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  #1  
Alt 13.04.2019, 00:24
Benutzerbild von callmesunny
callmesunny callmesunny ist offline weiblich
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Standard Siamesische Zwillinge Retz

Quelle bzw. Art des Textes: Sterbebuch http://data.matricula-online.eu/de/o...C3-02/?pg=1057
Jahr, aus dem der Text stammt: 1676
Ort und Gegend der Text-Herkunft: Höflein (Kleinhöflein), Retz, Niederösterreich
Namen um die es sich handeln sollte: Sophia Wienerin


Hi ihr Lieben,

ich hab hier etwas Interessantes in der Pfarre Retz gefunden, den Sterbeeintrag einer Mutter siamesischer Zwillinge, die durch einen Kaiserschnitt verstorben ist. Ums Schicksal der Zwillinge stand es vermutlich nicht anders.

Also ich lese Folgendes:
9. Oktober 1676, Pfarre Retz
Ist gestorben in Kinds Nöthen, Sophia Wienerin. Ist daß Kind von ihr geschnitten worden, hate zweÿ Köpf und war ein Knäbl. Haben ??? Gesichter gehabt. Der Murder ihr Alter war 36 Jahr, der Vatter heist Veit Wiener zu Höfflein.

Liest das jemand genauso wie ich, oder hat Verbesserungsvorschläge?
Und was war denn nun mit den Gesichtern der Zwillinge, dieses eine Wort davor kann ich einfach nicht entziffern. Hatten sie "schene" Gesichter?!

Ich bedanke mich im Voraus und freue mich auf anregende Diskussionen!
Sunny

Geändert von callmesunny (13.04.2019 um 00:25 Uhr)
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  #2  
Alt 13.04.2019, 08:28
Verano Verano ist offline
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Hallo,


ich denke der Fleck nach haben gehört nicht dazu. Dann lese ich "schene" gesichter gehabt.
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Viele Grüße August

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  #3  
Alt 13.04.2019, 08:47
Verano Verano ist offline
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Hallo Sunny,


da hast du aber ein ganz seltenes medizinisch, historisches Dokument erhalten.
Es war dem Pfarrer in dieser von Aberglauben geprägten Zeit sicher wichtig, dies über die Gesichter zu schreiben.


Ich glaube, ich muss mich korrigieren, da ist ein Beinchen zuviel, deshalb wohl „scheme“ .
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Viele Grüße August

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Geändert von Verano (13.04.2019 um 08:57 Uhr)
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  #4  
Alt 13.04.2019, 09:12
Verano Verano ist offline
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Im Sinn wohl undeutliche (Schatten, Spuk- seelenlose?) Gesichter, oder wie interpretiert ihr das:


https://books.google.de/books?hl=de&...olume&q=scheme


https://books.google.de/books?hl=de&...olume&q=scheme

https://de.wikipedia.org/wiki/Schemen
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  #5  
Alt 13.04.2019, 12:47
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callmesunny callmesunny ist offline weiblich
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Hallo August, vielen Dank für deinen Input! Es sieht tatsächlich aus wie "scheme". Dass sie einfach eher unkenntlich "schemenhaft" waren? Ich finde, das geht auch aus der Abbildung des Pfarrers hervor, gerade deutlich wurden sie nicht gezeichnet, ein einfaches "Punkt-Punkt-Strich-Strich-Fertig-Ist-Das-Mondgesicht" ist das nicht, wenn ihr mich fragt
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  #6  
Alt 13.04.2019, 14:24
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Hallo,

zunächst mal: ich kann kein österreichisch.
Aber mir fällt auf, dass der Pfarrer nicht von siamesischen Zwillingen spricht, sondern von "einem Knäbl". Und er zeichnet auch m. E. ganz deutlich nur ein Herz ein.
Das sieht m. E. so aus, dass er eher von einem Knaben mit zwei Köpfen (= Gesichtern) spricht.

