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  #1911  
Alt 09.12.2015, 18:23
Jettchen Jettchen ist offline
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Standard Abkürzung "gg" gesucht!

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1577
Region, aus der der Begriff stammt: Coburg

Bei einer Abkürzung komme ich nicht weiter, auch im Lexicon Abbreviaturarum bin ich nicht fündig geworden.
Was bedeutet "gg"?
... m(ein) gg Churfürst und H(err) Hertzog Augusto...
In der Zeile darüber heißt e.f.g. : euer fürstlichen Gnaden
Bedeutet demnach gg so etwas wie "gnädigster"?

Gerhard_47

das "Familienkundliche Wörterbuch" von Fritz Verdenhalven, 3. Auflage von 1992 aus dem Degener-Verlag sagt aus, dass
> gg. = für "großgünstig" steht.
Dies würde in dem genannten Zusammenhang auch passen.

Friedrich

bei einer Anrede wäre ggt. für mich immer noch die Abkürzung für gnädigsten.

henrywilh

In dieser Quelle heißt es mehrfach: "F.F.G.G." - und das steht hier unzweifelhaft für: "Fürstliche Gnaden".
https://books.google.de/books?id=TuF...0fürst&f=false
Deshalb würde ich im angefragten Text auf "gnädig(er)" setzen.

Jettchen

Ich wundere mich bei dem Brief über die beiden unterschiedlichen Anredeformen zu den beiden Herren:
Der Empfänger der Briefe, der gefangene Herzog Johann Friedrich der Mittlere, wird immer als e.f.g. (euer fürstlichen Gnaden) angesprochen, der als Vormund der unmündigen Söhne regierende Churfürst August von Sachsen mit gg.
Da denke ich doch, dass es eine Vorschrift gegeben haben muss im Umgang mit den Herrschern und diese Anreden eine ganz gezielte Bedeutung haben müssen.
Ich tendiere zu groß-gütiger, eher nicht zu gnädiger - aber mehr aus dem Gefühl heraus. Vielleicht komme ich einmal ins Staatsarchiv und mir kann dort einer weiterhelfen. Falls ich eine genaue Anwort bekomme, lass ich es euch wissen.

Alter Mansfelder

ich wäre auch für "gnädigster". Vom zeitlichen Kontext und den üblichen Anredefloskeln gegenüber einem Kurfürsten her passt es am besten.

Hibbeln

Kurt Dülfer und Enno Korn
bieten folgende Lösung zu "gg" in ihrem Buch
Gebräuchliche Abkürzungen des 16.-20 Jahrhundert
Veröffentlichung der Archivschule Marburg. Nr. 1
" gg - großgünstig"

Kasstor

mit diesem Werk im Rücken https://books.google.de/books?id=2Gx...stiger&f=false würde ich wie Henry auch eher dem gnädi(gst)en zuneigen.

henrywilh

Es bestätigt sich, dass man an das Rätsel mit der Frage herangehen muss:
WIE wurden die Anreden verwendet? Und wenn "großgünstig" NICHT gegenüber einem Fürsten verwendet wurde - kommt es im vorliegenden Fall eben nicht infrage.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Abkürzung gg.jpg (87,3 KB, 28x aufgerufen)
  #1912  
Alt 15.12.2015, 17:27
Victor2012 Victor2012 ist offline männlich
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Standard Kann jemand bei der Abkürzung DSA von 1830 helfen?

Jahr, aus dem der Begriff stammt:
Region, aus der der Begriff stammt:

Hallo, innerhalb einer Heiratsanzeige aus dem Jahr 1830 heißt es: Schneidermeister, Tradel, mit DSA, verwitwet ...

