#1  
Alt 01.01.2015, 21:03
Juergen Juergen ist offline
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Standard Leni RIEFENSTAHL, Regisseurin

Hallo allerseits,

Zufällig gelesen:

Leni RIEFENSTAHL Kitzbühel, Tirol Haus Seebichl 1944:

Antwortschreiben (wohl) des Reichs-Sippenamt: Betreff: Geburt und Heirat SCHERLACH SCHEFFLER aus dem Kreis Turek.

Klick --> http://szukajwarchiwach.pl/53/801/0/...w7qdtMLO7J5VwQ

Die Eheschließung zwischen 1860-1870 wurde demnach nicht gefunden.
Das dürfte das Antwortschreiben an die bekannte Nazi-Regisseurin Leni Riefenstahl sein.

Waren das Ihre eigenen Vorfahren?

Update: gerade gefunden:
"... Ihr Vater, ein gelernter Zimmermann, später Installateur, war Alfred Riefenstahl, ihre Mutter Bertha Ida Riefenstahl, geborene Scherlach."

Leni Riefenstahl:
Quelle: --> http://de.wikipedia.org/wiki/Leni_Riefenstahl
------------------------------------------------------------------------
Ergänzung:
Heirat Berlin: 5. April 1902 StA. VII b
Braut: Bertha Ida Scherlach, evangelisch, geb. 9. Oktober 1880 in Włocławek (Leslau) Gouvernment Warschau.
Eltern: der Zimmermann Karl SCHERLACH und die Henriette SCHEFLER, wohnhaft in Berlin.
Bräutigam: Alfred Theodor Paul Riefenstahl, geb. 30. Oktober 1878 in Berlin.
-------------------------------------------------------------------------

Ein Bruder Georg Paul August Scherlach (Dissident), der Bertha Ida Scherlach verheiratete Riefenstahl wurde 1878 scheinbar in Thorn Stadtkreis geboren, während dessen Eltern 1911 in Włocławek Russland verstorben waren. Quelle: Sterberegister 1911 StA. Berlin IV b.

Eine Schwester: Martha Wilhelmine Scherlach geboren am 14. Juli 1869 in Leibitsch (poln. Lubicz): Leibisch Kreis Thorn.

Wer weiß, ob die Frau Leni RIEFENSTAHL mit Ihrer Anfrage an das Reichs-Sippenamt, in Bezug auf die von Ihr vermuteten Heirat SCHERLACH oo SCHEFFLER bzw. Geburt im Kreis Turek überhaupt richtig lag.

Gruß Juergen

Geändert von Juergen (01.01.2015 um 22:05 Uhr)
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  #2  
Alt 02.01.2015, 17:59
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Hei Jürgen,

interessant, was du da ausgegraben hast!

Zitat:
Zitat von Juergen Beitrag anzeigen
Wer weiß, ob die Frau Leni RIEFENSTAHL mit Ihrer Anfrage an das Reichs-Sippenamt, in Bezug auf die von Ihr vermuteten Heirat SCHERLACH oo SCHEFFLER bzw. Geburt im Kreis Turek überhaupt richtig lag.
Nun ja, warum nicht? Von Włocławek nach Turek sind es nur gute 90 Kilometer, von Lubicz circa 140 Kilometer. Das war auch damals eine überwindbare Strecke.

Liebe Grüße, Tina
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  #3  
Alt 02.01.2015, 19:16
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Hallo Tina,

Zitat:
Von Włocławek nach Turek sind es nur gute 90 Kilometer, von Lubicz circa 140 Kilometer. Das war auch damals eine überwindbare Strecke.
Stimmt.

Inzwischen habe ich gelesen, dass der Grossvater der Leni Riefenstahl
mütterlicherseits, Karl Ludwig Ferdinand Scherlach, ein aus Westpreußen stammender Zimmermann
war. (Der FN SCHERLACH so geschrieben sehr selten)

Ist also schon erforscht worden. Ob die Trauung SCHERLACH oo SCHEFFLER
inzwischen gefunden wurde, weiß ich nicht.

--> https://books.google.de/books?id=Ql_...erlach&f=false

Im Traueintrag wird die Großmutter mit Henrietta SCHEFLER angeben, also nicht Ottilie SCHEFLER.

Dass Leni Riefenstahl, diese Anfrage 1944 an das Sippenamt stellte,
könnte mit Ihrer Heirat im Jahr 1944 zusammenhängen.

