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  #1  
Alt 14.07.2017, 08:38
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Standard Böhmen: Unterlagen zu Silberne Tapferkeitsmedaille I. Klasse vorhanden?

Eine Person aus Böhmen hat im Oktober 1915 die Silberne Tapferkeitsmedaille I. Klasse erhalten.

Lau Wikipedia war mit dieser Auszeichnung auch ein lebenslanger Ehrensold verbunden. Gibt es zu der späteren Auszahlung Unterlagen? Wurden Träger dieser Medaille in Böhmen auch mit diesem Ehrensold bedacht? Zahlte dies der österreichische Staat an in der Tschechloslowakei lebende Personen aus? Laut Erlass von 1939 wurde vom deutschen Reich dieser Ehrensold übernommen. Gibt es hierzu Unterlagen? Wenn ja, wo: Österreichisches Kriegsarchiv in Wien, Bundesarchiv oder in Prag?

Gruß und Danke
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  #2  
Alt 14.07.2017, 19:46
Benutzerbild von Farang
Farang Farang ist offline männlich
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Hallo Ingenieur,

natürlich stellte die Tschechoslowakei die Zahlung von sämtlichen in der Habsburger Monarchie verliehenen Zulagen 1919 ein...in einzelnen Fällen wurde jedoch später Zahlungen wieder aufgenommen (Quelle: mein Urgroßvater). Unterlagen sind - wenn überhaupt noch vorhanden - im Militärarchiv in Prag zu finden. Anschreiben per Mail in Deutsch ist möglich.

Gruß Michael
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Sandau bis Tepl - Egerland /Böhmen /Sudetenland.
Infos über das: Das k.(u.)k. Militär

Infos zur Suche nach Dokumenten der k.(u.)k. Soldaten
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  #3  
Alt 18.07.2017, 13:13
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Danke für den Hinweis, habe mich an das Archiv in Prag gewandt und warte auf Antwort.

In Wien könnten aber auch noch Unterlagen vorhanden sein, denn laut Archivinformationssystem gibt es folgende Unterlagen:

Neue Belohnungsakten (NBA) (1914 - 1918)
Tapferkeitsmedaillenaktion des Ministeriums für Landesverteidigung 1931-1938 (TM 1931-1938) (1931 - 1938)
Tapferkeitsmedaillenaktion des Bundesministeriums für Landesverteidigung 1958 (TM 1958) (1958)
Ehrensold 1938-1945 (Ehrensold) (1938 - 1945)
Kriegsarchivakten der Tapferkeitsmedaillenaktion 1931 (1931-1933)

Quelle: http://www.archivinformationssystem....plansuche.aspx
http://www.oesta.gv.at/DocView.axd?CobId=50378


Bei 37,- EUR pro halber Stunde Recherche, wird das wohl nicht ganz billig werden. Gerade den Antrag ausgefüllt, der Stundensatz hat sich auf 45,- EUR pro halbe Stunde erhöht.

Geändert von Ingenieur (18.07.2017 um 13:39 Uhr)
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  #4  
Alt 04.08.2017, 11:02
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Im Militärarchiv in Prag hat man das Grundbuchblatt der Person gefunden.

Hatte schon einige Male nachgefragt, das erste Mal, dass Unterlagen vorhanden sind.

Vom Ablauf her, ein sehr netter Kontakt in deutsch, die Kopie wird mir kostenlos zugesandt. Toller Service!

In Wien veranschlagt man eine Stunde zur Recherche (= 90,- EUR plus Kopien).
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  #5  
Alt 18.08.2017, 09:20
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Nun habe ich das Hauptgrundbuchblatt erhalten. Nun habe ich hierzu einige Fragen:


1. Gehe ich richtig in der Annahme, das dies den Ort des zuständige Militärkomandos angibt? Zunächst Ergänzungsbezirk des IR 88 in Bernau und später Eger und Komotau?

