#11  
Alt 24.04.2020, 08:20
VGS
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Hallo Gerd,

vielen Dank für Deinen Hinweis. Das ist ja eine tückische Sache! Also gab es kaum 60 km von Tepl entfernt, und zwar auch noch zur selben Zeit, eine zweite Adelsfamilie B. v. B. Schade, dann hat sich das mit der Kontaktaufnahme zu diesem Doktorand natürlich erledigt.

@Christian
Ja, das Jahr der Adelserhebung bleibt ungewiß. Gerd fand im Schimon für einen Johann (!) das Jahr 1580. Du kannst das Adelsprädikat urkundlich erst 1615 (!) nachweisen. Und der von mir genannte Kaiser starb bereits im Okt. 1576. ABER der angebl. dem Lutherischen anhängende Lehrer in Tepl wurde doch kurz nach dem 23. März 1564 entlassen und dafür unser streng katholischer Sebastian angestellt. Der dann sehr erfolgreich dort wirkte und "viele verlorene Seelen" zurückholte. Dann erscheint mir eine Nobilitierung noch unter Maximilian II. (bis 1576) sehr wahrscheinlich zu sein.
Nein, der Heinrich Wenzel (und dessen Bruder Georg, der noch 1622 im Zusammenhang mit einem Gutserwerb genannt wird) gehören nicht zum Sebastian. Das hat ja Gerd mit der Nobilitierung von 1589 und dem abweichenden Wappen nachgewiesen.
Ich fasse mal zusammen:

Sebastian Brand v. B, *~1540 in/um Koblenz am Rhein, + 1615, Magister-Artium in Wien, Lehrer an der Seminarschule im Stift Tepl, Laienprediger an St. Aegidii in Tepl, Bürgermeister u. Stadtrichter in Tepl, Derngasse 19, Besitzer 2 Höfe in Ober Gramling, oo ~1578 Dorothea Ströher, + ~1632, To.d. Wenzel S.
Kinder:
Walburga Brand v. B., *~1580, +25.10.1647, oo 25.11.1603 Gregor Wollrab, Fleischermstr. u. Bürger (1540-1637).
Margarethe Brand v. B., *1586, oo ~1605 Lorenz Fuessl
Eva Brand v. B., ~*1590, + 21.11.1665, oo 22.11.1616 Zacharias Zeibig
Jakob Brand v. B., Lohgerbermeister u. Bürger in Tepl, *~1585, + 1659, oo Regina Angerl
Sohn:
Paul Brand v. B., Lohgerbermeister, Kirchenvater, Bürger, Derngasse 19, *24.1.1622, + 4.7.1657, oo 15.10.1649 Margarethe Frischmann, *18.1.1626 (die in ooII. 16.11.1660 Wenzel Wollrab, Lohgerbermeister u. Bürger, Derngasse 19 in Tepl).

Dieser wohlhabende Student Heinrich Wenzel in Venedig, dieser Gutsbesitzer Georg und dieser Stadtrichter Magnus in Olmütz passen dann doch nicht zu denen in Tepl.

Schaut man sich Gerds Wappenbeschreibungen an, ist dort zwar stets das Feuer (= Brand = redendes Wappen) mit dabei, aber sonst sind sie doch so unterschiedlich, daß man schwerlich von einer gemeinsamen Familie ausgehen kann. Oder was meinst Du, Gerd, dazu?

Grüsse
Susanne.

Geändert von VGS (24.04.2020 um 15:23 Uhr)
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  #12  
Alt 24.04.2020, 10:21
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X_tian X_tian ist offline
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Liebe Susanne,

leider muss ich dich in deiner Aussage korrigieren. Der Heiratseintrag von Georg Brand von Brandenfels in Tepl aus dem Jahr 1622 bezeichnet ihn eindeutig als Sohn des verstorbenen Sebastian Brand (siehe Anhang). Es handelt sich also meines Erachtens schon die gleiche Familie.

