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  #1  
Alt 11.03.2019, 12:22
Benutzerbild von scheuck
scheuck scheuck ist offline weiblich
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Standard Das Recht der Frau um 1958 - Der gesetzliche Stand von Frauen um 1958

Ihr Lieben,

gestern war ich zu einem verwandtschaftlichen Kaffee-Klatsch, und wir sind auf Grund von Akten auf eine Frage gekommen:

es geht um Erbschaftsangelegenheiten, die Frau des Herrn x gehört zu einer Erben-Gemeinschaft (bestehend aus vier weiteren Frauen, die Schwestern sind).
Diese Schwestern haben wohl ihre elterliche Erbschaft geklärt, alles gerichtlich durch notarielle Verträge abgesichert. Bei den Akten haben wir eine Rechnung gefunden, da geht es einerseits um die Belange der Frau x (bzw. um die Dinge, die sie mit ihren Schwestern ausgemacht hat), und in einer zweiten Rechnung geht es explizit um die "Zustimmungserklärung" des Herrn x.

Herr x ist angeheiratet und hat mit der ganzen Erbschaft gar nichts am Hut.
Warum musste er dem zustimmen, was seine Frau als eine der Erbinnen mit ihren Schwestern ausgemacht hat?
Uns sind spontan nur zwei Möglichkeiten eingefallen: Herr x war eine Art Vormund für Frau x, weil sie selbst nicht "so ganz auf der Höhe war" bzw. nicht geschäftsfähig, oder es war generell üblich, dass ein Mann 1958 dem "Tun" seiner Ehefrau zustimmen musste (für heutige Begriffe eine gar fürchterliche Vorstellung). - Ich weiß, dass ein Ehemann früher zustimmen musste, wenn seine Frau arbeiten wollte, aber ...

In dieser Erbschaftsangelegenheit sind uns die jeweiligen Urkunden-Nummern bekannt, da müsste man die dazugehörigen Verträge eigentlich unschwer finden können, aber so weit sind wir noch nicht.

Hat "erstmal" jemand eine Idee dazu, warum der Herr x zustimmen musste?

Besten DANK schon mal vorab!
__________________
Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #2  
Alt 11.03.2019, 12:49
Benutzerbild von Silke Schieske
Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Hallo Scheuck,


Es gab in einigen Regionen den Passus, das immer der älteste Sohn erbt egal ob er eine ältere Schwester hatte oder nicht. Da hier in deinem Fall aber nur Töchter waren kann ich mir vorstellen, das der Herr x tatsächlich so eine Arrt Verwaltertätigkeit inne hatte und an dem nicht vorbei kam. Gleichgültig der Tatsache das es 1958 bereits die gesetzliche Gleichberechtigung von Mann und Frau bei euch gab.


LG Silke
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  #3  
Alt 11.03.2019, 14:37
Benutzerbild von scheuck
scheuck scheuck ist offline weiblich
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Sei bedankt, Silke-Freundin!

Also mit der "Gleichberechtigung" scheint es 1958 doch noch nicht so weit her gewesen zu sein, denn

"Erst 1977 wurde das Gesetz geändert. Bis 1. Juli 1958 hatte der Mann, wenn es ihm beliebte, den Anstellungsvertrag der Frau nach eigenem Ermessen und ohne deren Zustimmung fristlos kündigen können.
Bis 1958 hatte der Ehemann auch das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder inne. Auch wenn er seiner Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er ihren Lohn. Das änderte sich erst schrittweise. Ohne Zustimmung des Mannes durften Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen, noch bis 1962. Erst nach 1969 wurde eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen." - Quelle = Google

Wenn man den Google-Weisheiten glaubt, würde das wahrscheinlich erklären, warum der Herr x seine Zustimmung geben musste. - Hätte ich das eher komplett gelesen, hätte ich selbst drauf kommen müssen ...
__________________
Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #4  
Alt 11.03.2019, 14:48
Griefenow Griefenow ist offline
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Hallo Scheuck,


das galt doch aber sicher nur im Westteil von Deutschland. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der DDR ein Mann seiner Frau, egal ob in Erbschafts- oder Arbeitsangelegenheiten, etwas vorschreiben durfte.
Lieber Gruß
Anke
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  #5  
Alt 11.03.2019, 14:55
Benutzerbild von scheuck
scheuck scheuck ist offline weiblich
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Hallo, Anke!

