#1  
Alt 21.05.2008, 15:39
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Standard Sudetendeutsche in der Armee der CSR

Hallo zusammen,

mein Großvater war Sudetendeutscher und leistete seinen Grundwehrdienst in der CSR von 1930-1932.

Was mich an dieser Stelle interessiert, sind die allgemeine Umstände wehrpflichtiger Deutscher in den Streitkräften im Zeitraum 1918-1938. Nach welchen Gesichtspunkten wurden sie eingeteilt? Kamen ethnische Deutsche nur in deutsche Einheiten oder in gemischte? Bekamen sie auch deutsche Offiere als Vorgesetzte? Waren überhaupt Deutsche als Offiziere eingesetzt oder wurde das eher vermieden? Wie war das mit der Sprache?

Wer weiss etwas dazu bzw. wo könnte man etwas erfahren?

Gruss
Andreas
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  #2  
Alt 21.05.2008, 16:25
Joachim v. Roy Joachim v. Roy ist offline
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Standard Deutsche in der Armee der CSR

Hallo Andreas,

hier kann ich lediglich über die Verhältnisse in der ehemals (vor 1918) preußischen Provinz Posen berichten. Die Verhältnisse in Böhmen mögen nach dem Ersten Weltkrieg vergleichbar gewesen sein.

Auch in der ehemaligen Provinz Posen hatten Deutsche – als nunmehr polnische Staatsbürger - ihren Wehrdienst zu leisten. Die Kommandosprache war Polnisch. Rein deutsche Einheiten dürfte es nicht gegeben haben. Im übrigen konnten Deutsche in der polnischen Armee auch die Offizierslaufbahn einschlagen.

So verteidigte z. B. der 55jährige polnische Konteradmiral Joseph v. Unruh (auch: v. Unrug), Sohn des Königlich preußischen Generalmajors Thaddeus
v. Unruh und seiner Gemahlin Isidore geb. Gräfin v. Bünau, im September 1939 die Westerplatte (bei Danzig) tapfer gegen die deutsche Wehrmacht. Diese – von den Polen als peinlich empfundene - Tatsache wurde nach dem Zweiten Weltkrieg jahrzehntelang verschwiegen.


Freundliche Grüße vom Rhein
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  #3  
Alt 27.05.2008, 09:48
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Hallo Joachim,

vielen Dank für die Antwort! Die Geschichte von Josepf von Unruh ist ja interessant, hatte aus Neugier gleich mal nach ihm gegoogelt!

Hat vielleicht irgendwer weitere Informationen über die Sudetendeutschen, vielleicht einen Literaturtipp?

Gruss
Andreas
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  #4  
Alt 06.07.2008, 16:04
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horsthans horsthans ist offline
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Standard RE: Sudetendeutsche in der Armee der CSR

Hallo Andreas,

ich denke, daß ich Dir da helfen kann. Die Sudetendeutschen wurden als Staatsangehörige der Tschechoslowakei zum Wehrdienst eingezogen. Meist verrichteten sie ihre Dienstzeit weit im Inneren des Landes. In der militärischen Hirarchie konnten Deutsche und Ungarn bis zu den Unteroffizierdienstgraden aufsteigen. Dazu wurde aber erst vom kompaniechef eine Befragung durchgeführt. Je nachdem, wie diese ausfiel, durfte der Kanditat dann zum Lehrgang, bzw. nicht.
Offiziere durften Deutsche nicht werden.
Beispiel: Mein Vater wurde 1930 bis 1932 zum aktiven Wehrdienst eingezogen und mußte 1934, 1936 und 1938 zur Wehrübung, jeweils 3 Wochen ( Art.Reg. 202 in Presov). Er wurde Gefreiter und zur Befragung zu seinem Hauptmann beordert. Da er aber als ehrenamtlicher Mitarbeiter beim "Bund der Deuschen in Böhmen" tätig war und diese Mitarbeit auch nicht augeben wollte, wurde er nicht zum Uffz.-Lehrgang zugelasse. Von Beruf war er Bauingeneur. Er trug die Schießauszeichnung II Kl. der tschechischen Armee.

