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  #1  
Alt 09.07.2019, 12:31
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo zusammen!

Hier eine Frage an die Heraldik-Experten: es geht um den Kölner Zweig der Familie Questenberg und dessen Wappen. Die Familie siegelte zunächst, wie ihre anderswo ansässigen Verwandten, mit einem Kaufmannszeichen, welches stets leichte personenbezogene Abweichungen von der Grundform aufwies. Ähnliches ist etwa von der verschwägerten Kölner Familie Rinck bekannt, bei der das Kaufmannszeichen dann sogar Bestandteil des Familienwappens wurde. Die Questenbergs hingegen bedienten sich ab ungefähr der Mitte des 16. Jahrhunderts eines Wappens, welches keinerlei Bezug zum überlieferten Kaufmannszeichens mehr besaß (von Blau und Gold gevierter Schild mit schwarzem Löwen).

Wie kamen die Questenbergs nun zu diesem Wappen? Man liest immer wieder, daß zu jener Zeit der Kaiser oder einer der Hofpfalzgrafen Wappen verliehen haben. Mir ist solch ein Fall noch nicht untergekommen, ich habe also keinerlei Erfahrung damit. Falls den Questenbergs dieses Wappen verliehen wurde, so sollte das doch irgendwo dokumentiert sein, nehme ich an. Wenn sich der Kaiser selbst mit der Verleihung von Wappen beschäftigt hat, dann schien man diesem Thema doch eine große Bedeutung beigemessen zu haben, so daß es mir schwerfällt zu glauben, eine Familie oder eine Einzelperson habe gewagt, sich aus eigener Souveränität die Berechtigung zum Führen eines Wappens anzumaßen.

Anders sieht es aus, wenn eine Familie schon immer ein Wappen geführt hat, so etwa beim Uradel. In diesen Fällen brauchte der Kaiser natürlich nicht tätig zu werden. Nun besaßen aber die Questenbergs vor Mitte des 16. Jahrhunderts anscheinend kein Wappen, denn falls sie eines besessen hätten, so hätten sie, die bereits über 100 Jahre zuvor zum Kölner Patriziat gerechnet wurden, doch mit einiger Sicherheit davon Gebrauch gemacht.

Am 15. März 1622 "bestätigte" der Kaiser vier Brüdern Questenberg ihren rittermäßigen Adel und das Wappen. Diese Formulierung ist insofern interessant, als die Questenbergs zuvor gar nicht zum Adel zählten. Zumindest ist mir nichts davon bekannt. Wären sie zuvor adelig gewesen, so hätten sie ja auch ein Wappen besessen. Offenbar handelt es sich bei der "Bestätigung des Adels" um eine bloße Phrase.

Aber immerhin wurde ja nun auch das Wappen bestätigt, welches die Kölner Questenbergs seit 70 Jahren unbeanstandet führten. Deutet die "Bestätigung" in diesem Kontext darauf hin, daß das Wappen bis dahin keinen offiziellen, daß heißt vom Kaiser genehmigten Charakter hatte? Wie paßt das alles zusammen?

Vielen Dank und viele Grüße
consanguineus
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  #2  
Alt 09.07.2019, 13:15
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Hallo consanguineus,
das Questenberg-Wappen erinnert mich an den bergischen Löwen, der wiederum auf den limburgischen Löen zurückgeht. Sagt Wikipedia
https://de.wikipedia.org/wiki/Bergischer_L%C3%B6we

Falls das stimmen sollte, dann wäre das verwunderlich, den Köln war ja nicht bergisch. Hatten sie Besitzungen in der bergischen Nachbarschaft oder haben sie schlicht abgekupfert?

Viele Grüße
Xylander
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  #3  
Alt 09.07.2019, 13:51
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Xylander!

Der bergische Löwe ist aber rot und wird eigentlich auch immer so dargestellt. Zudem hatten die Questenberg soweit mir bekannt ist mit dem Herzogtum Berg nichts zu tun. Ich meine aber, irgendwo mal gelesen zu haben, daß es auch eine Version des Questenbergischen Wappens mit einem roten Löwen gegeben hat. Sicher bin ich mir allerdings nicht.

Die Frage, ob hinter dem Löwen oder der blau-goldenen Grundfarbe eine tiefere Bedeutung steckt, ist hochinteressant. Ich habe mir dazu noch gar keine Gedanken gemacht. Zunächst habe ich mich gefragt, wie die Familie überhaupt zu ihrem Wappen gekommen ist. Aber möglicherweise stehen diese Fragen in einem Zusammenhang.

Viele Grüße
consanguineus
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  #4  
Alt 09.07.2019, 14:01
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Witzigerweise ähnelt das Wappen - bis auf den Löwen und die Helmzier - demjenigen des Stammes B der Familie v. Boyneburgk. Hier wird es sich mit Sicherheit um einen Zufall handeln. Zu originell ist diese Vierung in Blau-Gold ja nicht...


https://de.wikipedia.org/wiki/Boyneb...delsgeschlecht)
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  #5  
Alt 09.07.2019, 14:15
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Ja, consanguineus, ich kannte den bergischen Löwen bisher auch nur in rot. Aber bei dem rechtsrheinischen Safaripark in der Kölner Nachbarschaft wurde ich halt stutzig. Zumal heutige rechtsrheinische Kölner Stadtteile früher zum Herzogtum Berg gehörten. Welche Wappen die führten/führen, weiß ich nicht. Köln-Mülheim zB lässt den roten Löwen heute noch schippern.
https://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%B...ln)#Geschichte
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:..._Rhein_COA.svg

Im Moment nur ein vielleicht zufälliges Zusammentreffen. Oder vielleicht ein Kausalzusammenhang. Die Wappen-Experten wissen sicher mehr. Auch zur Vierung.

Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (09.07.2019 um 14:17 Uhr)
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  #6  
Alt 09.07.2019, 14:23
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Hallo Xylander, ich habe den roten Löwen gefunden. Fahne ist allerdings der Einzige, der einen roten Löwen sieht. Auf einem Porträt des 16. Jahrhunderts ist er schwarz.


https://books.google.de/books?id=19V...enberg&f=false
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  #7  
Alt 09.07.2019, 14:37
Xylander Xylander ist gerade online männlich
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Hallo consanguineus,
außerdem hat er bei Fahne nur einen einfachen Schwanz. Schwarz ist zB der Jülicher Löwe https://de.wikipedia.org/wiki/Herzog...%BClich#Wappen

Auch nicht so weit weg

Viele Grüße
Xylander
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  #8  
Alt 09.07.2019, 14:40
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Dem Jülicher Löwen fehlt aber die Krone...
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  #9  
Alt 09.07.2019, 14:46
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Vielleicht haben die Questenberg sich eine eigene Kreuzung gezüchtet?
Viele Grüße
Xylander
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  #10  
Alt 09.07.2019, 14:54
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Vielleicht hat Fahne aber auch Recht und der rote Löwe stellt den Bezug zur Stadt Braunschweig her. Das ist natürlich rein hypothetisch. Die Questenbergs werden vermutlich gar nicht mehr gewußt haben, wo sie herkamen.
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