
Es gab auf dem Land Dorfgemeinschaften, deren Geschichte mit den Folgen des zweiten Weltkrieges zu enden scheint. Jedenfalls fiel oftmals der Schleier dieser Geschichte über die Schicksale der Bewohner oder es wurde mit der Zeit schlichtweg vergessen.
Dann hast Du noch keine Heimatzeitschriften gelesen und warst noch nie auf den Treffen dieser Gruppen. Wie schon in meinem 1. Beitrag erwähnt: Die Gemeinschaften fanden sich nach dem Krieg nach und nach wieder, der Kontakt wurde oft über weite Entfernungen und Generationen gehalten.

Zitat:
Kann man nun, wenn man auf Grund von Zeugenaussagen Kenntnis vom weiteren Lauf von zumindest einigen Schicksalen aus einer solchen Dorfgemeinschaft erlangt, dies in irgend einer Form veröffentlichen oder sollte man den Staub lieber nicht aufwirbeln um die allgemeine Aussöhnung zwischen den ehemaligen Feinden nicht zu gefährden?
Vielleicht wird das verständlicher, wenn Du es mit anderen Worten nochmal erklärst.

Zitat:
Man kann sich ja schließlich denken, dass die in älteren Chroniken vor dem Krieg so wundervoll, in einer fast romantisch stolzen Art, beschriebenen Lebengeschichten mit den Folgen des Krieges nicht in dieser Form weiter gegangen sind und das Blatt sich für diese einzelnen Menschen meist zum Schrecken gewandt hat.
Äh .. ja? Quer durch die Kunst, Literatur, Musik, Architektur usw. haben sich die Stile nach dem Krieg abrupt geändert. Da war kein Platz mehr für Pathos, unwichtige Schnörkel und romantische Verklärtheit. Durch die Bank zog eine Sachlichkeit ein. Aber es ist auch hier nicht klar, wovon Du wirklich redest.

Zitat:
Nach der heute allgemein verbreiteten Sichtweise hat das deutsche Volk als Auslöser dieser Katastrophe nicht das Recht zum Klagen und kann sich schon garnicht als Opfer darstellen. Man siehe hierzu das ganze sensible Thema um Erika Steinbach und das Vertriebenen-Denkmal. Aber trugen wirklich alle diese Menschen im Osten, fernab der Grenzen des ehemaligen Dt. Reiches kollektive Schuld nur weil ihre Vorfahren vor 150 Jahren einmal aus jenem Land gekommen sind? Schließlich waren sie ja bis zum Ausbruch des Krieges z. T. weit außerhalb des Machtbereiches der Nazis, haben ihnen dementsprechend auch nicht zur Macht verholfen. Ich meine in diesem speziellen Fall auch lediglich die einfache Landbevölkerung fernab der eigentlichen Machtapparate und -zentren, welche die größte Wucht der pol. Auswirkungen u. Rache abbekommen haben.
Das scheint mir doch eine SEHR einseitig gefärbte Sichtweise.
Du redest von Schuld und versuchst einen Teil der deutschen Bevölkerung davon freizusprechen. Du erwähnst Erika Steinbach (über die ich mich erst informieren musste, da mir der Name nichts sagte) und damit ausgerechnet eine Person, die einigermassen zweifelhaft zu sein scheint. Du redest von politischen Auswirkungen und Rache.

Ich erspare uns allen jetzt eine von vornherein sinnlose Diskussion um Schuld und wer hat was getan ... und wer hat angefangen.

Aber mit diesem Absatz hast Du soviel von Dir und Deinen Ansichten klargestellt, dass Du nicht mehr (vorsichtshalber) beteuern musst:

Zitat:
Hoffentlich werde ich hier jetzt nicht falsch verstanden und in die "rechte Ecke" gestellt. Mein Anliegen ist lediglich den Familien geschuldet, nach denen wohl nie wieder ein Mensch suchen oder fragen wird, weil sie damals ausgelöscht wurden oder die Überlebenden ihre Erinnerungen an das Erlebte ausradierten/verbargen.
.. Deine Ansicht wurde klar, eine Diskussion darum ist hier fehl am Platze.