Kasstor

also hier: https://books.google.de/books?id=4MB...dsa%22&f=false handelt es sich schlichtweg um die Abkürzung der Vornamen der Braut.
Angehängte Grafiken
Dateityp: gif preusser & bohrisch001.gif (186,6 KB, 10x aufgerufen)

Geändert von Victor2012 (16.12.2015 um 16:18 Uhr) Grund: Scan beigefügt
  #1913  
Alt 17.12.2015, 12:14
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SafeHaven SafeHaven ist offline weiblich
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Standard Heirat 1825

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1825
Region, aus der der Begriff stammt: Schweinert, Kreis Schwerin/Warthe, Posen

im Moment hangle ich mich hier von Thema zu Thema, um ein Ahnenrätsel durch verschollene Kirchenbücher doch noch zu lösen.
Es geht um den Eintrag Nr. 8 der Heirat von Johann Gottfried Hohmann mit Eva Rosine Schulz.
Der Zusatz zu 'Art der Einwilligung der Eltern oder Vormünder nachgewiesen' wirft mir noch eine Frage auf: 'gerichtlicher Consens produc.'. Ein Consens ist ja eine Zustimmung, die Braut war anscheinend mit 22 noch nicht volljährig und der Vater vor der Heirat verstorben.
Hatte das Gericht hier den Vormund und willigte so in die Verehelichung ein? Was bedeutet 'produc.'?

Friederike

produc. = produciert = vorgelegt

Hans Schuldt

im Sprachgebrauch der Lübecker Amtsstuben zwischen 1800 und 1900 bedeutet produziert:
"Das entsprechende Dokument wurde von der Amtsseite für den Beantragende erstellt"
Das passt hier m.E. auch.
__________________
Auf der Suche nach Spuren der Familie..

Hertzke/Herzke von überall
Fuchs und Behringer im 18. Jhd. aus Großhabersdorf und Umgebung
Avdic und Seremet aus Sarajevo und Visegrad
Kilimann, Sadlowski, Tietz, Ferrarius und Bialowons aus dem Kreis Ortelsburg

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  #1914  
Alt 18.12.2015, 12:07
sarahlynne sarahlynne ist offline
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Frage meaning/Bedeutung Schulkandidat?

Jahr, aus dem der Begriff stammt:
Region, aus der der Begriff stammt: Schmalkalden, Thuringia

What would Schulkandidat mean as an occupation for a man in the Schmalkalden (Weidebrunn) area in 1834? Later, in 1837 the man, David Friedrich Dietzel, was a Landgerichts Expedient, and in the 1860s he was a principal at a German Protestant school in Cleveland, Ohio.
Was würden Schulkandidat als Beruf für einen Mann in Schmalkalden (Weidebrunn) Bereich im Jahre 1834 das? Später, im Jahre 1837 der Mann, David Friedrich Dietzel, war ein Landgerichts Expedient und in den 1860er Jahren er Principal bei einer deutschen evangelischen Schule in Cleveland, Ohio war.

schönfeld

möglicherweise ist es vergleichbar mit dem heutigen Status des (Schul-)Referendars- so etwas wie ein Trainee(ship).

z.B.
Zitat:
Die Anfänge der Lehrerausbildung in der Fächerstadt reichen bis ins Jahr 1757 zurück, damals gerade einmal 42 Jahre nach der Stadtgründung wurden hier die ersten „Schulkandidaten“ausgebildet und geprüft.

http://www.schulen.regensburg.de/~js...Karlsruhe1.pdf
(S.6, vorletzter Absatz)

Rupp

a "schulkandidat" was a graduant teacher who helped at the schools and learns how to teach in that time
there is something about it written but in german
https://books.google.de/books?id=gB1...ndidat&f=false

Anna Sara Weingart

"Student teacher" is the corresponding English word for "Schulkandidat":
https://en.wikipedia.org/wiki/Student_teacher
https://en.wikipedia.org/wiki/Student_teaching

What a "Landgerichts-Expeditient" had to do is described here (in German):
https://books.google.de/books?id=j2F...edient&f=false
The corresponding English word could be "court clerk"
https://en.wikipedia.org/wiki/Court_clerk.

The translation of "Landgericht" into American English would be "circuit court"
Therefore, a "Landgerichts-Expedient" should be a "court clerk at a circuit court"

An other general translation of "Landgerichts-Expedient" could be "employee at the regional court"

Maybe, the corresponding court level of "Landgericht" can also be seen as "district court" in the USA.
I don't know exactly the court level system in Thüringen in the 1800's
  #1915  
Alt 19.12.2015, 19:46
Vincenz2 Vincenz2 ist offline
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Standard Geheimnisvolle Zeichen in Saazer Sterbebüchern

Jahr, aus dem der Begriff stammt: um 1690
Region, aus der der Begriff stammt: Saaz
hier eine erste Frage. Ich finde in den zum Teil tschechisch verfassten Sterbebüchern von 1690 in Saaz (Z_1669-1706_189_35 hier S. 50 ff) immer wieder sonderbare Zeichen, welche einem mit Tinte gefüllten "g" ähneln und deren Bedeutung mir nicht bekannt ist.
Da in dieser Zeit sich das angegebene Datum auf das Begräbnis bezieht, könnten die Zeichen auf das genaue Sterbedatum hinweisen?

rigrü

Ich werfe mal die Anzahl der Glockenpulse beim Trauergeläut in den Raum.

