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  #11  
Alt 04.05.2020, 14:16
Malte55 Malte55 ist offline
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Moin,
ich weiß nicht wie groß dieses Kolonistendorf war, aber je kleiner um so eher wird die Stellmacherei nur der Nebenerwerb gewesen sein. Mit viel befahrener Handelstraße, Gasthaus und Schmiede könnte es auch zum Haupterwerb gelangt haben.
LG Malte
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  #12  
Alt 04.05.2020, 14:16
Benutzerbild von Posamentierer
Posamentierer Posamentierer ist offline männlich
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Daumen hoch

Hallo, Alter Mansfelder,

vielen Dank für die nützlichen und berechtigten Anti-Wild-West Argumente, deren zentralen Teil ich hier sehe:

Zitat:
„Vom Mittelalter bis zur Aufhebung der Zünfte im 19. Jh. war die Erlangung des Meisterrechts zudem mit dem verpflichtenden Beitritt zu der für das jeweilige Handwerk zuständigen Zunft gekoppelt. Diese Koppelung war eine Konsequenz des sog. >Zunftzwanges< (demzufolge nur Angehörige der jeweils zuständigen Zunft in einer Stadt bzw. einem Territorium ein Handwerk selbständig ausüben durften) und konstitutiv für diesen.“
Ich habe, durch Dich angeregt, jetzt selbst folgendes gefunden und aus mehreren Spalten gesammelt. Quelle ist die sehr informative "Oeconomische Encyclopädie von Johann Georg Krünitz" http://www.kruenitz1.uni-trier.de

Im Wesentlichen geht es darum, dass der Dorfmeister, ein Handwerksmeister auf einem Dorfe, zum Unterschiede von einem Stadtmeister, anderen Bestimmungen unterworfen war.
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Fast bey allen Innungen haben die Meisterssöhne, wenn sie bey ihres Vaters Handwerk bleiben, sehr große Vorrechte. Sie bestehen gemeiniglich darin: 1) daß sie für das Ein= und Ausschreiben auch für das Meisterrecht entweder gar nichts, oder doch nicht so viel als andere bezahlen; 2) entweder gar nicht, oder nicht so lange, wie ein anderer wandern; 3) eine kürzere Zeit in der Lehre bleiben; und 4) die Sitz= oder Muthjahre nicht aushalten dürfen. Hierzu wird aber erfordert, daß man eines inländischen Meisters leiblicher Sohn sey.

Nicht alle Handwerksmeister erlangen das Meisterrecht auf die bisher angeführte Weise. Unter diese gehören hauptsächlich die Freymeimeister und Gnadenmeister. Solche Handwerksverständige, welche das Meisterrecht nicht auf die gewöhnliche Weise erlangen, sondern vom Landesregenten wegen einer zum Meisterrecht erforderlichen Verbindlichkeit, oder wegen Mangel nothwendigen Eigenschaft Dispensation erlangen, werden Gnadenmeister genannt.
Z. B. es hat einer das Handwerk nicht ordentlich gelernt, oder ist nicht die erforderlichen Jahre gewandert, so kann ihn der Landesregent dispensiren. Sie werden eingekaufte Meister genannt, wenn sie, der landesherrlichen Dispensation ungeachtet, für die Aufnahme in die Zunft das Meistergeld in die Lade bezahlen müssen. Solche Gnadenmeister gehören mit zur Zunft, sie müssen die Handwerksordnung und Gebräuche beobachten, und dürfen, wie andere Meister, alle Handwerksarbeiten verrichten. Bisweilen wird jedoch bey ihrer Aufnahme, in Ansehung der Rechte, die sie haben sollen, eine Ausnahme gemacht, und man verstattet ihnen nur gewisse Rechte anderer Zunftgenossen.

