#51  
Alt 23.08.2021, 10:13
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Hallo zusammen,

durch die in den letzten Tagen vermehrt online gestellten KB, ist auch das KB von Wittlaer hochgespült worden. Nun ist der Sterbeeintrag von Johann Gottgeb (aka Gottgeb Sr.) vom 22. Januar 1797 einsehbar:

https://dfg-viewer.de/show?tx_dlf%5B...e4c5c9e95cfdfc

Eine Herkunftsangabe gibt es hier leider auch nicht und die Eltern werden als unbekannt angegeben. Anders als im OFB Kaiserswerth/Wittlaer steht hier nicht "servus in Großwinkelhausen", sondern der Ausdruck "famulus". Die Frage ist, ob man daraus etwas über die soziale Stellung von Gottgeb Sr. ableiten kann, oder ob es nur der Versuch des Pfarrers war, gebildet zu wirken.

Achtung, jetzt wird es unseriös:
Wir hatten ja eine Häufung des FN Gottgeb im Elsass gehabt. Dort findet sich ein "Jean Gottgeb", der 1711 geboren wurde und über dessen Verbleib zumindest bei Geneanet nichts vermerkt ist.

https://gw.geneanet.org/nific34?lang...n=gottgeb&oc=1

Er könnte 1797 gut als 87jährig, wie im Sterbeeintrag vermerkt, durchgegangen sein. Jetzt müssen wir diesem elsässischen Jean Gottgeb nur noch eine Christina Schnitzler als Frau unterschieben und das Gottgeb-Problem ist gelöst...

Viele Grüße
Konstantin
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  #52  
Alt 23.08.2021, 23:12
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Hallo Konstantin,
zum "Famulus" kann ich etwas seriöses beitragen: als solcher wurde im Mittelalter ein Unfreier bezeichnet, der zu einem besonders ehrenvollen Dienst bestellt worden war (z.B. durch seinen Grundherrn).
Der Geneanet-Eintrag ist ein interessante Spur. Für den Beweis, dass der Angermunder und der Elsässer Namensträger identisch ist, braucht man aber eine entsprechende Quelle. Vielleicht findet die sich ja, wenn Du die Originalquellen studierst.
Weiterhin viel Erfolg bei diesem Puzzle.
Viele Grüße von Christian, der ein Angermunder ist.
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  #53  
Alt 25.08.2021, 12:26
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Hallo Christian,

diese Lesart des "famulus" ist die häufigste, die man so findet, bezieht sich aber irgendwie immer auf mittelalterliche Verhältnisse. Insofern bin ich mir unschlüssig, inwieweit man dies auf die Zeit um 1800 übertragen kann. Im Zedler-Lexikon von 1735 (Bd. 9, Sp. 210) wird sogar hervorgehoben, dass der "famulus" ein freier Mensch ist, der entweder gegen Lohn oder gegen Kost und Logis bei seinem Chef arbeitet:

https://www.zedler-lexikon.de/index....teiformat=1%27)

Um mehr ein Gefühl für die Bedeutung des Wortes zu bekommen, habe ich im Münchener Digitalisierungszentrum gestöbert. Davon ausgehend würde ich mit Blick auf den konkreten Fall von Johannes Gottgeb im Dienste der von Hatzfeld auf dem Rittergut Groß-Winkelhausen den "famulus" verstehen als:

einen Bediensteten, der entweder gegen Lohn oder Kost und Logis für seinen Herren arbeitet, zu dem er (wie ein Knappe und anders als ein Knecht) auch in einem persönlich-privaten Verhältnis steht. Dieses Verhältnis dürfte ein Treueverhältnis gewesen sein, das mitunter an eine Freundschaft heranreicht, aber aufgrund von Standesunterschieden keine Freundschaft sein kann. D.h. der "famulus" bringt seinem Herrn zwar abends die Flasche Wein, trinkt aber nicht mit. Anders als der "servus" wird er bei seinem Herrn nicht Fußabtreter sein. Sein Zuständigkeitsbereich leitet sich aus diesem persönlichen Verhältnis ab, d.h. er macht nicht die schwere Arbeit eines Knechts, sondern unterstützt seinen Herrn bei der Bewältigung seines persönlichen Alltags, ähnlich einem Privatsekretär, aber ohne die geschäftlichen administrativen Aufgaben. Das wäre dann auch etwas, was ein Mann von 85+ wie Johannes Gottgeb als Tätigkeit hätte ausüben können.

Vielleicht gibt es diese Unterschiede zum Diener und Knecht, die ich da gesehen habe, auch nicht.

Viele Grüße
Konstantin
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  #54  
Alt 25.08.2021, 18:31
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Hallo Konstantin,
eine derart fein differenzierte Bedeutung von "famulus" im Vergleich zu "servus" ist aus sprachlicher Sicht nicht nachzuweisen. Beide bedeuten zugleich Diener und Knecht. Es scheint, dass bei famulus der Bedeutungsschwerpunkt für die Römer eher auf Diener, bei servus eher auf Knecht lag. Wir reden aber vom Latein eines Kirchenmannes im Deutschland um 1800. Insofern wäre ich sehr zurückhaltend, allein aus dem Begriff Mutmaßungen zur genaueren Tätigkeit des Johannes Gottgeb anzustellen. Natürlich kann es so gewesen sein, wie Du es skizzierst, aber es ist nicht zu belegen. Grundsätzlich ist aber festzuhalten, dass es auch in der Dienerschaft feine Hierarcheabstufungen gab.
Schöne Grüße
Christian
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  #55  
Alt 25.08.2021, 19:25
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Hallo Christian,

es ist mir durchaus bewusst, dass ich da sehr viel und frei interpretiert habe und natürlich haben wir keine Anhaltspunkte, dass es so war. Und, wie du schreibst, lassen sich meine Gedanken aus dem Sprachlichen her nicht ableiten. Es war eher ein Versuch, aus dem Textkorpus des MDZ heraus ein soziales Verhältnis einer uns doch recht fernen Zeit zu fassen. Und selbst wenn man unterstellt, dass meine Deutung in irgendeiner Weise den damaligen Stand eines "famulus" trifft, so ist es immer noch möglich, dass es im konkreten Fall des Johannes Gottgeb anders war, er tatsächlich nur ein Knecht war, und uns der Pfarrer durch seine Wortwahl einen völlig falschen Eindruck gab.

Es wäre schon interessant, wenn es eine Studie über die Hierarchien auf einem Rittergut um 1800 aus dieser Gegend gäbe.

Viele Grüße
Konstantin
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  #56  
Alt 26.08.2021, 00:07
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Christian40489 Christian40489 ist offline männlich
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... nur eine recht allgemeine Erläuterung, aber vielleicht trotzdem hilfreich:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstbote Stichwort Dienstbotenhierarchien (dazu ziemlich weit nach unten scrollen).
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