Das zum Wehrdienst in der Tschechei. Ich habe auch einige Briefe von ihm an meine Mutter gelesen, wo er auch auf die Zustände in der Kaserne einging. Es war schlimm. Besonders die Schikanen der Vorgesetzten gegen
die Soldaten deutscher Nationalität waren groß.
In der Tschechei damels hatte man 2 Bezeichnungen
1. Staatsbürgerschaft und
2. Nationalität
Staatsbürgerschaft war Tschechoslowakische Republik
Nationalität war deutsch.
Die Staatsbürgerschaftsurkunde war in tschechisch und deutsch verfaßt.

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas weiterhelfewn.

Herzliche Grüße aus der Pfalz
Horst
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  #5  
Alt 07.07.2008, 21:25
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Hallo Horst,

danke für deinen interessanten Beitrag! Ich bin immer an allen diesen Details interessiert, da ich gern näheres über die Lebensumstände meiner Großeltern erfahren möchte. Von daher hast du mir sehr geholfen!

Ich habe vor kurzem eine Negativmeldung des Kriegsarchivs in Prag bekommen, was die Dienstzeit meines Großvaters betrifft. Unterlagen über nach 1900 Geborene wurden lt. Auskunft massenweise vernichtet. Deshalb werde ich wohl auch nie erfahren, wo mein Opa gedient hat! Schade!

Gruß
Andreas
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  #6  
Alt 07.07.2008, 21:55
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horsthans horsthans ist offline
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Standard Sudetendeutsche in tschechischer Armee

Hallo Andreas,

das mit der Vernichtung der Archivunterlagen in Prag stimmt leider. Es ist aber nicht 1945 passiert, sondern mir recht unverständlich, erst vor ca. 6 oder 8 Jahren. Ich habe von meinem Großvater die Unterlagen der kik Armee noch bekommen. In Prag lagerten ja nicht nur die unterlagen über die tschechische Armee, sondern auch die der Kuk-Soldaten ab Geburtsjahr etwa 1880.
Es gibt aber noch einen Hinweis. Wo hat Die Großvater gelebt? Jeder Kreis hatte sein zuständiges Regiment. Da kann man noch etwas herausfinden. Dann hat Dein Opa ja sicher auch noch in der Wehrmacht gedient. Über die WAST müßtest Du sein Wehrstammbuch bekommen können. Da ist auch der Dienst in der Tschechischen Armee aufgeführt. Bei meinem Vater war es so.Ich habe da seiner Zeit etwa 25,-DM noch bezahlt.
Du kannst folgende Kopien anfordern:
1. "Wehrnachweisstelle - Auszug aus Dokumenten der österr. ung. und tschechoslow. Wehrmacht"
2. Wehrstammbuch
3. Gesundheitsbuch
4. Kriegsstammrolle
Der WAST mußt Du angeben: Namen, Geburtsort und -tag. Eventuell noch Truppenteil.

Viele Grüße aus der Pfalz
Horst Hans
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  #7  
Alt 09.07.2008, 16:11
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Hallo Horst,

vielen Dank für deine Antwort.

Die WASt-Auskunft über meinen Großvater liegt mir bereits vor. Ein Wehrstammbuch ist leider nicht vorhanden, und die anderen Informationen beziehen sich leider nur auf seinen Dienst eben bei der Wehrmacht. Dass er von 1930-1932 Dienst in der Tschechoslowakischen Armee leistete, weiß ich aus seinem Rentenantrag (eigene Angabe). Mir liegt auch eine Auskunft aus dem Russischen Kriegsarchiv über die Zeit seiner Gefangenschaft vor. Da ist zwar sein Lebenslauf enthalten, aber leider auch kein Bezug auf die Dienstzeit in der CSR genommen.

Meinst du, dass es Sinn macht, noch einmal nach dem von dir angesprochenen Punkt 1 (Wehrnachweisstelle) zu fragen? Ich hatte dies nicht explizit angefordert, sondern "alle vorhandenen Informationen", aber man weiß ja nie...

