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  #31  
Alt 19.03.2009, 15:42
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Hina Hina ist offline weiblich
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Ich habe eben über Suchmaschine noch den Maler Ludwig Streitenfeld gefunden. Er wurde 1849 in Wien geboren, ohne Adelsprädikat, das heißt, er entstammt keiner adeligen Familie aber es ist damit erwiesen, dass es Mitte des 19. Jh. mindestens auch eine bürgerliche Familie Streitenfeld in Wien gab.

Viele Grüße
Hina
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  #32  
Alt 19.03.2009, 23:12
Paulchen Paulchen ist offline
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" aber in den Personenstandsurkunden stand natürlich zwingend der Familienname plus Adelsprädikat. "

Hallo!
Man müßte nun wissen, wann überall (Dt. Reich spätestens 1875) die Standesämter (Personenstandsurkunden) eingeführt wurden. Böhmen bzw. Österreich weiß ich nicht.
In Kirchenbüchern, also vor ca. 1875, habe ich unzählige Beispiele für ein völlig beliebiges Vorgehen beim Eintrag von Adligen vorgefunden. Bei einer Familie, die vor 60 Jahren nobilitiert worden war und obwohl sie zwischenzeitlich Burggrafen und fürstliche Räte stellte (1590-1650), findet sich nicht ein Hinweis im KB auf ihren Adel. Andere, die einen sehr einfachen Namen führten (Scholz), hatten kaum 1-2 Jahre abgewartet und das Adelsprädikat (z.B. von Löwencron) ersetze den ungebliebten alten Namen (ca. 1710). Nach meinen Erfahrungen war dies (Adelsprädikat wird alleine zum Familiennamen) die Regel. Hieß jemand Hebenstreit (nicht so toll), erhielt den Adelsbrief zu Hebenstreit von Streittenfeld, dann ging das ratz - fatz und spätestens der Sohn hieß A de Streittenfeld. Stieg die Familie ins Bürgerliche ab - was ja auch eher die Regel war (viele Söhne, schlechte Ernten, Kriegswirren usw.) - blieb Streittenfeld.

Paulchen
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  #33  
Alt 19.03.2009, 23:56
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Hallo Paulchen,

da kann ich nicht so ganz zustimmen, dass das eher die Regel war. Schaut man sich die Österreichischen Nachschlagewerke des Adels an, da wimmelt es nur so von den zweiteiligen Namen. Dort, wo nur ein einteiliger Name vorhanden ist, handelt es sich oftmals um alte adelige Familien. Dazu gehören die Hebenstreit v. Streitenfeld aber nicht. Da zumindest seit dem 18. Jh. in Österreich Adelsbriefe regelrecht in Masse verteilt wurden und die nobilitierten Familien einen regelrechten Kult um ihre Adelsbriefe machten (oftmals haben sie sich das ja auf Pergament schreiben und in roten Samt binden lassen, mit herrlich gemalten Wappenbildern), gingen sie dann gar nicht so variabel mit ihrem Namen um. Eine (gekürzte) Familie v. Streitenfeld ist auch weder in einem Register, in der Literatur noch im Staatsarchiv in Wien in irgendeiner Form auffindbar. Und Adel ging auch nicht so ganz grundlos und schon gar nicht wegen Verarmung verloren. Gerade in Österreich nicht, denn hier bedurfte es, im Gegensatz zu Deutschen Landen, überhaupt erstmal der Kaiserlichen Genehmigung, seinen Adel abzulegen. Spätestens hierzu müsste in Wien eine Akte vorliegen.

In Österreich wurden die Personenstandsurkunden bis 1939 von den Kirchen ausgestellt. Standesämter gab es seit 1870 für nicht konfessionell Gebundene.

Viele Grüße
Hina
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  #34  
Alt 20.03.2009, 08:42
Paulchen Paulchen ist offline
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Hallo Hina!