Zitat: Dieter Wunderlich:
"21. März 1944: Leni Riefenstahl und Peter Jacob heiraten in Kitzbühel."
--> http://www.dieterwunderlich.de/Leni-Riefenstahl.htm

Einen "großen Arier-Nachweis" brauchte Sie sicher von Amts wegen nicht.
Vielleicht interessierte es Sie rein privat.

Historisch ganz interessant, auch die andere Korrespondenz,
anderer Anfragen an das Sippenamt. (Betrifft nur die Ostgebiete im heutigen Polen)

--> http://szukajwarchiwach.pl/53/801/0/6/56/#tabSkany
--> http://szukajwarchiwach.pl/53/801/0/6/56#tabSkany

Viele Grüße
Juergen

Geändert von Juergen (02.01.2015 um 19:34 Uhr)
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  #4  
Alt 02.01.2015, 21:20
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Hallo Jürgen,

Trimborn gibt in seiner Monographie an, daß die Ottilie (vielleicht hieß sie Henriette Ottilie?) aus Ostpreußen stammte. Der Karl Scherlach war ja Zimmermann, vielleicht hatte er seine Zukünftige auf der Walz in OPR kennengelernt. Somit könnten seine eigenen Vorfahren zwar aus dem Raum Turek stammen, die seiner Frau allerdings aus Ostpreußen - wo vielleicht auch die Heirat stattfand... dann hätte die Leni in der Tat am falschen Ort gesucht.
Ich stöber mal noch ein bischen.

Liebe Grüße, Tina
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  #5  
Alt 03.01.2015, 18:11
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So, das war jetzt richtig spannend. Leni brauchte tatsächlich einen "Ariernachweis", da ab 1933 nur noch "Arier" in der Filmindustrie beschäftigt werden durften. Sie schaffte es allerdings nicht, ihre Ahnen lückenlos nachzuweisen, da ihre Großmutter unehelich war. Das Gerücht einer jüdischen Abstammung hielt sich hartnäckig. Interessant auch die Auflösung der Verwirrung um die "Ottilie". Siehe hier:

http://www.amazon.com/Leni-The-Life-...on/0307387755:
While some of the rumors were almost certainly inspired by Goebbels or others jealous of her position and privileges in the 1930s, not all of them were. Some of Leni’s closest friends and colleagues, including Dr. Arnold Fanck, the film director credited with Leni’s discovery, believed that Bertha was Jewish. As Leni’s onetime mentor and lover—and later a Nazi Party member—Fanck’s objectivity and veracity are not beyond challenge. Less equivocal is the testimony of art director Isabella Ploberger, who worked and lived with Leni and Bertha during World War II and took for granted that Bertha—“a lovely person, a fine person”—was Jewish. Ploberger believed that Goebbels knew, which accounted for his animosity.

There are documents, to be sure. Chief among them is Leni’s “Proof of Descent” (“Abstammungs-Nachweis”), the genealogical record of ancestry she prepared and submitted to the Reich’s film office in 1933 to validate Aryan descent, necessary to work in the German film industry. This document has long been available but never fully scrutinized, not even by the Nazis for whom it was prepared. Bertha is inscribed there as the child of the carpenter Karl Ludwig Friedrich Scherlach (born 1842) and Ottilie Auguste Scherlach (née Boia), born out of wedlock on January 24, 1863, to Friederika Boia and an unknown father. Though Ottilie Boia and Karl Scherlach are said to have married in the Silesian town of Woldenburg (Dobiegniew in modern Poland), no record of the marriage is known to exist, and their union may have been by common law. But what has gone unnoticed and unremarked is that Ottilie Boia could not possibly have been Bertha’s mother. Born in 1863, she could not have given birth to seventeen children before delivering Bertha in 1880. Ottilie was almost certainly the nanny that Leni’s carpenter grandfather married after his first wife died in delivering Bertha, the birth mother who became a nonperson in the genealogy Leni tendered to the Third Reich. As for Ottilie, she lived out her days as Bertha’s stepmother and Leni’s stepgrandmother in a modest flat in Charlottenburg, the comfortable Berlin suburb where the adolescent Leni ran to her for strudel and sympathy when Alfred Riefenstahl’s strict discipline became intolerable.