Vincenz2

Die Anzahl der Glocken (oder -impulse) scheint plausibel! DieAnzahl ist hier 4 und der Verstorbene ist ein Herr Ungr dessen FN etwa 50 Jahre früher schon als "Ungar oder Unger de Ritterspurk" in gehobener Gesellschaft - auch als Zeuge oder Beistand erscheint. Auch ein Bürgermeister wird um 1760 recht zeitnah genannt. Die Spur ist heiß und es sind offenbar nicht die Anfangsnoten der Trauermusik.

holsteinforscher

*Heiderdaus*, hier hat uns der Herr Pfarrer ein echtes Rätsel ins
Nest gelegt.
Zur damaligen Zeit gab es ja erhebliche Unterschiede, wie man
eine Trauerzeremonie abgehalten hat:
a.) Bestattung in aller Stille, die wohl am häufigsten anzutreffende Art
der Bestattung (es bestehen von a) nach b) selbstverständlich noch
Steigerungsschritte, die ich hier jedoch weggelassen habe..!!)
b.) die/eine prunkvolle Variante, mit Geläut, Predigt, Musik, Öffentlichkeit usw.
Somit könnten diese Zeichen durchaus für die Art/Aufwand der Bestattung stehen.
Z.B. ein (G) für mit Geläut, zwei (G) für Geläut und Predigt…usw..

Vincenz2

Ich denke wir sind hier auf der richtigen Spur. Die Zeichen werden in - unterschiedlicher Anzahl und offensichtlich "standesgemäß" verwendet. Meine Frage kann ich deshalb als (vorläufig) gelöst markieren. Ich werde die Zeichen jedoch weiter im Hinterkopf behalten. Es bleibt interessant, ob diese in weiteren Büchern in Böhmen - abhängig von der Sprache - verwendet wurden.
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  #1916  
Alt 21.12.2015, 14:29
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hvenitz hvenitz ist offline männlich
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Standard Lateiner gefragt: dictus

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1344
Region, aus der der Begriff stammt: Saas/Schweiz

Im Armorial Valaisan fand ich folgenden Satz: "Tominus dictus Venech ist 1344 in Saas beurkundet." - Es dürfte sich dabei um Thomas Venech/Venetz handeln. Nur der "dictus" stört mich. Was hat das zu bedeuten? Wikipedia übersetzt "dictus" mit: Befehl, Rede, Spruch, Wort. - Ergibt keinen Sinn; oder soll es heißen, Thomas genannt Venech? - Thomas = Vorname; Venech = Nachname; warum dann "genannt" dazwischen?

animei

ja, dictus bedeutet in diesem Fall sicher genannt und hängt damit zusammen, dass es zu der besagten Zeit noch nicht überall feste Familiennamen gab: http://www.onomastik.com/dokumente/Nachnamen.pdf

Gast Malu

Tominus als Vorname? Vielleicht Dominus, der Herr. In Italien soll es ja ein Adelsgeschlecht diesen Namens gegeben haben, flüstert mir GOOGLE ein.
Gehört SAAS zur Deutschschweiz?

Interrogator

dann wäre Tominus = Dominus dictus - der (schon) genannte/erwähnte Herr
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Schöne Grüße
Herbert

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  #1917  
Alt 21.12.2015, 19:09
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hvenitz hvenitz ist offline männlich
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Standard Lateiner gefragt (zum zweiten Mal)

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1476
Region, aus der der Begriff stammt: Naters/Wallis/Schweiz

gefunden bei Hans Anton von Roten "Die Landeshauptmänner von Wallis":
"In einer Urkunde im historischen Museum in Brig erscheint am 5. Mai 1476 in Naters 'providus vir Theodulus Venetz castellanus Vespie pro se et loco filiorum qbam Thome Venetz eius fratis'