Bei Magnus Brandl von Brandenfels würde ich das nach bisherigem Stand dagegen nicht vermuten.
Angehängte Grafiken
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Gruß Christian
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  #13  
Alt 24.04.2020, 10:46
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Hallo Christian,

na, jetzt wird's ja spannend!

Dieses 'Gutbesitzer' u. 'Reisender in Venedig' paßt nicht zu dem 'nur' Lohgerber in Tepl - war meine Annahme. Zumal Gerds Wappenbeschreibung ohne die Löwen von dem angebl. Sebastian zugeschriebenen Wappen auskommt.

Vielleicht könnte Gerd bitte angeben, ob in seiner Quelle (Anton Rybíčka in Památky archeologické a mistopisné, 1878) noch mehr über die Pilsener Brands und ihrer Nobilitierung zu finden ist.

Grüße
Susanne.
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  #14  
Alt 24.04.2020, 11:16
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Hallo,


ich muss mich da jetzt doch korrigieren. Die von Brandenfels aus Pilsen hießen nicht Brand sondern Valentin Bartošovic und Jáchym Tomáškovic. Das war mir glatt entgangen.
Da wird der Georg, wie von Christian durch den Matrikeneintrag belegt, doch von den Teplern abstammen.
Das ist schon manchmal verzwickt mit den gleichen Adelsprädikaten zur gleichen Zeit.
Es besteht aber auch die Möglichkeit, dass die Nobilitierung Sebastians bei den Hofadelsakten in Wien ist. Da kommt man aber online auch nicht ran.


Beste Grüsse
Gerd
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  #15  
Alt 24.04.2020, 11:18
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Heinrich Wenzel und Georg Brand waren "angeblich" beide Dr. med. und Ärzte des Stiftes Tepl.
Leider findet sich in der bisherigen Literatur, wie bei ihrem Vater auch, nichts zu ihrem Studienweg, der sicherlich aus Böhmen wegführte - der Hinweis auf Venedig ist da sehr spannend. Heinrich Wenzel, geb. 1583, war ja zu diesem Zeitpunkt (1610) bereits kein junger Student mehr und starb 1617 in Pilsen - diese Angabe konnte ich allerdings nicht überprüfen, die Pilsener Matrikel beginnen erst 1648.
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Gruß Christian
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  #16  
Alt 24.04.2020, 13:26
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Hallo,


das beide Doktor der Medizin waren habe ich auch gefunden. Der Pilsener Bürger MDr. Heinrich Wenzel Brand v. Brandenfels hatte 1616 die Hälfte des Gutes Pauten mit dem Gutssitz gekauft. Seine Witwe hatte es nach seinem Tod 1622 an ihren Schwager MDr. Georg Brand v. Brandenfels verkauft. Heinrich Wenzel muss also nach 1616 verstorben sein.



Noch als Zusatz:
Das Gut besaß auch eine Brauerei die ebenfalls zu deren Besitz gehörte. Hier als dritter, vierter und fünfter Besitzer erwähnt.
http://www.pivety.com/1948/1948/P/Poutnov.html
Von den späteren Besitzern Schindl von Hirschfeld (Schindl z Hirschfeldu) war Valentin Schindl Lehrer, Schreiber und Sekretär am Tepler Stift. Er wurde 1627 durch einen königl. böhm. Paladin nobilitiert und verstarb 1648. Zu dieser Familie hat Astrid ( assi.d) schon etwas geforscht.



Beste Grüsse
Gerd

Geändert von Hracholusky (24.04.2020 um 14:07 Uhr) Grund: Zusatz
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  #17  
Alt 24.04.2020, 15:40
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Hallo,

also: Das Ganze kehrt!

Dann kommt unser Doktorand wieder ins Spiel. Vielleicht versuchst Du, Christian, es mal bei ihm. Die Herkunft des Heinrich Wenzel kannst Du beisteuern; womöglich hat er dafür die ital. Universitätsmatrikeln bereits abgesucht und kann Dir mitteilen, wo der Heinrich (und der Georg?) studiert hatten.