Bzgl. der Unterlagen in Prag meine ich mal gelesen zu haben, dass sogar die Geburtsjahrgänge ab 1864/65 nach Prag gekommen sind. Ich habe übrigens von dort das Grundbuchblatt meines Urgroßvaters (Jahrgang 1883) bekommen!

Mein Großvater lebte zur Zeit seines Grundwehrdienstes (also 1930-1932) bereits in Bilin. Gebürtig kam er aus Bleistadt. Er besaß aber auch einen Heimatschein aus den 30er Jahren, in der die (ererbte) Gemeindezugehörigkeit Kaltenbach im Böhmerwald angegeben ist.

Kann man denn irgendwo herausbekommen, zu welchem Regiment er von Bilin aus gekommen wäre?

Gruss
Andreas
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  #8  
Alt 10.07.2008, 11:51
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horsthans horsthans ist offline
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Hallo Andreas,

es gibt da gewiß noch eine Möglichkeit, eine kleine aber. Schreibe mal den Heimatkreis Bilin an.
Adresse : info@heimatkreis-bilin.de
Die können Dir sagen, welche Garnisionen, bzw. welche Wehrkreisverwaltung der tschechischen Armee dort war. Es gibt da bestimmt noch Leute, die alt genug sind und noch leben. die WAST würde trotzdem nochmals kontaktieren.

viele Grüße aus der Pfalz
Horst
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  #9  
Alt 13.07.2008, 13:51
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horsthans horsthans ist offline
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Hallo Andreas,

ich denke, ich habe eine erfreuliche Nachricht für Dich.
Alle Soldaten deutscher Nationalität mußten Ihren Wehrdienst in der Slovakei leisten. Sie waren also nicht in heimatlicher Nähe.

Die Unterlagen der Soldaten wurden nicht vernichtet.

Folgende Adresse:

Vojenska Historizky Ustav
U Bamatniku 2
CZ 13000 Praha

Anfragen mit folgenden Angaben:
Vor- und Zuname, Geburtstag, Wohnort zur Zeit des Militärdienstes.
Hilfreich wäre, wenn Du angeben könntest,bei welcher Truppe er war, z.B. Infanterie, Artillerie, Pioniere usw. Hat Dein Opa da nie etwas gesagt?

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Im Anhang wollte ich so ein Formular der Wehrmacht mitschicken, damit Du der WAST genaue Angaben machen kannst. Es klappt aber nicht. Vielleicht kann mir jemand de weiterhelfen.

Viel Grüße aus der Pfalz
Horst Hans

Einen Tip noch, wenn Du die "Vereinigung Sudetendeutscher Familieforscher"
per Mail anschreibst, gib bitte Deine Adresse an.
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  #10  
Alt 15.07.2008, 16:49
Andreas Dick Andreas Dick ist offline
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Hallo Horst,

vielen Dank für deine Antwort und für deine e-mail! Sie ist angekommen und sehr interessant! Das hilft mir sehr bei meiner Anfrage an die WASt, die ich jetzt aufgrund dieser neuen Informationen noch einmal starten werde. Da weiss man wenigstens, wonach man fragt!

Das Kriegsarchiv in Prag hatte ich angeschrieben, übrigens alles per Mail, ging wunderbar. Antworten kamen immer schriftlich. Mein Großvater war bei der Infanterie. Ich hatte auch die Angaben gemacht, die du in deinem Beitrag angegeben hast. Angefragt hatte ich meinen Großvater, seine beiden Brüder (Geburtsjahrgänge 1906, 1908, 1913) sowie meinen Urgroßvater (Jahrgang 1883). Sie hatten nur Unterlagen über meinen Urgroßvater (das war ja schon eine interessante Sache). Unterlagen über die 1906 und 1908 Geborenen wurden angabegemäß vernichtet, und die Unterlagen über die ab 1911 Geborenen sollen wohl im Kriegsarchiv in Bratislava liegen. Vermutet wird, dass auch diese vernichtet wurden (das war eine telefonische Aussage).

Meine Hoffnung liegt jetzt bei der WASt und der "Wehrnachweisstelle". Warten wirs ab.

Gruss
Andreas
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