#1  
Alt 28.10.2018, 09:50
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Luise Luise ist offline weiblich
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Standard 1618 bis 1648

Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum:
Genaue Orts-/Gebietseingrenzung:
Konfession der gesuchten Person(en):
Bisher selbst durchgeführte Internet-Recherche (Datenbanken):
Zur Antwortfindung bereits genutzte Anlaufstellen (Ämter, Archive):


Liebe Forscherrunde!
Gab es kriegsbedingt eine Fluchtwelle evangelischer Niederländer während des 30jährigen Krieges? Ich habe eine Familie Butter die laut KB als "Holländer" bezeichnet wird. Die Familie war auch recht wohlhabend. Ab 1653 ist sie in Thüringen ansässig.
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Liebe Grüße von Luise
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  #2  
Alt 31.10.2018, 01:25
1570126 1570126 ist offline
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Hallo Luise,

im Westfälischen Frieden 1648 erkannte Spanien die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande an. Damit endete für die Niederländer der Achtzigjährige Krieg (Spanisch-Niederländische Krieg) der von 1568 bis 1648 andauerte. Das es während dieser Zeit auch Flüchtlinge gegeben hat, ist selbstverständlich.



"....Alba marschierte mit 10.000 spanischen und italienischen Soldaten von Genua und Mailand nach Norden und kam im August 1567 an. Seine Härte in den Niederlanden hatte zweifellos eine spektakuläre Wirkung, und zwar keinesfalls nur in den Niederlanden. In den Jahren 1567-72 wurden insgesamt 8.950 Personen aus allen sozialen Schichten wegen Verrats oder Abtrünnigkeit oder wegen beider Vergehen angeklagt und verurteilt, und mehr als tausend der Verurteilten wurden öffentlich hingerichtet, in vielen Fällen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Viele adlige und bürgerliche Wohnsitze wurden durchsucht und geplündert, auch verschiedene Residenzen Wilhelms von Oranien (1533-1584), dem reichsten und bedeutendsten Edelmann der Niederlande. Sowohl im Escorial als auch von den königlichen Beamten in Brüssel wurde er, obwohl er noch nicht gegen den König zu den Waffen gegriffen hatte, als Führer der Opposition gegen die königliche Politik und als potentieller Schirmherr der Protestanten angesehen. Um der Verfolgung zu entgehen, verließen viele politische und religiöse Flüchtlinge das Land, vor allem im Frühjahr und Sommer des Jahres 1567 sowie im Winter 1567/68. Viele flüchteten nach England. Die meisten aber ließen sich zeitweilig oder in einigen Fällen auch für immer in Emden, Köln, Hamburg, Bremen, Frankfurt und anderen Städten Nordwestdeutschlands nieder. Eine nicht unbedeutende Anzahl emigrierte nach Dänemark und in das Baltikum. Die Mehrheit dieser ungefähr 60.000 Flüchtlinge waren nichtlutherische Protestanten, hauptsächlich Calvinisten, außerdem Mennoniten, Spiritualisten und andere. Dieser dramatische Exodus von Adligen, hohen Beamten und anderen Personen von hohem Rang verstärkte einerseits die Reformation in Nordwestdeutschland, einem Gebiet, in dem viele geistliche Fürsten im Bündnis mit Spanien die alte Kirche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigten; andererseits trugen die protestantischen Flüchtlinge aus den Niederlanden auch in hohem Maße zur Zersplitterung des Protestantismus am Niederrhein und in Westfalen bei. In Städten wie Hamburg und Frankfurt wuchs die calvinistische Minderheit durch die niederländische Immigration zu einer mächtigen Gruppe an. ..."


Quelle: 1648: Krieg und Frieden in Europa; Bd. 1. S. 111-112
Onlinetext hier


Aus Nachforschung in Frankfurt am Main weiß ich, daß die Anzahl der niederländischen Auswanderer sehr groß war. Unter ihnen waren auch wohlhabende Familien. In den Kirchenbüchern erhalten diese zur Trennung von den deutschen Familien mit dem Zusatz "welsch". Dies verschwindet erst 1666.


LG
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  #3  
Alt 31.10.2018, 10:21
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Herzlichen Dank für die interessanten Ausführungen. An den 80jährigen Krieg habe ich gar nicht gedacht. Damit könnte vielleicht auch eines mir bislang rätselhaftes "Auftauchen" von holländischen Ahnen in Sachsen-Anhalt erklärt werden? Dem werde ich mal intensiver nachgehen.
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  #4  
Alt 31.10.2018, 10:24
Zita Zita ist offline
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Hallo Luise,

könnte eventuell auch die 2. Erklärung passen: "milchwirtschafter auf einem gute, meist pächter."

http://woerterbuchnetz.de/cgi-bin/WB...11513#XGH11513


Es würde sich anbieten beim FN "Butter"!


Liebe Grüße
Zita
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  #5  
Alt 31.10.2018, 12:33
bleu-de-pastel bleu-de-pastel ist gerade online weiblich
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Standard Der Aufstand der Geusen

Der Freiheitskampf der Niederländer und der Aufstand der Geusen wurde auch literarisch in einer Novelle von Wilhelm Raabe: "Die schwarze Galeere" bearbeitet. Für mich war diese Novelle in der Schule Pflichtlektüre und hat mich damals nachhaltig beeindruckt.