DANK auch Dir! - Ja, ich kann mir auch nicht vorstellen, dass das in der "DDR" auch so gewesen ist. Hier geht's aber um einen "westdeutschen" Fall, und da war das wohl so .
__________________
Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #6  
Alt 11.03.2019, 16:09
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IngridB IngridB ist offline
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Hallo, Eure Vorstellung ist vollkommen richtig, daß es in der DDR anders war ! So etwas kannten wir nicht, daß der Mann irgendwo zustimmen mußte oder gar zum Arbeitgeber der Frau gehen und deren Arbeitsverhältnis kündigen konnte, wenn er der Meinung war, sie solle sich lieber zuhause an den Herd stellen. Ja, wir hatten grundsätzlich ein anderes Selbstbewußtsein als die Frauen in Westdeutschland, fühlten uns als Mensch anerkannt und nicht als Besitztum des Mannes.
Grüße, Ingrid
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  #7  
Alt 11.03.2019, 16:19
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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Nur mal so als Ergänzung zur Allgemeinbildung:

In der Verfassung der DDR 1949 heißt es in Artikel 7 "(1) Mann und Frau sind gleichberechtig. (2) Alle Gesetze und Bestimmungen, die der Gleichberechtigung der Frau entgegenstehen, sind aufgehoben."
Dies wird in Artikel 30 noch einmal bekräftigt.

Link

Lg, Claudia
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  #8  
Alt 11.03.2019, 16:45
teakross teakross ist offline männlich
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Hallo,
das eine Verfassung nicht immer der juristischen und Lebens-Wirklichkeit entspricht dafür ist die DDR wohl ein klassisches Beispiel.
Auch in der Verfassung der Bundesrepublik von 1949 ist die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Artikel 3 festgeschrieben. Die juristische Wirklichkeit bestimmte jedoch weitgehend das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) das bis auf 1896 zurückreicht.
So wurde erst 1958 die Gleichberechtigung in das BGB aufgenommen.
http://www.bpb.de/politik/hintergrun...chberechtigung

LG Rolf
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  #9  
Alt 11.03.2019, 16:47
Benutzerbild von Silke Schieske
Silke Schieske Silke Schieske ist offline
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Hallo Scheuck,


Angesichts das die Eltern deiner 4 Schwestern beim Aufsetzen ihres Testamentes nun ja nicht wussten, das es mal so kommen wird das die Frau mal ebenfalls "Rechte" haben wird, werden diese vielleicht einen Bekannten als Verwalter eingesetzt haben.


Sicher dauerte es in den Bundesländern noch eine ganze Zeit bis tatsächlich sowas wie Gleichberechtigung einsetzte. Zudem war das zu der Zeit wohl auch noch davon abhängigin in welcher Besatzungszone man lebte.


@Ingrid, glaub mir mal solche Männer gibt es heute noch. Mich erschreckt aber auch erstaunt es immer noch, mit welchen skurillen Ideen so manch ein Mann kommt


LG Silke
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  #10  
Alt 12.03.2019, 15:54
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Garfield Garfield ist offline weiblich
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Hallo

Ich halte das für sehr gut möglich, meine Mutter durfte ums Jahr 1981 rum in der Schweiz nicht selbst einen Mietvertrag unterschreiben, sondern es bedurfte die Unterschrift von ihrem Verlobten (meinem Vater, ein "Ausländer") .
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Viele Grüsse von Garfield

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