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  #1  
Alt 15.09.2020, 12:04
SearchingHeart SearchingHeart ist offline weiblich
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Registriert seit: 10.03.2017
Beiträge: 33
Standard Recherche zu militärischen Themen - 2. Weltkrieg

Hallo liebe Community,

ich hoffe, meine Frage ist in diesem Forum richtig
Für meine private Familienforschung sowie zwecks Recherche zu einem Roman bin ich auf der Suche nach ein paar Infos, betreffend die Zeit des 2. Weltkriegs.
Per Google habe ich bisher nichts wirklich Passendes finden können, deswegen dachte ich, vielleicht kann jemand von Euch weiterhelfen.

Konkret geht es mir um folgende Fragen:

-Ab welchem Alter konnte man grundsätzlich zum Kriegseinsatz eingezogen werden? Auch schon bereits vor dem 18. Geburtstag? (mir geht es hierbei jetzt um die ersten Kriegsjahre noch vor dem Volkssturm 1945, da wurde mein Großvater auch bereits mit 16 Jahren noch eingezogen)

- War es möglich, bei Einzug zum Kriegsdienst direkt der Waffen-SS „zugeordnet“ zu werden, oder konnte man sich dafür nur freiwillig melden oder kam es aber vielleicht auch vor, dass man von der Wehrmacht zur Waffen-SS wechseln „musste“? (Meine Großmutter hatte diesbezüglich erzählt, dass ihr ältester Bruder während des Ausbildungslagers bei der Wehrmacht von einem Angehörigen der Waffen-SS „entdeckt“ und wegen guter Leistungen zur Waffen-SS abkommandiert wurde – mir scheint die Story ein bisschen weit hergeholt, aber meine Großmutter war damals noch sehr klein, vielleicht hatte sie da etwas missverstanden)

- War es für junge Frauen möglich, auch ohne fundierte Ausbildung als Krankenschwester für das Rote Kreuz tätig zu sein, zum Beispiel in einem Lazarett? Durch einen Schnellkurs oder Ähnliches zum Beispiel?

Kann mir von Euch eventuell bereits jemand etwas beantworten oder kennt entsprechende Quellen im Netz, wo ich das recherchieren könnte?

Liebe Grüße
Nadine
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  #2  
Alt 15.09.2020, 13:42
Moselaaner Moselaaner ist offline
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Registriert seit: 06.03.2013
Beiträge: 534
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Hallo Nadine,
der Begriff Krankenschwester wird in diesem Zusammenhang oft fälschlich verwendet. Die jungen Frauen meldeten sich in der Regel ohne entsprechende Ausbildung freiwillig beim Roten Kreuz. Dort wurden sie dann zur RK-Helferin ausgebildet. Sie waren also keine Krankenschwestern im eigentlichen Sinne. Es gab sogar Dienstgrade.
Helferin, Vorhelferin, Oberhelferin, Haupthelferin u.s.w.


Gruß
Moselaaner
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  #3  
Alt 15.09.2020, 14:17
SearchingHeart SearchingHeart ist offline weiblich
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Hallo Moselaaner,

vielen lieben Dank für Deine Antwort, das hilft mir schon sehr weiter, mit dieser Info finde ich sicher mehr heraus.

Liebe Grüße
Nadine
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  #4  
Alt 15.09.2020, 16:37
Benutzerbild von Svenja
Svenja Svenja ist offline weiblich
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Hallo Nadine

Zitat:
während des Ausbildungslagers bei der Wehrmacht von einem Angehörigen der Waffen-SS „entdeckt“ und wegen guter Leistungen zur Waffen-SS abkommandiert wurde
Hast du denn zu deinem Grossvater und deinem Grossonkel schon eine Anfrage an das Bundesarchiv gestellt und Auskunft aus den Beständen der ehemaligen WASt (und der Waffen-SS) erhalten?

Woher stammte der Grossonkel, wo wohnte er, als er eingezogen wurde und wo war er im "Ausbildungslager"? Mit Orts- und Zeitangaben könnten gewisse Spezialisten evtl. mehr dazusagen.

Hier gab es kürzlich eine ähnliche Frage:
https://forum.ahnenforschung.net/sho...ight=Waffen-SS

Eine meiner Urgrosstanten aus Bayern war auch beim Roten Kreuz, aber nicht nur während des Krieges. Ich würde gerne mehr darüber herausfinden, evtl. war sie in beiden Weltkriegen aktiv.

Gruss
Svenja
__________________
Meine Website über meine Vorfahren inkl. Linkliste:
https://iten-genealogie.jimdofree.com/

Interessengemeinschaft Oberbayern http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=38

Interessengemeinschat Unterfranken http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=37

Interessengemeinschaft Sudetendeutsche http://forum.ahnenforschung.net/group.php?groupid=73

Geändert von Svenja (15.09.2020 um 16:48 Uhr)
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  #5  
Alt 15.09.2020, 17:11
SearchingHeart SearchingHeart ist offline weiblich
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Hallo Svenja,

zu meinem Großvater lagen bei der Wast leider keine Unterlagen vor.
Er selbst hat nie gern über die Zeit damals gesprochen. Er war Jahrgang 1928 und zum Zeitpunkt, als er zur Flak eingezogen wurde, erst 16 Jahre alt und noch Schüler.
Deshalb wäre es für mich interessant zu wissen, ob das nur auf die prekäre Situation damals zurückzuführen war (müsste im April 1945 gewesen sein, damals kam er zumindest in Gefangenschaft) oder auch in den ersten Kriegsjahren schon mal vorkommen konnte, dass jemand unter 18 eingezogen wurde, z. B., bei einer Freiwilligenmeldung o. Ä.