Sebastian hatte seinen Besitz verkauft, damit die vermeintlich beiden ältesten Söhne studieren konnten, sein jüngster Jakob wurde 'nur' Gerber, erhielt aber anscheinend dafür als Erbe das Stadthaus in Tepl - so muß man sich jetzt verm. die Geschichte zusammenreimen.

Grüße
Susanne.
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  #18  
Alt 25.04.2020, 10:28
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Hallo Christian,

ich habe nochmals nach einer Familie in und um Koblenz geschaut. Es müßte ja eine wohlhabende und angesehene Familie gewesen sein, die einen Sohn auf die Universität nach Wien schicken und aus deren Reihen jemand in den Adelsstand erhoben werden konnte. Ganz interessant ist diese, auch wenn es mit Sebastians vermeintlichem Geburtsjahr um 1545 etwas knapp wird:

Christoph Brandt, + vor Feb. 1601, Stadtschreiber in Boppard, 1563 Notar/Gerichtssekretär am trierischen Hofgericht, seit 1574 Schultheiß in Koblenz, erwarb zwei Stadthäuser in Koblenz (1566: Am Plan 28, 1595: Im Entenpfuhl 1), oo Anna Rhodin, +~ 1611/12
Sohn:
Cuno Brandt, 14.8.1603 Generaleinnehmer von Koblenz, Schöffe in Koblenz, will 1612 seinen Eltern in der Koblenzer Liebfrauenkirche ein Epitaph setzen lassen, bis 1623/24 als Besitzer der beiden Stadthäuser erwähnt, oo Anna ?
Kinder:
Georg Brandt, * 15.6.1602 Liebfrauenkirche
Tochter Brandt, * 14.3.1608 Liebfrauenkirche
Sebastian Brandt, * 25.3.1610 Liebfrauenkirche, +~ 1671, 1645 als Bassenheimischer Vogt in Wallersheim (bei Koblenz) erwähnt, noch 1652-1671 als Besitzer der beiden Stadthäuser erwähnt, oo 1630 Catharina von Düsseldorf, +~1690 (die in ooII. Ferdinand Redig)

Christoph könnte der Vater des "böhmischen" Sebastians gewesen sein und Cuno nannte einen seiner Söhne nach seinem ältesten Bruder.

Es blieb vermutlich ein Siegel von Christoph erhalten:
https://www.archive.nrw.de/LAV_NRW/j...Id=792&suche=1
Wenn darauf 1-2 Löwen zu sehen sind, wären wir einen Schritt weiter.

Grüße
Susanne.
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  #19  
Alt 25.04.2020, 18:57
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Vielen Dank. Die Sache interessiert mich mittlerweile mehr und mehr. Ich habe jetzt mal an das Universitätsarchiv in Wien geschrieben und bin auf die Antwort gespannt.




Als kleine Ergänzungen noch:

Christoph Brandt wird bereits 1555 in dem Prozeß der Stadt Boppard gegen das Kloster Marienberg als am „kaiserlichen Kammergericht approbierter Notarius und der Stadt Boppard Secretarius“ genannt.(Quelle)

Desweiteren gibt es einen 1605 verstorbenen Kanoniker am St. Castorstift in Karden Christoph Brandt aus Boppard. Dieser besuchte von 1574 bis 1579 das Kollegium Germanikum hungaricum in Rom. Von ihm hat sich scheinbar auch noch eine Grabplatte in Karden erhalten.
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Gruß Christian
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  #20  
Alt 05.05.2020, 12:51
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Hallo zusammen,

hier noch mal eine kleine Aktualisierung:
Für Sebastian Brand von Brandenfels ließ sich nach Auskunft des Universitätsarchivs Wien leider kein Studium oder ein erworbener Abschluss an der Universität Wien nachweisen.
__________________
Gruß Christian
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