Christian40489der vorsichtige Mann Theodolus(1) Venetz, vespischer(2) Kastellan(3), für sich und an Stelle seiner Söhne wie (4) seines Bruders Thomas Venetz.
(1) Theodolus ist der Name eines römischen Soldaten und Märtyrers, Der Name bedeutet <Diener oder Sklave Gottes>.
(2) aus dem Städtchen Visp, 20 Kilometer von der italienischen und 70 Kilometer von der französischen Grenze entfernt.
(3) Aufsichtsbeamter eines größeren Anwesens, z. B. einer Burg, eines Schlosses oder eines Palais.
4) qbam dürfte ein Lese-/Übertragungsfehler sein, ich vermute es heißt <quam>, hier etwa mit <wie> zu übersetzen.

hvenitz

Kann dies auch als Abkürzung für "quondam" geschrieben stehen. Habe nochmal nachgesehen, da steht (mehrmals) "qbam" - auf diese Möglichkeit brachte mich der zufällig gefundene Satz: "Jorius filius quondam Ansermi domni Andree" (in etwa zu verstehen als "einstigem/gewesenenem", also verstorbenem??

Christian40489

ohne den Eintrag im Original prüfen zu können ist eine Beurteilung sehr schwierig, eigentlich unmöglich. "quondam" = einst-ehemals würde sprachlich auf jeden Fall passen. Wären denn für quondam die sachlichen Voraussetzungen gegeben: waren die Brüder bereits verstorben?

hvenitz

Leider habe ich nur Sekundärquellen zur Verfügung. Den betreffenden Satz findest Du bei Hans Anton von Roten "Die Landeshauptmänner von Wallis 1388-1840" in Teil 2, Seite 117, im Beitrag zu Theodul Venetz am Acker von Stalden (i. d. Fußnote).
Ein weiteres "qbam" findet sich in Teil 1, S. 70.
Wenn man die Suchfunktion (Lupe) nutzt, findet man weitere Stellen mit "quondam". Auch in "Türme und Dorfadel im Oberwallis", ebenfalls von H. A. von Roten, findet sich dieser Begriff mehrmals. - Leider klärt das nicht den Sinn von "qbam".
Den Begriff "quondam" setze ich mit unserem "gewesenen" gleich.

Christian40489

der Begriff "quondam" ist schon richtig übersetzt, aber meint ihn der Autor, wenn er mit "qbam" abkürzt? Ich meine nein! Theoretisch wäre eine Abkürzung von "quibusdam" denkbar, (Dativ und Ablativ Pl. von quidam - gewisse, einige, manche). Dagegen spricht im vorliegenden Falle allerdings der grammatische Kontext: denn auf "et loco" folgt der Genitiv: loco filiorum ... et fratis - an Stelle seiner Söhne und seine Bruders. Ich neige deshalb auch zur Vermutung, dass Theodolus für seine "Söhne und seinen gewesenen Bruder Thomas" handelte. Eine andere, inhaltlich wie grammatisch passende Erklärung finde ich nicht.

hvenitz

So sehe ich es auch: Theodolus handelt für seine "Söhne und seinen gewesenen Bruder Thomas"
Vielleicht ergibt sich später auch eine Lösung für "qbam".
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  #1918  
Alt 29.12.2015, 18:49
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Moralapostel Moralapostel ist offline männlich
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Standard "an Gefahr gestorben"

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1640
Region, aus der der Begriff stammt: Warnsdorf, Nordböhmen

Schon einige Zeit grübele ich über die Todesursache 'Gefahr'. Innerhalb ein paar Monaten starben in Warnsdorf, Nordböhmen 1640 viele Leute daran, wurden danach meist in einem Garten (also auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche und nicht auf dem Kirchhof) begraben und innerhalb der Familie starben die Personen innerhalb weniger Tage.
Ist es wohl die Pest?

Philipp

Ohne Detailkenntnisse zum Verlauf würde ich zunächst den Dreißigjährigen Krieg 1618-1648 vermuten.