Zitat:
Ich habe im Internet schon einige schöne und liebevoll gestaltete Seiten gesehen, wo man sich mit der Geschichte der ehemaligen Heimatorte und das Andenken daran befasst. Nur enden diese Chroniken eben meist an dem Punkt kurz vor Stunde Null. Sollte man ergänzendes Wissen also nun für sich behalten, oder gibt es eine faire Art der Veröffentlichung, die niemanden verletzt?
Abgesehen davon, dass "FAIRE Veröffentlichung" schon wieder Meinungsmache und Voreingenommenheit ist - Wozu dieser Wirbel für nix und wieder nix?

Wenn Du was zu sagen oder veröffentlichen hast, dann tu's doch.
In der Informationsflut im Internet werden das doch sowieso nur die Leute lesen, die es interessiert.

Und ich frage nochmal: WAS WILLST DU EIGENTLICH?


Gruß

Balbina



P.S.: Ich entschuldige mich, da es üblicherweise nicht meine Art ist, aber ich werde Deine PN nicht beantworten. Wenn Du etwas zu sagen hast, dann sag es öffentlich, dann wird auch eine gewisse Form gewahrt.
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  #12  
Alt 03.08.2011, 15:56
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Frank K. Frank K. ist offline männlich
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Hallo Christian, Balbina und Carlton,
ich muß mich doch noch mal kurz melden ... Ich selbst weiss, worum es geht. Meine Eltern gehören zur Generation der Heimatvertriebenen und Umsiedler.
Es ist schließlich Sinn und Zweck der Übung, die Geschehnisse der Vergangenheit zu verarbeiten. Nur dadurch können wir verstehen, was in den Menschen damals vor sich ging und in welcher Situation sie steckten. Für uns heute ist es etwas, das in der Ferne der Vergangenheit verborgen ist. Es ist auch nicht Sinn der Übung, Gräben aufzureissen, oder alte Wunden neu aufzukratzen. Nur wenn wir verstehen, was damals geschah, können wir für die Zukunft lernen, so wie es auch in meinem Fußtext steht!
Viele Grüße und gute Gedanken!
Frank
__________________
Gegenwart ist die Verarbeitung der Vergangenheit zur Erarbeitung der Zukunft
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  #13  
Alt 03.08.2011, 19:59
christian christian ist offline
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Zitat:
Zitat von Balbina Beitrag anzeigen
P.S.: Ich entschuldige mich, da es üblicherweise nicht meine Art ist aber ich werde Deine PN nicht beantworten. Wenn Du etwas zu sagen hast, dann sag es öffentlich, dann wird auch eine gewisse Form gewahrt.
Es ist wiederum eigentlich nicht meine Art, bewusst angezettelten Streit öffentlich auszutragen und ich bin der Meinung, dass solche Auseinandersetzungen die Forenteilnehmer überhaupt nicht interessieren. Aber bitte, hier ist die besagte PN um "die gewisse Form" zu wahren. Man möge es mir verzeihen.

"Balbina

Zitat: "Dein ganzer Text ist so angefüllt mit Halbwahrheiten und verschämt ideologisch gefärbt mit aus dem Zusammenhang gerissenen Einzelheiten..."

Wo bitte sind Einzelschicksale einer so furchtbaren Zeit aus dem Zusammenhang gerissen? Bilden diese nicht das Gesamtbild? Aber jeder kann ja auf seine Weise auf die Geschichte blicken.

Ich bitte aber um Erklärung Ihrer wiederum verschämte Unterstellung, mein Text sei mit Halbwahrheiten angefüllt. bzw. benennen Sie diese bitte! Auch bei Halbwahrheiten kommt es immer auf den Blickwinkel an.

