Zurück   Ahnenforschung.Net Forum > Allgemeine Diskussionsforen > Namenforschung
Hier klicken, falls Sie Ihr Kennwort vergessen haben.

Hinweise

Antwort
 
Themen-Optionen Thema durchsuchen Ansicht
  #11  
Alt 14.10.2019, 20:52
Benutzerbild von consanguineus
consanguineus consanguineus ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 15.05.2018
Ort: Harz
Beiträge: 1.052
Standard

Hallo Xylander,

Deine Erklärung des Wandels vom Vornamen zum patronymischen Familiennamen Achilles klingt sehr einleuchtend und plausibel. Ob da nun Heinrichs des Löwen (angebliche) Vorliebe für griechische Heldensagen der Auslöser war, wage ich zu bezweifeln. Wieviele Menschen hatten zu Zeiten des Welfenherzogs denn schon einen Familiennamen? Das war ein sehr, sehr überschaubarer Kreis. Darüberhinaus frage ich mich dann auch, weshalb im Umland von Braunschweig bis auf Achilles keine anderen griechischen Helden in den hiesigen Familiennamen weiterleben.

Viele Grüße
consanguineus
__________________
Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 14.10.2019, 23:19
Benutzerbild von Laurin
Laurin Laurin ist offline männlich
Moderator
 
Registriert seit: 30.07.2007
Ort: Oberfranken
Beiträge: 5.191
Standard

Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Hallo zusammen!

Ich habe es tatsächlich fertigbekommen, mir diese Sendung anzusehen. Nun weiß ich, was eine Mediathek ist.

Als Horst andeutete, daß Prof. U. etwas zu dem Thema beigetragen hat, hatte ich gleich ein ungutes Gefühl. Ich möchte dessen wissenschaftliche Verdienste keineswegs in Abrede stellen, habe aber leider schon zu oft erlebt, daß seine Namensdeutungen wie populärwissenschaftliches Wischiwaschi klingen. Und so erschien es mir jetzt auch bei den Achilles ...
Da Herr Prof. Udolph kein Mitglied / Benutzer unseres Forums ist, wir uns aber anderweitig kennen, bat er mich, eine Stellungnahme hier zu veröffentlichen:
Zitat:
Hallo, Consanguineus,

interessehalber schaue ich auch gern mal in dieses Forum hier. Dabei fiel mir Ihr Kommentar zu meinen Beiträgen in der Sendung „Du ahnst es nicht!“ auf.
Ich bin nun schon ziemlich genau 50 Jahre mit Namen beschäftigt; falls Sie sich dafür interessieren, was ich seitdem so geschrieben, so finden Sie fast alles - bis auf ein paar Bücher - hier:
https://adw-goe.de/forschung/forschu...publikationen/

Höchst interessant, dass Sie beurteilen können, dass meine „Namensdeutungen wie populärwissenschaftliches Wischiwaschi klingen“. Ihre Kenntnisse auf diesem Gebiet sind mir bisher aber unbekannt geblieben. Könnte es sein, dass Sie überhaupt noch nichts Sinnvolles auf dem Gebiet publiziert haben (Internet gilt nicht!).

Aber sehen wir uns mal Ihre Kritik etwas genauer an …

Nr. 1:
Achilles. Man stelle sich vor: eine niederdeutsche Bauernfamilie nennt sich selbst Achilles, weil am Hofe Heinrichs des Löwen die griechische Mythologie ein beliebtes Thema war. Ja ne, is klar...

Sie wissen nichts über die Herkunft des Namens, kritisieren nur. Hier kommt Hilfe für Sie:

Der Name wird ausführlich behandelt bei R. Zoder, Familiennamen in Ostfalen, Bd. 1-2, Hildesheim 1968. Er schreibt wörtlich:
Der Sagenkreis des Trojanischen Krieges gehörte zu den beliebtesten Stoffen des MA; er hat seine bedeutendsten deutschen Bearbeitungen durch Herbort von Fritzlar (in den Jahren zwischen 1200 und 1210) und Konrad von Würzburg (1280-1287) gefunden; auf diesen geht eine Prosanacherzählung des Heinrich von Braunschweig aus dem Ende des 14. Jh. zurück, die wahrscheinlich in der Heimat des Verfassers besondere Verbreitung gefunden hat (Hermann Dunger: Die Sage vom trojan. Kriege in den Bearbeitungen des MA und ihren antiken Qucllen, Leipzig 1869, S. 67)
Die Studie von Dunger kann man hier einsehen:

Digitalisat:
http://dfg-viewer.de/show/?tx_dlf%5B...5b41993facc004

Wichtig dort u.a. die S. 67. Vielleicht lesen Sie mal, was dort steht.

Nr. 2:
Meinen Familiennamen (ein Onkel hat das mal in Auftrag gegeben) leitete er übrigens von einem Mann ab, der in grauer Vorzeit gerne Schweinshaxe aß und dann nach dieser Eßgewohnheit seinen Namen trug.

