#1  
Alt 24.04.2010, 11:34
Lacplesis Lacplesis ist offline männlich
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Mein erstes Posting hier und gleich eine Bitte um Hilfe

Ich erschließe z.Z. einen Bestand an Briefen, die an die russische Gräfin BOUTENEV, Ekaterina Konstantinovna (1878-1966) gerichtet sind.

Darunter befinden sich einige Briefe von einer Frau Marie Grossmann (geb. Fischer), Frauenstr. 21/2, Zittau, zu denen ich einige Fragen habe.

Hier die Passagen um die es geht:

Zitat:
Brief vom Mai 1906
Japan ist ja ein so interessantes Land. Meine Cousine Brockdorff erzählte oft von ihrem Aufenthalt dort. Sie verlebte einige Zeit mit den Kindern in Kobe - als damals die grossen Unruhen in China waren.
Zitat:
Brief vom Februar 1908
Im Herbst kehrt mein Vetter & meine Cousine Brockdorff ganz aus China nach Deutschland zurück, worüber wir uns sehr freuen! Es sind doch unsere nächsten Verwandten und stehen sie uns ganz besonders nahe!
Sowie ein Brief von Marie Gräfin Brockdorff an die Gräfin Boutenev:

Zitat:
Leipzig, den 26ten August 14.
Kaiser Wilhelmstrasse 19

Sehr geehrte gnädige Frau,
Gestatten Sie, dass ich – eine Nichte des Ihnen bekannten Herrn Ferdinand Fischer – mich mit einer Bitte an Sie wende. Könnten Sie mir vielleicht Auskunft geben, ob meine Cousine Marie Grossmann geb. Fischer mit ihren Kindern noch unter dem gütigen Schutz Ihres Herrn Vaters in Szczorse weilt? Wir sind seit dem 22ten Juli - an diesem Tag schrieb sie noch glückselig über den schönen lieben Aufenthalt in Szczorse – ohne jede Nachricht von ihr. Wir wissen ja genau, dass solange sie der Gast Ihres von uns allen hochverehrten Herrn Vaters ist, ihr und den Kindern kein Leid geschehen kann. Aber falls sie, als dieser schreckliche Krieg ausbrach, sich eiligst auf den Heimweg machte, und die Grenze nicht mehr erreichte, könnte sie in grosse Schwierigkeiten geraten sein. Von ganzem Herzen würde ich Ihnen, gnädigste Frau, dankbar sein, wenn Sie mir eine aufklärende Zeile zukommen liessen. Ich kenne Sie verehrte gnädige Frau aus Bildern und Erzählungen so genau, dass ich sicher bin, nicht vergebens zu bitten, wenn es irgend in Ihrer Macht liegt uns zu beruhigen. Ihre sehr ergebene
Marie von Brockdorff
Es ist mir bis jetzt nicht gelungen folgende Fragen zu beantworten und würde mich sehr über Hilfe freuen:

1. Wer war der Ehemann von Marie Gräfin Brockdorff?
2. In welcher Eigenschaft befand dieser in China?
3. Wer war der erwähnte Ferdinand Fischer?
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  #2  
Alt 24.04.2010, 15:20
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Johannes v.W. Johannes v.W. ist offline männlich
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Stöbern bei google-books:

The North-China Herald and Supreme Court & Consular Gazette, vol. 79, May 4 1906 (= ausländische Zeitung in Nordchina)
Chinkiang- Personalia: "Mr. Rémusat succeeds Mr. von Brockdorff in the indoor staff of the Custom House"

China, Imperial Maritime Customs, Service List, Shanghai 1908, S.9 (= offizielle Dienstliste des Zollamts)
1907-1908 Chief Assistance:
(u.a.) H.J. von Brockdorff * (* = had retired and rejoined), Nationality: German; Date of first Appointment (in China): 1877; Station: Kiaochow

Zuerst war Brockdorff bis 1906 im "Innendienst" (indoor staff) des Zollamts von Chinkiang (heute: Zhenjiang am Yangtze, nahe Shanghai) tätig. Dann wird er 1907/08 als zurückgetreten und wiedereingestellt (retired and rejoined) bezeichnet, diesmal als Chefassistent des Kaiserlichen Seezollamts in Kiaochow-Kiautschou. Dieses Gebiet war eine der größeren deutschen Kolonial-Konzessionen in China mit der Hauptstadt Tsingtao (Qingdao). Die Stationen und Zeitabschnitte inkl. Pausierung scheinen sich mit den Informationen in den Briefen zu decken, zusammenfassend handelt es sich um:

H.J. von Brockdorff, im Dienst des Kaiserlich Chinesischen Seezollamts 1877-1908, zuletzt Chefassistent, Stationen: u.a. Chinkiang, Kiaochow.