Ich habe versucht, niemandem auf die Füße zu treten. Aber Sie mussten die angestrebte Diskussion dann doch gleich zu Beginn in eine provokative Richtung führen.

Ich bin schon eine ganze Weile länger mit der Ahnenforschung beschäftigt als Sie in Ihren Anfängen und aus diesem Hintergrundwissen heraus sage ich Ihnen, dass sie mit Ihrer Aussage Gefühle von Menschen verletzen, die unverschuldet furchtbare Dinge aus jener Zeit erlebten und nie darüber ein Wort verloren, weil die Gesellschaft diesen Menschen gegenüber eben so brutal reagiert wie Sie es jetzt kundtun.

Ich dachte, es würde den Menschen helfen, einmal frei heraus sprechen zu können aber das ist bei zu erwartenden Reaktionen wie der Ihren wohl nicht zu empfehlen.

Ich spreche hier lediglich von Menschen, die völlig unpolitisch eingestellt sind, aber trotzdem ihr ganzes Leben in irgend eine Ecke gestellt werden wie Sie es jetzt auch tun. Aber offensichtlich interessieren Einzelschicksale in Zeiten wie diesen eben nicht und man muss bei der allgemein verbreiteten Pauschalisierung bleiben.

Es ist nur gut, dieses Thema doch angesprochen zu haben. Nun kann ich wenigstens Schaden abwenden.

Abschließend möchte ich noch fragen, was wollen Sie eigentlich von mir? Warum diese anfangs zitierten bösen Unterstellungen, ohne sich in die Materie einmal hinein versetzt zu haben?

Gruß
Christian"

Irgendwie scheist nur Du es nicht zu verstehen, worum es eigentlich geht. Du scheinst aus irgend einem Grund Vertriebene zu verachten, wie es sich in Deinen Aussagen widerspiegelt. Warum sonst werden meine Zitate von Dir schon wieder in die rechte Ecke gestellt? Ansonsten kann man lediglich noch ersehen, dass Du am liebsten alles verpauschalisiert siehst.
Ich lasse das alles jetzt aber unkommentiert, da Frank die eigentliche Diskussion schon wieder in die richtige Richtung gelenkt hatte.

Gruß
Christian

Geändert von christian (03.08.2011 um 20:08 Uhr)
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  #14  
Alt 03.08.2011, 20:15
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Hallo,

also ich habe mir den Thread jetzt mehrmals durchgelesen, aber ich komme - trotz meiner vorhandenen Intelligenz- leider immer noch nicht darauf, um was genau es hier jetzt eigentlich geht!?

Wenn Du Dich mal im Netz ein bisschen umschaust, werden und wurden schon etliche, auch sehr interesannte und sehr erschütternde Geschichten dieser Vertriebenen geschrieben und veröffentlich...
Und wer bitte, verachtet Vertriebene? Diese Anschuldigung finde ich sehr übereilt. Es stand hier nichts davon geschrieben!
__________________
Schöne Grüße

mini


Suche: Johann Christoph Hacke, Uhrmacher, + vor 1761 in Halberstadt
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  #15  
Alt 03.08.2011, 21:09
uwe-tbb uwe-tbb ist offline männlich
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Hallo alle Zusammen,