Anna Sara Weingart

Die Worterklärung bei Grimm würde Philipps Theorie unterstützen: Gefahr = feindlicher Überfall - http://woerterbuchnetz.de/DWB/?bookref=4,2079,24

Rieke

Bist Du Dir ganz sicher, dass da wirklich 'Gefahr' steht oder koennte es ein Lesefehler sein?
Wenn diese 'Diagnose' gleich bei mehreren Gestorbenen innerhalb einer Familie besteht, kann es schon auf eine zu der Zeit grassierende Seuche hindeuten. Aber eigentlich wurden auch Pesttote nicht einfach verscharrt, sondern bekamen nach Moeglichkeit ein Begraebnis, oder?
Bedenk aber, dass es sich um die Zeit des Dreissigjaehrigen Krieges handelt, der ja ziemlich gewuetet hat, und diese Todesfaelle damit etwas zu tun haben koennten.
Dass die Toten nicht auf dem Friedhof, sondern sozusagen auf dem Acker begraben wurden, kann auch einfach daran liegen, dass katholische oder protestantische Begraebnisse (je nachdem, wer gerade dort das Sagen hatte) nicht erlaubt waren.

Kasstor

zur Pest in Böhmen hier: https://books.google.de/books?id=quB...B6hmen&f=false 1640 würde passen. Erwähnung von Kriegseinwirkungen hier: https://books.google.de/books?id=obo...201640&f=false also eher (nur?) im März des Jahres.

Moralapostel

Drei Theorien lese ich hier raus.
1. Seuche
2. Kampfhandlung
3. Falsche Religion
1. Seuche:
Ist es denn so, dass Pesttote immer ein Begräbnis auf dem Kirchplatz bekammen? Für mich klingt es erstmal logisch, dass man verseuchte Kadawer (die eventuell noch ansteckend sind) irgendwo vergraben hat, wo wenig Personen sind. Spricht die Tatsache, dass manche Personen nachts begraben wurden eher dafür?
2. Kampfhandlungen:
1640 zogen die Schweden durch Warnsdorf und wüteten dort. Allerdings sind diese wohl kaum über Monate in Warnsdorf geblieben. Zudem findet sich "die Gefahr" nur in dem besagten Zeitraum. Im Kirchenbuch steht sonst nichts weiter dazu - weder vorher noch nachher.
3. Falsche Religion:
Die Religionsstruktur von Warnsdorf ist sehr gut erschlossen. In der Tat gab es später zwei Personen, die wegen der Religion nicht auf dem Kirchhof bestattet wurden, was aber im Kirchenbuch besonders hervorgehoben ist. Zu dem Zeitpunkt war die Warnsdorfische Bevölkerung noch protestantisch und floh im großen Maße vor der Rekatholisierung nach Sachsen als Exculanten.
Ich schildere am besten mal den Verlauf "der Gefahr" (alles 1640) von Ende September bis Ende Dezember:
XB
23.09.: ist hans goldbrichs weib alhier gestorben und ist die erste leiche so an der gefahr gestorben
28.09.: ist die alte Bartel [Mutter von Hans Goldbrich] an d[er] gefahr gestorben, und ins Gärtel begraben word[en] ... ... ...
05.10.: ist hans goldbrich an der gefahr gestorben a
08. und 09.10.: sindt hans goldbrichs 2 Kinder und seine Schwester an d gefahr gestorben und sindt alle 3 sambt .. gedachten hans goldbriche ohne sarg von gregor wurm ins gertel begraben worden aaa
14.10.: ist die alte Schmied gretsche (?) an d gefahr gestorben und im garten begraben a
13.11.: ist Hans roschers des ober (?) elt[ester] Sohn gestorben und des Nachts Auffem Kirch hoff begraben word[en], und ist auch an d[er] gefahr gestorben a
22.11.: ist Christoff Siebers des ge... Mittelster Sohn an d[er] gefahr gestorben, und des nachts auffen kirch hoff begraben a
23.11.: ist die alte gregor wurmin und töchterlein an d[er] gefahr gestorben und in gart[en] begraben worden aa
27.11.: ist Jonas reinischin elteste tochter an d[er] gefahr gestorben, und im garten begraben
29.11.: ist Hans roschers des ob...(?) jüngst Sohn an d[er] gefahr gestorben und auffem gutte begraben a
04.12.: ist Christofff Siebers des gartners magdel ... d[er] gefahr gestorben, und im gart[en] begraben a
06.12.: ist Christoff Sieber ganer und sein Söhnlein an d[er] gefahr gestorben und auffm garten begraben worden aa
07.12.: ist Jonas Reinischin Sohn Hans an d[er] gefahr gestorben und im gart[en] begraben word[en]
08.12.: ist Christoff Siebers des gertners weib und ein mägdl an d[er] gefahr gestorb[en] und auffen garten begraben worden aa
09.12.: ist d[er] alte lange görge Sieber zu Herdorff bey d[er] Gabel gestorben und daselbst auff Christoff Erkerts (?) seinen pacht gutte in küche (kürche?) garten begraben
10.12.: ist der Jonas reinischin kleinstes Magdel an d[er] gefahr gestorben, und auffen gart[en] begrbaen a
30.12. [heute vor 375 Jahren]: ist die Jonas reinischin and[er] gefahr gestorben und in gart[en] begraben
sinis sinis sinis (?)
Die Auflistung der an Einträge beginnt mit einem XB (Christus ist auferstanden?) und hört mit einem dreifachten Sinis (eventuell Lesefehler, mythologischer Straßenräuber?) auf. Darunter beginnt das Jahr 1641 und die Gefahr ist anscheinend verschwunden, weil niemand mehr daran stirbt. Interessant ist auch, dass hinter den meisten Toten Personen ein a steht, da kenn ich die Bedeutung nicht.
Insgesamt fünf Familien und eine Einzelperson sind also an der "Gefahr" gestorben:
Familie Hans Goldbrich (6 Personen)
Familie Christoff Sieber (5 Personen)
Familie Jonas Reinisch (4 Personen)
Familie Hans Roscher (3 Personen)
Familie Gregor Wurm (2 Personen)
Frau Gretsche Schmied
Die Einträge sind zu sehen unter:
http://matriky.soalitomerice.cz/matriky_lite/pages/zoomify.jsp?page=0&loadDao=true&entityRef=%28^n%29 %28%28%28localArchiv%2C^n%2C%29%28unidata%29%29%28 16585%29%29
Varnsdorf, N, O, Z • 1571 - 1656 • L169/1 • Varnsdorf, Nummer 182/206 rechte Seite und 183