1.) Nach Dobrá Voda (Der Adel von Böhmen, Mähren und Schlesien, S. 82) erhielten die Hebenstreit den Adel erstmals mit Thomas H. und dessen Vetter am 9.9.1575.
2.) Albrecht erwähnte Tschechien, meine Angaben bezogen sich auf den Adel in Schlesien. Dort, vielleicht noch genauer in Oberschlesien war es die Regel, daß die Adligen sang- und klanglos ohne Genehmigung von irgend jemand ins Bürgerliche abstiegen. Dies ist aber eigentlich auch unbestritten. Der 'große' Pilnáček (wirklicher Experte zum Adel der böhmischen Länder) dazu: "... die veramten Adligen wurden Verwalter, Beamte oder saßen nur noch auf einem kleinen Freihof oder einer Mühle. Manche gingen in den Soldatenberuf oder wurden Pfarrer. Erst die nächste Generation wurde Bauern oder Handwerker..." Gemeint war damit vor allem der Schlesische Adel - also die vorpreußische Zeit.
3.) Zum Adel von Österreich (nicht Königreich Böhmen) kann ich nichts beitragen.

Paulchen
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  #35  
Alt 20.03.2009, 16:08
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Hallo Paulchen,

was den Böhmischen Adelsstand angeht, da hast Du durchaus recht. Da ging es ähnlich zu wie in Polen, wo Verarmung durchaus ein Grund war, nicht mehr dem Adelsstand anzugehören, spätestens, wenn z. B. bürgerlichen Berufen nachgegangen wurde.

Der in Prag nobilitierte Böhmische Adel wurde auch nur teilweise von der Habsburgermonarchie anerkannt. Es war beileibe kein Selbstläufer. Ich denke, das war sicher auch der Grund, weshalb Peter Hebenstreit dann 1753 in Wien nochmal mit dem Prädikat v. Streitenfeld in den Adelsstand erhoben wurde (siehe hierzu auch August v. Doerr, Der Adel der Böhmischen Kronländer, S. 237).

Ich frage mich allerdings, ob die Hebenstreit im Böhmischen Adelsstand tatsächlich schon das Prädikat v. Streitenfeld führten. Peter Hebenstreit ist vor seiner Wiener Nobilitierung auch ohne Prädikat benannt. Möglicherweise war er aber auch kein direkter Abkömmling. Nichts genaues weiß man leider nicht .

Viele Grüße
Hina
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  #36  
Alt 21.03.2009, 10:59
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Ein Wappen "v. Streitenfeld" ist eingetragen bei Siebmacher, Schlesien, Abgestorbene, Bd. 17
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  #37  
Alt 21.03.2009, 11:45
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Hallo Claus,
hierbei wird es sich vermutlich um die schlesischen Müller v. Streitenfeld handeln. Diese Familie wird in der Literatur meist nur als v. Streitenfeld angegeben, auch bei Sinapius. Erst im Text erfährt der Leser dann, dass es sich eigentlich um Müller v. Streitenfeld handelt. Aber wie schon erwähnt, starb die Familie im Mannesstamme gleich wieder mit dem geadelen ab.
Steht im Siebmacher noch etwas zu dieser Familie geschrieben?
Viele Grüße
Hina
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  #38  
Alt 21.03.2009, 12:54
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Zitat:
Zitat von Hina Beitrag anzeigen
....Steht im Siebmacher noch etwas zu dieser Familie geschrieben?
Viele Grüße
Hina
Leider nein, ich habe hier nur die obige Angabe.
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  #39  
Alt 18.04.2009, 13:34
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Hallo Drea,
Ich bin erst seit heute im Forum und habe vollende Info .

Franz Hebenstreit von Streitenfeld

Franciscus Ignatius Felix Procopius Hebenstreit von Streitenfeld wurde am 26. November 1747 in Prag getauft (5.)Am 8. Januar 1795 wurde Franz Hebenstreit als Platzoberleutnant in Wien wegen Hoch- und Landesverrats durch den Strang hingerichtet. Zwischen diesen Daten erfüllte sich das Leben eines hochgebildeten Offiziers, revolutionären Demokraten und sozialutopischen Radikalen.
Peter von Hebenstreit, sein Vater, war mit der Familie etwa 1746 von Augsburg nach Prag gekommen, wo er später "Präses der Philosophischen Fakultät und der Humaniorum" der Karlsuniversität wurde (6) Die Familie hatte neun Kinder (7)

5) Stadtarchiv Prag, PMP./N 3/0 3,IZ 2, S. 14. Damit erfolgt hier erstmalig die g e n a u e Angabe des Geburtsjahres; z. B. Wurzbach, Bd. 8, 181: Geburtsjahr 1759 (!) Paten waren Ignatius Kramer, Franciscus Brania, Maria Anna Weichenheim. Der Tag der Taufe kann mit dem der Geburt identisch sein; es ist aber auch eine geringe Abweichung möglich.