habe mich auch gerade durch die Texte gelesen, weil das Thema auch meine Familie betrifft. Ich kenne viele Geschichten von Flucht und Vertreibung. Doch bei uns in der Familie wurde darüber eigentlich nie gesprochen. Mein Vater hat das Ganze nach dem Krieg im damaligen Warthegau auch als Kleinkind mitgemacht und kam dann schließlich 1949 nach Deutschland. Er selbst spricht nie davon. Meine im letzten Jahr verstorbene Oma wollte nie richtig über das Thema sprechen. Irgenwann habe ich dann doch ein paar Dinge erfahren und diese auch in meine Familienchronik geschrieben - ich selbst bin Jahrgang 1965 - also 20 Jahre nach Kriegsende geboren.
Die Fakten sind ja allgemein bekannt und wurden auch schon oft aufgearbeitet. Es ist ein Teil unserer Geschichte - nicht mehr und nicht weniger.
Meine Familienforschung bezieht sich auf die Familiengeschichte im heutigen Polen, die schon lange vor den beiden Weltkriegen begann. Ich finde man sollte die deutsch-polnische Geschichte und Geschichten nicht nur auf die "dunkle" Zeit reduzieren.
Wünsche allen noch einen schönen Abend.
Euer
Uwe
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  #16  
Alt 03.08.2011, 21:21
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rudi rudi ist offline
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Hallo Ihr Lieben

Ich möchte Euch bitten, sachlich zu bleiben und nicht gleich, wie schon öfter vorgekommen, in irgendeine Formulierung etwas hinein zu interpretieren, was wahrscheinlich nicht so gemeint war. Gedanken oder Gedankengänge lassen sich mitunter etwas schwierig formulieren

Wir alle wollen hier doch wohl einen konstruktiven Austausch und keine Konfrontation !!

Also alle einmal tief durchatmen, Gefieder glätten und Gedanken noch mal ordnen

Lg rudi
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  #17  
Alt 03.08.2011, 22:32
sternap sternap ist offline
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hallo christian!

ja, es ist in ordnung und notwendig, über das leid aller seiten reden zu dürfen.

ich führe einige tabubrecher an:
allen voran der von mir tief verehrte künstler robert hammerstiel, dessen gesamtes werk aus den erlebnissen während gemetzel an den bewohnern seines dorfes, kindheit im konzentrationslager, flucht, vertreibung, besuchsweiser rückkehr zur ehemals teils deutschen heimat, wiederanknüpfen der freundschaften mit angehörigen ehemals dort lebender verschiedener nation, gespeist ist.

jene damen und herren der donauschwäbischen landsmannschaft, die anstatt forderungen zu stellen, erlebnisberichte von opfern sicherten.

herrn leon zelman, der es wagte, vertriebene juden in ihre heimtstadt wien einzuladen, wissend, dass dieser besuch für sie voller schmerzen, aber noch mehr ein längst fälliges wiedersehen mit der einzigen heimat ihrer kindheit und jugend sein würde.

jener jungen tschechischen familie aus mähren, die bald nachdem sie ein ehemals deutsches haus geerbte hatte, nach den ehemaligen besitzern forschen liess, um ihnen alle auf dem dachboden gefundenen papiere und persönlichen erinnerungen zukommen zu lassen.die spur einer nachkommin wurde gefunden. sie hatte, als sie ihren besitz im osten nach der deutschen wiedervereinigung wieder verlassen musste,sich in tiefer verzweiflung selbst getötet. zwei mal heimatverlust war zuviel für sie gewesen.der tschechischen familie wuchsen dennoch aus ihrem bemühen deutsche freunde zu.

den deutschen, österreichischen, ungarischen , serbischen, kroatischen und tschechischen menschen, die sich von mir als kind mit fragen löchern liessen und sie ehrlich oder wenigstens nicht völlig ausweichend beantworteten. ich habe daraus gelernt, dass die, die über die kriegsereignisse reden konnten, nicht mehr gezwungen waren, an ihre kinder eine atmosphäre der unterschwelligen kriegsgestimmtheit weiterzugeben, und dass die, die hartnäckig schwiegen, ihren nachkommen eine schwere last auferlegten...
aber viele waren so zerstört, dass sie der sprache verlustig gingen.


es darf und soll von den nachkommen in einer atmosphäre des gehaltenseins gefragt und gesprochen werden.

die ahnenforschung ist ein sammeln von fakten, sie eilt durch die jahrhunderte von namen zu orten, sammelt eckdaten über die genetische herkunft. ihr wesen ist nicht die interpretation, ist grundsätzlich nicht das verstehen der historischen hintergründe. ein interesse für geschichtliche zusammenhänge kann daraus wachsen, es muss nicht.