Viele Grüße, Tina
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  #6  
Alt 04.01.2015, 19:41
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Tina,

also brauchte Leni RIEFENSTAHL wirklich schon seit 1933 einen Arier-Nachweis bzw. Abstammungs-Nachweis,
um in der Filmindustrie des Nazi-Regimes arbeiten zu dürfen.
Wusste ich nicht. Dass viele jüdische Schauspieler und Regisseure nicht mehr im DR ab ca. 1933 in der Film-Industrie arbeiten
durften wusste ich schon.

Meine Englisch-Kenntnisse sind eher nicht vorhanden.

Google-translate half mir nur bedingt.

Jedenfalls wurde das Gerücht von Neidern gestreut sie hätte mütterlicherseits jüdische Vorfahren.

Der Rest bleibt mir etwas unklar.

Alle "Geschwister" der Bertha RIEFENSTAHL geborene SCHERLACH nennen wie gesagt
als Mutter Henriette SCHERLACH geborene SCHEFFLER.
Scheinbar Wusste Sie damals selbst nicht, dass Ihre Oma eigentlich Ottilie Auguste Scherlach hieß?
Oder es war das Gerücht das die Ottilie Auguste SCHERLACH die leibliche jüdische Oma der Leni sei.

In dem Schreiben 1944? an das Sippenamt sucht Sie selbst die Geburt ca. 1840 der Henriette SCHEFFLER, verheiratete SCHERLACH.
Ihre Oma hieß aber tatsächlich Ottilie Auguste Scherlach geborene Boia?

Zitat:
...Ottilie was almost certainly the nanny that Leni’s carpenter grandfather married after his first wife died in delivering Bertha...
"... Ottilie war mit ziemlicher Sicherheit das Kindermädchen, die Lenis Großvater der Zimmermann heiratete nach seiner ersten Frau, welche starb bei der Geburt von Bertha."

Dann hieß Ihre leibliche verstorbene Oma doch gar nicht Ottilie Auguste Scherlach geborene Boia,
sondern eben Henriette SCHERLACH geborene SCHEFLER.

Heirat Berlin: 5. April 1902 StA. VII b
Braut: Bertha Ida Scherlach, evangelisch, geb. 9. Oktober 1880 in Włocławek (Leslau) Gouvernment Warschau.
Eltern: der Zimmermann Karl SCHERLACH und die Henriette SCHEFLER, beide wohnhaft in Berlin (Henriette aber wohl verstorben in Włocławek, steht hier nicht)
Bräutigam: Alfred Theodor Paul Riefenstahl, Handlungsgehilfe, geb. 30. Oktober 1878 in Berlin.

Den FN BOIA gibt es sehr selten.

Update: Die 2. Ehefrau des Zimmermann Karl SCHERLACH hieß wohl tatsächlich Ottilie SCHERLACH geborene BOYA.
Das geht aus dem Sterbeeintrag 1917 StA. Berlin Charlottenburg I für den verstorbenen Kaufmann Otto SCHERLACH hervor.
geboren in Włocławek, 24 Jahre alt, also geb. ca. 1893. (Allerdings war der Karl SCHERLACH 1893 bereits ca. 53 Jahre alt).
Eltern: der Zimmermann Karl SCHERLACH und die Ottilie geborene BOYA, wohnhaft in Carlottenburg Küstriner Strasse 9.
Angezeigt durch die unverheiratete Toni ? SCHERLACH.

Jetzt ist mir der Sachverhalt klar. Ottilie SCHERLACH geborene BOYA, war sicher nicht die "leibliche" Oma der Leni RIEFENSTAHL.

Viele Grüße
Juergen

Geändert von Juergen (04.01.2015 um 21:11 Uhr)
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  #7  
Alt 04.01.2015, 22:01
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Hallo Jürgen,

genau! Man nahm wohl allgemein an, daß die Ottilie die Mutter der Bertha war, tatsächlich war deren Mutter aber die Henriette. Nach dieser Hochzeit hatte die Leni vergeblich suchen lassen; vielleicht wollte sie es (wie du schon vermutest hast) einfach selbst wissen, oder sie wurde vielleicht gedrängt.

Der FN Scheffler klingt ja zunächst einmal ziemlich "deutsch", es gab aber auch definitiv mosaische Träger dieses Namens. In Bln. Frd.hain/ Krzbg. z.B. gibt es einen Stolperstein für ein jüdisches Ehepaar Scheffler, das 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde

Was für eine Zeit! Wir können froh sein, daß wir uns heute nur aus Interesse mit Ahnenforschung beschäftigen und nicht, weil es um Leben und Tod geht.

Nachdenkliche Grüße, Tina
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