Es würde vielleicht weiterhelfen, wenn man den österreichischen Text wirklich mal so schreiben könnte wie er da steht.

LG Pitka
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  #7  
Alt 13.04.2019, 15:34
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Hallo Pitka,

das ist nicht unbedingt österreichisch, sondern einfach nur sehr altes Deutsch mit etwas Dialekt.
Ja, von siamesischen Zwillingen schreibt er nicht, aber ein Kind mit 2 Köpfen sind eindeutig eineiige Zwillinge, die sich in einem sehr frühen Stadium nicht komplett geteilt haben. Und diese Kinder werden im allgemeinen als siamesische Zwillinge bezeichnet. Egal, wie weit die einzelne Entwicklung fortgeschritten ist, bzw wie viel Körper gemeinsam genutzt wird.
Hier waren es Knaben.

Über diese beiden (oder hier)habe ich mal eine sehr interresante Reportage gesehen. Bemerkenswert, wie sie ihr Leben meistern! Und zwar jede für sich!
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Viele Grüße .................................. .
Christine
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Wer sich das Alte noch einmal vor Augen führt, um das Neue zu erkennen, der kann anderen ein Lehrer sein.
(Konfuzius)

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  #8  
Alt 13.04.2019, 15:59
Verano Verano ist offline
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Hier noch etwas zu scheme(n)


http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...ref=14,2536,47


Unter 3)
schemen, als ein wesenloses, ein scheindasein führendes, dem wirklich seienden, kräftig lebenden gegenüber gestellt, von einer mehr sinnlichen vorstellung eines abbildes ausgehend ...

4)
schattenhaftes spukbild, gespenstische erscheinung, schattenbild eines verstorbenen; von 3 her überleitend: was ein eitel ding, schemen, oder gespenst ist.
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Viele Grüße August

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  #9  
Alt 13.04.2019, 16:31
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Danke Xtine für Deine Erklärungen. Das ist wirklich ein superinteressantes Thema.

LG Pitka
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  #10  
Alt 13.04.2019, 18:00
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callmesunny callmesunny ist offline weiblich
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Zitat:
Zitat von Verano Beitrag anzeigen
Hier noch etwas zu scheme(n)


http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...ref=14,2536,47


Unter 3)
schemen, als ein wesenloses, ein scheindasein führendes, dem wirklich seienden, kräftig lebenden gegenüber gestellt, von einer mehr sinnlichen vorstellung eines abbildes ausgehend ...

4)
schattenhaftes spukbild, gespenstische erscheinung, schattenbild eines verstorbenen; von 3 her überleitend: was ein eitel ding, schemen, oder gespenst ist.
Danke für den Verweis! Dieses Wörterbuch kannte ich noch gar nicht, werde mir gleich ein Lesezeichen setzen, äußerst hilfreich!

Ja, so verstehe ich das auch, ist es mir am Schlüssigsten. Ich vermute, der Pfarrer wollte damit vielleicht verdeutlichen, dass die Kinder eventuell tot geboren wurden, oder eben bereits im Mutterleib zuvor verstorben waren, als man die Mutter operierte.
Er erwähnte ja vorab nur den Tod der Mutter, wollte aber dennoch auch darauf hinweisen, dass die Kinder auch nicht am Leben waren. Wären sie nach der Geburt gestorben, hätte er eventuell eher geschrieben "Das Kind ist auch gestorben", also sinngemäß. Denke ich, wisst ihr, wie ich meine?

Eine furchtbare Vorstellung, wie sich das alles zugetragen haben muss, aber es war nun einmal so, wie es war, und ich bin froh, dass der Pfarrer dies für die Nachwelt dokumentiert hat.

Und was mich auch positiv überrascht ist, dass er die Zwillinge nicht mit einem "Monstrum" oder sonst etwas Abschätzigem gleichsetzt, wie es damals doch durchaus üblich war.
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