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  #11  
Alt 21.07.2018, 00:06
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Svenja Svenja ist offline weiblich
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Hallo Emanuel

Bei jewishgen muss man sich zwar registrieren, damit man Zugang zu allen Datenbanken hat und dort alles anschauen kann, aber sowohl die Registration als auch die Benutzung sind kostenlos. Sie sammeln jedoch regelmässig Spenden, damit sie das Angebot noch ausbauen können bzw. weitere Dokumente und Bücher übersetzen lassen können, deshalb erhält man regelmässig Mails mit der Bitte um eine Spende.

Bei jewishgen könnten vor allem die Datenbanken zum Holocaust hilfreich sein, um das Schicksal von Moses Stein zu klären. Es gibt dort auch eine Datenbank zu jüdischen Matrikeln und anderen Dokumenten in Polen sowie zu jüdischen Friedhöfen in diversen Ländern. Vielleicht findet sich auch etwas in den Mitteilungen aus den Mailinglisten bezüglich Deutschland und Österreich, deren Archiv man ebenfalls durchsuchen kann.

Das hier könnte er evtl. sein (geboren 1890):
http://yvng.yadvashem.org/nameDetail...4649742&ind=10
http://yvng.yadvashem.org/nameDetail...4650382&ind=20

Gruss
Svenja
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Geändert von Svenja (21.07.2018 um 00:20 Uhr)
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  #12  
Alt 21.07.2018, 00:56
Birkenfelde Birkenfelde ist offline männlich
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Grüezi, Svenja, und merci vielmals!


Ich möchte in diesem Zusammenhang den eventuellen Eindruck von mir korrigieren, daß ich im Leben und bei der Ahnenforschung alles umsonst haben will. Aber ich bin ein ein finanziell nicht gerade üppig ausgestatteter Rentner und muß auf meine Euro etwas aufpassen. Ancestry leiste ich mir nach wie vor, weil es mir auch schon gute Dienste geleistet hat. Mit jewishgen werde ich mich mal beschäftigen und sporadisch auchl spenden. Es ist ja für eine gute Sache!
Ach, all die armen Menschen! Warum nur?


Habe mal kurz in Deine Website geguckt. Toll! Das werde und würde ich nicht (mehr) schaffen. Bin trotzdem ein bißchen stolz auf meine kleinen Erfolge.


Viele Grüße
Emanuel
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  #13  
Alt 10.08.2018, 21:44
Birkenfelde Birkenfelde ist offline männlich
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Hallo zusammen!


Hier nun die vielleicht interessierende Fortsetzung dieser Angelegenheit:


Wie Kollege Kai M riet, schrieb ich eine freundliche E-Mail auf Deutsch an das Archiv in Lodz. Obwohl ich vergaß, die Bestandsnummer zu nennen, bekam ich nach 13 Tagen auf gleichem Wege Antwort. Sie war vollständig auf Polnisch und für mich daher mit keinem Wort zu verstehen, aber die beigefügte Rechnung war so gestaltet, daß eine Überweisung korrekt ausgefüllt werden konnte. Innerhalb einer Woche hatte ich dann die Scans heute im Postfach! In dem Zusammenhang muß erwähnt werden, daß genau spezifiziert wurde wie sich der Rechnungsbetrag in Zloty zusammensetzt: 36 zt bei Umrechnungskurs von/am = € 8,41! Diese Summe wurde auf € 8,00 ABGERUNDET!!! Bei meinem Heimat-Standesamt muß ich schon € 25,00 fürs Guten-Tag-Sagen abdrücken!
Dank an das Archiwum Panstwowe w Lodzi! Vorbildlich!


Zugesandt bekam ich das zweiseitige Aufhebungsurteil der Ehe sowie eine Heiratsurkunde. Diese war allerdings eine andere als die mir bereits vorliegende, welche auf dem bekannten (Reichs-)Formblatt B per Hand geschrieben wurde, denn sie wurde per Schreibmaschine auf einem Formblatt Bb der Freien Stadt Danzig ausgestellt. Obwohl sie ansonsten identisch sind, werden beim Wohnort des Bräutigams unterschiedliche Angaben gemacht. Auf der Reichsurkunde steht "Danzig, Trojangasse 2", auf der städtischen "Danzig. Langfuhr, Am Johannisberg 10 a", was in beiden Urkunden auch als Adresse der Braut angegeben wird.