Freymeister sind solche Handwerker, welche das Recht, an einem Orte zu arbeiten, haben, ohne in die Zunft aufgenommen zu seyn.
Gnadenmeister und Freymeister sind darin unterschieden, daß jene in der Zunft stehen, diese aber nicht, und beyde sind darin einander gleich, daß sie die Handwerksgerechtigkeit nicht auf die gewöhnliche Weise erlangt haben.

Da die Freymeister außer der Zunft arbeiten: so sind sie vom Meisterstück, von den Verbindlichkeiten der Innungsartikel, und von den collegialischen Zunftschlüssen befreyet. Die übrigen besondern Rechte, ob sie Gesellen halten dürfen, und von allen oder nur einigen persönlichen bürgerlichen Auflagen frey sind, hangen vom Freyheitsbriefe ab.

Mithin sind auch nur solche Handwerker auf dem Lande zu dulden, welche entweder die Geräthschaften bey der Land=Wirthschaft verfertigen, oder die zur Nothdurft und Nahrung des Lebens unumgänglich nöthig sind, oder höchstens solche, die auf Gedinge oder per contractum locati conducti arbeiten, als welche letztern keine Waaren zum Kauf bearbeiten, und also den Städten keinen Schaden thun.
Wenn man nun fraget, welche Handwerker denn auf dem Lande zu dulden seyn? so findet man die Meynungen hierüber sehr verschieden. Einige nennen nur sehr wenige; da hingegen andere, welche für die Land=Handwerker eingenommen sind, eine große Menge derselben verlangen. Es specificirt z. E. der Verfasser der Untersuchung der Cameralfrage: Ob die Handwerker auf dem platten Lande abzuschaffen, und nur in den Städten zu dulden sind? (im I B. der Schlesischen Oecon. Samml. Bresl. 1755, 8. S. 328--340) nach alphabetischer Ordnung, folgende unentbehrliche Handwerker und Professionisten, als: Bader, Bäcker, Böttcher, Brandweinbrenner, Brauer, Fischer, Fleischer, Baum=Küchen= und Ziergärtner, Garn=Spinner, Glaser, Graupner, Maurer, Müller, Rademacher, Riemer, Sattler, Schlösser, Eisenschmiede, Schneider, Schuster, Seiler, Stellmacher, Zimmer=Leute.

In der Mark Brandenburg werden die Leinweber, Schneider, (so gemeiniglich die Dorfküster und Schulmeister sind,) Zimmerleute, Schmiede und Rademacher gestattet.

Da diese Handwerker bloß zum Besten und zur Bequemlichkeit der Landleute geduldet werden: so ist selbigen durchaus nicht zu gestatten, daß sie für die Einwohner in den Städten die geringste Arbeit verfertigen, es müßte denn ein Meister in der Stadt ihrer Hülfe benöthigt seyn…
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Wir haben also das Kolonistendorf, den unentbehrlichen Handwerker, den Meistersohn, und vielleicht die Bestimmung, dass er nur für das Dorf produzierte oder reparierte und dass er keine Lehrlinge annehmen konnte. Damit hätte ihm die Stellmacherei erlaubt werden können. Die Frage, ob sein Meistertitel dann auch mit Aufnahme in die Zunft der Stadt verbunden war, oder ein bloßer Ehrentitel gewesen ist, interessiert mich jetzt weniger.

Ich bin also jetzt geneigt anzunehmen, dass der Bernauer Stellmachermeister tatsächlich mein Vorfahr war.

Ich muss sagen, ich habe Dank Euch sehr viel gelernt!
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Lieben Gruß
Posamentierer
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  #13  
Alt 04.05.2020, 14:18
Benutzerbild von Posamentierer
Posamentierer Posamentierer ist offline männlich
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Beiträge: 591
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Hallo Malte,

eine Straße nach Berlin, 18 Kilometer bis zum Berliner Schloss, mit Schmiede und Krug. Und der König wollte sicherlich einen Erfolg sehen...

Ich denke schon, dass der Stellmacher zu tun gehabt hat.
__________________
Lieben Gruß
Posamentierer
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bernau , hoffmann , schönwalde , stellmachermeister

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