6) Vater: Peter Hebenstreit von Streitenfeld, Mutter: Barbara geb. von Götz. Die Familie Hebenstreit erhielt am 24. November 1753 das Adelsdiplom verliehen (Allgem. Ver-waltungsarchiv Wien, Adelsakte Peter von Hebenstreit), wobei seine Verdienste an der österreichischen Gesandtschaft in Paris und seine Tätigkeit als Sekretär des Malteserordens besonders gewürdigt wurden. Bei dem im Zusammenhang mit der Nobilitierung erfolgten Schriftwechsel gelang es Hebenstreit zu beweisen, daß seit 1543 ein Vorfahre das Bürgerrecht in Prag hatte und sich als Altstädter Bürgermeister letztmalig am 30. April 1599 "mit dem Prädikat Hebenstreit von Streitenfeld geschrieben hat". (Ebd.) Zur Tätigkeit in Prag vgl. Wenzel Mlladiwoj Tomek, Geschichte der Prager Universität. Zur Feier der fünfhundertjährigen Gründung derselben. Prag 1849, 329: ab 1760 wurde die Philosophische Fakultät von zwei Direktoren geleitet; einer davon war Hebenstreit. Zitat aus: Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien (HHStA), Vertrauliche Akten (VA) 3, f. 883.

7)Der älteste Sohn, Joseph Bonifacius Franz, später Professor der griechischen Sprache in Prag (VA 3, f. 883; Wurzbach, 8, 182), wurde am 15. März 1745 in Augsburg geboren
(Matrikel der Dompfarrei Augsburg, Jg. 1745, 475), alle übrigen Kinder in Prag: Barbara Catharina Josepha Theresia, getauft am 15.Mai 1746; Benedictus Ferdinandus Wenceslaus Gregorius, 3.März 1749; Anna Theresia Emerentiana Johanna, 27.Juni 1750; Johannes Nepomuk, 4.August 1751; Johannes Nepomuk Carolus Albertus Deodatus, 28.Februar 1755; Maria Elisabeth Johanna, 26.April 1757; Antonius Johannes Nepomuk Petrus, 8.August 1759. Von den acht Geschwistern scheinen l794nur noch sein Bruder Joseph und seine Schwester Theresia, eine Exnonne des Klosters Dux in Böhmen, und Anna, bei den Englischen Fräulein in Prag, gelebt zu haben. (Vgl. VA 3, f. 883.)

Gruß Gunter
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  #40  
Alt 18.04.2009, 20:22
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Hallo Günter,

sei ganz herzlich willkommen hier in unserer trauten Runde.

Vielen Dank für den sehr interessanten Beitrag.

Neben den interessanten Informationen stehe ich aber jetzt vor einem Rätsel. Es wird jedoch kaum beantwortet werden können, es sei denn, mit dem Satz: das Datum stimmt ganz einfach nicht.

Das Geburts- bzw. Taufdatum wird gemeinhin mit dem 26.11.1747 angegeben. In (5) wird aber vermerkt, dass das genaue Geburtsdatum 1759 sei. Immerhin werden auch die Taufzeugen benannt, was eigentlich auf Quellenforschung schließen könnte. 12 Jahre Unterschied sind eine ganze Menge. Was mich aber vor allem irritiert ist, dass er einen Bruder Antonius Johannes Nepromuk Petrus hatte, der am 8. August 1759 getauft wurde und hier mache ich mir schon ein wenig meine Gedanken, was die menschliche Biologie betrifft .

Zudem gibt es auch eine starke Diskrepanz zu einem anderen Ereignis in seinem Leben. Nachdem er ein Philosophiestudium absolviert hatte, trat er der Armee bei und desertierte im Jahre 1773. Er hätte mithin im Alter von 14 Jahren schon so einiges geleistet, was heutzutage viele in diese Richtung gehende, noch nicht mal jenseits der 30 erreichen.

Nächste Möglichkeit, es ist einfach ein Tippfehler und sollte 1749 heißen. Da jedoch wurde am 3. März sein Bruder Benedictus Ferdinandus Wenceslaus Gregorius getauft, womit wir wieder bei der menschlichen Biologie wären .

Fazit: Entweder mache ich hier einen gehörigen Denkfehler oder die Quelle beweist sich selbst, dass das Wort genau auch sehr ungenau sein kann.

Viele Grüße
Hina
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