Hier gibt es die Novelle als kostenloses Hörbuch:
https://librivox.org/die-schwarze-ga...wilhelm-raabe/

Die Novelle wurde Anfang der 1960er Jahre mit dem gleichen Titel auch verfilmt.

liebe Grüße, bleu-de-pastel

Geändert von bleu-de-pastel (31.10.2018 um 12:49 Uhr)
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  #6  
Alt 01.11.2018, 09:27
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Vielen Dank auch euch beiden für die Hinweise.
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  #7  
Alt 09.01.2019, 15:59
jansenvdb jansenvdb ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von 1570126 Beitrag anzeigen
Hallo Luise,

im Westfälischen Frieden 1648 erkannte Spanien die Unabhängigkeit der nördlichen Niederlande an. Damit endete für die Niederländer der Achtzigjährige Krieg (Spanisch-Niederländische Krieg) der von 1568 bis 1648 andauerte. Das es während dieser Zeit auch Flüchtlinge gegeben hat, ist selbstverständlich.



"....Alba marschierte mit 10.000 spanischen und italienischen Soldaten von Genua und Mailand nach Norden und kam im August 1567 an. Seine Härte in den Niederlanden hatte zweifellos eine spektakuläre Wirkung, und zwar keinesfalls nur in den Niederlanden. In den Jahren 1567-72 wurden insgesamt 8.950 Personen aus allen sozialen Schichten wegen Verrats oder Abtrünnigkeit oder wegen beider Vergehen angeklagt und verurteilt, und mehr als tausend der Verurteilten wurden öffentlich hingerichtet, in vielen Fällen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Viele adlige und bürgerliche Wohnsitze wurden durchsucht und geplündert, auch verschiedene Residenzen Wilhelms von Oranien (1533-1584), dem reichsten und bedeutendsten Edelmann der Niederlande. Sowohl im Escorial als auch von den königlichen Beamten in Brüssel wurde er, obwohl er noch nicht gegen den König zu den Waffen gegriffen hatte, als Führer der Opposition gegen die königliche Politik und als potentieller Schirmherr der Protestanten angesehen. Um der Verfolgung zu entgehen, verließen viele politische und religiöse Flüchtlinge das Land, vor allem im Frühjahr und Sommer des Jahres 1567 sowie im Winter 1567/68. Viele flüchteten nach England. Die meisten aber ließen sich zeitweilig oder in einigen Fällen auch für immer in Emden, Köln, Hamburg, Bremen, Frankfurt und anderen Städten Nordwestdeutschlands nieder. Eine nicht unbedeutende Anzahl emigrierte nach Dänemark und in das Baltikum. Die Mehrheit dieser ungefähr 60.000 Flüchtlinge waren nichtlutherische Protestanten, hauptsächlich Calvinisten, außerdem Mennoniten, Spiritualisten und andere. Dieser dramatische Exodus von Adligen, hohen Beamten und anderen Personen von hohem Rang verstärkte einerseits die Reformation in Nordwestdeutschland, einem Gebiet, in dem viele geistliche Fürsten im Bündnis mit Spanien die alte Kirche mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln verteidigten; andererseits trugen die protestantischen Flüchtlinge aus den Niederlanden auch in hohem Maße zur Zersplitterung des Protestantismus am Niederrhein und in Westfalen bei. In Städten wie Hamburg und Frankfurt wuchs die calvinistische Minderheit durch die niederländische Immigration zu einer mächtigen Gruppe an. ..."


Quelle: 1648: Krieg und Frieden in Europa; Bd. 1. S. 111-112
Onlinetext hier


Aus Nachforschung in Frankfurt am Main weiß ich, daß die Anzahl der niederländischen Auswanderer sehr groß war. Unter ihnen waren auch wohlhabende Familien. In den Kirchenbüchern erhalten diese zur Trennung von den deutschen Familien mit dem Zusatz "welsch". Dies verschwindet erst 1666.


LG

Hallo 1570126 ,

Fluchtwellen der Völker , egal aus welchen Gründen , gab es schon immer.
Die z.B. aus Spanien / Portugal , Frankreich und den Beneluxländern führten oft nach Deutschland ( und auch umgekehrt aus Deutschland in alle Welt ) . Ich suche nicht nach den calvinistischen Flüchtlingen , sondern nach den röm. kath. Fluchtwellen aus den calvinistischen Niederlanden . Hier besonders zwischen den Jahren 1560 - 1642 aus Hertogenbosch und Umkreis. Gibt es hierüber Informationen , wie z.B. berufsbezogene Personenlisten ( Schmiede ) , Familien die abwanderten und in welche Gegend .
Bin über jeden Hinweis dankbar, wer kann weiterhelfen .
LG
Friedrich

Geändert von jansenvdb (09.01.2019 um 16:05 Uhr)
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  #8  
Alt 09.01.2019, 19:56
derfeinekoch derfeinekoch ist offline
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hallo luise,
in den tauf.-trau.-und sterbe-register sind doch die männlichen personen
mit name,stand(beruf) und wohnort eingetragen. der holländer in deinem fall
ist bestimmt als beruf zu sehen, die holländischen milchviehbauern waren zu der
zeit die "spezialisten" an sich und so hat man den begriff als berufsbezeichnung

auch in den angrenzenden gebieten übernommen.
ist die wittwe eines holländer verstorben, so stand im sterberegister - die holländerwittwe so und so.
ich habe bei meinen ahnen noch kossäten und kolonisten.
eine schöne woche noch.
mfg andreas
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