Er wurde übrigens nicht als "Count" sondern als "Mr. von" bezeichnet, gehörte somit wohl zur freiherrlichen Linie, offiziell als Freiherr von / Herr von Brockdorff bezeichnet, im privaten Bereich als Baron Brockdorff. Die weiteren familiären Zusammenhänge müßte sich man im Genealogischen Handbuch des Adels erschließen.

Viele Grüße
Johannes
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Geändert von Johannes v.W. (24.04.2010 um 15:26 Uhr)
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  #3  
Alt 24.04.2010, 15:47
Lacplesis Lacplesis ist offline männlich
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Vielen Dank für die Hilfe. Das wird er schon sein.

Ich bin von gräflich ausgegangen, weil seine Frau das so im Absender vermerkte (siehe Bild).
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg onu_055_02.jpg (54,3 KB, 17x aufgerufen)
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  #4  
Alt 24.04.2010, 17:07
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Zitat:
Zitat von Lacplesis Beitrag anzeigen
Ich bin von gräflich ausgegangen, weil seine Frau das so im Absender vermerkte (siehe Bild)
Dann wird das auch so hinkommen.
Vielleicht konnte der Mann im kaiserlichen China den Grafentitel nicht führen? Bzw. der wurde in den angegebenen Listen ausgespart...

Viele Grüße
Johannes
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  #5  
Alt 24.04.2010, 20:36
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Hina Hina ist offline weiblich
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Hallo Lacplesis,

Herzlich willkommen im Forum.

Na, das ist vielleicht eine harte Nuss. Das hat schon ein wenig was von der Nadel im Heuhaufen bei der riesigen Familie . Aber nichts ist unmöglich.

Hier die gewünschten Antworten:

1. Wer war der Ehemann von Marie Gräfin Brockdorff?
geb. v. Winkelmann, geb. 24.10.1859 oo
Graf Hugo Julius Albert v. Brockdorff (Fränkische, reichsgräfliche Linie 1706), geb. Rendsburg 27.2.1848,
Eltern: Graf Alexander Etienne Friedrich v. Brockdorff, geb. 6.8.1813, gest. Coburg 2.12.1889 und Luise Friederike Juliane v. Münchhausen, geb. Würzburg 25.7.1816, gest. Reichenhall 9.3.1868
Kinder:
1. Graf Cai Alexander Ulrich Eduard v. B., geb. Peking 24.3.1890
2. Graf Alexander v. B., geb. Ningpo 17.11.1894

Marie v. Winckelmann konnte ich noch nicht zuordnen.

2. In welcher Eigenschaft befand dieser in China?
Er war erst Zolldirektor, dann Leiter des Postamtes in Shanghai (1903).

3. Wer war der erwähnte Ferdinand Fischer?
Den finden wir vielleicht auch noch .

Viele Grüße
Hina
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  #6  
Alt 24.04.2010, 22:00
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Wow, vielen Dank! Eine Fülle an neuen Informationen.
Direktor des Postamtes in Shanghai! Das freut den Philatelisten in mir
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  #7  
Alt 24.04.2010, 23:37
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Ich habe noch eine kleine Korrektur eingebracht.
Marie geb. v. Winkelmann (nicht mit ck) und nicht sie wurde in Rendsburg geboren, sondern ihr Ehemann.
Viele Grüße
Hina
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  #8  
Alt 25.04.2010, 01:02
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Hallo Lacplesis,

eine Verbindung Reichsgrafen Brockdorff oo Fischer gibt es nicht. Somit müsste die Mutter von Marie Grossmann geb. Fischer eine v. Winkelmann sein oder gibt es in der Korrespondenz irgendwelche andere Hinweise?

Das vereinfacht die Sache nicht gerade. Bemerkenswert ist allerdings, dass die Stiefmutter von Hugo Julius Albert Graf Brockdorff eine Therese v. Winkelmann ist. Es ist anzunehmen, dass die beiden Damen (Therese und Marie) eng verwandt sind, vielleicht Tante und Nichte aber es ist immer noch nicht klar, wo die hingehören .