Zu meinem Großonkel, der meiner Großmutter zufolge wegen guter Leistungen angeblich zur Waffen-SS wechseln musste, habe ich Unterlagen von der Wast erhalten mit Grablage, Einheit, Erkennungsmarke, etc.
Diese waren aber leider nicht vollständig vorhanden, es ist als Einheit das 10.SS-Panzer-Artillerie-Ersatz-Regiment vermerkt und der Standort zum Todeszeitpunkt im Mai 1944.
Eventuell vorherige Einheiten waren nicht vermerkt, auch nicht, wann mein Großonkel eingezogen wurde. Ich weiß also nicht, ob er erst 1944 eingezogen wurde oder bereits früher (er war Jahrgang 1925).

Gelebt hat er in der Nähe von Regensburg, Bayern.
Meine Großmutter erzählte, die Ausbildung sei in Fürstenfeldbruck gewesen, ich habe aber hierzu leider nichts gefunden, dass es dort eine entsprechende Einrichtung gab. In welchem Jahr genau er zum Militär musste, konnte sie nicht mehr genau sagen.

Bezüglich des DRK können wir ja beide mal an der Info von moselaaner anknüpfen
Bestimmt gibt das DRK bei einer netten Anfrage genauere Auskunft über zumindest die Vorgehensweise.

Liebe Grüße
Nadine
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  #6  
Alt 15.09.2020, 20:50
Basil Basil ist offline männlich
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Hallo Nadine,

im LdW gibt es eine Tabelle, die zeigt, wann welche Geburtsjahrgänge eingezogen wurden. 1939/40 waren das noch die mind. 20-Jährigen, ab '42 wurden auch die 19-Jährigen eingezogen usw. Mein Großonkel wurde im Januar 1929 geboren und im April 1945, also mit 16 Jahren, eingezogen. Er kam zur Flak, wurde bei Brandenburg/Havel eingesetzt. Kein Volkssturm! Viele seiner Schulkameraden wurden an den Seelower Höhen eingesetzt.

Meine Großmutter war DRK-Schwester, so steht es in ihrem Heiratseintrag Dez. '44. Sie war wohl in einem Lazarett in Brandenburg, flüchtete im April '45 mit einer Wehrmachtseinheit Richtung Westen. Sie war Medizinstudentin, bis die Universität in Berlin geschlossen wurde, hatte also eine entsprechende Ausbildung. Habe es leider noch nicht geschafft, bei den entsprechenden Stellen anzufragen.

Zur Waffen-SS, da habe ich jetzt keinen eigenen Bezug, konnte man in den späteren Kriegsjahren eingezogen werden. Freiwilligkeit war nicht mehr nötig. Wehrmacht und Waffen-SS teilten sich die Wehrpflichtigen. Dabei galt aber, wer die Einberufung zur Wehrmacht hatte, war vor der Waffen-SS sicher. Ob es doch noch zu Abkommandierungen, z. B. wegen guter Leistung, kommen konnte, weiß ich nicht. Die Wehrmacht hätte dann ja Interesse gehabt, den Soldaten zu behalten.

In Fürstenfeldbruck kann ich nur Luftwaffe finden. Das SS-Artillerie-Ersatz-Regiment war bis April 1943 in München-Freimann, wurde dann nach Prag verlegt.

Grüße
Basil
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Zimmer: Oberlausitz und Dresden; Stephanus: Zittau, Altenburg und Ronneburg
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Geändert von Basil (15.09.2020 um 20:55 Uhr)
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  #7  
Alt 16.09.2020, 06:03
SearchingHeart SearchingHeart ist offline weiblich
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Hallo Basil,
vielen lieben Dank für Deine Antwort!

Die Tabelle ist wirklich hilfreich. Wenn ich sie jetzt richtig interpretiere, konnte man theoretisch auch unter 18 schon eingezogen werden, am Beispiel Jahrgang 1925 dann, wenn man z. B. erst in der 2. Hälfte des Jahres geboren wurde? Oder liege ich da jetzt falsch und es wurde erst ab Mai 1943 grundsätzlich damit begonnen, die Männer aus dem Jahrgang 1925 einzuziehen und dann jeweils im Monat des Geburtstags?
Bin bei dem Thema leider nicht so bewandert.

Du schreibst, es war tatsächlich auch so, dass man zur Waffen-SS eingezogen werden konnte. Evtl. hat es sich dann wirklich bei meinem Großonkel so dargestellt und nicht, wie meine Großmutter es beschrieben hatte.

Danke für den Hinweis mit dem Regiment!