Sie kennen sich absolut nicht aus mit der Deutung von Familiennamen. Hier eine kleine Auswahl aus Deutungen, die in der Fachliteratur - wohlgemerkt nicht von mir verfasst - im weitesten Sinne mit Speisen zu tun haben:

a.) Heute wird man beim Namen Bratmann wahrscheinlich zunächst an eine Verbindung zu
den Wörtern Braten und braten denken. Unter den deutschen Familiennamen gibt es etliche, die
sich hierauf beziehen, vgl. etwa Brater/Bradter/Brader/Bräter, Braten, Schweinebraten/Schweinebraden,
Bratfisch/Bradfisch, Brathering/Bradhering, Brathuhn, Bradenahl.

b.) Koch oder bevorzugte Speise: Schweinebraden, Schweinebraten, Brathuhn, Bratvogel, Bratfisch, Brathering und Braten. Direkt auf den Koch verweisen u. a. die Namen Koch (niederdeutsch Kock), Küchenmeister, Garkoch und Kochwasser.

c.) Die Familiennamen nach Speisen und Getränken sind recht zahlreich, vgl. etwa Pfannkuchen, Lebkuchen, Kuchen, Krapf, Leberwurst, Krautwurst, Schweinebraten, Rindfleisch, Kalbfleisch, Sauerbier, Frischbier, Buttermilch, Schlegelmilch, Zieger, Twark und Zwarg (die letzten drei bedeuten 'Quark') usw.

3.)
Und die Deutung des Namens Wildfang in der Sendung fand ich auch sehr speziell. Ich meine, es kann ja durchaus sein, daß es sich so verhält, wie Prof. U. sagt, aber sollte einem Wissenschaftler, der sich mit Geschichte auskennt, bei dem Begriff "Wildfang" nicht sofort etwas ganz anderes (und in Bezug auf Namen wohl viel Naheliegenderes) einfallen als diese Story vom Jägergehilfen?

Es bleibt unklar, was Sie meinen. Denken Sie an „Wildfang“ im Sinn von „lebhafter, (meist junger) Mensch“?

Dann sollten Sie im Deutschen Wörterbuch der Brüder Grimm (Deutsches Wörterbuch) nachlesen, was Wildfang ursprünglich bedeutet hat:

II. die bedeutungsentwicklung ist sehr unklar, da augenscheinlich zwei wörter sich verschmolzen haben, eine ursprüngliche thätigkeitsbezeichnung wildfang (zu wild n. und fang, das fangen) und eine sachbezeichnung (von wild adj. und fang, die beute). so erklärt sich das nebeneinander der bedeutungen 1) fang des wildes, auch jagdrecht, jagdrevier und 2) das lebendig gefangene wild, besonders vögel und übertragen auch pferde oder herrenlose und unbändige menschen; mit weiterer übertragung auch von bäumen, wildlingen; vgl. zu der entwicklung H. Schulz zeitschr. f. dt. wortforsch. 11, 241. die neuere sprache hat sämmtliche genannten bedeutungen auszer gebrauch kommen lassen und kennt das wort nur noch in abschwächung als personenbezeichnung, besonders als kosewort für kinder.

Das heißt: die heute allein geltende Bedeutung „lebhafter, (meist junger) Mensch“ ist eine spätere. Die alleinige ältere bezieht sich - im weitesten Sinn - auf: das Wild fangen. Ich habe diese Bedeutungsveränderung auch in der Sendung angesprochen.

Um mit Ihrer Kritik wirklich zu überzeugen, müssen Sie noch eine Menge lesen.

Gruß, J. Udolph
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 15.10.2019, 10:09
Verano Verano ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 22.06.2016
Beiträge: 6.537
Standard

Guten Morgen und schöne Grüße an Prof. Udolph (er liest ja manchmal mit)

Bahlow lag ja nicht verkehrt, siehe # 8,
vergl. Herbert v. Fritzlars „Liet van Troye“ um 1200.
__________________
Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 15.10.2019, 11:24
Xylander Xylander ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 2.597
Standard

Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Hallo Xylander,
Darüberhinaus frage ich mich dann auch, weshalb im Umland von Braunschweig bis auf Achilles keine anderen griechischen Helden in den hiesigen Familiennamen weiterleben.
Viele Grüße consanguineus
Hallo consanguineus,
wie sieht es denn mit den FN Hector, Hektor, Heckter aus? Laut Bahlow im Mittelalter zunächst als Vorname in Ritterkreisen gebräuchlich. Hektor war in der Sage ja der trojanische Gegenspieler von Achilles, auf den Bahlow verweist. Als Beispiel nennt er Hector v. Viermünden, Eder, 1388

Viele Grüße
Xylander
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 15.10.2019, 11:43
Kasstor Kasstor ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 09.11.2009
Ort: bei Hamburg
Beiträge: 9.114
Standard

Hallo,

Kartierung lt geogen findet Hot spots für Hector/ Hektor im Saarland, ansonsten Flickenteppich in D.

Gruß


Thomas
__________________
FN Pein (Quickborn vor 1830), FN Hinsch (Poppenbüttel, Schenefeld), FN Holle (Hamburg, Lüchow?), FN Ludwig/Niesel (Frankenstein/Habelschwerdt) FN Tönnies (Meelva bei Karuse-Estland, später Hamburg), FN Lindloff (Altona, Lüneburg, Uelzen)
Mit Zitat antworten
  #16  
Alt 15.10.2019, 14:41
Xylander Xylander ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 2.597
Standard

Hallo zusammen,
interessant finde ich, dass also nicht nur germanische/altdeutsche Namen und christliche Namen bei der Bildung von Vatersnamen eine Rolle spielten, sondern auch Namen antiker Gestalten. Bei Bahlow findet sich zB noch Alexander der Große, der durch die Kreuzzüge ins mitteleuropäische Bewusstsein rückte. Dies nur als Anmerkung am Themenrand.
Viele Grüße
Xylander
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 03:38 Uhr.