Viele Grüße
Hina
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  #9  
Alt 25.04.2010, 13:03
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Ich gebe hier mal die Briefe komplett wieder, die zu diesem Teil der Korrespondenz gehören:

Zitat:
Seite 1

Zittau
Frauenstr. 21/2
d. 22./4. Feb. 06

Meine liebe, liebe Katia,

Ich weiss nicht ob Sie meinen Brief vom 27. Juli erhalten haben, ich hoffe es aber - denn sonst müssten Sie mir meines langen Schweigens halber, zürnen. Ich schrieb Ihnen aus der Schweiz, wo wir diesen Sommer 4 Wochen verlebt hatten. Mit meinen Gedanken bin ich seit dem so viel bei Ihnnen und den lieben Ihrigen gewesen - und doch ist das neue Jahr gekommen und befinden wir uns schon lange in demselben - und erst jetzt komme ich dazu Ihnen zu schreiben, meine liebe Katia.

Seite 2

Hoffentlich haben Sie und die lieben Ihrigen das neue Jahr gesund begonnen! Nachträglich sende ich Ihnen meine herzlichsten Glückwünsche - möchte das begonnene Jahr Ihnen recht viele glückliche, frohe Tage bringen, Sie immer gesund bleiben, meine liebe Katia und möchten Sorgen aller Art Ihrem Haus fern bleiben. Welch' traurige Zeiten sind über Russland gekommen! Gott sei dank scheint es aber ruhiger zu zu werden! In den Zeitungen ist gewiss sehr vieles übertrieben worden, wie das immer zu sein pflegt! Hoffentlich waren Ihre verehrten Eltern nicht in Moscau wie es so unruhig dort zuging! Wie mag es auf den Gütern gewesen sein? Hat man dort unter den Unruhen zu leiden gehabt?
Und nun vor allen Dingen, wie geht es Ihnen meine liebe Katia? Haben Sie sich in Constantinopel ganz gut eingerichtet und fühlen

Seite 3

Sie sich dort heimisch? Wie geht es Mascha* sind die Kinder gesund und munter? Und wie geht es Ihrem Herrn Bruder? Ist er auch noch immer in Constantinopel? Und denkt er nicht auch an's heiraten? Ach, wie gerne möchte ich einmal wieder mit Ihnen plaudern, meine liebe Katia! Und wie gerne einmal ihre verehrten Eltern wiedersehen! Führt sie der Weg nicht einmal über Deutschland?
Gerne hätte ich Ihnen pünktlich zum Weihnachtsfest geschrieben - aber ich fühlte mich garnicht wohl, auch bin ich noch immer nicht ganz munter. Es muss eine Art Influenza sein an der ich leide. Bei uns ist das Wetter aber auch zu wechselnd. Einen Tag friert es - den nächsten Tag scheint die Sonne und am dritten Tag regent es. So war der ganze Winter bei uns - da kann man die Erkältung nicht los werden. Ich bin nur froh dass mein Mann und die Kinder gesund sind. Vor Weihnachten hatte Edith allerdings auch eine Mandel-Ent-

Seite 4

zündung, doch war sie zum Fest wieder ganz gesund. Sie würden erstaunt sein was für ein grosses Mädchen sie geworden ist. Wir freuen uns mit welchen Eifer sie in die Schule geht. Zu Ostern bekommt Sie auch französisch Unterreicht. Hans-Wolf hat noch Zeit - er kommt auch Ostern über's Jahr in die Schule. Er ist ein sehr munterer, lebhafter und zärtlicher Knabe. Die beiden Geschwister lieben sich sehr. Wir haben uns im Herbst (mein Mann, ich und die Kinder) photographieren lassen - würde Ihnen ein solches Bild Freude machen? Dann sende ich Ihnen eins! Ueber Ihr Bild mit Ihrem Herrn Verlobten damals habe ich mich so gefreut! Es sieht so lebenswahr und glücklich aus. Für heute ein herzliches Lebewohl meine liebe Katia! Von meinem Mann und mir an Sie und all' die lieben Ihrigen die herzlichsten Grüsse! Es umarmt Sie in herzlicher Liebe
Ihre treue
Marie Grossmann


* Maria Konstantinovna Trubetskaya (Katias Schwester)
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  #10  
Alt 25.04.2010, 13:04
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Zweiter Brief:

Zitat:
Seite 1

Zittau, 3/15 Mai 1906

Meine liebe, liebe Katia,

Heute Ihr Geburtstag! Wenn auch meine Glückwünsche zu demselben nicht pünktlich in Ihre Hände gelangen , meine liebe Katia, so sind sie nicht minder herzlich und aufrichtig gemeint. Der liebe Gott lasse Sie in ein recht glückliches und gesundes Lebensjahr eintreten und halte allen Kummer fern von Ihnen! - Für Ihren lieben Brief danke ich Ihnen herzlich!