2. Warum ändert sich die Blattnummer?

3. Was bedeutet diese Anmerkung? Das er deutscher ist?

4. Was geschah mit der Akte an diesem Datum. Wurde sie Archiviert?

31.08.1915 Was bedeutet u.a.; unabkömmlich?
23.11.1915 Er wird wieder in der Truppe eingesetzt?
13.03.1916 Wohin wurde er transferiert? Aus dem aktiven Dienst?
13.03.1916 Wohin wurde er eingeteilt?
20.01.1918 Was wurde ihm zuerkannt?

Was bedeutet Res. Korporal/Zugführer? Korporal/Zugführer der Reserve, aber nicht im aktiven Dienst?

Ab dem 30.07.1920 wurde er als Cetar = Sergeant in der tschechoslowakischen Armee geführt. Was bedeuten die Eintragungen ab diesem Datum? Wurde er dort als Reservist geführt?

Dies sind nur einige Detailfragen. Schön wäre es, wenn ein erfahrener Nutzer, mir sagen könnte, was man hier noch herauslesen kann (Einsatzorte des IR 88, ist dies ein typischer militärischer Lebenslauf, er scheint Eisenbahner gewesen zu sein usw.). Zum IR 88 gibt es leider nicht viele Informationen im Netz.



Entgegen meiner ursprünglichen Aussage, hat er wohl "nur" die silberne Tapferkeitsmedaille 2. Klasse erhalten und nicht der 1. Klasse.


Gruß und Danke
Angehängte Dateien
Dateityp: pdf Hauptgrundbuchblatt2.pdf (597,6 KB, 24x aufgerufen)
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  #6  
Alt 18.08.2017, 09:46
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Am 20.01.1918 wurde ihm wohl das Karl-Truppenkreuz zuerkannt. Voraussetzung war 12 Wochen Dienst und Teilnahme an mindestens einer Schlacht.

Wie kommt es, dass er er nach fast vier Jahren Dienstzeit dies er jetzt erfüllte?
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  #7  
Alt 18.08.2017, 18:32
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Svenja Svenja ist offline weiblich
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Hallo

Ich lese folgendes:

15.04.1915 In Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde die bronzene Tapferkeitsmedaille, 10. Korps Kommando Befehl
31.08.1915 aus Dienstesrücksichten als Eisenbahner ins u. a. Verhältnis
mitgemacht den Feldzug nach Russland
14.08.1915 Anerkennung tapferen Verhaltens vor dem Feinde die silberne Tapferkeitsmedaille II Klasse.
23.11.1915 Zur Fortsetzung der aktiven Dienstleistung
13.03.1916 vom Infanterie Regiment Nr. 88, 3. Kompanie zu Betriebs Abteilung des Eisenbahnersatzbataillons
13.03.1916 Zu Betriebs Ersatz Abteilung / das Karl Truppen Kreuz mit ...

Gruss
Svenja
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  #8  
Alt 19.08.2017, 06:54
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Zu Deinen Fragen:

1. Gehe ich richtig in der Annahme, das dies den Ort des zuständige Militärkomandos angibt? Zunächst Ergänzungsbezirk des IR 88 in Bernau und später Eger und Komotau?
Hier hatte der eifrige Regimentsschreiber, den Ort des jeweiligen Ergänzungsbezirkskommando vermerkt. Als er als Wehrpflichtiger im Jahre 1904 (21 Jahre alt) zum IR 88 assentierte, war das zuständige Ergänzungsbezirkskommando in Bernau stationiert. Die weiteren Orte kommen vermutlich durch die Versetzungen im Krieg zum Eisenbahnkommando.

2. Warum ändert sich die Blattnummer?
Durch Versetzung zu einer anderen Kompanie bzw. zu einem anderen Truppenkörper ist der Wechsel der Registriernummer vollkommen normal.

3. Was bedeutet diese Anmerkung? Das er deutscher ist?
Er war nach dem Krieg (1918) noch immer bei der tschechoslowakischen Armee wehrpflichtig (bis +/- 40 Jahre). Dieser Eintrag vermerkt das er ein als Angehöriger der Armee „Deutscher“ ist.