Liebe Grüße
Nadine
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  #8  
Alt 16.09.2020, 22:44
Basil Basil ist offline männlich
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Hallo Nadine,

ich verstehe es auch so, dass ab Mai '43 auch die erst 17-Jährigen des Jahrgangs 1925 eingezogen wurden. Im Dezember '43 begann ja bereits die Einberufung des Jahrgangs 1926. Folgender Absatz ist interessant:

Zitat:
Wie wichtig die Jugendlichen als Menschenmaterial für den nationalsozialistischen Krieg waren, lässt sich u.a. aus einer Statistik über die Schichtung des Feldheeres nach Geburtsjahrgängen mit Stand 15. Dezember 1943 entnehmen. Der letzte Jahrgang, der 1943 zur Wehrmacht einberufen wurde, war der Geburtsjahrgang 1925. Betrachten wir die Gesamtstärke der kriegsverwendungsfähigen Soldaten des Feldheeres von 3.826.958 Mann, so entfallen etwa 1.000 Mann auf den Jahrgang 1927 (Freiwilligenmeldungen), ca. 18.000 Mann auf den Jahrgang 1926, 98.000 Mann auf den Jahrgang 1925, 189.000 Mann auf den Jahrgang 1924, 150.000 Mann auf den Jahrgang 1923 und 148.000 Mann auf den Jahrgang 1922. Dieses bedeutet, dass etwa 10% der kriegsverwendungsfähigen Angehörigen des Feldheeres aus Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren bestand.
Ich will nicht ausschließen, dass dein Großonkel vielleicht doch wechseln musste. Ich denke nur, es gab einen Konkurrenzkampf zwischen Wehrmacht und Waffen-SS. Du könntest es im Forum der Wehrmacht oder in der Militär-Mailingliste versuchen. Dort sitzen die richtigen Experten.

Grüße
Basil
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  #9  
Alt 17.09.2020, 08:01
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ThorK ThorK ist gerade online männlich
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Hallo Nadine,

Ich habe mich eine Zeit lang intensiv mit dem Thema beschäftigt und sehr viele Erlebnisberichte ehemaliger Soldaten gelesen, die noch sehr jung zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Generell wurde bis zum Jahrgang 1929 offiziell eingezogen.

Auch das sehr junge "Männer" in Ausbildungslagern von der Waffen-SS sozusagen "einkassiert" wurden ist belegt.
Viele waren auch dermaßen fanatisiert, dass sie es gar nicht abwarten konnten und meldeten sich freiwillig.
Es gab Phrasen wie z.B.: "Nach dem Endsieg gibt es nur noch zwei Sorten von Männern, die die dabei waren und die die nicht dabei waren."

Es wurden Propagandareden vor Schulklassen gehalten, infolgedessen sich komplette Klassen 16-jähriger freiwillig meldeten. Einige wollten auch nicht, schämten sich aber, sich als einziger der Klasse nicht zu melden und machten dann doch mit.

Ich kann dir zu dem Thema die Bücher von Günter Lucks und Harald Stutte empfehlen.

Mein Großonkel (Bruder meiner Oma) meldete sich auch mit drei Schulfreunden freiwillig zur Waffen-SS, die drei Freunde wurden angenommen und sind alle im Krieg gefallen. Er selbst wurde nicht angenommen, kam zur regulären Wehrmacht, überlebte den Krieg und kehrte nach Hause zurück.

Gruß
Thorsten
__________________
Suche Infos:
FN Kiefer / Kieffer /Küffer / Keuffer (Großalmerode / Kassel / Hessisch Lichtenau)
FN Schlereth (Franken / Bad Kissingen)

Geändert von ThorK (17.09.2020 um 08:04 Uhr)
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  #10  
Alt 17.09.2020, 10:03
SearchingHeart SearchingHeart ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von ThorK Beitrag anzeigen
Hallo Nadine,

Ich habe mich eine Zeit lang intensiv mit dem Thema beschäftigt und sehr viele Erlebnisberichte ehemaliger Soldaten gelesen, die noch sehr jung zum Kriegsdienst eingezogen wurden. Generell wurde bis zum Jahrgang 1929 offiziell eingezogen.

Auch das sehr junge "Männer" in Ausbildungslagern von der Waffen-SS sozusagen "einkassiert" wurden ist belegt.
Hallo Thorsten,

lieben Dank für deine Nachricht!

Weißt du vielleicht, wo es hierzu Belege gibt? Das ist jetzt nicht nur für den Werdegang meines Großonkels interessant, ob sich meine Oma da tatsächlich richtig erinnert hat, sondern auch für die Roman-Recherche J

Der Name Günter Lucks sagt mir sogar was, von ihm habe ich vor einiger Zeit irgendwo mal etwas gelesen, glaube ich. Danke für den Hinweis, nach den Büchern schaue ich gleich mal!

Ja, das war damals wirklich furchtbar … Die Jungs hatten ja auch ihr Leben lang nichts anderes gehört als die Propaganda …

Wie schön, dass Dein Großonkel überlebt hat und nach Hause gekommen ist!

Liebe Grüße
Nadine
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