ich begrüsse dein bemühen, ein vorsichtiges gespräch mit privaten ahnenforschern zu beginnen. am richtigen ort, mit den richtigen menschen, kann es dir helfen etwas zu klären.hier,im offiziellen rahmen des forums eher nicht.
die erfahrungen der foris sind zu verschieden, das virtuelle gespräch produziert noch mehr missverständnisse als ein dialog von mensch zu mensch. der rahmen ist hier nicht privat genug für persönliche erlebnisse.
es ist ein ahnenforschungsportal, mehr möchte es wohl nicht sein.
man kann ein forum nur gut machen, wenn man weiss wo die grenzen sind.

bemerkungen in threads sind allerdings manchmal auslöser privater diskussionen per pn oder chat.
__________________
_________________________________
freundliche grüße

sternap

Geändert von sternap (04.08.2011 um 08:33 Uhr)
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  #18  
Alt 03.08.2011, 23:27
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Hallo Christian,

vielleicht ist es in einem öffentlichen Forum tatsächlich zu schwer, sich dazu nur schriftlich auszudrücken. Ich vermißte in Deinem 1. Beitrag einfach (ganz für mich persönlich gesehen) etwas Sensibilität den Vertriebenen gegenüber. Vielleicht hast Du es aber so gar nicht gemeint.

Auch meine Eltern und ihre Familienangehörigen wurden aus ihrer Heimat vertrieben. Mußten getrennt flüchten, wurden auseinander gerissen. Und es hat sie sicher nicht mehr oder weniger getroffen als viele, viele andere.
Gottseidank fanden sie alle wieder zusammen und haben auch keinen direkten Angehörigen verloren.

Und ja, sie liebten ihre Heimat bis zu ihrem Tod. Aus meiner Sicht als Nachkriegsgeneration habe ich es früher auch so gesehen, dass ich es etwas sehr übertrieben fand. Nur es geht hier um Menschen, die Sachen erlebt haben, die ich gottseidank nie erleben mußte. Und die mit ihrem Herzen an der Heimat hingen, was ich damals noch nicht verstand und wo ich es sicher auch in manchen Momenten habe an Sensibilität vermissen lassen.

Aus heutiger Sicht weiß ich natürlich, dass früher manches ganz anders war, als sie es sich teilweise eingeredet haben. Aber wie gesagt, es geht hier um Menschen. Und wenn sie sich dadurch das Leben nach dem Krieg damit erträglicher machen konnten, bitte warum nicht.

Es ist wirklich sehr schwer, sich über dieses Thema hier nur schriftlich austauschen zu können. Und ich denke auch, dass es viel tiefgründiger ist, als es hier ausdiskutiert werden kann.

Liebe Grüße
Pitka
__________________
Suche alles zu folgenden FN:
WERNER aus Mertensdorf/Kr. Friedland, Allenstein und Marwalde (Ostpreussen), HINZ / HINTZE und KUHR aus Krojanke/Kr. Flatow (Posen/Westpreussen), WERNER, HINZ und SEIDEL aus Gilgenburg/Kr.Osterode (Ostpreussen), ELIS und FESTER aus Siegen bzw. dem Kr. Wetzlar (Hessen), ZILLEN aus Venekoten bzw. In den Venekoten, Gem. Elmpt (jetzt: Niederkrüchten) Kr. Erkelenz (NRW), SAENGER aus Süß und Machtlos (Hessen) u. aus Essen (NRW), PHILIPP aus Wolfsdorf/Niederung Kr. Elbing
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  #19  
Alt 04.08.2011, 01:21
Balbina Balbina ist offline weiblich
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So, dann mal zu meinem Hintergrund:

