#1  
Alt 13.06.2018, 01:20
Wynne Wynne ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 08.05.2018
Beiträge: 59
Standard Unehrliche Berufe

Hallo liebe Mitforscher,

einige meiner Ahnen waren Leinweber und ich fand heute heraus dass dieser
Beruf u.a. zu den "unehrlichen Berufen" zählte.
Ausserdem auch zB. Müller, Türmer, Schäfer, Barbiere, Kesselflicker..

Ich weiss dass auch Henker oder Totengräber zB als unehrlich galten und man kann ja in dem Fall schon irgendwie verstehen warum die Menschen das dachten.
Aber wieso denn ganz normale Berufe wie oben?
Warum waren die als unehrenhaft angesehen?
Grade Leinweber und Müller waren doch sehr wichtige Berufe die alltägliche
Dinge erst möglich machten.
__________________
Freundliche Grüße
Wynne
Mit Zitat antworten
  #2  
Alt 13.06.2018, 09:47
Niederrheiner94 Niederrheiner94 ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.11.2016
Beiträge: 249
Standard

Hallo!


Bei Müllern gab es, wohl auch zu Recht, die Vermutung, dass diese nicht das ganze gemahlene Getreide den Bauern zurückgaben, sondern einen Teil sich einbehielten, den sie dann selber noch zusätzlich verkaufen konnten.


Zu dem Leinweber kann ich keine Angabe machen.



Gruß
Fabian
Mit Zitat antworten
  #3  
Alt 13.06.2018, 10:27
Kleesommer Kleesommer ist offline weiblich
Benutzer
 
Registriert seit: 07.11.2015
Beiträge: 71
Standard

Hallo zusammen,
hier werden die Leinweber kurz erwähnt.

http://www.mybude.com/mittelalter-en...che-leute.html
Es scheint als hätte es keiner grossartigen Begründung bedurft um damals in Verruf zu geraten.
Gruss Miriam

Geändert von Kleesommer (13.06.2018 um 10:29 Uhr)
Mit Zitat antworten
  #4  
Alt 13.06.2018, 10:28
memo memo ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 19.01.2009
Beiträge: 265
Standard

Hallo Wynne,

Rudi Palla schreibt in seinem Buch: Verschwundene Arbeit, Eichborn Verlag, 1994, S. 195 ff:
"Die Leinenweberei war lange Zeit im ländlichen Raum als Heimgewerbe verbreitet und wurde vielfach von hörigen Bauern und Tagelöhnern, die als unehrlich galten, betrieben. Von den Webern hieß es, sie machten aus fremdem Garn ihre Leinwand, und überhaupt brandmarkte sie der Volksglaube als Diebe, obwohl sie den 'Galgen', gemeint war der Webstuhl, stets vor Augen hätten. Wenn sie das Schiffchen hin und her warfen, so war es mit tausend Sakramenten beladen, denn kein Handwerk war angeblich mehr dem Fluchen und Schelten ergeben als dieses."

Gruß, memo
Mit Zitat antworten
  #5  
Alt 13.06.2018, 12:36
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.04.2013
Beiträge: 2.154
Standard

Moinsen zusammen,
bei dem Begriff "unehrlichen Berufen" muss man doch ein wenig
differenzieren:
I.d.R. galten alle Berufe, die nicht *ZÜBFTIG* organisiert waren,
als „unehrlich“, jedoch nicht im Sinne von „betrügerisch“, vielmehr
geht es hier um die gesellschaftliche Stellung, wie z.B. das Bürgerrecht.
So konnten z.B. Scharfrichter niemals, es gibt natürlich auch Ausnahmen,
das Bürgerrecht erwerben, für sie gab es auch separate Tische in den Schänken,
Wohnungen/Häuser ausserhalb der Stadt usw..
Hier sei gleich angemerkt, dass es regionale Unterschiede gab, welche Berufe
man als "unehrlichen Beruf/Tätigkeit" ansah.

Unter den wirklich "unehrlichen Berufen/Tätigkeiten", fallen z.B. Hausierer,
Fahrensleute und Scherenschleifer die sich, zumind. aus damaliger Sichtweise,
außerhalb der gesellschaftlichen Norm, Sittlichkeit und Anstand bewegten.
Hier darf man aber nicht vergessen, dass viele dieser Tätigkeiten eigentlich
in den Bereich der „Dienstleistungen“ fallen…, zwar gerne angenommen,
notwendig, aber nie anerkannt.
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


Mit Zitat antworten
  #6  
Alt 13.06.2018, 12:47
Benutzerbild von Bergkellner
Bergkellner Bergkellner ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.09.2017
Ort: an der Grenze zu Butjadingen
Beiträge: 630
Standard

Hallo,

zum Thema "unehrliche Berufe" gibt es im Plaudereckchen einen Thread, wo sich viele interessante Infos(auch zu den Leinewebern) finden:

hier


Lg, Claudia von den bergkellners
__________________
Wer lesen kann, ist besser dran!(Andreas' Opa Fred)
Nierngstwuh giehts so zu wie uff dar Walt!(Claudias Uroma Anna)

Suchen immer:
Loewe - Steinau an der Oder/Schlesien(vor 1850)
Heine - Glogau/Schlesien(vor 1850)
Hollenstein - Bleiwäsche/Westfalen(vor 1710)
Veeregge/Vieregge - im Lippischen(um 1640)
Rothbart - Kröslin/Pommern(um 1740)
Mädtke - Grambin und Umgebung/Vorpommern(vor 1840)
Buden/Budin - Wriezen u.U./Brandenburg(um 1700)
Kellner/Gevers - Hannover Stadt u.U.(um 1700)


Mit Zitat antworten
  #7  
Alt 13.06.2018, 16:57
Wynne Wynne ist offline
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 08.05.2018
Beiträge: 59
Standard

Vielen Dank für Euer Feedback.
Jetzt kann ich es auch etwas besser nachvollziehen
__________________
Freundliche Grüße
Wynne
Mit Zitat antworten
  #8  
Alt 13.06.2018, 18:50
Mark Obrembalski Mark Obrembalski ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 05.12.2011
Ort: Tübingen
Beiträge: 130
Standard

Wichtig ist noch, dass der Kreis der unehrlichen Berufe nicht immer und überall gleich war. In manchen Gegenden galten Leinweber als unehrlich, anderswo nicht. Müller gehörten mancherorts eher zu den angesehenen Leuten, anderswo als unehrlich. Auch Schäfer waren je nach Ort und Zeit recht unterschiedlich angesehen. Ziemlich einhellig war wohl nur das Urteil über die Henker und Abdecker. Man muss also, wenn man da über einen Vorfahren etwas wissen will, genau nachforschen, wie es zu seiner Zeit und an seinem Ort gehalten wurde.
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 14:13 Uhr.