Das Aufhebungsurteil ist relativ knapp. Klägerin ist die "arische" Frau. Seit der Einweisung des Beklagten ins Ghetto im Frühjahr 1940 lebten die Parteien, aus denen wie bekannt zwei Kinder hervorgegangen sind, getrennt. Die Klägerin behauptete, daß sie sich bei Eingehung der Ehe im Irrtum befunden habe, daß nicht nur ein Konfessions-, sondern auch ein Rassenunterschied bestand. Wäre sie sich dieses Irrtums bewußt gewesen, hätte sie den Beklagten nicht geheiratet. Dieser "Argumentation" folgte das Gericht.


In diesem Urteil wird auf die Sitzungsniederschrift der Beweisaufnahme sowie der von der Klägerin zu den Akten gegebenen Urkunden verwiesen. Hier würde ich ja wohl das eigentlich Interessante finden. Könnte das auch noch in Lodz sein und hätte ich Chancen daranzukommen?


Weitere Fragen:
Die Klägerin hatte danach wohl sicher das Bestreben, wieder in die "deutsche Volksgemeinschaft" aufgenommen zu werden. Wie wurden solche Frauen von dieser behandelt? Ihres jüdischen Nachnamens konnte sie sich bestimmt leicht entledigen. Wieder Mädchenname oder "Schutz"idendität?
Und dann die beiden Töchter > Halbjüdinnen!?!? Im Urteil steht nichts darüber. Was ist mit ihnen passiert???



Das war's erstmal. Nimmt mich ziemlich mit.


Viele Grüße
Emanuel
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  #14  
Alt 11.08.2018, 15:09
Juergen Juergen ist offline
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Hallo,

der FN STEIN, ist nicht sehr typisch jüdisch.
Jedenfalls gab es genug "arische" STEIN, den FN hätte sie und Ihre Kinder auch
weiter führen können.

Sie erscheint weder im Adressbuch 1942 noch 1940 /41 in Danzig unter
den genannten Adressen oder unter anderer Adresse als Hauptmieter.

Bezüglich der Töchter, hast Du Dir deren Geburtsregistereinträge kommen lassen,
d.h. wenn Du diese denn bekommst.

Jutta Carmen Stein *1930 Danzig
Evelyn Ruth Stein *1931 Danzig

Dort sollten Randvermerke vorhanden sein.

Du bist ja kein Nachfahre dieser Eheleute STEIN oo GRAFF aber vielleicht gibt es Ausnahmeregeln,
zur Klärung jüdischer Schicksale in der Zeit des Naziregimes.

Juergen

Geändert von Juergen (11.08.2018 um 15:17 Uhr)
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  #15  
Alt 12.08.2018, 00:06
Birkenfelde Birkenfelde ist offline männlich
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Hallo, Juergen!


Danke für Deine erneute Hilfe.
Hinsichtlich des Familiennamens tendiere ich zu der Annahme, daß wieder der "gute" Mädchenname Graff angenommen worden sein könnte. Daher werde ich als Nächstes versuchen, die (Web-)Adresse eines für Danzig zuständigen Archivs herauszufinden, um hoffentlich an die mit Randvermerken versehenen Geburtsurkunden der von Dir genannten Töchter zu kommen.
Ein Bruder der Henny G. soll NAPOLA-Schüler und strammer PG gewesen sein und hätte vielleicht trotzdem bei der Wiedereingliederung hifreich sein können!?
Außerdem vermute ich eine Verbindung zu meinem Thread "Mystreriös!" im Berlin-Unterforum. Meine Frau hat von den Erwachsenengesprächen damals möglicherweise nur "Jude", "Tante Lotte", "Rechtsanwalt", "Berlin" verstanden und als Kind alles durcheinandergebracht; denn auch dieser Dr. Schubarth war in der Causa vielleicht nützlich? Zugegeben, Vermutungen meinerseits, aber mit dem mir oft angekreideten Um-die-Ecke-Denken lag ich schon häufig auf der richtigen Spur.