gudrun

ich vermute es war die Pest, an der ja ganze Familien gestorben sind.
Die Leute wußten, daß das eine ansteckende Krankheit ist.
Also kann die "Gefahr" auf die Pest hindeuten.
In meinem Heimatort gibt es einen Pestfriedhof,
der heute noch als Pestfriedhof bekannt ist.

Anna Sara Weingart

Also nach der Quelle in Beitrag #5 wurde die Pest ausgelöst durch eine Gefahr im Sinne von feindlichem Überfall, nämlich "Ursprung [der Pest] war die schwedische Belagerung"; "Nachdem die schwedischen Truppen ganz Böhmen verwüstet hatten, folgten Hunger und Pest."
Damit ist die Bezeichnung für die Seuche Pest mit dem Wort "Gefahr" erklärbar. Die Gefahr war also der Auslöser der Seuche und gab ihr daher den Namen.

Artsch

im Grunde war es egal ob es feindliche oder verbündete Truppen waren, die Warnsdorf trafen oder nur streiften. Die Krankheiten wurden von den Truppen mitgebracht. Da reichte es, wenn ein Dorfbewohner mit denen Kontakt hatte oder liegengebliebenes von Truppen ins Dorf brachte. Ich nehme an, die Gefahr bezog sich evtl. auch auf weitere ansteckende tödliche Krankheiten als nur die Pest. Weil man es nicht genau wußte, wurde es eben als die Gefahr betitelt.
__________________
Meine westfälischen Ahnen: http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=57457
  #1919  
Alt 29.12.2015, 21:06
Jettchen Jettchen ist offline
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Standard Abkürzungen neben Heiratseintrag

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1677
Region, aus der der Begriff stammt: Worms

Kann mir jemand die Notiz neben dem Heiratseintrag Nr. 25 erklären? (Nr. 24 habe ich nur zum Vergleich dabei gelassen.)
Die mittlere Zeile verstehe ich, die obere und untere jedoch leider nicht.

johannschorr

das obere S. b. t. will ich noch klären.
die untere Zeile ist der trauende Pfarrer, was wie ein Kreuz aussieht ist ein "P". Dahinter die Abkürzung M.M., wer das war weiß ich nicht, aber im Traubuch gibt es etliche solcher Einträge für ihn und natürlich auch andere.

zita

zur unteren Zeile: was wie ein X mit drangesetzten P aussieht, halte ich für das sogenannte Christusmonogramm: griech.Schrift "XP" = latein.Schrift "Chr."