Jahrgang 63, also auch mit der "Gnade der späten Geburt" gesegnet, in der Familie keine Berührungspunkte, kam ich erst im Frühjahr letzten Jahres darauf die Geschichte des Vaters meiner jüngsten Tochter zu recherchieren.
Erst da kam ich dazu mich mit dem Thema zu beschäftigen, aber wie es so meine Eigenart ist: Wenn mich ein Thema interessiert, dann werde ich zum saugenden Schwamm.
Also habe ich gelesen und gelesen und gelesen.
Ergreifendes, ideologisches, herzzerreissendes, verblüffendes usw.
Z.T. war ich fassungslos über die menschliche Größe oder über die Weisheit von einfachen Bauernsleut oder auch über die Reife, die manche Menschen aus den schrecklichen Kriegsgeschehen und der Vertreibung gewannen.

Mich interessieren die Menschen. Was haben sie in welcher Situation erlebt? Wie gehen sie damit um? Wie würde ich es werten und wie wird es von ihnen gewertet?
Mich interessieren politische Zustände nur am Rande, grade zur Erklärung der Situation, aber niemals wertend. Auch Orte, Zeit und geschichtlicher Zusammenhang interessiert mich nur soweit es für das Verständnis wichtig ist. Aus dem Grund ist es mir nicht mehr möglich Quellen anzuzeigen von Beispielen, die ich im vergangenen letzen Anderthalbjahr gelesen habe.
Wollte ich diese Quellen wiederfinden müsste ich viel Zeit in die Suche investieren, die ich gerade nicht habe.

Deshalb DANKE an Sternap!

Denn Du hast die Beispiele aufgeführt, die mir so fehlten.
(Ich würde sie aber nicht als Tabubrecher bezeichnen, das klingt so nach aufmerksamkeitheischendem Aktivismus, für mich sind das sehr mutige Menschen, die etwas Positives erreichen wollen und es dafür auch in Kauf nehmen gegen den Strom zu schwimmen - mit all den unangenehmen Randerscheinungen)

Es ist so wie es immer ist: Es kommt auf den Mensch an.
Der Eine bemüht sich es so zu wenden, dass etwas Gutes dabei rauskommt, während der Andere sich in Hass auf alte Feinde einigelt.

Es gibt die Vertriebenen, die ihren Frieden mit dem Thema gemacht haben, die hin und wieder in "die alte Heimat" fahren und dort Freundschaften und Partnerschaften zu Dörfern pflegen, aber auch die Bewahrer, die ihre Aufgabe darin sehen zu sammeln was geht um es späteren Generationen weitergeben zu können ... und es wird wohl auch noch die Ewig-Gestrigen geben, die den alten Hass bewahren und sich um alles betrogen fühlen.
Letzterem bin ich bisher noch nicht begegnet .. ich hoffe die Gruppe ist verschwindend gering.


Grüße

Balbina
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  #20  
Alt 04.08.2011, 08:48
christian christian ist offline
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Hallo an alle,

an dieser Stelle denke ich, kann das Thema gut abgeschlossen werden.
Für alle Beiträge möchte ich mich herzlich bedanken.
Ich habe hilfreiche Erfahrungen sammeln können und weiß nun sensibler mit den persönlichen Berichten derer umzugehen die sich mir anvertraut haben, als ich es zunächst für nötig erachtet hatte.
Auch wird es nie eine verallgemeinerte Sicht auf Dinge geben, gerade wenn sie so heikel sind. Jeder Mensch besitzt ein eigenes Auffassungsvermögen und unterscheidet sich somit glücklicherweise vom Anderen.
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass man sich in einem öffentlichen Forum wie diesem, noch dazu in schriftlicher Form, doch nicht so artikulieren kann, wie es in Gesprächen der Fall ist.
Also hoffe ich, dass sich alle an dieser Diskussion Beteiligten nun auch fröhlich anderen Themen widmen können.
Nochmals vielen herzlichen Dank für die Diskussionsbereitschaft!
Christian
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