Nach wie vor eigenartig ist, daß bei beiden Stein-Brüdern in den Heiratsurkunden die Trojangasse als Adresse in Danzig angegeben wird, in den Adreßbüchern zur gleichen Zeit aber eine andere! So auch wie gesagt in den beiden ansonsten gleichlautenden HU des Moses Stein.


Du siehst, ich habe noch einiges vor mir.


Viele Grüße
Emanuel
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  #16  
Alt 12.08.2018, 00:58
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Araminta Araminta ist offline
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Hallo Emanuel,
leider kann ich dir keine Hilfe geben.
Aber ich möchte dir gerne sagen, wie sehr mich diese Geschichte berührt!

Aufgrund deiner kurzen Vorgeschichte denke ich, dass die "arische Klägerin" dies nicht freiwillig getan hat und so vielleicht sich und ihren Töchtern das Leben gerettet hat. Vielleicht sogar mit Einverständnis ihres Mannes, der das Leben seiner Familie über seines gestellt hat.
Sicher gab es viele solcher Schicksale und Helden, die heute keiner mehr kennt - leider!
Durch dich und andere Ahnenforscher kommt dies wieder an Licht und ich danke dir dafür.
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  #17  
Alt 12.08.2018, 15:38
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Emanuel,

glaubst du, dass der hier genannte im Ghetto Litzmannstadt internierte
Moses STEIN Getreidehaendler (Getreideagent) aka. Mojzesz SZTAJN, geb. 30.12.1890, verst. am 21.11.1942 im Ghetto,
der geschiedene Ehemann der Hanny GRAFF wirklich ist?

Laut jewishgen.org:
SZTAJN, Mojzesz; geb. 30/12/1890; Lodz, wohnhaft? 16/08/1942 WYM
Adressen im Ghetto Litzmannstadt
Poland Moltke 23; Hanseaten Strasse 25 Flat 42; Pfeffer Gasse 12
-----------------------------------------------------------
Update:
Hier noch unter der späteren Adresse Pfeffer Gasse 12
STEJN Sara, Hausfrau, geb. 9.10.1896 (durchgestrichen= verst. ?)

STEJN , Mojzes, Getreideagent, geb. 1890, gestorben 21.11.1942
STEJN, Alicja geb. 7.9.1922; Büroangestellte. (verst. 18.01.1943)

--> https://szukajwarchiwach.pl/39/278/0...VS1RETIET5cGXA
------------------------------------------------------------
Unter selbigen Adressen im Ghetto lebte eine SZTEJN, Sara geb. 09/09/1896 in
? entweder dessen Ehefrau oder dessen Schwester?

Hanseaten Strasse 25 im Ghetto:
Scan --> https://szukajwarchiwach.pl/39/278/0...zNvw/#tabSkany

Theoretisch könnte der gesch. Moses STEIN auch im Ghetto geheiratet haben.

Leider ist der Standesamtliche Todeseintrag 21.11.1942 nicht online
oder existiert nicht, sondern nur in einer Liste genannt, wohl siehe Häuserliste Pfeffer Gasse 12.

Der online Bestand: Ghetto Litzmannstadt:
--> https://szukajwarchiwach.pl/39/278/0/-#tabSerie

Dieses alles was mit dem Standesamt im Ghetto zu tun hat:
--> https://szukajwarchiwach.pl/39/278/0/13.2#tabJednostki

und hier die "Bewohnerlisten" der einzelnen Baracken oder "Häuser" im Ghetto.
--> https://szukajwarchiwach.pl/39/278/0...5#tabJednostki

P.S. Es gibt ja Transportlisten der Juden in die Ghettos, nur scheinbar nicht aus Danzig.