Xtine

die mittlere Zeile:

copul. (Zeichen f. Mars = Dienstag) d. 7. Aug.


Jettchen

Könnte das "MM" dann einfach die Abkürzung für den Pfarrer sein, der die Trauung vollzogen hat? In einer Stadt wie Worms gab es ja mehrere Geistliche.
Noch ein Rätsel ist mir die obere Zeile: sht - fbt ????

johannschorr

Zitat:
Zitat von zita
zur unteren Zeile: was wie ein X mit drangesetzten P aussieht, halte ich für das sogenannte Christusmonogramm: griech.Schrift "XP" = latein.Schrift "Chr."

Das würde mich wundern wenn die Pfarrer sich mit Christus bezeichnet hätten.
Wie soll das im Zusammenhang stehen???

holsteinforscher

...Das würde mich wundern wenn die Pfarrer sich mit Christus bezeichnet hätten...
XP steht dann nicht für den Pastor, sondern wohl eher im Namen des Herrn, eher
noch ...der Friede sei mit ihnen..

johannschorr

Also ich weiß nicht, das erschließt sich mir nicht, warum nach dem "frommen Wunsch" dann die Initialien des Pfarrers kommen sollte.
Ich habe mir noch mal ein paar Seiten angesehen und ein Beispiel gefunden das dem möglicher weise wiederspricht.
Da steht das "xp" und als Abkürzung CF. dieses wurde dann alles durchgestrichen und der Ort der Trauung an diese Stelle geschrieben.
Ich habe das mal hochgeladen zur Begutachtung.
Ich glaube einen "frommen Wunsch" oder gar Christus hätte kein Pfarrer durchgestrichen. Aber wissen kann ich das auch nicht genau.
Was denkt ihr?
Und hat schon jemand eine Idee zu den oberen Buchstaben.
Ich glaube das ist ein "S. b. t." aber was bedeutet das???


1570126

ich glaube nicht, dass das Marszeichen hier für Dienstag steht. Der 7. Aug. 1677 war ein Samstag.

Xtine

doch, das ist eine ganz typische Wochentagsangabe und nach julianischem Kalender war es ein Dienstag!

schau doch mal das Lexicon Abbreviaturarum durch, ob Du was sinnvolles zu den Abkürzungen finden kannst.

johannschorr

Ja das stimmt, in Worms galt noch bis 1700 der julianische Kalender.
https://archive.org/stream/LexiconAb.../n319/mode/2up

Anna Sara Weingart

dem Abkürzungsverzeichnis nach (siehe Seite 257) könnte das "p" mit Querstrich das Kürzel für lateinisch "per" (= durch, mit Hilfe von) bedeuten.
Also: "kopuliert am Dienstag den 7. August durch M.M."

Jettchen

Vom immer sehr freundlichen und hilfsbereiten Stadtarchiv Worms habe ich heute bereits Antwort erhalten!
Bei der 2. und 3. Zeile habt ihr die richtige Interpretation gefunden! MM sind die Initialen des Pfarrers Matthias Meigener, Pfarrer in Worms (1666-1678) und CB die des Johann Christoph Bayer, Pfarrer in Worms (1671-1689).
Für die erste Zeile, die im KB bei jedem Traueintrag hinzugefügt ist, haben die Fachleute auch noch keine Lösung gefunden! Sie sind aber auf der Suche.
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Abkürzungen.jpg (198,2 KB, 106x aufgerufen)
  #1920  
Alt 30.12.2015, 18:28
Jettchen Jettchen ist offline
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Beiträge: 958
Standard Was ist ein Weingartsmann?

Jahr, aus dem der Begriff stammt: 1662
Region, aus der der Begriff stammt: Worms


Hallo in die Runde!

Was genau verstand man einst unter einem Weingartsmann?
War er als Winzer bei einem Weinbergsbesitzer angestellt oder besaß er selbst einen Weinberg?
Ich vermute eher das Erste.

Viele Grüße
von Jettchen
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