4. Was geschah mit der Akte an diesem Datum. Wurde sie Archiviert?
Ja vermute ich – da er in der tschechoslowakischen Armee registriert war wurde seine Akten glücklicherweise nicht vernichtet – wie so viele andere Akten von böhmischen Soldaten.

Was bedeutet Res. Korporal/Zugführer? Korporal/Zugführer der Reserve, aber nicht im aktiven Dienst? Da er im Jahre 1907 in die Reserve Versetz wurde, trägt er den Zusatz „Reserve“-Korporal/ Zugsführer. Die Bezeichnung Korporal / Zugsführer waren Dienstgrade in der k.u.k. Armee.

Ab dem 30.07.1920 wurde er als Cetar = Sergeant in der tschechoslowakischen Armee geführt. Was bedeuten die Eintragungen ab diesem Datum? Wurde er dort als Reservist geführt?
Ja, die Eintragungen deuten auf eine weiteres führen als Reservist in der CZ Armee hin – was die Eintragungen bedeuten, müsstest Du Dir übersetzen lassen, sind aber die üblichen Verwaltungsstempel und Eintragungen der CZ Armee nach dem Krieg.

Dies sind nur einige Detailfragen. Schön wäre es, wenn ein erfahrener Nutzer, mir sagen könnte, was man hier noch herauslesen kann (Einsatzorte des IR 88, ist dies ein typischer militärischer Lebenslauf, er scheint Eisenbahner gewesen zu sein usw.). Zum IR 88 gibt es leider nicht viele Informationen im Netz.
Ja, das ist ein vollkommen normales Grundbuchblatt eines Deutsch-Böhmen der in der k.u.k. Armee diente, den Krieg mitmachte und dann von der CZ Armee „übernommen“ wurde. Er diente bei der Infanterie im Regiment 88 und in der im Krieg an Bedeutung gewonnenen Eisenbahnabteilung (Regiment/Bataillon) – ich vermute dass er im Zivil- Beruf etwas mit Eisenbahn zu tun hatte. Interessant finde ich den Eintrag über seinen Gesundheitszustand (Zahnfäule)- so detaillierte Angaben sieht man selten. ;-)
Er erhielt die bronzene und die silberne Tapferkeitsmedaille und wurde wie so viele k.u.k Soldaten an der Front mit dem Kaiser-Karl-Truppenkreuz ausgezeichnet. Wenn er es nicht sofort nach der Stiftung im Dezember 1916 erhielt, liegt das einfach an dem Verwaltungsweg, der auch im Krieg (da sogar länger) vor einer Ordensverleihung notwendig war. Wenn die Meldung des Vorgesetzten oder des Truppenkörpers einfach ausblieb oder verzögert wurde, dauerte es etwas länger....
Hier findest Du die Unterstellung des IR 88 ( http://www.velkavalka.info/analyzy/p...ek.php?id=3590 ) im I. WK und kannst somit eine grobe Einschätzung über die Einsatzorte machen. Ich empfehle Dir das Monumentalwerk „Österreich-Ungarns letzter Krieg 1914-1918 (http://digi.landesbibliothek.at/view...12/0/LOG_0000/)

Gruß Michael
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  #9  
Alt 21.08.2017, 09:12
Ingenieur Ingenieur ist offline
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Hallo Svenja und Michael,

vielen danke für eure ausführlichen Antworten. Das hilft mir sehr weiter.


Gruß
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  #10  
Alt 25.08.2017, 11:13
Laus Klausen Laus Klausen ist offline männlich
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Hallo Michael,

mal wieder klasse aufgearbeitet und erklärt..(das wird hier leider nicht so wirklich gewürdigt...).

Ich habe auf Deiner privaten Homepage gesehen, dass Du auch Forschungsaufträge in Wien und in Prag übernimmst, kannst Du mich deswegen bitte kontaktieren.

Gruß aus Wien

Laus
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