--> http://www.statistik-des-holocaust.de/list_ger.html

So ist es schwierig zu sagen, ob es der richtige Moses STEIN ist.
Eventuell ging er sogar unter Druck selbst zurück in seine Geburtsstadt Lodz / Litzmannstadt.


Viele Grüße
Juergen

Geändert von Juergen (12.08.2018 um 17:41 Uhr)
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  #18  
Alt 12.08.2018, 22:10
Birkenfelde Birkenfelde ist offline männlich
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Hallo, Juergen!



Herzlichen Dank für Arbeit und Mühe, die Du Dir wieder gemacht hast!!!


Ich gehe davon aus, daß es sich bei dem Moijzen Sztein auf der Meldkarte (> Link) um "unseren" Moses handelt. Lt. Eheaufhebungsurteil war das seine Anschrift: Hanseatenstraße 25/42. Das Geburtsdatum stimmt ebenfalls überein. In der Heiratsurkunde von 1925 wird als Beruf Kaufmann genannt, was ja Getreideagent/-händler einschließt. Da er wohl am 25.11.1942 starb, glaube ich eigentlich, daß die Sara eher seine (unverheiratete) Schwester sein könnte.
Die eine Zeile unter ihm stehende 1922 geborene Alicja Sztein wirft weitere Fragen auf. Tochter aus einer vorherigen Ehe? Allerdings lese ich nicht in der Bemerkungspalte, daß sie 1943 gestorben wäre, sondern eher etwas von einem Umzug (?) in die ebenfalls im Ghetto gelegene Hamburger Straße!?
Die auch auf der Karte genannten Gutmann könnten Angehörige der Mutter von Moses und Oskar Stein sein.


Die Henny Maria Gottliebe Graff war lt. Urteil in der Schlageterstraße gemeldet. Nach den paar Fotos, die ich eben im Internet fand, wohl eine eher bessere Gegend außerhalb des Ghettos.

Da man realisieren muß, daß der bedauerliche Moses Stein einer schrecklichen Ideologie zum Opfer gefallen ist, richtet sich zukünftig mein Interesse aus sicher nachvollziehbaren Gründen hauptsächlich noch auf die Personen der Ex-Ehefrau und der gemeinsamen Töchter, die ja Verwandte meiner Frau sind.



Auch für die anderen Links danke ich Dir, muß mich aber in deren Bedienung noch reinarbeiten (bin ja erst relativ neu im Geschäft und mit solch schwierigen Fällen hatte ich bisher noch nicht zu tun).


Komm gut in die neue Woche.


Viele Grüße
Emanuel
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  #19  
Alt 13.08.2018, 18:51
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Emanuel,

Zitat:
... Die Henny Maria Gottliebe Graff war lt. Urteil in der Schlageterstraße gemeldet. Nach den paar Fotos, die ich eben im Internet fand, wohl eine eher bessere Gegend außerhalb des Ghettos.
Die geschiedene Henny Maria Gottliebe STEIN geb. GRAFF hat also bei Ihrer Scheidung
gar nicht in Danzig gewohnt, sondern in Litzmannstadt (Lodz) Schlageterstraße.

Dann ist die Familie ja vermutlich noch gemeinsam nach Litzmannstadt gezogen
und dort ließ sie sich scheiden.

Viel Glück bei der Suche nach dem Verbleib von Ihr und Ihren Töchtern.

In der Heimatortskartei von Danzig (online bei Familysearch) angelegt um 1950 ist sie unter den genannten Adressen übrigens nicht zu finden, weder Trojangasse 2 noch Johannisberg 10a.

Unter beiden Adressen in Danzig, gibt es Namenseinträge Vertriebener, anderer Personen die dann meist in Westdeuschland lebten.

P.S. Die Alicja Sztein geb. 1922 soll später in ein Vernichtungslager gebracht worden sein.
Laut jewishgen.org.

Wer das war, läßt sich nicht ermitteln.

Gruß Juergen

Geändert von Juergen (13.08.2018 um 19:02 Uhr)
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danzig(-oliva) , eheaufhebung , fn graff und stein , lodz/litzmannstadt

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