Seite 2 (doppelseite)

Sie haben auch tarurige Zeiten hinter sich, meine liebe Katia! Da Ihre Frau Schwiegermutter aber so leiden und solche Schmerzen erdulden musste war der Tod eine Erlössung und wirkte dann auch auf die Hinterbliebenen versöhnender! Es bleibt aber immer ein grosser Schmerz den Sie und Ihr Herr Gemahl durchlebt haben! Denn nichts ersetzt nun die Elternliebe!
Ich habe auch vor einem Monat meinen Onkel verloren, den Bruder meines Vaters! Ich weiss nicht ob Sie ihn kennen gelernt haben! Papa hing mit grosser Liebe an ihm. Mir ist der Tod meines Onkels sehr nah gegangen - war er mir doch noch eine lebende Erinnerung an meinen geliebten Vater und ausserdem ein so guter, edler Mensch!
Hier geht es, Gott sei Dank, allen gut.Die Kinder entwickeln sich gut und wir freuen uns sehr dass Edith mit so viel Lust in die Schule geht. Nächste Ostern beginnt dann auch für Hans Wolf der Ernst des Lebens.
Ihr lieber Brief hat mich interessiert, meine liebe Katia. Ich freute mich sehr über all die Ihrigen etwas zu hören. Etwas einsam wird es Ihnen nun gewiss sein nachdem Ihre Schwester und Ihr Bruder nicht mehr in Constantinopel sind! Wird es Mascha

Seite 3

nicht etwas einsam auf dem Lande werden? Wie viele Kinder hat sie? Ihr Herr Bruder macht eine sehr interessante Reise und der Aufenthalt in Tokio wird gewiss sehr angenehm sein. Japan ist ja ein so interessantes Land. Meine Cousine Brockdorff erzählte oft von ihrem Aufenthalt dort. Sie verlebte einige Zeit mit den Kindern in Kobe - als damals die grossen Unruhen in China waren.
Wann werden wir uns einmal wiedersehen, meine liebe Katia? Kann Ihr Herr Gemahl nicht einmal nach Berlin versetzt werden? Oder unternehmen Sie wieder

Seite 4

einmal eine Reise die Sie über Deutschland führt? - Neulich erhielt ich einen Brief von Herrn Jurgenson. Er schreibt dass er vielleicht die landwirtschaftliche Ausstellung in Berlin besuchen wird. Dann erwähnte er auch dass Ihr Herr Vater eine Kur in Ems gebrauchen will! Wie würde ich mich freuen Ihre verehrten Eltern einmalwieder zu sehen. Kommen Sie nicht über Sachsen + Dresden? Gern würde ich hinfahren um sie zu begrüssen. Zittau liegt ja so ab von der grossen Linie dass wir nicht hoffen dürfen so lieben Besuch einmal bei uns begrüssen

Seite 5 (doppelseite)

zu können.

19/21 Mai 06

So lange ist mein Brief liegen geblieben, meine liebe Katia. Es gab viel zu thun in den letzten Tagen da mein Mann morgen nach 5 wöchentlicher Abwesenheit nach Hause zurückkommt. Er hatte ein Kommando nach Berlin. So angenehm die Abwechselung für ihn durch das leben in der Grossstadt war - so hat er doch schon grosse Sehnsucht nach uns und seinem Heim. Er ist am liebsten zu Hause bei den Kindern und bei mir. - Wir hatten jetzt sehr schönes Wetter immmer - aber zu wenig Regen - die Landwirte ersehnen welchen. Gehen Sie diesen Sommer fort von Konstantinopel? Nach Beshankovichy oder nach Szczorse? Oder nach Vassilievskoie zu Ihrer Schwester? - Haben Sie je wieder etwas von M'elle Leonie Jentzer gehört? Und wie geht es Ihrer Cousine der Prinzess Bariatinsky? Ich möchte so viel mit Ihnen plaudern meine liebe Katia - möchte so viel von Ihrem Leben hören! Wie Sie den ganzen Tag zubringen usw - usw. Vielleicht ist das Schicksal günstig und gibt uns einmal ein Wiedersehen - trotz

Seite 6

der grossen Entfernung die uns jetzt trennt.
Für heute ein herzliches Lebewohl, meine liebe Katia! Bitte grüssen Sie Ihre Eltern wenn Sie schreiben & wie glücklich ich wäre sie einmal wiederzusehen.
Nochmals alles Gute für das neue Lebensjahr!
Ihnen und Ihrem Herrn auch meine innigste Teilnahme bei dem unersetzlichen Verlust den Sie jetzt erlitten haben. - Edith lässt die liebe Tante Küssen! Es umarmt Sie, meine liebste Katia in treuer Liebe
immer Ihre
Marie Grossmann
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